Rabiater Radfahrer zum Abbremsen gezwungen

Gefunden im mucradblog: Noch einer dieser Unfallberichte, bei denen man sich fragt, ob ein Kraftfahrer, der einem Radfahrer zum Abbremsen zwingt, anschließend nach einem kampfradlerischen Wutausbruch über rote Ampeln verfolgt und mutmaßlich zwischendurch auch ein recht ordnungswidriges Verhalten an den Tag legen wird, irgendetwas außer einem großen Lob für seine Zivilcourage zu befürchten hat.

Die Münchner Polizei und die Radfahrer (Teil x)

Die Münchner Polizei wird nicht müde, abzustreiten, dass sie prinzipiell was gegen Radfahrer hätte.

Nun gut, glauben wir ihr das erst einmal.

14 Gedanken zu „Rabiater Radfahrer zum Abbremsen gezwungen“

  1. Juristisch durchaus interessant. Mit der Faust aufs Auto schlagen und den Mittelfinger zu zeigen ist sicherlich nicht die feine Art, aber vielleicht war es ja eine Schreckreaktion? Jedenfalls dürfte das Festnahmerecht nach § 127 StPO wohl kaum rechtfertigen, in Wildwestmanier mit dem Auto über rote Ampeln zu brettern. So übrigens auch der Becksche Online-Kommentar zur StPO, Krauß, Rn. 11 zu 127 StPO:

    „Die Gefährdung des Straßenverkehrs erlaubt das Festnahmerecht nicht, Belästigungen sind jedoch durch andere Verkehrsteilnehmer hinzunehmen (vgl OLG Hamm VRS 16, 136; VRS 23, 453; OLG Oldenburg VRS 32, 275; BayObLG NStZ 1988, 518; OLG Thüringen VRS 94, 459 [Verfolgungsjagd]; OLG Celle NdsRpfl 1958, 98 [Sperrung der Autobahn]).“

    Der Faustschlag nach der Verfolgung könnte ggf. Notwehr gewesen sein.

  2. Also erstmal gilt es festzustellen dass der Radfahrer grundsätzlich Schuld hat.
    Erstens ist er auf dem Radweg gefahren und zweitens ist er überhaupt Rad gefahren 😉

    Aber zum Thema. Dieses Polizei_Neusprech ist schon eine Augenweide. Von uns Wir kennen die Situation nicht im Detail, jedoch ist die eigene Erfahrung mit Kraftfahrzeugen die von der Fahrbahn über den Radweg in ein Grundstück einbiegen wollen, dass im Regelfall die Vorfahrt des Radverkehr missachtet wird und durch diesen Vorgang der Radverkehr erheblich gefährdet wird. Ich trage wegen exakt solch einem Manöver nun bis zum Ende meines Lebens eine Nabe am linken Knie.

    Somit darf ich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit unterstellen dass der Kraftfahrer dem o.g. Radfahrer die Vorfahrt genommen hat oder zumindest in gern veranstalteter Manier sehr zügig seinen Kühlergrill bis hart an den Radweg heran geschoben hat. Was jeden Radling der noch alle Zinken in der Krone hat ebenfalls zu einem Notbremsmanöver verablasst. Zu schlecht sind die Erfahrungen mit Kraftfahrern.

    Aus dieser Situation heraus darf unser Geländewagenfahrer froh sein dass ihm lediglich mit der Hand auf die Motorhaube geschlagen wurde. Die Wahrscheinlichkeit dass das Fahrzeug dabei auch nur Ansatzweise einen Schaden erleidet ist geringer als ein Klacks Vogelscheiße auf dem Dach. Der Mittelfinger ist sicherlich auch nicht der Quell der Freundlichkeit, rechtfertigt aber kaum sich wie Django der Rächer aufzuführen.

