Neongelb mit roten Flecken

Fahrradgeschichten Die Sommerpause findet dieses Jahr offenbar gar kein Ende mehr — so darf fröhlich weiter diskutiert werden, mit welchen Forderungen man dem boomenden Radverkehr als nächstes einen Stock zwischen die Speichen schießen möchte.

Auch schon recht lange hält sich parallel zur Forderung der Helmpflicht die Idee einer Warnwestenpflicht und spätestens beim anschließendem Abgleich mit der Realität bekommt jeder Radfahrer sein gefürchtetes Schädel-Hirn-Trauma allein durchs Kopfschütteln. Doch gerade in der dunklen Jahreszeit kommt man nicht umhin, wenigstens ein Mal pro Woche über dieses Thema diskutieren zu müssen.

Immerhin: eine Warnweste ist wenigstens eine präventive Maßnahme und könnte im Gegensatz zum Fahrradhelm womöglich Unfälle vermeiden. Andererseits wirkt sich eine Warnwestenpflicht sofort negativ auf alles aus, was nicht neongelb in der Dunkelheit unterwegs sind. Das müssen nicht nur Radfahrer, sondern können auch Fußgänger sein, denn Autofahrer werden primär nur noch auf alles achten, was nachts leuchtet — alles andere verschmilzt per Definition mit der schwarzen Nacht.

Und das ist gefährlich.

Die Straßenverkehrszulassungsordnung ist in Paragraph 67 bezüglich der Ausstattung eines Fahrrades nicht misszuverstehen, die Anzahl und Richtung von Beleuchtungseinrichtungen sind genau vorgeschrieben, auch wenn die technische Ausstattung schon etwas antiquiert anmutet, wobei wenigstens ein Dauerbetrieb der Rückleuchte, also eine Standlichtfunktion, bekannt ist. Eine kräftige Beleuchtung sucht man in den Absätzen vergebens — dass Radfahrer in Straßen mit vielen verschiedenen Lichtquellen mit ihrer kleinen Beleuchtung durchaus untergehen, ist ein weit verbreitetes Problem.

Ein Radfahrer mit Warnweste ist sicherlich schon aus mehreren hundert Metern zu sehen, alles andere ohne Warnweste allerdings nicht. Im Prinzip entbindet eine Warnwestenpflicht den Autofahrer nur noch weiter von seinem Sichtfahrgebot, wenn er beim Abbiegen gar nicht mehr den Kopf auf der suche nach Fahrrädern oder Fußgängern zu wenden braucht, sondern sich einfach darauf verlässt, dass er alles wichtige als neongelben Fleck im Augenwinkel wahrnehmen wird.

Nun gilt eine Warnwestenpflicht nicht für Fußgänger und auch als Radfahrer kann man eine solche Weste vergessen oder von einem Rucksack zum Großteil verdecken. Es gibt viele Gründe, warum eine Warnweste nicht „funktioniert“, weil etwa der Radweg hinter parkenden Autos oder Gewächs verläuft und der Autofahrer im Augenwinkel eben keine Warnweste erkennt und unbekümmert abbiegt.

Wenn ein Radfahrer nachts in einer dunklen Ecke mit einer Mülltonne kollidiert, die als Hindernis auf dem Radweg aufgestellt wurde, hält ihm der Polizeibericht anschließend einem Verstoß gegen das Sichtfahrgebot vor, meistens wird der Besitzer der Mülltonne noch nicht einmal belangt. Sogar in einer unzureichend gesicherten Baustelle, wie sie auf Radwegen mehr Regel als Ausnahme sind, ist der Radfahrer selbst schuld, wenn er in die ungesicherte Baugrube stürzt.

Für motorisierte Verkehrsteilnehmer läuft das offenbar etwas anders, aus einer Mülltonne auf der Fahrbahn würde vermutlich relativ schnell ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und ihr Besitzer kann sich vor Kalamitäten kaum noch auf den Beinen halten. Theoretisch darf ein Autofahrer nachts auf einer unbeleuchteten Straße nur so schnell fahren, dass er rechtzeitig anhalten darf, dabei gehen die Meinungen teilweise von der halben Länge des Scheinwerferlichtes aus — das ist keine besonders lange Strecke und hätte die Konsequenz, dass streng nach Straßenverkehrsordnung eine Geschwindigkeit von 50 bis 70 Kilometern pro Stunde schon das Maximum im nächtlichen Verkehr darstellt.

