PeterRamsauerDiscoveringThings.tumblr.com

Die Meldungen über die gestrigen Sichtungen einiger Kampfradler unseres Bundesverkehrsministers Peter Ramsauer reißen gar nicht ab. Heute berichtet der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag auf der Titelseite seiner Lokalausgaben: Verkehrsminister greift Radfahrer an

Es ist also wieder Krieg. Und der beginnt so:

Sie rasen durch die Städte, machen vor keiner roten Ampel halt, riskieren Menschenleben

Bislang könnte auch die Rede von maskierten Bankräubern sein, die sich durch die Straßen kämpfen. Das mit den roten Ampeln ist nun tatsächlich wenigstens ein halbwahres Klischee, das in keinen Artikeln fehlen darf, während die Assoziation zwischen Radfahrern und Rasern genau wie die Sache mit den Menschenleben eher neu ist. Vor allem müsste man sich endlich einmal auf eine Argumentation einigen: die einen kritisieren, Radfahrer torkelten langsam auf der Fahrbahn neben dem Radweg umher und sähen sie am liebsten auf dem Gehweg, andere kritisieren dann wiederum, dass Radfahrer auf dem Gehweg zu schnell fahren. Man kann es tatsächlich niemandem recht machen.

Jetzt tritt Peter Ramsauer auf und die Formulierung ist wieder besonders schön:

Er selbst habe beobachtet, wie Radfahrer sogar unter den Augen von Polizisten rote Ampeln und jede Verkehrsregel missachteten.

Peter Ramsauer hat da also etwas beobachtet. Das ist interessant, denn oft scheint er nicht im Straßenverkehr unterwegs zu sein: dort sieht man Verkehrsverstöße aller Art aller Verkehrsteilnehmer mitunter alle zweihundert Meter. Vor allem müsste endlich einmal ein Blog wie PeterRamsauerDiscoveringThings.tumblr.com eingerichtet werden, denn unser Bundesverkehrsminister entdeckt und beobachtet ja ständig, erst die Sache mit der mangelnden Helmtragequote, dann die Musik, die Aggressionen lindern soll, da gäbe es ja täglich etwas zu berichten.

Es kommt aber noch doller:

„Wir müssen davon ausgehen, dass es auch in der Fahrradstadt Kiel Kampfradler gibt“, so Stadtsprecher Arne Gloy.

Kann man mit dem Begriff denn schöner umgehen? Gleich noch einmal:

„Wir müssen davon ausgehen, dass es auch in der Fahrradstadt Kiel Kampfradler gibt“, so Stadtsprecher Arne Gloy.

Man mag dazu beinahe nichts mehr sagen. Es ist noch nicht einmal definiert, wer oder was denn überhaupt als Kampfradler gelten soll, aber schon werden Mutmaßungen angestellt, ob es in Kiel welche gibt oder nicht. Besonders schade: man muss davon ausgehen — aber nichts genaues weiß man nicht.

Insofern legt man solche Artikel wohl wirklich besser beiseite.

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