Nissen Bike-Spot: Für mehr Sicherheit auf Radwegen?

Mehr Sicherheit auf Radwegen und reduzierte Gefährdung durch tote Winkel verspricht die Firma Nissen mit ihrem Bike-Spot. Nachdem nun in Wedel bei Hamburg eine Kreuzung mit dem System ausgerüstet wurde, kommen zumindest erste Zweifel an der tatsächlichen Sicherheit des Systemes auf.

Die Funktionsweise ist relativ simpel: ein Sensor ist der Kreuzung vorgelagert und erkennt Objekte auf dem Radweg, die sich schneller als acht Kilometer pro Stunde bewegen und aktiviert anschließend ein gelbes Blinklicht mit Fahrradpiktogramm, das an einen Signalgeber der Lichtsignalanlage montiert wird. Dabei wird das System nicht als Bestandteil der Lichtsignalanlage angeschlossen, womit gleich einige Nachteile einhergehen. Etwa wird das Blinklicht auch eingeschaltet, wenn der Radverkehr eine rote Ampel beachten muss, also gar nicht queren kann.

Laut Nissen ist dieses Verhalten allerdings gewollt, um auch vor Radverkehr zu warnen, der eine Kreuzung bei rot überquert, und um mit absichtlichen Fehlalarmen eine Gewöhnung zu unterbinden. Aus der fehlenden Verbindung zwischen Bike-Spot und Ampel resultiert auch, dass ein Radfahrer, der bei rot anhält und bei grün losfährt, vom Blinklicht keine Berücksichtigung findet. Nissen beruft sich hierzu auf Untersuchungen des ADFC, laut denen beim Umschalten auf grün zwischen Fahrradfahrer und abbiegendem Fahrzeug Blickkontakt aufgenommen wird.

In Wedel erkennt der Bike-Spot allerdings nicht einmal jedes zweite Fahrrad, dafür aber gut jedes fünfzigste Auto auf der Fahrbahn. Bis der Radfahrer die Distanz von knapp vierzig Metern zwischen Sensor und Kreuzung zurückgelegt hat, ist das Blinklicht hingegen längst erloschen — wenn man kräftig in die Pedale tritt, kann man gerade eben noch die Kreuzung erreichen, bevor sich das Licht abschaltet.Ein abbiegender Autofahrer, der mit einem Radfahrer überhaupt erst in Konflikt kommen könnte, müsste also sehr früh auf das blinkende Licht achten, bevor er überhaupt die Kreuzung vor dem Abbiegevorgang einsehen kann. Ob es dagegen tatsächlich so sinnvoll ist, dass der Bike-Spot bei roter Ampel vor kreuzenden Radfahrern warnt, wird sich erst zeigen müssen. Als unwissender Kraftfahrzeugführer nähert man sich der Radfahrerfurt und wird plötzlich vor Radfahrern gewarnt, die irgendwo zu erwarten sind — um das nicht alsbald als Fehlfunktion abzutun, müsste man sich also auf der Homepage über die Funktionsweise informieren. Überhaupt müsste die Aufrüstung der Kreuzung mit einem Bike-Spot erst einmal bekannt gemacht werden, sonst werden sowohl Auto- als auch Radfahrer ihn einfach übersehen. Wenigstens das Problem mit der Blinkdauer, dass die Leuchte erlischt, bevor der Radfahrer überhaupt die Kreuzung erreicht hat, wird sich hoffentlich durch eine Justierung des Systemes anpassen lassen.

Vermutlich wird es den gleichen Weg gehen wie die üblichen gelben Warnleuchten an Kreuzungen und im Zuge der Unfallvermeidung nur einen geringen Stellenwert einnehmen. Erst einmal muss ein Autofahrer wissen, ob eine Ampel mit dem System ausgestattet ist und dann muss er noch einkalkulieren, dass nicht jeder Radfahrer den Sensor auslöst und Fehlalarme relativ häufig auftreten. Um einen sorgfältigen Schulterblick kommt er ohnehin nicht herum. Sinnvoller wird es dagegen sein, den Radverkehr erst überhaupt nicht auf unfallträchtigen Radwegen zu führen und dort an den Symptomen zu doktorn, sondern ihn stattdessen auf die Fahrbahn zu verlagern und die Hauptunfallursache zu beseitigen — und sei es mit einem Rückbau der Fahrradwege und aufgemalten Schutzstreifen. Alternativ ließen sich auch die Ampelphasen auftrennen, so dass Fahrradfahrer und Fußgänger nicht gleichzeitig mit den Rechtsabbiegern grün bekommen.

Das Wedel-Schulauer-Tageblatt freute sich bereits vor einem Dreivierteljahr mit einem Artikel über das System, das natürlich etwas positiver dargestellt wird, als es im Endeffekt zu sein scheint. Vermutlich hätte man schon nach zwei Sätzen bei dem Begriff „Fahrradfahrer-Stadt“ stutzig werden müssen, denn Wedel ist von diesem Titel noch weit entfernt. Die Wedeler Radfahrer dürften zumindest nicht wegen, sondern trotz der Radverkehrsanlagen unterwegs sein.

Ein Gedanke zu „Nissen Bike-Spot: Für mehr Sicherheit auf Radwegen?“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.