Ramsauer identifiziert Kopfhörer als neue Gefahr im Straßenverkehr

Vorsicht: Peter Ramsauer ist wieder zugange. Dieses Mal hat er sich auf Kopfhörer eingeschossen:

Ramsauer beklagt, dass Fußgänger und Radler sich mit lauter Musik ablenken. Dies erhöhe das Unfallrisiko. Die Berliner Polizei stimmt ihm zu. Das Gesetz will der Minister aber nicht verschärfen.

Keine Frage: wenn das Thema sicherheitsrelevant ist, gehört es ordentlich diskutiert. Nur hat man bei Peter Ramsauer das Gefühl, er habe schon wieder ein Thema gefunden, um sich bei der Presse darzustellen. Da klingt dieses Satzgefüge ja beinahe süß:

(…) Die Moral und das Verantwortungsbewusstsein im Straßenverkehr nehmen ab.

Dies hat nach der Polizei auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) erkannt und den grassierenden Leichtsinn auf den Straßen kritisiert. (…)

Das Thema wird im Laufe des Artikels auf ebenjene Kopfhörer konkretisiert, aber am Ende heißt es wieder:

Das Bundesverkehrsministerium will es aber beim Appell belassen. Eine Gesetzesinitiative sei nicht geplant, sagte ein Sprecher Ramsauers am Freitag.

Das erinnert ja an die freiwillige Selbstverpflichtung für die Radfahrer, den Helmanteil im Radverkehr auf über fünfzig Prozent zu steigern, ansonsten sehe sich Ramsauer zu einer Helmpflicht gezwungen. Und ein bisschen lustig ist schon die Tatsache, dass Ramsauer Musik für Radfahrer und Fußgänger als gefährdend einstuft, bei Autofahrern mit selbstkomponierten Stücken aber die Gefährdung senken möchte.

5 Gedanken zu „Ramsauer identifiziert Kopfhörer als neue Gefahr im Straßenverkehr“

  1. Ah ja. Im KFZ nennen wir es „Freisprecheinrichtung“ und schreiben es vor und auf dem Fahrrad ist es ein Kopfhörer und gefährlich. Spannend. Hoffentlich findet die CSU bald eine weniger klimaschädliche Möglichkeit zur Entsorgung ihrer politischen Altlasten.

  2. Na, so einfach ist das nicht.
    Wer die Freisprecheinrichtung als ebendiese nutzt ist wohl nicht so sehr akustisch von der Umwelt abgekoppelt, wie jemand der auf/in beiden Ohren Kopfhörer trägt und Musik hört.
    Ich habe das mal für mich selbst getestet und wollte Sonntags bei entspannter Verkehrslage mal mit Musik um die Alster radeln. Ich habe es nicht mal bis zur Alster geschafft, weil mich diese akustische Abkoppelung enorm gestört und unsicher gemacht hat.
    Ebenso sind mit Radfahrer und Fußgänger mit Ohrstöpseln ein greuel, da sie i.d.R. auf keinerlei akustischer Signale reagieren. Klingeln und rufen kann man vergessen. Doof wenn man überholen will oder schlimmer, vor eienr Gefahrsituation warnen will. Weil evtl. jener Fußgänger grade auf den Radweg tritt wo ich grade angefahren komme.
    Und komm mir jetzt keiner mit „kannst doch bremsen“. DAS kann auch nicht die Lösung sein.
    Das gleiche ist aber auch mit Kraftfahrern die in ihrer Fahrgastzelle zu laut die Musik an haben.

    Somit kann ich durchaus verstehen wenn an mehr Verantwortung appelliert wird. Ob das nun das Hauptthema eins Verkehrsministers sein sollte…. wohl weniger. Es ist eher ein ganz anderes Problem, weshalb sich viele zunehmend ins akustische Vakuum versetzen. Der Umwelt entfliehen wollen, es ignorieren draußen innerhalb der Gesellschaft unterwegs zu sein.

    1. Da gebe ich dir vollkommen recht. Ich finde es nur so knuffig, wie sich Ramsauer jedes Mal hinstellt, wenn er eine Gefahr erkannt hat — wirklich so, als ob es ihm eher um die Presse ginge als um tatsächliche Maßnahmen.

    2. Es ist – wie auch im KFZ – vor allem eine Frage der Lautstärke. Ich höre mit Ohrstöpseln drin und Musik in moderater Lautstärke noch wesentlich mehr von meiner Umwelt als im KFZ bei laufendem Motor. Warum stört die „Entkopplung“ im KFZ nicht? Weil man daran gewöhnt ist.
      Nebenbei bemerkt lenkt eine sinngemäß (zum Telefonieren) benutzte Freisprecheinrichtung wesentlich mehr ab als simples Musikhören. Da gab es ja erst neulich ‚mal wieder eine Untersuchung, dass der Unterschied zwischen Freisprecheinrichtung und „Telefon in der Hand“ nur marginal ist.

  3. Ramsauer scheint hier mal wieder in Aktionismus zu verfallen ohne vorher mal nachzudenken (obwohl sowas wohl immer auch der Presse geschuldet ist. Hier wird mal die Statistik auseinander genommen. Am Ende wird die Diskussion genau so eine Glaubensfrage wie die Fahrradhelm-Diskussion.

    Hier wird die Statistik mal genauer angesehen. 2011 gibt es trotz des immensen Anstiegs der Verkehrstoten genauso viele Tote wie 2009…
    http://ad-sinistram.blogspot.com/2012/01/kopfhorer-und-todlich-verungluckte.html

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