Das funktioniert natürlich nicht und ein solches Fahrzeug würde vermutlich alle paar Sekunden mit gefährlichen Manövern überholt. Gerade nachts ist aufgrund der geringeren Verkehrsdichte eine Geschwindigkeit von deutlich über einhundert Kilometern pro Stunde eher die Regel als die Ausnahme und geht so lange gut, bis plötzlich hinter der nächsten Kurve das besagte Pannenfahrzeug wartet. In der Regel schlägt der Fahrer in das Pannenfahrzeug noch innerhalb der Schrecksekunde ein. Nebenbei erwähnt wäre auch das Radfahren mit Warnweste auf außerörtlichen Straßen ein gefährliches Unterfangen, sofern der Radfahrer nicht auf einen parallelen Radweg ausweichen kann oder will. Auf geraden Strecken sollte das Rücklicht theoretisch genügen, auf kurvigen Strecken liegt der Radfahrer analog zum Pannenfahrzeug auf der Motorhaube, bevor der Autofahrer überhaupt gemerkt hat, dass da jemand radelt.

So wäre es dann nicht verwunderlich, wenn in der Zeitung plötzlich etwas von dem Radfahrer steht, der nachts überfahren wurde, weil er keine Warnweste trug — ganz analog zu den vielen Unfallmeldungen, die dem Unfallopfer Vorwürfe an seinen schlimmen Verletzungen machen, weil kein Fahrradhelm getragen wurde. Dennoch: es gilt nach wie vor das Sichtfahrgebot.

Die Unfallart, die eine Warnwestenpflicht primär bekämpfen soll, dürfte vermutlich der klassische Abbiegeunfall sein, bei dem ein Radfahrer auf dem Radweg von einem abbiegenden Kraftfahrzeug erfasst wurde. In der Theorie des Fahrschulunterrichtes darf ein Autofahrer überhaupt nicht nach rechts abbiegen, sofern er denn nicht erkennen kann, ob sich dort womöglich ein Konfliktfahrzeug nähert. Dabei ist es theoretisch unbedeutend, ob es sich um einen joggenden Fußgänger handelt, der ja, wie schon mehrfach erwähnt, von einer Warnwestenpflicht unberührt bleibt, oder einen unbeleuchteten Zweiradfahrer, denn der abbiegende Autofahrer hat eine Gefährdung auszuschließen. Fährt er dabei jemanden, egal wen, über den Haufen, ist er dieser Pflicht nicht nachgekommen. Zugegeben: es ist durchaus schwer, im nächtlichen Regenschauer einen unbeleuchteten Radfahrer zu erkennen und es braucht an dieser Stelle nicht zu diskutiert werden, dass unbeleuchtete Radfahrer mehr als nur vollkommen verantwortungs- und rücksichtslos handelt.

Es gibt also offenbar Stellen im Straßenverkehr, bei denen Radfahrer nicht ausreichend von anderen Verkehrsteilnehmern gesehen werden können. Dahinter steckt wenigstens zu einem wesentlichen Teil die übliche Problematik mit Fahrradwegen: sie sind einfach gänzlich ungeeignet. Die Separation von Kraftfahrzeug- und Fahrradverkehr funktioniert eben nur so lange, wie es keine Konfliktsituationen gibt, die aber nicht nur zuverlässig an jeder Kreuzung, sondern auch an jeder Grundstücksausfahrt und bei jedem Aussteigen aus einem parkenden Fahrzeug entstehen. Die weiteren Unzulänglichkeiten, also Unebenheiten, Wurzelaufbrüche, Mülltonnen, parkende Kraftfahrzeuge und unachtsame Fußgänger, sowie gänzlich ungeeignete Verkehrsführungen, sind hier hinlänglich bekannt und brauchen nicht weiter ausgeführt zu werden.

