Ohne Helm auf eigenes Risiko

Klaus Max Smolka will in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Keine Helmpflicht für Radler

Nein, nein, nein, nicht schon wieder. Keine Helmpflicht für Radfahrer. Auch keine Gutachten darüber einholen. Auch nicht darüber nachdenken. Es geht den Staat nichts an.

Smolka verwechselt zwar beim Urteil des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichtes ganz kurz für einen Satz die Mitschuld am eigentlichen Unfall mit der Mitschuld an den aus dem Unfall resultierenden Verletzungen, korrigiert sich anschließend, aber seine Leser verwechseln noch viel mehr. Smolka schreibt:

Hier kommt gerne das Argument, dass die Gemeinschaft über die Krankenkassen ja für die Unfallfolgen aufkomme. Aber Vorsicht! Mal abgesehen davon, dass es Studien gibt, die den Nutzen des Helms bestreiten: Wer dieses Argument anführt, betritt gefährliches Terrain. Er darf dann selbst vielleicht bald nicht mehr rauchen. Oder sich lange in die Sonne legen. Oder einen fetten Braten vertilgen.

Trotzdem fallen gefühlt etwa fünfzig Prozent seiner Leser in den folgenden Kommentaren durch dieses Tor ein: Wer ohne Helm verunfallt, soll doch seine Verletzungen auf eigene Rechnung behandeln lassen. Einige gestehen dem Unfallopfer wenigstens noch eine Quote anhand der von einem Gericht bemessenen Mitschuld zu, bei anderen gilt hingegen die simplere Gleichung: „Kein Helm? Zahl alles selbst!“

Das ist ja schon beinahe menschenverachtend.

Es gibt ja bislang keine gesicherten Erkenntnisse, dass die Solidargemeinschaft momentan über Gebühr von umbehelmten Radfahrern belastet würde. Warum nun aber der fehlende Helm zum Ausschluss aus der Gemeinschaft führen soll, wird nicht schlüssig in den Kommentaren begründet: Das Radfahren auf der falschen Straßenseite ist gemeinhin noch gefährlicher als ein fehlender Helm, wird aber längst nicht so emotional diskutiert.

Und wenn es den Kommentatoren ernst ist, sollte diese Sonderregelung längst nicht nur für den Radverkehr gelten: Wer sein Kraftfahrzeug jenseits aller Vernunft über die Landstraße an einen kapitalen Baum pflanzt, kann ja seine womöglich zehntausende Euro schwere Behandlung aus eigener Tasche zahlen. Die Klassiker wie der Hausputz oder das Treppensteigen ohne Sicherungsmaßnahmen dürfen in dieser Aufzählung genauso wenig fehlen wie zu amputierende Raucherbeine oder das womöglich höhere Lungenkrebsrisiko entlang vielbefahrener Hauptstraßen, das automatisch zur Versagung von Versicherungsleistungen führen könnte.

Wir haben uns aber in Deutschland für dieses System entschieden. Man zahlt indirekt sowohl für die späteren Behandlungskosten der Nikotinsucht des Nachbarn, den man sowieso nicht leiden kann, als auch für die Folgekosten einer Kopfverletzung eines umbehelmten Radfahrers. Wer das in Abrede stellen möchte, muss sich eigentlich für eine komplette Abschaffung der so genannten Solidargemeinschaft einsetzen.

Oder geht es einfach nur wieder darum, dass Radfahrer etwas sollen, was sie nicht wollen und sie ja angeblich sowieso keine Steuern zahlen und sich eh nie an die Verkehrsregeln halten, wie in solchen Diskussionen auch ständig behauptet wird?

