Neue Pseudo-Radfahrstreifen für Hamburg

Ob das wohl gut geht? Das Hamburger Abendblatt schreibt: Umbau: 40 neue Radstreifen für Hamburg

Hamburger Senat lässt einige Hauptstraßen umbauen. Den Grünen reicht das jedoch nicht. Sie fordern auch bessere Ampelschaltungen.

Die bisherigen Anstrengungen sorgten dafür, dass das bisherige Netz von etwa zwanzig Kilometern etwa verdoppelt wird — sofern man denn von einem Netz sprechen darf: Bekanntlich sind die Hamburger Streifen in der Regel nur ein loses Flickenwerk nicht miteinander verbundener Streifen von vielleicht jeweils hundert Metern Länge, bei denen sich auf beiden Seiten der übliche unzureichende Radweg anschließt.

Im Prinzip braucht man sich auch nicht weiter darüber Gedanken machen: Die Radfahrstreifen werden in ihrer Qualität den bislang üblichen Radwegen entsprechen, nur auf der anderen Seite des Hochbordes liegen. Auf Fahrradstreifen unzureichender Breite werden Radfahrer auch künftig dicht an parkenden Kraftfahrzeugen entlanggeführt oder mit seltsamen Verkehrsführungen unnötig gefährdet — und wie gehabt nach knapp hundert Metern wieder auf das übliche Hochbord geschickt.

Und es darf eben auch nicht der Hinweis fehlen, dass sich in Hamburg nur ein oder zwei echte Radfahrstreifen finden: Bei dem Rest handelt es sich in Ermangelung von Zeichen 237 lediglich um Seitenstreifen mit Fahrradpiktogrammen. Dort dürfen, wie es etwa in der Dammtorstraße ständig praktiziert wird, Kraftfahrzeuge abgestellt werden — angeblich ein Trick der Hamburger Polizei, um sich den Ärger mit Falschparkern zu sparen. Ob hinter diesem Gerücht womöglich ein Funken Wahrheit steckt? Zumindest behauptet die Polizei vehement, dass für Radfahrstreifen keine zusätzliche Beschilderungen notwendig wären.

6 Gedanken zu „Neue Pseudo-Radfahrstreifen für Hamburg“

  1. Ein Radweg muss nicht unbedingt benutzungspflichtig sein, nur weil er auf Fahrbahnniveau geführt ist. In dieser Hinsicht halte ich es für positiv, wenn bei den meisten „Radfahrstreifen“ kein Blauschild gibt. Damit kann man wenigstens dort die gefährliche Verkehrsführung legal rechts liegen lassen. Wenn durch Piktogramme eindeutig erkennbar ist, dass die Fläche für Radfahrer reserviert ist, dann handelt es sich meiner Meinung nach nicht um einen Seitenstreifen sondern um einen (nicht benutzungspflichtigen) Radweg, der eben zufällig auf Fahrbahnniveau geführt ist. Somit ist das Parken unabhängig von eventuellen Blauschildern verboten.

    1. Da unterscheiden die Verkehrsregeln aber zwischen Schutzstreifen und Radfahrstreifen auf der Fahrbahn. Bei Schutzstreifen ergibt sich die Benutzungspflicht angeblich aus dem Rechtsfahrgebot, was von Behörden offenbar auch derart ausgelegt wird, dass Radfahrer haarscharf an den linken Außenspiegeln parkender Kraftfahrzeuge entlangradeln müssen und natürlich ständig in der Doorzone klemmen.

      Bei Radfahrstreifen muss aber zwingend ein Zeichen 237 aufgestellt werden. Ohne Zeichen 237 klebt auf der Straße kein Radfahrstreifen, sondern lediglich ein stinknormaler Seitenstreifen. Daran ändern auch die Fahrrad-Piktogramme nichts.

