Sehr konsequent: Helmpflicht am Kemnader See im Gespräch

Der Kemnader See in direkter Nachbarschaft Bochums wird nicht nur am Wochenende stark frequentiert. Dort tummeln sich unter anderem Radfahrer, Fußgänger und Inline-Skater auf einem Rundkurs um den See, mittlerweile zum Teil auf drei voneinander getrennten Wegen, teilweise aber, insbesondere dort, wo der Platz knapp ist, gemeinsam auf beendeten Verhältnissen.

Das mit der Trennung der drei Fortbewegungsarten klappt natürlich nur so mittelgut, denn die Radfahrer wollen manchmal viel lieber auf dem Gehweg fahren, weil da die Aussicht besser ist und die Inline-Skater auf dem Radweg, weil da der Boden besser ist und die Fußgänger gehen mal hier und mal da und mal dort.

Nach einem Unfall zwischen einer Radfahrerin und einer Inline-Skaterin ist nun eine Helmpflicht für beide Fortbewegungsarten im Gespräch, weil nämlich beide Unfallopfer keinen Sturzhelm trugen. Und nicht nur das: Offenbar ereignete sich der Unfall, obwohl just an dieser Stelle ein Schild zu gegenseitiger Rücksichtnahme aufrief.

Nein, es brach nicht die obligatorische und bundesweit geführte Helmpflicht-Debatte los, aber weil es sich bei der Freizeit-Strecke um den See um Privatgrund handelt, malt sich Wilfried Perner, Geschäftsführer des Freizeitzentrums Kemnade, gute Chancen aus, eine lokal begrenzte Helmpflicht etablieren zu können: Wegen Unfallgefahr – Freizeitzentrum Kemnade erwägt Helmpflicht für Skater und Radler

Nach einem Unfall zwischen einer Inlineskaterin und einer Fahrradfahrerin wird im Freizeitzentrum Kemnade über eine Neuregelung nachgedacht: Eine Helmpflicht soll eingeführt werden. Ob das rechtlich jedoch überhaupt möglich ist, muss zunächst noch geprüft werden.

Besonders wichtig ist der letzte Satz: Nichts genaues weiß man nicht. Das weiß auch der Geschäftsführer des Freizeitzentrums:

„Rein rechtlich müsste das Einführen der Helmpflicht auf dem Gelände doch möglich sein,“ so Perner zu unserer Zeitung. Allein bleibt ein Problem: Wer soll die Kontrolle übernehmen? „Wir lassen aber in jedem Fall prüfen, ob wir das machen dürfen.“

Natürlich kann man sowas machen. Er könnte in seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die Besucher beim Betreten des Geländes akzeptieren müssen, einen entsprechenden Passus aufnehmen. Renitente Besucher könnten bei Zuwiderhandlungen des Geländes verwiesen werden. Irgendwelche Bußgelder oder Vertragsstrafen einzufordern dürfte allerdings komplizierter werden. Interessant ist allerdings, dass offenbar tatsächlich nur dieser einzige Unfall die Diskussionsgrundlage für die Helmpflicht-Diskussion bildet. Ob sich auf dem Freizeitgelände in der Vergangenheit mehrere Unfälle ereigneten, geht zumindest aus den Presseberichten nicht hervor.

Und auch, wenn die Argumentation mit dem Fußgängerhelm immer so furchtbar blöde daherkommt und meistens keine Diskussion über Helmpflichten so richtig voranbringt: Ist dort auf dem Freizeitkurs tatsächlich eine latente Unfallgefahr allgegenwärtig, so wären auch Fußgänger davon betroffen, obschon sie eigentlich gar kein in ihrer Fortbewegungsart begründetes höheres Risiko eingehen. Will man eine Helmpflicht einführen, weil es bei Radfahrern und Inline-Skatern so gefährlich wäre und sie dauernd miteinander zusammenstießen, müsste man ja auch Fußgänger vor Kopfverletzungen schützen, die sich schließlich an vielen Stellen mitten zwischen Radfahrern und Inline-Skatern bewegen, wo sich die Gäste gegenseitig über den Haufen fahren lassen könnten. Das ist ja, wenn man den Ausführungen der Presse glauben will, auf dem so genannten „Hochgeschwindigkeitskurs“ rund um den Kemnader See noch eine andere Hausnummer als die Teilnahme am relativ geordneten Straßenverkehr.