28 Gedanken zu „Ohne Helm auf eigenes Risiko“

  1. Wie wäre es denn, wenn statt der Solidargemeinschaft einfach der Autofahrer, der den Radfahrer umgefahren hat, die Kosten trägt…

    Ok, reine Polemik, ich wundere mich bei den Leserkommentaren aber immer wieder, warum auch bei Nachrichtenseiten, in deren Foren ein eher gemäßigter Tonfall gilt, die Diskussionen über Radfahrerthemen überemotional und polemisch geführt werden. Das Thema Radverkehr scheint bei vielen Leuten, die ansonsten ihren Verstand noch beisammen zu haben scheinen, irgendwas auszulösen…

  2. Ich wäre ja schon zufrieden, wenn gewisse Leute nicht permanent ohne Schild rumliefen. Selbstredend müsste man dieses auch jeweils – wie von Clans bekannt – online in [ ] vor den Namen setzen… Hach, eine schöne Welt wäre das 😉

  3. Prima, wie Smolka von der FAZ das Thema Helmpflicht hier einmal emotional angeht. Rein logische und rationale Argumente prallen von Helmpflichtfanatikern sowieso ab. In diesem Sinne hier noch ein Video zum Allianz-Autotag.

    http://www.flickr.com/photos/news2do/9083953662/

    Die Videomacher sind einfach beschränkt. Sie merken nicht einmal, dass der eingeblendete Crash zwischen einem behelmten Dummy und einem Auto die Notwendigkeit einer Helmpflicht geradezu karikiert und lächerlich macht. Schließlich schlägt der Dummy voll mit dem Gesicht in die Frontscheibe des Autos ein. Helmnutzen gleich Null in einem Pro-Helm-Video.

    Meiner Meinung nach sind die verdeckten Hintermänner für Helmpflichtforderungen in der Automobilwirtschaft zu suchen. Jeder Weg, der statt mit dem Auto per Fahrrad zurückgelegt wird, schmälert den Gewinn und lenkt die Kaufkraft in andere Wirtschaftsbereiche. Deswegen will man das Radfahren mit Helm und Zwangsjacke unbequemer und weniger attraktiv machen.

    Helmpflichtbefürworter spielen dabei lediglich die Rolle nützlicher Idioten und Gutmenschen.

    1. Naechste Propaganda: War es nicht so, dass der Anteil des Radverkehrs steigt aber die Unfallzahlen stagnieren?! Ein guter Grund dem „Allianzfachmann“ beim naechsten potentiellen Versicherungsabschluss das ganze unter die Nase zu reiben…

    2. Es geht weniger um Marginalisierung als um Geld. Leistungsverweigerung als Sparpotenzial zu zu nutzen scheint sich zum neuen Geschäftsmodell in der Versicherungsbranche auszuweiten. Wie sang seinerzeit Otto Waalkes: „..denn wer sich Arroganz versichert, der hat völlig ausgekichert…“

      „In jurisdictions where cycling is safe, a helmet law is likely to have a large unintended negative
      health impact“ schreibt Herr de Jong in seinem Artikel „The Health Impact of Mandatory Bicycle Helmet Laws“:
      http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=1368064

      Das dürfte den Assekuranzen kaum unbekannt sein. Als Versicherter hat man wenig Möglichkeiten, sollte diese aber nutzen. Als die HUK-Coburg unmittelbar nach dem OLG-Urteil anfing, solche Gedanken zu formulieren, hielt man es nicht für notwendig, auf folgenden Brief zu antworten; der Gedanke der fortschreitenden Marginalisierung von Radfahrern scheint doch nicht so weit hergeholt:

      „Sehr geehrte Damen und Herren,
      mit einigen Unverständnis habe ich das Urteil des OLG Schleswig zur Kenntnis genommen, die Ankündigung der HUK-Coburg gegenüber der „Welt“, ihre „Maßstäbe in der Haftpflichtversicherung in Folge des Urteils zu ändern“, hingegen ist darüber hinaus sehr befremdlich und anstößig:
      Im verhandelten Fall war die Radfahrerin an dem Unfall zwar vollkommen schuldlos und ihre Ansprüche an die Haftpflichtversicherung des Verursachers sind berechtigt, dennoch wird ihr von dessen Versicherungsgesellschaft über ein Gericht zivilrechtlich und vor allem nachträglich eine Pflicht auferlegt, die gesetzlich so eben nie bestanden hat.
      Eine Klage mit dem Ziel der Leistungsverweigerung! Assekuranzen machen Opfer zu Mittätern- und sparen Therapiekosten und Entschädigungen, denn nichts Anderes hat die HUK-Coburg angekündigt.
      Mir ist der Name der klagenden Versicherungsgesellschaft nicht bekannt, die Einstellung der „HUK“ hingegen kenne ich jetzt und ich kann mich zukünftig danach richten. Denn ich erwarte von meiner KFZ-Haftpflicht, in einem so eindeutigen Schadensfall das Opfer anstandslos zu entschädigen anstatt juristische Spitzfindigkeiten zu nutzen, um Leistungen zu Lasten des Opfers kürzen zu können. Diese von der HUK-Coburg angekündigte „Schuldumkehr“ widerspricht dem Sinn einer Haftpflichtversicherung ebenso wie meinen Vorstellungen von Anstand und Moral.
      Praktischerweise nennt der Artikel in der „Welt“ auch gleich Alternativen.
      Mit freundlichen Grüßen..“

  4. Smolka verwechselt bei der Mitschuldfrage nicht Unfall und Unfallfolgen. Er nennt den Unterschied sogar ausdrücklich:

    „….Nicht, weil sie Verkehrsregeln verletzt hätte, sondern weil mit Helm die Kopfverletzungen möglicherweise glimpflicher ausgegangen wären.“

    1. Okay, das stimmt. Ich hatte mich am Satz vorher festgebissen:

      Eine Radlerin war von der Tür eines parkenden Autos erwischt worden – und bekam vom Oberlandesgericht Schleswig-Holstein eine Mitschuld.

      Ich habe das in meinem Text korrigiert, danke für den Hinweis.

  5. Stößt nur mit die Begründung „Es geht den Staat nichts an.“ sauer auf?

    Denn mit Argument kann man sämtliche Maßnahmen und Vorschriften, die der Sicherheit und/oder Gesundheit dienen, abschaffen wollen.

    Ich bin gegen Fahrradhelme. Erst recht gegen eine Tragepflicht. Aber sollten Diskussionen um das Für und Wider nicht mit brauchbaren Argumenten geführt werden? „Es geht den Staat nichts an“ ist leider kein solches Argument.

    Schade.

    1. >> “Es geht den Staat nichts an” ist leider kein solches Argument. < Rechte und Gesetze) und wo nicht (-> Freiheiten).
      Da war mal vor irgendwie 2(?) Jahren ein nettes Video mit einem Fachmann der Unfälle und Unfallgeschehen, Statistiken und dergleichen für Versicherungen verarbeitet und der hatte in angenehm klaren und gut verständlichen, v.a. aber nachvollziehbaren Worten erklärt, weshalb dies den Staat tatsächlich nichts angeht und eine Helmpflicht mangels echtem Bedarf rechtlich nicht durchsetzbar ist. (Und irgendwann schaffe ich mal ein Ordnungssystem für die vielen, vielen Links, das es mir ermöglicht rasch fündig zu werden.)

      1. AAARGHH! Was ist da geschehen? Wesentlich Teile meines Textes sind futsch. Vielleicht lag es an den verwendeten Pfeilklammern?

        Wie auch immer, hier nochmal der Versuch den ganzen Text zu bringen:

        Zitat: “Es geht den Staat nichts an” ist leider kein solches Argument.

