Rüttelstreifen sollen vor Pfosten warnen

Pfosten auf Radverkehrsanlagen sind immer ein unangenehmes Thema. Die sind gefährlich, weil sie ständig im Weg herumstehen und ein nicht unerhebliches Risiko für Alleinunfälle verbreiten, und die sind lästig, weil sie eigentlich nur dazu dienen, den verrohenden Sitten der Kampfparker Einhalt zu gebieten: Manche Kraftfahrer müssen leider an jeder Ecke daran erinnert werden, dass das Parken auf dem Radweg und das Befahren desselben nicht gestattet ist. Um das Unfallrisiko zu senken, lassen sich beispielsweise entsprechende Markierungen aufbringen, die vor einem hoffentlich optisch auffälligen Pfosten warnen. Zusätzlich lassen sich Querstreifen applizieren, die dem Radfahrer einigermaßen rechtzeitig ein haptisches Feedback geben, dass dort Ungemach herumsteht.

In Hamburg begegnet die Polizei in Personalunion mit der Straßenverkehrsbehörde dem Problem mit hanseatischer Gelassenheit:

Kampfpfosten Stresemannstraße

Zur Problematik die selbst bei hinreichender Beleuchtung beinahe unsichtbaren Kampfpfosten entgegnete ein Polizeibeamter, es gäbe auch für den Radverkehr kein Recht auf ungehindertes Vorankommen, in solchen Situationen müsse man notfalls absteigen und schieben.

Bleibt zu hoffen, dass das Absteigen wenigstens rechtzeitig vor der Kollision mit dem tarnfarbenden Pfosten stattfindet.

15 Gedanken zu „Rüttelstreifen sollen vor Pfosten warnen“

  1. Aufgrund dauernd wechselnder Untergründe (zumindest in Hamburg) würde das haptische Feedback auf „Radwegen“ doch eh untergehen. Daher: Weg mit den Pfosten. Stattdessen sollte Autofahrern die meinen dort parken zu müssen ihr Fahrzeug kostenpflichtig umgeparkt werden und/oder mit „Halte nicht auf unseren Wegen“ Spuckis verschönert werden.

    1. Der Beamte sagte zu diesem Vorschlag, dass es nunmal nicht genügend Parkplätze gäbe und man ja irgendwo parken müsse.

      Hat ja schon seinen Grund, warum ich mich über diese Phrasen immer gerne lustig mache.

  2. Manchmal fasst man sich echt an den Kopf. Wieder müssen sich Unschuldige gegen die Unfähigkeit und Brutalität ihrer Mitmenschen schützen, und „die Politik“ und unsere unsägliche Pollizei unterstützt die Rechtsbrecher auch noch. Wollen wir wirklich mit so einer menschenverachtenden Verkehrspolitik weiterleben?

    Die Poller sind nicht wegen der RADFAHRER da. Im Übrigen sind solche Radwege unbenutzbar. Wenn ich öffentlich aufgestellte Hindernisse auf meinem Radweg finde, benutze ich natürlich die nicht-Sonder-Fahrbahn. Und zwar mit korrektem Seitenabstand zu den Falschparkern am rechten Rand.

    1. Ich gebe „ohno“ Recht! Komisch, dass jeder Pfosten, jedes Schild, jeder Laternenpfahl mindestens 50 cm vom Fahrbahnrand entfernt steht (stehen muss). Es wäre höchst interessant, einmal von „offizieller Seite“ erklärt zu bekommen, weshalb man bei Fahrbahnen und Radwegen diesbezüglich mit zweierlei Maß misst!

      1. Stadt Köln zu einer Einengung (Laterne) auf dem Radweg:
        „Dies ist eine punktuelle Einengung und aus verkehrssicherheitlichen Gründen (Sicherheit vor Leichtigkeit) hinzunehmen.“

  3. Abgesehen von den Gefahren behindern solche Pfosten zum Teil schlicht und einfach das Fortkommen des Radverkehrs. Hier bei mir in Bremen, ganz in meiner Nähe, gibt es einen relativ neuen Radweg. Dessen Gestaltung ist zwar an mehreren Punkten fragwürdig, aber immerhin ist er knapp breit genug, dass sich zwei Radfahrer gefahrlos überholen könnten. Wenn da nicht in relativ kurzen Abständen beidseitig auf dem Weg Holzpfosten herumstehen würden, die die Autofahrer daran hindern sollen, den schönen breiten Weg mitzubenutzen (sei es nun als mögliche Abkürzung am Stau auf der Fahrbahn vorbei, oder als zweiten Parkstreifen). Also hat man sich erst die Mühe gemacht, einen Weg zu bauen, der wenigstens in der Breite dem Radverkehr einigermaßen angemessen wäre, und hat dann aber die Benutzbarkeit für Radfahrer wegen einiger rücksichts- oder gedankenloser Autofahrer wieder eingeschränkt.