9 Gedanken zu „Sehr konsequent: Helmpflicht am Kemnader See im Gespräch“

  1. So wahnsinnig privat sind die Wege da übrigens auch nicht. Zwar werden sie von der Freizeitzentrum Kemnade GmbH betrieben, die ist aber so wir ich das sehe vollständig im Besitz der umliegenden Städte und Kreise. Hat vermutlich rechtlich keine Relevanz, aber die Geschichte erinnert mich etwas an das Urteil, welches dem Frankfurter Flughafen verbot Demonstrationen nicht zuzulassen, da er sich im Besitz der öffentlichen Hand befindet.

  2. Selbstverständlich kann der Geschäftsführer des Freizeitzentrums Kemnade, Wilfried Perner über eine Helmpflicht auf dem Privatgelände des Freizeitzentrums ebenso nachdenken, wie über eine Hüftprotektoren-Pflicht für Senioren. In wie weit dies mit dem Ziel der Gesellschaft „Durch die Bereitstellung von Einrichtungen verschiedener Art sollen Turnen, Spiel und Sport auf breiter Ebene gefördert werden.“ vereinbar ist, sei dahingestellt.
    Kritik zu äußern ist übrigens ebenfalls erlaubt:.

    Freizeitzentrum Kemnade GmbH
    Geschäftsstelle Luhns Mühle
    Querenburger Strasse 29
    58455 Witten
    E-mail: perner@kemnadersee.de
    Telefon: 02302-20 12 0
    Telefax: 02302-20 12 12

  3. Dies mag ja über das Geländer einer Städtekooperationfirma führen. Die Wege dort sind aber Teil des öffentlichen Radwegenetzes im Ruhrtal. Wenn sich hier die Freizeitzentrum Kemnade GmbH durchsetzen sollte, hieße dies eine Mitführpflicht für Radhelme auf Routen, die über das Geländer der öffentlichen Firma Freizeitzentrum Kemnade GmbH führen. Hier muss klar sein: Dies sind öffentliche Fuß-, Rad- und Skaterwege, die den allgemeinen Verkehrsregeln unterliegen. Dieser Wege um den Stausee sind sicherlich nicht die einzigen, eigentlich öffentlich nutzbaren Wege, die Ins Radwegenetz der Städte eingebunden sind und auf dem Grund privatrechtlicher Firmen (event. in städt./staatl. Besitz) sich befinden und wo die Grundstückseigner eigene Regeln festsetzen wollen. Dies würde nicht nur auf Routen durchs Ruhrtal zur Mitführpflicht für Radhelme führen, wenn man nicht event. beschwerliche Umwege fahren will.

    Weiß jemand, ob es bei Radwegen dieser Wichtigkeit (oder kommt man da um den See irgendwie anders durchgefahren?) schon Ausrüstungsvorschriften gibt?

    1. Um den See kann man so gut wie gar nicht anders herum fahren. Auf der einen Seite wird er von der A43 begrenzt und auf der anderen Seite sind recht große Steigungen zu überwinden um auf öffentlichen Straßen den See zu umfahren. Eine Helmpflicht auf den Wegen um den Kemander See würde das Befahren des Ruhrtalradweges ohne Helm deutlich erschweren.

      1. Da muss ich wiedersprechen. Es gibt natürlich Möglichkeiten den See zu umfahren. Sogar mehrere. Der einfachste wäre über Herbede bis Kemnade. Und „Berge“ muss man dazu nur auf der Bochumer Seite fahren. Aber auch das ist natürlich möglich.

        1. Ja, da sind auf jeder Seite verschiedene Wege, aber was machst Du, wenn dein Ziel „dummerweise“ auf der Bochum zugewandten Seite liegt bzw. der ideale Weg dort entlangführt? Dann ist man doch recht eingeschränkt in der Auswahl von halbwegs gescheit fahrbaren Wegen.

          Bei gutem Wetter ist dort massig Volk aller Art unterwegs, die Wege verlaufen gerne seltsam gewunden, sind oft nicht dolle breit. Dann die phantastischen Einlagen aus Kopfsteinpflaster und auf dem Weg den ein reines Radwegschild ziert, latscht und joggt auch alles nach Lust und Laune herum.

          Zum Radfahren würde ich selber nicht gerade an die Kemnade fahren wollen.

  4. Nachdem die Wege in jenem Freizeitzentrum offenbar keinerlei Zugangsbeschränkungen oder -kontrollen unterliegen handelt es sich um öffentlichen Verkehrsraum. Womit die Möglichkeiten jener GmbH für die Einführung einer Helmpflicht gleich Null sind.

  5. Hi
    laut Artikel ist der Verkehr an der Unfallstelle zwar gemischt, der Weg dort aber 20 m breit.
    Ich wäre eher für eine Brillenpflicht als für eine Helmpflicht.
    Etwas Hirn könnte auch helfen.

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