        Hm, eigentlich doch. Es bedarf einer längeren Erklärung um klar erkennbar abzugrenzen, wo den Staat es etwas angeht (-> Rechte und Gesetze) und wo nicht (-> Freiheiten).
        Da war mal vor irgendwie 2(?) Jahren ein nettes Video mit einem Fachmann der Unfälle und Unfallgeschehen, Statistiken und dergleichen für Versicherungen verarbeitet und der hatte in angenehm klaren und gut verständlichen, v.a. aber nachvollziehbaren Worten erklärt, weshalb dies den Staat tatsächlich nichts angeht und eine Helmpflicht mangels echtem Bedarf rechtlich nicht durchsetzbar ist. (Und irgendwann schaffe ich mal ein Ordnungssystem für die vielen, vielen Links, das es mir ermöglicht rasch fündig zu werden.)

  6. Das Autofahrer nicht in der Lage sind für ihre eigene (und der anderer) Sicherheit sorge zu tragen haben sie Jahrzehnte lang ausreichend unter Beweis gestellt. Das hat den Gesetzgeber veranlasst die sogenannte „Gurtpflicht“ einzuführen, um den Autoling vor sich selbst zu schützen. Hilft nicht den anderen, aber zumindest den Fahrzeuginsassen. Die Todeszahlen im Straßenverkehr sind massiv zurück gegangen.

    Wie schaut es bei den Radfahrern aus?
    Die Selbsttötungs- und Verletzungsquote ist seit je her auf geringem Niveau. Ich unterstelle dass ein beträchtlicher Anteil an sogenannten ’selbstverschuldeten Unfällen‘ durch prekäre Radwegsituation erheblich begünstigt wird. In der schnöden Statistik ist und bleibt es trivial ein ‚Selbstunfall‘.

    Nun begehren die Radlinge auf um der passiven Unfallgefährdung (Radweg) zu entkommen, tauschen sie allerdings gegen eine aktive Unfallgefährdung (Kraftverkehr) ein.

    Ein Radweg ist einfach nur da. Egal wie schlecht er ist. Da kann man dem Radling vielleicht noch vorwerfen vorausschauender zu fahren. Langsamer zu fahren wenn die Situation (schlechter Untergrund, Verschwenkungen etc.) es erfordern.

    Verkehrsteilnehmer sind hingegen nicht ‚einfach nur da‘. Sie (sollten zumindest) aufmerksam am Straßenverkehr teilnehmen, Situationen einschätzen, mit anderen Verkehrsteilnehmern interagieren. Wenn es zwischen Verkehrsteilnehmern kracht dann hat zumindest einer gepennt. Da ist es dann auch wurscht ob es der klassische Rechtsabbiegeunfall ist, der Fußgänger der mit mal den Radweg kreuzt, die Fahrzeugtür die unachtsam geöffnet wird. Oder eine Kollision auf der Fahrbahn ist.

    Die erstgenannten Unfälle treten häufig auf. Sind unmittelbar durch die Nutzung von Radwegen begünstigt. Kollisionen im Längsverkehr auf der Fahrbahn sind schon wesentlich seltener. Ich weiß nicht wie dort die Verursacherquote ist… aber quantitativ auf geringen Niveau.

    Wenn also die Selbstgefährdung der Radfahrer durch den Verzicht auf die Radwegnutzung sogar noch weiter sinkt, weshalb sollte der Radfahrer in die Pflicht genommen werden sich vor fahrlässigen Gefährdungen anderer zu schützen?

    Ist es nicht die Pflicht der Gefährder mit ihrem Gefährdungspotential umsichtiger und vorsichtiger umzugehen? Glücklicherweise sind (zumindest meine) Gefährdungssituationen auf der Fahrbahn recht gering. Aber es gibt dennoch viele Kraftfahrer die sich ihres Gefährdungspotential nicht bewusst sind und/oder nicht verantwortungsvoll damit umzugehen im stande sind.

    Da sich diese Einsicht offenbar nicht von selbst einstellt ist der nächste logische Schritt eben dieses durch weitere Regeln zu erzwingen. Beispielsweise mit der Forderung nach einer Regelgeschwindigkeit von 30 km/h innerhalb geschlossener Ortschaften.