    So…. und nun schauen wir uns im Anlitz dieser Betrachtung noch einmal den Propagandatext der Münchener Polizei an…. „Danke, keine weiteren Fragen“ 😀

  3. Im Kern fügt sich der Bericht nahtlos an „Irgendwie muss doch der Radfahrer schuld sein“ an und bestätigt die polizeiliche und behördliche Windschutzscheibenperspektive. Wenn man als Radfahrer in solchen Situationen einen klaren Kopf behält und ganz einfach gegen den Autofahrer Anzeige erstattet, wird diese in aller Regel „wegen mangelnden öffentlichen Interesses“ eingestellt. Habe ich selbst schon mehrfach erlebt.

    Gegen polizeiliche Befangenheit hilt wahrscheinlich nur die Helmkamera, die den Vorgang aufgezeichnet hat. Aber wahrscheinlich wird das Video dann nicht als Beweismittel zugelassen… :-(((

    1. Mir hat Anfang September ein Rechtsabbieger die Vorfahrt genommen.

      Die Lage war eingentlich klar: Grüne Ampel, gute Sicht, der Fahrer hatte kurz vor der Radfurt angehalten.

      Leider ist er dann wieder losgefahren…

      Nachdem ein Taxifahrer anhielt und behauptete ich wäre dem Unfallverursacher mit Absicht reingefahren wurde die Situation etwas komplizert. Darauf werde ich hier nicht eingehen.

      Aber die 20 Euro Keycam, die ich an diesem Tag nur aus Jux am Lenker hatte ist mitgelaufen und hat sich gerade, mit der Uberweisung durch die Versicherung, mehr als bezahlt gemacht.

      Ich hätte gerne das Gesicht dieses Vollpfostens gesehen als er das Schreiben seiner Versicherung bekommen hat. Vor dem Staat ist es ja leider nur eine Ordnungswidrigkeit.

  4. 2069. Wegen fahrlässiger Fahrweise verletzt ein PKW-Fahrer eine Radfahrerin schwer

    Ein 63-jähriger Rentner befuhr am 17.12.2013, gegen 12.15 Uhr, mit seinem Fiat die Kreuzeckstraße in Pullach stadtauswärts. Als er links in die Kastanienallee abbiegen wollte, mißachtete er die Vorfahrt einer 83-jährigen Hausfrau die mit dem Fahrrad ordnungsgemäß die Fahrbahn in entgegengesetzter Richtung befuhr.
    Der 63-Jährige erfasste mit seinem fast 1,5 Tonnen schweren Fahrzeug die 83-jährige Hausfrau mit hoher Geschwindigkeit so stark, dass sie durch die Wucht gegen die Windschutzscheibe geschleudert wurde. Von dort prallte sie auf die Straße, wo sie schwer verletzt liegen blieb. Aufgrund der schweren Verletzungen (Hirnblutung und multiple Prellungen) wurde die Radfahrerin in ein Krankenhaus zur stationären Behandlung gebracht.
    Das Kraftfahrzeug ist mit keinen Fußgängerschutzmaßnahmen ausgestattet.

    http://www.polizei.bayern.de/muenchen/news/presse/aktuell/index.html/191528

    1. @Gerrit: Da haste die PM aber schön modifiziert 😉

      Pkw-Fahrer übersieht aufgrund tiefstehender Sonne eine Radfahrerin und verletzt diese schwer
      Ein 63-jähriger Rentner befuhr am 17.12.2013, gegen 12.15 Uhr, mit seinem Fiat die Kreuzeckstraße in Pullach stadtauswärts. Als er links in die Kastanienallee abbiegen wollte, übersah er eine 83-jährige Radfahrerin, die auf der Kreuzeckstraße stadteinwärts fuhr.
      Der 63-Jährige erfasste die 83-jährige Hausfrau frontal so stark, dass sie durch die Wucht gegen die Windschutzscheibe geschleudert wurde. Von dort prallte sie auf die Straße, wo sie schwer verletzt liegen blieb. Aufgrund der schweren Verletzungen (Hirnblutung und multiple Prellungen) wurde die Radfahrerin in ein Krankenhaus zur stationären Behandlung gebracht. Einen Fahrradhelm trug sie nicht.