Primäres Problem scheinen also die Sichtbeziehungen zu sein, wenn Fahrradwege nicht direkt parallel zur Fahrbahn geführt werden, sondern sich hinter parkenden Fahrzeugen, Sträuchern oder anderen Sichthinternissen verstecken. In solchen Fällen hilft aber eine Warnweste auch nur noch im allerletzten Moment, denn vor dem Abbiegen ist der Radfahrer auch mit Warnweste nicht zu erkennen. Vermutlich würde eine sichere Verkehrsführung für deutlich mehr Sicherheit sorgen als eine bloße Warnwestenpflicht mit allen aufgeführten Nachteilen — eine solche Verkehrsführung könnte etwa die hinlänglich bekannten Fahrradspuren auf der Fahrbahn sein oder wenigstens vernünftige Radwege, wenn man Radfahrern die bloße Benutzung der Fahrbahn nicht zutraut.

Bei der ganzen Problematik tritt noch ein weiterer Aspekt auf, der hier nicht unbeachtet bleiben soll: über den modischen Wert von Fahrradhelmen kann man wie immer streiten, aber eine Warnweste sieht tatsächlich vor allem lächerlich aus. Das mag in einer Diskussion über Sicherheitseinrichtungen nebensächlich sein, schließlich sind schusssichere Westen und kettensägenabweisende Sicherheitshosen ebenfalls keine Augenweide, doch für den Radverkehr ist es durchaus von Wichtigkeit, nicht allzu lächerlich daherzukommen. Einerseits soll das Fahrrad nunmal ein gleichberechtigtes Verkehrsmittel darstellen, zu dessen Benutzung man sich nicht wie am Karneval verkleiden sollte, andererseits besteht natürlich auch die Gefahr, dass Autofahrer neongelbe Radfahrer als unwichtig betrachten und in bestimmten Verkehrssituationen nicht ausreichend ernst nehmen. Das lässt sich bereits heute beobachten, wenn in den einschlägigen Foren gelacht wird, wenn sich Radfahrer an der Steigung abstrampeln, während der Autofahrer nur lässig auf das Gaspedal treten muss.

Warnwesten sind technisch gesehen nachts relativ nutzlos: die meiste Fläche einer Weste nimmt die gelbe oder orangefarbene Tagesleuchtfarbe ein, zusätzlich sind in der Regel mehrere Reflektionsflächen integriert. Die Tagesleuchtfarbe wandelt ultraviolettes Licht in sichtbares Licht um, funktioniert aber nur, wenn die Sonne als ultraviolette Strahlungsquelle zur Verfügung steht — also in der Regel nicht nachts. Bei trüben Wetter und in der Dämmerung kommt eine Warnweste aufgrund des dann höheren Anteils ultravioletter Strahlung hingegen besser zur Geltung. Die Reflektionsstreifen hingegen sind nachts zwar zu erkennen, sofern sie nicht von Gepäck verdeckt sind, lassen aber dennoch die Identifikation als Radfahrer erst bei näherer Betrachtung zu — in der Regel wird man kleine, reflektierende Streifen in der Dunkelheit als Verkehrseinrichtung oder Beiwerk der Stadt- oder Landschaft abtun.

Außerdem degradiert man Radfahrer auf diese Weise zu Verkehrsteilnehmern dritter Klasse — allenfalls zweitklassig werden sie schon länger behandelt, wenn sie auf unzureichende und stellenweise auch gefährdende Radwege mit benachteiligenden Verkehrsführung gezwungen werden. Indem man nun die Radfahrer zu leuchtenden Paradiesvögeln stilisiert, nimmt man den Autofahrern jegliche Pflicht auf andere Verkehrsteilnehmer zu achten, um ihnen jegliche Nachteile zu ersparen, während Fahrradfahrer sich mit Helmen und Warnwesten schützen müssen und im Zweifelsfalle an einem nicht selbst verursachten Unfall trotzdem schuld sind — dem Autofahrer könne man schließlich keine Vorwürfe machen, er könne ja schließlich nicht auf alles achten und ist, nebenbei erwähnt, über dutzende Meter so sehr mit der Bedienung von Navigationsgerät oder Mobiltelefon beschäftigt, dass er auch eine Warnweste nicht wahrnehmen könnte. Dass momentan vor allem der Autofahrer in Kalamitäten steckt, wenn der Radfahrer wider der Verkehrsregeln auf der Motorhaube liegt, ist sicherlich auch keine befriedigende Situation.

