Polizei kontrolliert nicht absteigende Radfahrer in Geesthacht

Die Bergedorfer Zeitung berichtete im Herbst letzten Jahres über eine Fahrradkontrolle in Geesthacht: Radfahrer auf Abwegen

Bei einer landesweiten Aktion werden derzeit Radfahrer kontrolliert. Auch die Geesthachter Polizei war am Montag im Einsatz, um Verstöße gegen Verkehrsregeln zu ahnden. Der Grund: Die Unfallzahlen mit Radfahrern sind gestiegen.

Soweit erstmal nichts ungewöhnliches: Da werden Radfahrer angehalten, die auf der falschen Straßenseite fuhren oder deren Lichtanlage nicht funktionierte oder die zu laut Musik hörten oder mit dem Handy telefonierten. Ein ertappter Geisterradler zeigte sich uneinsichtig und will das Bußgeld von zwanzig Euro gerichtlich überprüfen lassen — man kann ihm dabei nur viel Spaß wünschen.

Blöd ist allerdings der Anfang des Artikels: Das Zusatzzeichen 1012-32 „Radfahrer absteigen“ mag zwar eindeutig sein, eine rechtliche Wirkung hat ihm der Gesetzgeber allerdings nicht zugestanden. Weder die Straßenverkehrs-Ordnung noch der Bußgeldkatalog enthalten Vorschriften, dass ein Radfahrer an einer solchen Beschilderung absteigen müsste oder welches Bußgeld bei Verstößen zu erwarten wäre. Trotzdem mag das Absteigen zu empfehlen sein, weil das Schild tatsächlich sehr häufig dort zum Einsatz kommt, wo niemand so richtig Lust hatte, Gedanken über die Radverkehrsführung anzustellen, etwa in unübersichtlichen Arbeitsstellen oder anderen ärgerlichen Stellen im Straßenverkehr — im Zweifelsfall sollte ein Radfahrer in der Regel auf der Fahrbahn weiterradeln.

Insofern stellt sich auch die Frage, was die Polizei dort kontrollieren oder gar sanktionieren möchte: Einen Tatbestand kennt der Bußgeldkatalog für dieses Schild nicht.

5 Gedanken zu „Polizei kontrolliert nicht absteigende Radfahrer in Geesthacht“

  1. „Zehn Euro muss übrigens zahlen, wer über Kopfhörer so laut Musik hört, dass er Verkehrsvorgänge nicht mehr richtig wahrnimmt.“ Wird bestimmt bei PKWisten auch so „hart“ geahndet… Wer Ironie findet, usw

  2. Die Passage mit den geisterradelnden Rentnertruppe klingt so, als könnte die Überleitung vom linksseitigen außerörtlichen auf den rechtsseitigen innerörtlichen Radweg wie so oft fehlen oder schlecht erkennbar sein. Da kann ein Widerspruch durchaus sinnvoll sein.

  3. Wie ist es denn an den „Zebrastreifen“ Radfahrer fahren quer darüber und meinen dann Vorrecht gegen über dem Autofahrer zu haben.

  4. Hi
    @Rudolf:
    sollte der Radler legal auf dem Gehweg unterwegs sein und an einen Zebrastreifen kommen, darf er darauf die Straße queren. Allerdings hat er nicht wie Fußgänger Vorrang, sondern muss eine entsprechende Lücke im Verkehr abwarten, wie an jeder beliebigen anderen Stelle der Straße auch.

    Generell ist es ganz lustig zu lesen, dass Polizisten Regeln durchsetzen wollen, die der Gesetzgeber so gar nicht (mehr?) vorgibt. Radfahrer absteigen ist die Bankrotterklärung eines Verkehrsplaners. Und auch Baustellenausschilderungen sollten geplant und angeordnet sein. Eine Überleitung auf die Fahrbahn ist wohl die beste Lösung. Dort kann man ja für den Bereich der Baustelle Tempo 30 anordnen, damit auch die unsicheren Radler sich trauen. Wer sich nicht traut, sollte freiwillig absteigen und schieben, was man mit dem Fußgängerlolli erreichen kann.

    Das der Rentner nicht versteht, warum er außerhalb der Ortschaft auf dem linksseitigen Radweg fahren darf, im Ort aber nicht mehr, ist beinahe verständlich. Er wird durch die linksseitige Radwegführung, die es in einigen Gemeinden auch innerorts noch gibt, so erzogen. Jurist ist er sicher nicht, er will einfach nur Rad fahren. Und oft genug wird es ja nicht sanktioniert, was ihn in seiner Fehlmeinung bestärkt.
    Auf die Bemerkung, nicht mehr in diesem Bundesland zu Besuch kommen zu wollen, wäre die Antwort hilfreich gewesen, dass die StVO ein Bundesgesetz ist, die in ganz Germanien gilt. Da hilft nur Auswandern oder sich an das Gesetz halten.
    Der Tenor des Ganzen ist aber, das man immer noch am sichersten auf der Fahrbahn fährt.

    Achso, da hat der Autor auch noch geschlafen. Es wird nicht einmal ein fehlender Radhelm beklagt. Jehova.

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