  4. Seht es ein. Der Radverkehr ist für die Verantwortlichen nur ein kostspieliges Übel, das es zu verhindern gilt.
    Außerdem sind Radfahrer die Wurzel alles Bösen. Ich habe mal irgendwo gehört, dass Hitler ebenfalls heimlich Rad gefahren ist. Also Radfahren gleich böse.
    Desweiteren beantrage ich das aufstellen solcher Pfosten auf allen Bundesautobahnen, um die linke Spur für die oberen 1% frei zu halten.

  5. Oh Menschmeter, wie soll man auf derart /&$)/(%)( *unaussprechlich* blöde Aussprüche von Uniformierten, gelassen reagieren?

    Muss man halt mal absteigen … ah ja, WENN MAN DIE SCHEISSTEILE ABER ERST GAR NICHT SIEHT, dann is nix mit Anhalten und Absteigen!
    Ach siehste, jetzt weiß ich wieder wo der Begriff „Vollpfosten“ her kommt.

    Mein Bruder beendete seine „Karriere“ als Radfahrer, nachdem er einen mitten auf dem sog. Radweg stehenden Schildermasten mittig traf und sich höchst unschön auf die Fresse legte. Da wusste er, seine Augenkrankheit ist nun soweit fortgeschritten, dass es das war mit dem Radfahren und der Unabhängigkeit.
    Nun braucht es aber gar nicht erst solcherlei schwere Einschränkungen, es reicht Dunkelheit, Regen, ein kurzer Moment des abgelenkt werden und dann rasselt jeder rasch mal in solch ein Hindernis. Wobei die auf dem Foto gezeigten auch nicht den Mindestanforderungen .. haha, ne war nen Witz, in Schland geht ja alles nach Recht und Gesetz zu. Jetzt ausser auf Radwegen, aber da darf man sich nicht so anstellen. Der Kunde will das so. *kotz*

  6. § 43
    Verkehrseinrichtungen

    (1) Verkehrseinrichtungen sind Schranken, Sperrpfosten, Absperrgeräte sowie Leiteinrichtungen, die bis auf Leitpfosten, Leitschwellen und Leitborde rotweiß gestreift sind.

    Das Stichwort ist „rotweiß gestreift“. Seit Inkrafttreten der neuen StVO sind die üblichen grauen Poller keine Verkehrseinrichtungen mehr. Befinden sie sich auf Fahrbhanen oder im Lichtraum von Fahrbahnen (auch von Radwegen), ist somit automatisch der Straftatbestand des gefährlichen EIngriffs in den Straßenverkehr erfüllt. Einfach mal die Kommunen anschreiben und die Entfernung oder Modifikation mit rotweißem Reflektorband (ganzflächig) fordern. Frist von 2 Wochen setzen … 😀

  7. Kannst du dir die Aussage von dem Polizisten schriftlich geben lassen? Dann wäre die Radwegbenutzungspflicht sofort aufzuheben – wenn selbst ein Polizist zugibt, dass der Radweg de facto unbenutzbar ist…

    1. eigentlich ist nicht nur die Benutzungsplicht von Radwegen aufzuheben, sondern auch die BP von Gehwegen, der rechte Pfosten steht nicht auf einem Radweg.

      Genau an so einem Poller konnte ich vor Jahren beobachten wie eine Gruppe Jogger elegant rechts und links daran vorbei lief, blöderweise konnte ein junger Herr in der Mitte der Laufgruppe dadurch den Pfosten nicht rechtzeitig sehen und traf ihn frontal mit den Weichteilen. Auch wenn jetzt einige schmunzeln mögen, der Schmerz muss gewaltig gewesen sein und ich kann nur hoffen das er das ohne bleibende Schäden überstanden hat. Die Pfosten sind gemeingefährlich und bösartig, nicht nur für mit dem Rad fahrende.

      Der beschriebene Pfosten an der Alster ist übrigens inzwischen abmontiert, hoffentlich hat der Jogger die Stadt verklagt und ein angemessenes Schmerzensgeld erhalten.

  8. Ehrlich gesagt sollte man sich gar nicht mit Diskussionen wegen des Pfostens aufhalten. Egal. ob Mülltonnen, Autos, Fußgänger oder Pfähle einen „Radweg“ versperren: Ich fahre in solchen Fällen auf der Fahrbahn (ohne Benutzungspflicht sowieso). Sollte ein solcher „Radweg“ (wie auf dem Foto) allerdings benutzungspflichtig sein: Widerspruch einlegen und bei Ablehnung Klage einreichen.

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