Und wieder einmal bleibt zum Schluss festzuhalten, dass diejenigen Politiker mit der Idee einer Warnwestenpflicht vermutlich allzu selten auf dem Fahrrad sitzen — um nicht den Gedanken in den Raum zu werfen, ob sich der eine oder andere vielleicht selbst schon einmal geärgert hat, dass man beim Abbiegen immer aufpassen muss, ob da noch jemand im Anmarsch ist.

7 Gedanken zu „Neongelb mit roten Flecken“

  1. > Die Straßenverkehrszulassungsordnung ist in Paragraph 67
    > bezüglich der Ausstattung eines Fahrrades nicht misszu-
    > verstehen, die Anzahl und Richtung von Beleuchtungs-
    > einrichtungen sind genau vorgeschrieben, auch wenn die
    > technische Ausstattung schon etwas antiquiert anmutet,
    > […] Eine kräftige Beleuchtung sucht man in den Absätzen
    > vergebens — dass Radfahrer in Straßen mit vielen
    > verschiedenen Lichtquellen mit ihrer kleinen Beleuchtung
    > durchaus untergehen, ist ein weit verbreitetes Problem.
    >
    > Ein Radfahrer mit Warnweste ist sicherlich schon aus mehreren
    > hundert Metern zu sehen, alles andere ohne Warnweste allerdings
    > nicht.

    Dazu einige Anmerkungen meinerseits:
    Die Beleuchtungsvorschriften der StVZO sind unbestritten völlig antiquiert, jedoch von der Idee her nicht schlecht. Zu ihrer Entstehungszeit hatten auch KFZ nur 6 V, und Halogenscheinwerfer bei KFZ wurden erst in den frühen Achtzigern auf breiter Front eingeführt. Die Leistung der vorgeschriebenen Beleuchtung ist einfach hoffnungslos hinterher; umgekehrt läßt die technische Entwicklung der letzten Jahre (Nabendynamos, LED-Leuchten) Zuversicht schöpfen. Schlimmer sind da die technischen Detailanforderungen, wie z. B. Verbot eines Fernlichtes an Fahrrädern u. ä., die aber meist nicht auf die Sichtbarkeit der Radfahrer einen Einfluss haben, sondern das betreffen, was der Radfahrer selbst besser sehen könnte.

    Mir ist da kürzlich, als ich kurz nach sechs Uhr im ländlichen und kleinstädtischen (also Radfahrer meist auf der Fahrbahn) frühen Berufsverkehr mit dem Auto unterwegs war, etwas aufgefallen, worauf ich dann ‚mal bewußt geachtet habe:

    Fast alle Radfahrer um diese frühe Stunde waren mit Warnweste unterwegs. Ausnahmslos alle davon habe ich bereits „von weitem“, also aus ausreichender Entfernung, anhand ihrer Lichtanlage wahrgenommen. Dabei waren nach meiner Einschätzung die Lampen umso besser zu erkennen, je höher sie am Rad befestigt waren, und die Reflektoren, je tiefer sie am Rad waren. Je nach Qualität der Scheinwerfer und Rücklichter habe ich zuerst die Lampen oder zuerst die Pedalreflektoren wahrgenommen. Letztere sind durch ihre Bewegung ungeheuer effektiv und werden meist völlig unterschätzt. Bei ausnahmslos allen Radfahrern war die Warnweste erst dann zu erkennen, als sie fast auf meiner Höhe waren! Dabei waren die Westen der entgegenkommenden Radfahrer nur dann überhaupt erkennbar, wenn ich bewußt darauf achtete; also wertlos! Im Abblendlicht ist die Warnfarbe erst viel zu spät zu erkennen („Nachts sind alle Katzen grau“), die meist um den Bauch verlaufenden Reflexsteifen frontal durch Körperhaltung, Faltenwurf, Lenker usw. verdeckt und oberhalb des Lichtkegels des Abblendlichtes gelegen. Die in gleicher Richtung fahrenden Radfahrer, denen man sich also von hinten nähert, sind eine Spur auffallender, weil die Reflexstreifen nicht verdeckt werden; aber auch sie geraten erst lange nach Erkennbarkeit der Schlußleuchte und der Pedalreflektoren in den Lichtkegel des Abblendlichtes. Sinnvoll sind die Warnwesten in der Dunkelheit also allenfalls auf Landstraßen, wenn sich von hinten ein Auto mit Fernlicht nähert!

