Fahrradstadt Köln?

Man weiß überhaupt nicht, worüber man mehr staunen soll — dass es offensichtlich möglich ist, Köln trotz aller seiner Widrigkeiten insbesondere gegenüber Radfahrern als Fahrradstadt zu bezeichnen oder die 30 Prozent intakter Radwege, die vermutlich maßgeblich für diesen Eindruck sind: Der weite Weg zur Sicherheit

Fahrradhelm gegen Wollmütze

Das Landgericht Koblenz hat in einem interessanten Urteil (LG Koblenz, DAR 2011, 395) ausgeführt, dass es keine schlüssigen Hinweis darauf gäbe, dass ein Fahrradhelm den Kopf eines Radfahrers besser zu schützen vermag als eine Wollmütze:

Das Gericht führt auch völlig korrekt aus, dass trotz zahlreicher Untersuchungen weltweit die Geeignetheit des Helms zur statistisch signifikanten Verminderung von Kopfverletzungen bisher nicht nachgewiesen werden konnte. Und es urteilt schadensersatzrechtlich vollkommen korrekt weiter, dass selbst ein solcher abstrakter Nachweis die konkrete Prüfung nicht entbehrlich machen würde, ob der Helm auch im konkreten Fall Schäden verhindert hätte.

Hoffentlich führt das bei Polizei und Versicherungen zu einem leisen Umdenken — schließlich wird die Polizei nicht müde, in Unfallberichten zu suggerieren, dass der Fahrradfahrer mit einem Helm nach einem Unfall ohne Verletzungen davongekommen wäre, obwohl es nur ein aufgeschlagenes Knie zu verarzten galt und Versicherungen teilweise von einer Mitschuld des unbehelmten Radfahrers ausgehen.

Sportliches Fahrrad begründet Helmpflicht

Das Oberlandesgericht München war am 3. März 2011 der Meinung, dass eine sportliche Fahrweise — genauer: das Vorhandensein von sogenannten Klickpedalen — eine Helmpflicht impliziere. Dem verunfallten Radfahrer wurde nun in Ermangelung eines Fahrradhelmes die Haftungsquote erhöht:

Teilnahme am öffentlichen Verkehr – Grundregeln für Radfahrer

(…) Darüber hinaus hat der Senat den Mitverschuldensanteil des Radfahrers und damit seine Haftungsquote aber auch noch deswegen erhöht, weil er gegen die Obliegenheit verstoßen hatte, einen Fahrradhelm zu tragen. Hierzu hat der Senat ausgeführt, dass bei einem Radler, der, wie vorliegend der Fall, ein Rennrad mit Klickpedalen im freien Gelände benutzt, bereits ein sogenannter Anscheinsbeweis für eine “sportliche Fahrweise” spreche, welche eine Obliegenheit zum Tragen eines Schutzhelms begründet. Da der Kläger neben zahlreichen schweren Verletzungen im Rumpfbereich auch Kopfverletzungen erlitten hatte, sprach, so der Senat, der Beweis des ersten Anscheins auch für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Nichtbenutzen des Helms und den eingetretenen Kopfverletzungen. (…)

Leider lässt sich das Gericht nicht darüber aus, ob ein Fahrradhelm einen tatsächlichen Sicherheitsgewinn gebracht hätte — die Meinungen dazu sind durchaus kontrovers.

Die meisten Radwege sind unzulässig

Die Kieler Nachrichten berichten über die Radverkehrsanlagen in Bad Bramstedt:

Radwege: Die meisten sind nicht zulässig

(…) Solche besonderen Gefahrensituationen gibt es vielleicht auf Bundesstraßen, wo schnell gefahren wird. In der Stadt sollten sie eigentlich gar nicht bestehen, vor allem nicht auf Gemeindestraßen. Doch in Bad Bramstedt werden die Radfahrer fast überall von der Straße gewiesen. Besonders grotesk: In der Kieler Straße wurde Ende der 1990er Jahre ein schmaler kombinierter Fuß- und Radweg mit Verkehrsberuhigungen gebaut. Die Radfahrer sollten auf der abschüssigen Straße durch Slalomfahrt um Beete zum Bremsen gezwungen werden. Dabei herrscht auf der Straße nur wenig Verkehr. (…)