Radfahren im Park: Auf der Suche nach Verkehrsregeln

Die Frankfurter Rundschau war eine ganze Weile damit beschäftigt, in Erfahrung zu bringen, ob Radfahrer in einem Park radeln dürfen oder nicht: Wie auf der Fahrrad-Autobahn

In Frankfurter Parks kommen sich Radfahrer und Fußgänger ins Gehege. Die Stadt duldet das Radfahren in den Grünanlagen. Rasende Radler müssen mit einer Strafe rechnen. Das Ordnungsamt macht Kontrollen.

Man hätte das alles relativ einfach haben können, indem man einfach einen Blick auf die Beschilderung wirft. Falls man sich damit überfordert sieht, liegt die Telefonnummer des Ordnungsamtes sicherlich irgendwo in der Redaktion herum.

Die Frankfurter Rundschau aber fragt ausgerechnet bei jenen nach, die vermutlich am wenigsten Ahnung haben: Bei den Parkbesuchern. Neun von zwölf Absätzen lang dümpelt der Artikel im Park umher und fragt Fußgänger nach den Verkehrsregeln, die sich aber gar nicht so ganz sicher sind und sich mit Vermutungen und Meinungen aufhalten. Die eigentlichen Problemverursacher bekommt die Rundschau aber nicht zu fassen, weil der Redakteur mit Radfahrern und Joggern, die mit ihrem Tempo Unruhe in den Park bringen, nicht mithalten kann. Das ist schon ein bisschen witzig.

Erst am Ende der Volksbefragung wird aufgelöst: Das Radfahren ist prinzipiell nicht gestattet, an den Eingängen zum Park ist Zeichen 239 aufgestellt, dass die Wege für Fußgänger reserviert. Damit ist die Sache beinahe klar, aber:

„Radfahren in Parks ist nicht grundsätzlich verboten, sagt auch Ralph Rohr, Sprecher des Ordungsamts. Radfahrer müssten Rücksicht nehmen und nicht schneller fahren, als es der Situation angemessen ist. Wenn Radler rasen und Fußgänger gefährden, müssten sie mit einer Strafe rechnen. Das Ordnungsamt kontrolliere auch in Parks, vor allem, wenn es Beschwerden gebe.

Dass Radfahren im Park geduldet wird geht aus der Beschilderung nun aber nicht hervor, weil das entsprechende Zusatzzeichen „Radfahrer frei“ offenbar nicht angeschraubt wurde. Dann braucht man sich über Gehweg- und Parkradler aber nicht zu wundern: Wenn das Radfahren in diesem eigentlich den Fußgängern vorbehaltenen Park gestattet ist, kann es ja schließlich auf den genauso beschilderten Gehwegen nicht verboten sein. Und wenn die Schilder so gammelig daherkommen, wie das abgebildete Exemplar, verwundert ohnehin nichts mehr.

Schade, dass die Stadt Frankfurt hier trotz der eindeutigen Beschilderung auf eindeutige Regelungen verzichtet. Mit dieser weichen Auslegung, bei denen auch nur der Extremfall der überhöhten Geschwindigkeit geahndet wird, tut sie weder Fußgängern noch Radfahrern einen Gefallen.

6 Gedanken zu „Radfahren im Park: Auf der Suche nach Verkehrsregeln“

  1. Wie ein User in den dortigen Kommentaren richtig anmerkt, weist der Hessische Radroutenplaner manche Wege durch den Park als Radrouten aus. Zumal die Verkehrsführung für Radfahrer – sofern bei Google Maps&Streetview richtig zu erkennen – an Dämlichkeit kaum zu überbieten ist: Nord-Westlich des Parks befindet sich die Kreuzung der L3004 mit der A66, auf der man auch keine Radler haben will. Der benutzungspflichtige Radweg nach Norden biegt vor der Kreuzung nach rechts (Richtung Park) ab, die erste Möglicheit wieder nach Norden zu kommen ist eine Fußgängerbrücke eben jenes Parks, Radfahren ist dort verboten, die nächste Querungsmöglichkeit der parallelen Bundesstraße befindet sich erst mehrere hundert Meter östlich. Richtung Süden schaut es nicht besser aus, aller Querungsmöglichkeiten im Bereich des Parks sind entweder für Radfahrer gesperrt (L3004, Ginnheimer Stadtweg) oder Fußwege des Parks. Und das alles direkt neben einem Uni-Campus.

    Wer so tut, als würden Radfahrer gar nicht existieren, der darf sich nicht wundern, wenn Radfahrer sich ihre eigenen Wege suchen. Man könnte natürlich den Park per „Radfahrer frei“ beschildern, klappt andernorts in Parks auch problemlos. Aber das wäre für eine Stadt, die sich die Radverkehrsförderung auf die Fahnen geschrieben hat, vermutlich zu einfach.