  2. Wenn die Streifen durch Leitlinie – Zeichen 340 (unterbrochene Linie) abgetrennt sind, sollte es sich um „Schutzstreifen“ handeln. Mittlerweile ist klargestellt, dass dort das Parken grundsätzlich verboten ist(Anlage 3 zur StVO, Abschnitt 8). Sofern eine Benutzungspflicht durch das Rechtsfahrgebot hergeleitet werden soll, kann diese nicht über die allgemeinen Regeln zum Rechtsfahrgebot hinausgehen, ausreichende Abstände zu parkenden Fahrzeugen sind daher m.M.n. legal. Allerdings geben sich die meisten Verkehrsteilnehmer nicht mit solchen rechtlichen Überlegungen ab. Sowohl Rad- als auch Autofahrer gehen konkludent von einer zwingenden Benutzung aus. Leider haben Schutzstreifen oft verheerenden Einfluss auf praktisch eingehaltene Sicherheitsabstände nach links und rechts. In der Theorie werden die üblichen Abstandsregelungen dagegen nicht verändert.

  3. „Zumindest behauptet die Polizei vehement, dass für Radfahrstreifen zusätzliche Beschilderungen notwendig wären.“
    Mit Polizei ist hier aber nicht die Hamburger Polizei gemeint, oder?
    Denn gerade die Hamburger Polizei vertritt die Interpretation des Referatsleiters „Grundsatzangelegenheiten Straßenverkehr“ der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Infrastruktur, Herrn Rupert Schubert. Der lässt verlauten, dass
    „Eine zusätzliche Kennzeichnung durch Zeichen 237 [ist] daher abweichend von der VwV-StVO zu § 2 Absatz 4 Satz 2, Abschnitt I Nr. 3 und zu Zeichen 237 entbehrlich, eine Verdeutlichung durch Piktogamme ist ausreichend.“

    Dementsprechend bleibt dann nämlich festzuhalten, dass sich „die Benutzungspflicht aus dem Rechtsfahrgebot (§ 2 StVO) ergibt.“
    Sprich: Ein Seitenstreifen mit Piktogramm ist in Hamburg ein Radfahrstreifen. 🙂

    Übrigens wird beim Anlegen von Seitenstreif… ähm „Hamburger Radfahrstreifen“ nicht nur Z.237 nicht aufgestellt (Staatsoper), auch bei Umbaumaßnahmen wird Z.237 nicht mehr neu errichtet (Grindel, vor dem alten Gebäude der Staats- und Uni.Bib). Zu allem Überfluss werden an vorhanden Radfahrstreifen auf sukzessive Z.237 entfernt (Eilbeker Weg).

    Ich kenne nur einen Radfahrstreifen in ganz Hamburg, der (noch!) über Z.237 verfügt. Stormaner Straße Richtung Westen, zwischen Elsässer und Lüneburger. Achja, der Streifen ist 1,20m breit und unmittelbar neben parallel parkenden KfZ aufgepinselt… 🙂

    1. “Zumindest behauptet die Polizei vehement, dass für Radfahrstreifen zusätzliche Beschilderungen notwendig wären.”
      Mit Polizei ist hier aber nicht die Hamburger Polizei gemeint, oder?
      Denn gerade die Hamburger Polizei vertritt die Interpretation des Referatsleiters “Grundsatzangelegenheiten Straßenverkehr” der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Infrastruktur, Herrn Rupert Schubert. Der lässt verlauten, dass
      “Eine zusätzliche Kennzeichnung durch Zeichen 237 [ist] daher abweichend von der VwV-StVO zu § 2 Absatz 4 Satz 2, Abschnitt I Nr. 3 und zu Zeichen 237 entbehrlich, eine Verdeutlichung durch Piktogamme ist ausreichend.”

      Hoppla, danke für den Hinweis, da ist mir wohl ein „nicht“ abhanden gekommen. Ich habe auch schon mehrmals mit der Straßenverkehrs-Ordnung auf dem Tisch erklären wollen, dass es sich um Seitenstreifen handelt, aber bei der Polizei kam das nicht so gut an.

      1. Malte, vielleicht sollten wir uns mal zusammentun.
        In dem druckfrischen Flyer „Radfahrstreifen und Schutzstreifen“ der BWVI vom März 2013 wird nun nämlich hochoffiziell und weiß auf blau erklärt, was ein Radfahrstreifen ist.
        sinngem: „durchgezogener Strich und Fahrradpiktogramm“

        find ihn nur noch nicht online…

        Was sagte gestern ein Verkehrsplaner: „auf die Fahrbahn gepinselte Piktogramme sind so relevant wie eine ausgekippte Packung Quark“
        Tja, anscheinend nicht in HH

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