Sieben Rotlichtverstöße in vier Minuten

Oh je, der Berliner Kurier macht Jagd auf die so genannten Kampfradler: KURIER erwischt Kamikaze-Radler

Und das klingt ja erst einmal ganz eindrucksvoll:

Sieben Rotlicht-Verstöße in vier Minuten: Das war der absolute Negativ-Rekord beim großen KURIER-Radfahr-Test. Kein Wunder, dass die Politik nun Videojagd auf Rad-Rambos und Kamikaze-Biker machen will.

Das Problem ist nur — schon der nächste Satz stimmt nicht mehr und weiter braucht man gar nicht mehr lesen:

Wenn Autos und Fußgänger brav stoppen, ist für Berlins Radler noch lange nicht Schluss.

Hätte man Zeit und Lust, die Rotlichtverstöße von Radfahrern und Fußgängern aufzunehmen, käme man gerade in Berlin sicherlich auf viel höhere Werte. Und wenn zusätzlich Berücksichtigung findet, dass Autofahrer bei gelber Ampel gerne Gas- und Bremspedal verwechseln, sieht die Bilanz womöglich noch schlechter aus. Aber das wäre langweilig — und freilich ist es was anderes, kurz noch über eine rote Ampel zu fahren oder mit dem Fahrrad den Weg mitten durch den Querverkehr zu nehmen.

Nur leider sieht man von den Verstößen der Radfahrer in der Regel nichts. Die dazugehörige Fotostrecke zeigt zu empörten Bildbeschreibungen relativ entspannte Situationen und die Rotlichtverstöße, sofern denn die Radfahrer nicht noch bei grünem Licht in die Kreuzung eingefahren sind, bleiben zwar tatsächlich Rotlichtverstöße, sind aber in Wirklichkeit nur halb so drastisch, wie der Kurier behauptet: meistens fahren die Radfahrer auf ihrem Radfahrstreifen an den Autos vorbei, ohne dass es Konfliktflächen gäbe.

Soll heißen: man könnte tatsächlich einmal die Verstöße der Radfahrer dokumentieren. Aber der Kurier beschränkt sich leider auf populistische Stimmungsmache innerhalb der Kampfradler-Debatte.

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