Radverkehrsregeln: Kampf gegen Windmühlen

Mal wieder ein Artikel über die häufigsten Irrtümer beim Radfahren — die gibt’s in letzter Zeit ja beinahe täglich. Dieses Mal versucht sich Geli Tangermann in der Hamburger Morgenpost an einer Interpretation der Straßenverkehrs-Ordnung: Das sind die größten Radfahr-Irrtümer

Rad-Rüpel sollen ab nächstem Jahr stärker zur Kasse gebeten werden, wenn sie im Straßenverkehr sündigen. Doch darüber, was erlaubt ist und was nicht, herrscht oft Verwirrung. Die MOPO hat die größten Fahrrad-Irrtümer zusammengestellt.

Ja, einerseits ist es natürlich schön, wenn möglichst viele Verkehrsteilnehmer von solchen Berichten erreicht würden und insbesondere den ersten Punkt mit der Benutzung von Radwegen endlich mal den Weg in die Köpfe findet.

Andererseits bleibt die Frage, was nun eigentlich an den Fußgängerüberwegen aus § 26 StVO so schwierig zu verstehen ist. Immerhin heißt es hier in der Morgenpost:

5. Am Zebrastreifen haben Radfahrer die gleichen Rechte wie Fußgänger.

Nein. Die gleichen Rechte haben sie nur, wenn sie absteigen. Ansonsten müssen sie den vorbeifahrenden Autos Vorfahrt gewähren.

Das ist, gemessen an dem, was dem Leser letztes Jahr aufgeschrieben wurde und eher nach „Radfahrer dürfen einen Zebrastreifen nicht benutzen und sind dort vogelfrei“, ein gewaltiger Fortschritt. Tatsächlich dürfen Radfahrer in der Regel auf Fußgängerüberwegen herumkurven wie sie lustig sind, sie bekommen lediglich auf ihrem Zweirad keinen Vorrang — sie verlieren ihn allerdings auch nicht. So finden sich ständig ungeschickt angelegte Fußgängerüberwege, die auch von Radfahrern überquert werden dürfen und es gibt tatsächlich Kraftfahrzeugführer, die Radfahrer anhupen und bedrängen, wenn sie auf einer Radverkehrsführung neben einem Fußgängerüberweg fahren und kraft des Straßenverlaufes Vorfahrt haben. Für Autofahrer muss es in diesen Zeiten sehr schwer sein.

Aber, Donnerwetter, Punkt 4 wurde beinahe richtig wiedergegeben — das ist auch heutzutage noch eine Seltenheit:

4. Radler dürfen auf der Straße nicht nebeneinander fahren.

Autofahrer aufgepasst: Sie dürfen! Aber nur, wenn sie dadurch keine anderen Verkehrsteilnehmer behindern. „Können zum Beispiel Autos mit genügend Sicherheitsabstand überholen, dürfen Fahrradfahrer weiter nebeneinander fahren“, erklärt Dirk Lau vom ADFC. In der Regel müssen sie aber hintereinander radeln, weil Straßen oder Fahrbahnen zu schmal sind.

Es hängt am Ende sicher von der Einschätzung des Richters ab, wann eine Behinderung vorliegt, aber angesichts der relativ strikten Umschreibung jener Behinderung, die in der Rechtsprechung gepflegt wird, ist es einem Autofahrer durchaus zuzumuten, auch ein paar Sekunden zu warten, bevor die Verkehrslage gefahrloses Überholen zulässt.

Alles schön und gut — andererseits ist es allerdings sehr bedenklich, dass die meisten Autofahrer diese Artikel zwar lesen, aber entweder nicht verstehen können oder wollen. Anders sind die argumentativen Meisterleistungen in den Kommentaren ja kaum noch zu erklären.

Interessant ist da noch das Aufmacherfoto — offenbar radelt die Dame am linken Fahrbahnrand und das ist nun wirklich nicht erlaubt.

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