  5. Für mich klingt die Meldung nach einer Jagdszene. Fahrradfahrer verhindert Unfall mit Blindschleiche und macht auf die Gefahrenlage durch Schlag auf die Motorhaube aufmerksam. Die Blindschleiche ist sich keiner Schuld bewußt und nimmt die Verfolgung auf. Für den Fahrradfahrer besteht Lebensgefahr, weil die Blindschleiche eine Waffe (= Auto) mit sich führt. Deshalb flüchtet der Radfahende, der vermutlich schon Erfahrung mit solchen Übergriffen hat.

    1. Nur der Form halber: Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass ein Auto KEINE Waffe ist > http://blog.beck.de/2008/09/18/bverfg-auto-ist-keine-waffe

      Wer hat nicht schon einmal (oder diverse Male) eine solche Sitaution erlebt? Es macht einen erheblichen Unterschied, ob man von einer Person direkt angegriffen wird oder dies mithilfe eines tonnenschweren Autos geschieht. Gegen eine Person kann man sich zur Wehr setzen, während ein schützender Blechpanzer den Angreifer praktisch unverwundbar macht. Das macht einen ebenso hilflos wie wütend. Der Schlag auf die Motorhaube ist mehr als verständlich.

      1. Hach, immer wieder diese feinen spitzfindigen sprachlichen Feinheiten, für die die Juristerei ja berüchtigt ist.
        Ein Auto mag keine Waffe sein, nach Ansicht des BGH, aber es kann sehr wohl WIE eine Waffe verwendet werden!

        Was ist übrigens mit Panzerfahrzeugen? Die gelten unter bestimmten Bedingungen (Art und Ausführung der Panzerung) selbst dann noch als Kriegswaffe, selbst wenn sie über keine eingebaute „eigentliche“ Waffe (mehr) verfügen! Und mit einem Panzer kann man auch im Straßenverkehr fahren.
        So ganz schlüssig ist die Feststellung also doch nicht.

        Ich denke der Knackpunkt ist die Intention, mit der ein Ding verwendet wird. Eine Machete kann man als Schlagwaffe einsetzen, man kann sie aber auch für Gartenarbeit oder das den Weg freischlagen im Dschungel verwenden. Eine Schusswaffe kann auch für Signalzwecke (Alarm, Aufmerksamkeit) genutzt werden. usw

        Daher denke ich auch weiterhin, ein Auto kann sehr wohl eine Waffe sein, nämlich dann wenn es als solche verwendet wird.

        1. Ein Hammer…. eine Axt…. sind auch keine Waffen. Das sind Werkzeuge.

          Na – geh‘ mal mit einer Axt auf jemanden los. Ich werde das Gefühl nicht los das der Staatsanwalt was von „bewaffnetem Angriff“ o.ä. erzählen wird.

  6. Michael, deshalb habe ich ja auch den Link zur Originalmeldung dazu getackert.
    Ein und der gleiche Vorfall – zwei unterschiedlich gefärbte Vorgangsbeschreibungen.

    Aber is‘ schon erschreckend wie ‚Gott gegeben‘ es einfach hingenommen wird dass der Kraftfahrer dann eben von der Sonne geblendet wurde, dennoch losgefahren ist und einen anderen Menschen krankenhausreif gefahren hat. Und wie zum Hohn noch darauf hingewiesen wird, dass der Radling unbehelmt unterwegs war. Eigentlich könnte die Polizei gleich schreiben „Die Radfahrerin ist selber schuld dass sie nun im Krankenhaus liegt“.

  7. @Jochen: Natürlich ist es nicht schlüssig, dass ein Auto keine Waffe ist. Wenn dies aber vom obersten Gericht festgestellt wird, hat das leider eine ziemlich verbindliche Wirkung. Dem „gesunden Menschenverstand“ ist klar, dass es jede Menge Gegenstände gibt, die ganz sicher nicht als Waffe gedacht sind aber trotzdem als solche benutzt werden können. Lediglich bei einer Schusswaffe fällt mir auf Anhieb keine sinnvolle Funktion ein, außer damit auf jemanden/etwas zu schießen.

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