    Die Gefährder weiter disziplinieren, anstatt die Gefährdeten mit z.B. einer ‚Helmpflicht‘ zu gängeln (um mal das Autofahrerjargon zu bemühen).

    1. [Ist es nicht die Pflicht der Gefährder mit ihrem Gefährdungspotential umsichtiger und vorsichtiger umzugehen? Glücklicherweise sind (zumindest meine) Gefährdungssituationen auf der Fahrbahn recht gering. Aber es gibt dennoch viele Kraftfahrer die sich ihres Gefährdungspotential nicht bewusst sind und/oder nicht verantwortungsvoll damit umzugehen im stande sind.]

      Das ist ein ehrbarer Gedanke. Ich möchte hinzufügen, dass es auch Kraftfahrer gibt, die Ihr Verkehrsmittel vorsätzlich gefährdend einsetzen.
      Erst heute hatte ich eine Situation, die im Beginn dieser hier (http://www.hamburg.adfc.de/verkehr/themen/verhalten/der-prozess/) geähnelt hat. Ein Kampffahrzeug drängt mich innerhalb einer verkehrsberuhigenden Fahrbahnverengung ab. Vor Wut schlage ich mit der flachen Hand auf’s Blech. Plötzlich werde ich wahrgenommen. Nach einem unverständlichem Geschrei verfolgt mich der VW-Bus mit Vollgas inkl. Geschrei und versucht mich auf die Hörner zu nehmen. Nach meiner Flucht auf den Gehweg (Ich weiss: Ordnungswidrigkeit – 20 EUR) wähne ich mich kurz in Sicherheit bis ich merke, dass mir der AgroBus über den Bordstein folgt.
      Erst als ich ein paar Anti – Falschpark – Poller passiere, kann ich aufatmen.

      Und da soll mir noch jemand was von KampfRADLERN erzählen!

      1. Ich nehme an Anzeige aufzugeben ist ziemlich sinnlos da

        1) Erstmal jemand bei der PI den Arsch hochkriegen müsste. Ist aber doof, da viel Arbeit und schlecht für die Statistik.

        2) Der SA dann den Arsch hochkriegen müsste. Ebenfalls viel Arbeit + schlecht für die Statistik.

        3) Dann noch Zeugen da sein müssten die das auch bezeugen können. Woher nehmen und nicht stehlen.

        4) Der Fahrer ermittelt werden müsste. Wer wars, wenn dann – wie im Artikel – plötzlich jemand mit Vollbart / ohne Bart dasteht?

        => Keine Anzeige, also ist der Mordversuch auch nie passiert. Und deutsches Fahrer weiter bestes von Welt, gugstu Statistik.

        Ich würde es aber trotzdem versuchen, man sollte die Hoffnung ncht aufgeben.

        Und ich bin wirklich gespannt wie lange es dauert bis da mal die ersten Steine fliegen.

        1. Der von mir verlinkte Artikel, hält mich davon ab Anzeige zu erstatten. Am Ende muss ich noch den „Totalschaden“ an dem Auto des Mitt-50er-Hamburgers erstatten.
          Auf die Justiz kann man sich leider nicht verlassen (selbst wenn die Sachlage eindeutig wäre).

          Das war nicht das erste Mal und es wird auch nicht das letzte Mal sein.

          Aber vielleicht erkennt auch mal die Polizei, dass der Kontrolldruck und damit vielleicht auch das Gefärdungsbewusstsein bei den Kampfkraftfahrern gesteigert werden muss.
          Ein erster Anfang ist gemacht (http://mobil.abendblatt.de/hamburg/article122807014/Grosskontrolle-in-Hamburg-214-Temposuender-vor-Schulen.html) und zeigt, dass rund 8% der Hamburger zu schnell unterwegs sind.
          Der Titel des Artikels ist allerdings irreführend. Er sollte besser lauten: „Hamburger Autofahrer: Schnell und Breit“.

          Naja, die Hoffnung stirbt zu letzt.

