Rheinufertunnel: Die spinnen, die Radfahrer

Es stimmt wirklich: Radfahrer haben keine Ahnung von den Verkehrsregeln. Selbst eine gewisse Leidenschaft fürs Fahrrad ist noch kein Garant dafür, sich in gewissen Situationen nicht plötzlich vollkommen selbstverständlich auf dem Gehweg wiederfindet und womöglich vollkommen selbstverständlich die dortigen Fußgänger beiseite klingelt. Irgendwas stimmt eben nicht mit dieser verflixten Straße, da ist so ein Bauchgefühl und das Bauchgefühl sagt: hier lieber den Gehweg benutzen. Oder da auf der linken Seite radeln. Oder dort lieber nicht fahren.

Eigentlich regelt § 2 Abs. 4 StVO ganz deutlich, wo geradelt werden darf. Wo nicht geradelt werden darf, findet man auch in der Straßenverkehrs-Ordnung: auf Autobahnen, auf Kraftfahrstraßen, jenseits von Zeichen 254 und Zeichen 250. Und natürlich auf Gehwegen. Und auf der linken Straßenseite. So kompliziert ist das eigentlich nicht.

Und trotzdem gibt es Radfahrer, die aufgrund einer falschen Interpretation oder wegen früherer Erfahrungen nur Straßen benutzen, bei denen die Fahrbahn von einem Radweg flankiert wird. Wenn es keinen Radweg gibt, dann wird der Gehweg befahren — irgendwie würde das schon erlaubt sein, denkt man sich mitunter in der Hoffnung, es sei dort nicht so gefährlich wie auf der Fahrbahn. Dass es eigentlich der Gehweg gefährlicher ist als die Fahrbahn fällt in solchen Fällen nicht ganz so zur Last. Der Glaube an den Radweg geht sogar so weit, dass linksseitige Radwege befahren werden, wenn es rechts keinen gibt. Analog dazu wird notfalls der linksseitige Gehweg beradelt, wenn rechts weder Rad- noch Gehweg der Straße entwachsen sind.

Es scheint noch weitere Faktoren zu geben, die den normalen Radfahrer von der Fahrbahn fernhalten. Selbst wenn die Fahrbahn sogar zum Durchschnittsradler einladend ist, darf der Abstand zum Gehweg nicht zu groß sein: macht sich zwischen Fahrbahn und Gehweg ein Grünstreifen breit, scheint unbewusst die Fahrbahn als zu gefährlich zu gelten. Womöglich, weil man nicht einfach vom Sattel steigen und auf dem Gehweg weiterschieben kann. Einen ganz ähnlichen Effekt haben größere Absperrgitter oder gar Betonelemente zum Gehweg hin.

Und ganz gemein sind natürlich Tunnel. Selbst wenn es kein explizites Verbot gibt, einen Tunnel mit dem Rad auf der Fahrbahn zu durchqueren, wird ganz selbstverständlich der Gehweg gewählt. Und wenn es keinen Gehweg gibt, tja, dann wird ganz selbstverständlich ein teilweise erheblicher Umweg in Kauf genommen.

Ganz unbewusst. Obwohl die Antwort mitunter schon in § 2 StVO steht. Da muss man gar nicht lange blättern.

Unbewusst handelte wohl auch eine Polizeistreife, die einen Radfahrer im Kölner Rheinufertunnel aufgriff und mit einem Knöllchen bedachte — schließlich müsste doch das Radfahren im Tunnel verboten sein, das könne doch gar nicht sein. In Ermangelung einer Beschilderung, die das Radfahren dort tatsächlich verboten hätte, geriet die Ordnungsmacht allerdings recht schnell in Kalamitäten und musste „zähneknirschend“ eingestehen, dass das Radfahren dort erlaubt ist — auch wenn es kaum jemand praktiziert, schreibt der Kölner Express: Fahrräder im Rheinufertunnel

Wollen die Grünen Fahrradfahrer in den Selbstmord treiben? Sie fordern jetzt in der Bezirksvertretung Innenstadt die Freigabe des Rheinufertunnels für Fahrräder.

Um das Gesicht der Ordnungsmacht zu wahren, wurde schnellstens die Einfahrt für Radfahrer per Zeichen 254 verboten, weil… ja, weil… äh… weil das ja verboten sein muss, denn, ähm, Radfahren im Tunnel, das muss ja verboten sein, das ist doch viel zu gefährlich, will man denn die Radfahrer in den Selbstmord treiben?!? Offenbar war die Begründung der Kölner Verwaltung von ebensolcher Qualität, zumindest scheint keine Abwägung der Gefahrenlage stattgefunden zu haben, geschweigedenn dass man sich bei der Straßenverkehrsbehörde eine vernünftige Umleitung für Radfahrer überlegt. Stattdessen werden Zweiradfahrer implizit über die parallel verlaufende Promenade geschickt, die von Fußgängern geradezu überflutet ist, so dass Radfahren dort nur mit erheblicher Eigen- und vor allem Fremdgefährdung stattfinden kann. Vernünftige Verkehrsplanung sieht eigentlich anders aus.

Nun könnte es durchaus sein, dass aus bestimmten Gründen Radfahrer vom Rheinufertunnel ferngehalten werden müssen. Vielleicht wegen der dort gefahrenen Geschwindigkeiten, vielleicht wegen baulicher Gründe, womöglich wäre es tatsächlich im Sinne der Verkehrssicherheit nötig, ein solches Verkehrsverbot anzuordnen. Dann muss ein solches Verbot aber auch begründet werden und daran krankt die ganze Sache offensichtlich.

Andere fordern die Einrichtung eines Fahrradweges im Tunnel. Kann man ja durchaus planen, aber gleich da heißt es: nein, sowas ginge zu Lasten der Autofahrer, sowas machen wir in Köln nicht. Und die Rheinuferpromenade? Die sei für Fahrradfahrer und Fußgänger doch ganz unproblematisch, denn schließlich gelten doch auch für Radfahrer die Verkehrsregeln und wenn man ein bisschen Rücksicht nähme, dann ginge das schon alles. So einfach kann Verkehrspolitik sein.

Man muss sich wohl schon freuen, dass zu dem Artikel keine Kommentarfunktion eingebaut wurde.

Dazu auch: Am Rhein fehlt ein Radweg

Radfahrer, Jogger, Touristenströme – an der Rheinpromenade kommen sich die Massen schnell ins Gehege. Wenn, wie am Wochenende, ein Flohmarkt zusätzlich den Weg einengt, ist das Gewühl perfekt. Die Grünen fordern nun einen extra Radweg.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.