Norderstedt: Irritationen wegen Fahrbahnradler

Der Radfahrer hat in Deutschland das Entwicklungsstadium des vollwertigen Verkehrsteilnehmers einfach übersprungen: nachdem er jahrelang ignoriert wurde, mit Glück insofern Aufmerksamkeit erhielt, als dass es ihn wie nur irgend möglich von der Fahrbahn fernzuhalten galt, findet er nunmehr Anwendung als mobile Verkehrsberuhigung für Kraftfahrer. Nachdem in Berlin schon ähnliche Ideen gepflegt wurden, soll der Einsatz der rollenden Tempolimits nun auch in Norderstedt erfolgen: Garstedter Dreieck: Norderstedts erste Radautobahn

Auf der neuen Horst-Embacher-Allee im Garstedter Dreieck sind Radfahrer ausdrücklich gewünscht – auch, um den Verkehr zu verlangsamen.

Man mag sich leicht vorstellen, wie schlecht mutmaßlich der Radverkehr in einer solchen Situation auf der Fahrbahn aufgehoben wird, wenn jeder Kraftfahrer die mit zweieinhalb Metern, wie man so schön sagt, bestens ausgebauten und breiten Radwege durch die Frontscheibe erkennen kann und vermutlich kaum zögern wird, jene Radfahrer, die ihn da gerade einbremsen, mit strafrechtlich relevanten Maßnahmen zu deren Benutzung zu drängen.

Schön ist das nicht. Eine vernünftigere Begründung, etwa die bereits festgestellte mangelnde Notwendigkeit für benutzungspflichtige Radwege, wäre hier dringend angebrachter. Am schönsten ist natürlich Arne Michael Berg, der eine Benutzungspflicht für Radwege allein schon daraus impliziert, dass Radwege Geld gekostet haben. Im Umkehrschluss muss das wohl bedeuten, dass Kraftfahrer keine normalen Straßen mehr benutzen dürfen, sondern ausschließlich auf der Autobahn fahren dürfen, weil die Autobahn doch so teuer war — auf diese irrwitzige Argumentation käme natürlich kein Mensch. So bleibt nur festzustellen, dass auch in Norderstedt offensichtlich zum Großteil Verkehrsteilnehmer diskutieren, die weder die Straßenverkehrs-Ordnung noch die einschlägigen Unfallstatistiken studiert haben.

Für die Sicherheit der Radfahrer wäre das allerdings sehr zuträglich.

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