  2. Was ist Rasen? Übermäßig schnelles Fahren, schneller als erlaubt.
    Wie schnell darf auf reinen Fusswegen gefahren werden? 0 km/h
    Wie schnell auf Gehwegen die mit dem Zusatzschild „Radfahrer frei“ versehen sind? Schrittgeschwindigkeit, also etwa 4-7km/h
    Was darf das Ordnungsamt kontrollieren? Den ruhenden Verkehr, für den nichtruhenden Verkehr ist die Polizei zuständig. Die bestens ausgebildeten Mitarbeiter des Ordnungsamtes dürfen also das Schieben von Fahrrädern kontrollieren, nur worauf?

    Aber wie ich schon vielfach hörte, interessiert sich speziell in Frankfurt eigentlich eh fast niemand für das was eigentlich „gilt“. Jeder fährt dort so, wie es sich ergibt und gefällt und angeblich sind damit auch alle sehr zufrieden. Sagen zumindest die die in Frankfurt so herumfahren… Oder ich hab jeweils irgendeine Ironie nicht erkannt oder richtig verstanden.

    1. Eigentlich ist man hier in Ffm schon recht liberal mit den Radfahrern. Es gibt zwar hin- und wieder mal Schwerpunktkontrollen bzgl. Rotlichtverstößen und Beleuchtung, aber die Fußgängerzonen sind allgemein für Radler freigegeben und an Radfahren im Park stört sich eigentlich auch niemand.
      Ausnahme war die bis kürzlich andauernde Sperrung des Radweges entlang des Holzhausenparks aufgrund der Sanierung einer angrenzenden Schule. Man verbannte kurzerhand die Radler aus dem Park und verwies sie auf eine aufwändige Umleitung. Ergebnis waren von Fahrradreifen zerfräste Grünflächen, denn Radfahrer sind nunmal „umwegsensibel“. Naja, mittlerweile ist die Schulsanierung aus Kostengründen auf Eis gelegt und der Radweg ist wieder frei.
      BTW, was ist eigentlich eine „Fahrradautobahn“? Vermutlich sowas ähnliches wie eine Schiffseisenbahnstrecke oder ein Flugzeuggehweg?

  3. In Frankfurt herrscht unausgesprochen schon eine Art „Shared Space“. In den meisten Parks und Fußgängerzonen ist Radfahren sowieso erlaubt, ebenfalls das Fahren gegen fast alle Einbahnstraßen. Und wo ausnahmsweise mal nicht, fahren viele trotzdem. Fußgänger auf Radwegen, Radfahrer auf Fußwegen. Alles ganz normal. Und die Ordnungshüter sind auch nicht omnipräsent. Wenn man mehr als eine Ermahnung bekommen will, muss man sich schon richtig danebenbenehmen. Gilt auch für Autofahrer. Dem Verkehrsklima scheint das gut zu bekommen. Viel angenehmer als z.B. in Stuttgart, wo ich früher wohnte.

  4. Was mir gerade einfiel und hier halbwegs reinpasst: Brauchen wir neue Radwegeschilder ohne Benutzungspflicht?

    Als Beispiel diene die Veloroute 8 in Hamburg [http://www.hamburg.adfc.de/home/detailansicht/news/die-neue-veloroute-8-albtraum-oder-paradies/]. Dort gibt es nun einen neuen 800m langen Zweirichtungsradweg mit blauem Lolli. Auf der anderen Seite der Fahrbahn war Radeln bisher erlaubt. Der
    Zweirichtungsradweg verbietet das jetzt aber völlig sinnlos.

    Welche Beschilderung müsste die Stadt da aufstellen, um

    a) einen vollwerten Zweirichtungsradweg
    b) ohne Benutzungspflicht
    c) (oder) mit Benutzungspflicht in nur eine Richtung

    auszuweisen?

    ————-
    Am liebsten wäre mir ja mit Jahresfrist die alten blauen Lollies so umzudefinieren, dass sie keine
    Benutzungspflicht mehr implizieren. Nach 15 Jahren ist wohl klar, dass die Kommunen die rechtswidrigen Exemplare auch in 15 Jahren noch nicht alle entfernt haben werden.

    Neue Schilder mit Benutzungspflicht wachsen schon von alleine wie Pilze aus dem Boden. Denn gäbe es aber keine „wir sind noch nicht dazu gekommen“-Ausreden mehr.

    1. Nein, wir brauchen keine neuen Schilder ohne Benutzungspflicht. Sondern die Benutzungspflicht muss bei den vorhandenen Schildern entfallen. Und Benutzungspflicht gibt es dann, wenn überhaupt, nur noch mit einem neuen (Zusatz-)Schild. Nur so sind die rechtswidrigen Zustände zu beseitigen.

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