          Aber sie stirbt…

          1. Jene 8% sind nur die Autofahrer, die nach Abzug der Toleranz und den Warnungen vor Blitzern durch Medien oder andere Autofahrer übrig bleiben. Bei versteckten Untersuchungen (ohne Blitzer und nicht vom Fahrbahnrand, sondern z.B. aus Gebäuden) sind es viel mehr, laut UdV ein Drittel tagsüber und zwei Drittel nachts (UdV: Abbiegeunfälle LKW/Rad, S. 30).

            1. „Spannend“ wird es auch, wenn man z.B. nach Berufsfahrern und vielleicht sogar noch nach Berufssparten differenziert.
              Ich wohne in einer sog. verkehrsberuhigten Straße, hier fahren 100% aller Paketdienste zu schnell bis massiv zu schnell. Der DPD Heizer ist heute wieder mit Vollgas und Minimum Tempo 40 durchgestartet.
              Müllwagen werden, wenn der Müll gesammelt wird, natürlich sehr langsam gefahren, nicht jedoch wenn es wieder hinaus geht, dann kann man auch mit so einem fetten, schweren Teil mindestens mit 30 da durchheizen, juckt ja niemanden. Dito beim Straßenkehrer(!), der fegt auch inzwischen mit Tempo 25. Sonstige Städtische Lastfahrzeuge haben auch alle offenbar einen ausgeboten Tachometer.

              Bei den Anwohnern sieht es nicht viel besser aus. Mindestens jeder Zweite fährt ebenfalls erheblich zu schnell, der Rest nur „normal“ zu schnell.

              Das es nicht regelmäßig schwere Unfälle gibt, liegt daran, dass die Kinder zum Spielen kaum noch auf die Straße dürfen.

              1. Ich durfte auch schon erleben, dass in einem verkehrsberuhigten Bereich die Fussgaenger regelrecht weggehupt wurden – obwohl diese absoluten Vorrang geniesen und dort spazieren koennen wo sie wollen und wie sie wollen (Autoland Sachsen – Elberadweg in Stadt Wehlen).

          2. „Der von mir verlinkte Artikel, hält mich davon ab Anzeige zu erstatten. Am Ende muss ich noch den “Totalschaden” an dem Auto des Mitt-50er-Hamburgers erstatten.“

            Du wills mir doch nicht etwa sagen das Du Dich nicht nur reflexartig abgestützt hast nachdem Dich der Dosentreiber bedrängte und Dich deswegen ins Schlingern brachte?
            Immerhin ist eine Delle im Bech fast sowas wie ein Beweismittel – wie solltest Du überhaupt an das Blech kommen, außer wenn der Fahrer nicht wesentlich weniger als die geforderten 1,0 – 1,5 m Sicherheitsabstand einhält?

            1. Ups, ich hatte wohl vergessen, dass ich stets mit Kamera herumfahre. Das Video ist gleich online: https://vimeo.com/81979653

              Die Verfolgung ist nicht zu sehen aber in Ansätzen zu hören. Das komische Geklimper am Anfang ist die vorgeschriebene „hell-klingende Warnglocke“ (oder so ähnlich).
              Für solche Kampfkraftfahrer bräuchte ich eigentlich so ein Ding: https://www.globetrotter.de/shop/air-zound-iii-bike-horn-102854/

              @Malte: Sorry für diesen etwas ausufernden OT

      2. Ich hatte vor vielen Jahren auch mal so einen Heini, der erst einen auf ganz dicke Eier macht und mit Vollgas durch die 30er Straße, todesmutig an einer beparkten Engstelle erst mich direkt vor dem parkenden Fahrzeug überholen, um dann den Schwanz wegen des doch bereits sehr dicht heran gekommenen Gegenverkehrs, mittels Vollbremsung einzuziehen. Nur konnte ich da nicht mehr sicher anhalten und bin nun selber gezwungenermaßen mit dem Rad durch den Restspalt zwischen Todesfaher und parkendem Fahrzeug hindurch und zwar erfreulicherweise berührungslos! Hab aber die Gelegenheit genutuzt mit der flachen Hand gegen die rückwärtige Seitenscheibe zu patschen, einfach auch um die Wahrnehmung des Kamikazeheizers anzuregen, damit er gaaaaanz viiieeeelleicht überlegt, wie megabescheuert und disqualifizierend seine Heizerei da soeben war.

        Aber der hat das *Patsch* wohl eher als *Krawumm_ins_Blech* gedeutet und mich als vermeintlichen Unfallflüchtigen dann reifenquietschend und brüllend verfolgt. Ich sah aber keinen Bedarf meinen Körper der desinteressierten Umwelt als Märtyrer für den alltäglichen Autoschwachsinn, gerade in jener theoretischen 30er Straße, zur Verfügung zu stellen und hab mich über ne Sackgasse davon gemacht.

        Und ja, in Situationen wie solchen wünscht man sich spontan schon sowas wie … sprech ich jetzt nicht aus, aber in Autos von Adrenalinjunkies liegt derartiges wohl häufiger unterm Fahrersitz herum.

  7. https://www.allianz.at/v_1370331649000/privatkunden/media_newsroom/news/aktuelle_news/pa_download/20130604charts_azt_studie.pdf

    Die Allianz behauptet auf
    Seite 4
    „-Jede Stunde verletzt !sich! ein Fußgänger oder Radfahrer im Verkehr“

    Seite 11
    -Ohne Helm etwa doppelt so viel Gehirnverletzungen (u.a. Elvik oder Otte et al.)
    -Helm reduziert Kopfverletzungshäufigkeit um ca. 18 Prozent
    -Helm reduziert schwere Kopfverletzungen um ca. ein Drittel

    Seite 12
    – Helmpflicht hält vom Fahren ab? Keine tragfähigen Studien!

    Wer kennt Elvik oder Otte et al.? Zum Rest gibts offenbar keine Quellen.

    1. Otte et al.: „Wirksamkeit von Fahrradhelmen bei Verkehrsunfällen von Radfahrern auf Kopfverletzungshäufigkeit und Verletzungsschwere“ ist eine Studie aus Hannover, die auf der GIDAS-Datenbank der Unfallversicherer basiert. Das Ding hat ziemliche methodische Fehler drin, uA der bei Helmstudien mit guter Bewertung der Helme mit erschreckender Regelmäßigkeit zu beobachtende Fehlschluß vom Hellfeld auf’s Dunkelfeld (um das mal soziologisch auszudrücken) – oder anders formuliert: Die Forscher haben wieder einmal übersehen, dass die Helmtragequote in der Gesamtbevölkerung erheblich niedriger war, als in ihrer klinisch dokumentierten Vergleichsgruppe. Anscheinend unterblieb auch eine Differenzierung zwischen nüchternen und intoxizierten verunfallten Verkehrsteilnehmern.

      Und Elvik als pro-Helm-Studie zu zitieren ist extrem frtech, da er zu einem völlig anderen Untersuchungsergebnis kommt. Mehr dazu hier: http://cyclehelmets.org/1251.html

  8. Ich bin zwar etwas spät dran und auch nicht sehr begeistert von einer Helmpflicht, auch wenn mich einige Erfahrungen dazu getrieben haben, mittlerweile stets mit Helm unterwegs bin. Aber ich könnte sehr gut mit dem Deal leben, im Gegenzug zur Fahrradhelmpflicht gesetzlich zu regeln, dass jedem Kraftfahrer, der einen Unfall mit Radfahrerbeteiligung verschuldet, die Fahrerlaubnis auf Lebenszeit entzogen wird.

  9. „…stets mit Helm unterwegs zu sein…“ muss es natürlich heißen.

    Man sollte sich nicht stören lassen, bevor man einen Satz vollständig geändert hat.

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