    Die Wirksamkeit der Warnwesten ist genau dann gegeben, wenn die meisten Radfahrer nicht auf die Idee kämen, sie zu tragen: tagsüber, wenn die „Tageslichtleuchtfarben“ (die Wirkung ergibt sich dadurch, daß UV-Licht im sichtbaren Bereich reflektiert wird) ihren „Neon“-Effekt ausspielen können. Dies ist nachts selbst bei Straßenbeleuchtung eben nicht gegeben.

    Hier wird in meinen Augen in der Dunkelheit ein trügerisches Sicherheitsgefühl vermittelt.

    Wichtig ist und bleibt eine Beleuchtung, die den Vorschriften entspricht. Keine Blinki-Dinkis, die an einen schlecht beleuchteten Weihnachtsbaum erinnern, sondern vorschriftsmäßige und ortbare Dauerbeleuchtung. Reflektoren an den Pedalen. Und wenn man Geld ausgeben möchte (kann ich in diesem Zusammenhang nur empfehlen) eine hochwertige Beleuchtung mit Nabendynamo und guten LED-Leuchten. _Das_ erhöht die Sicherheit. Bevor über die Einführung einer Warnwestenpflicht auch nur nachgedacht wird, sollten die vorhandenen Regelungen konsequent überwacht und durchgesetzt werden. Räder ohne Beleuchtung aus dem Verkehr ziehen usw. Wenn man dann etwas verbessern will, sollte man wiederum an der Beleuchtung ansetzen: Warum kein Fernlicht für Radfahrer? Warum nicht 12 V? Warum nicht die gleichen Blendwerte wie für KFZ? Warum nicht ‚mal Verkehrschilder nachts auch mit Fahrradbeleuchtung und Fahrradtempo erkennen können?
    Hier liegt etwas zu tun. Warnwesten kann sich dann freiwillig immer noch zulegen, wer es für sinnvoll hält. Ich selbst besitze eine und hielt sie bislang für sinnvoll. Bis daß ich sie jetzt ‚mal aus Autofahrersicht wahrgenommen habe. Ich habe inzwischen die Vermutung, daß eine Warnwestenpflicht für Radfahrer eine vollkommen wirkungslose Maßnahme wäre.

    1. Die Wirksamkeit der Warnwesten ist genau dann gegeben, wenn die meisten Radfahrer nicht auf die Idee kämen, sie zu tragen: tagsüber, wenn die “Tageslichtleuchtfarben” (die Wirkung ergibt sich dadurch, daß UV-Licht im sichtbaren Bereich reflektiert wird) ihren “Neon”-Effekt ausspielen können. Dies ist nachts selbst bei Straßenbeleuchtung eben nicht gegeben.

      Danke für den Tipp — das hatte ich im Artikel vergessen unterzubringen 🙁

  2. Hallo Malte,

    danke für diesen sehr differenzierten Beitrag. Ich finde ihn nicht nur sehr gut zu lesen, sondern er hat mir auch Perspektiven des Themas aufgezeigt, an die ich noch nicht so gedacht habe. Dein gut begründetes Argument, dass es auf die Sichtbeziehung der Verkehrsteilnehmer ankommt, ist für mich die zentrale Aussage des Textes. Die bisherigen öffentlichen Diskussionen drehen sich ja immer darum, Verkehrsteilnehmer voreinander zu schützen. Wobei es auf den ersten Blick immer so aussieht, dass Fahrradfahrer vor Autofahrern geschützt werden sollen; eigentlich gemeint ist aber das Umgekehrte, denn Autofahrer sollen nicht durch Radfahrer im Vorankommen gehindert werden. Vor diesem Hintergrund ist die Forderung einer Warnwestenpflicht nachvollziehbar. Wenn man diesen Gedanken weiterspinnt wäre aber auch zu fragen, warum dann für Autos keine umlaufenden Reflexionsflächen oder -streifen gefordert werden. Dies wird sicherlich nicht getan, weil die Beleuchtung als ausreichend eingeschätzt wird. Und eben jenes schreibt ja auch N.M. in seinem Kommentar bezogen auf die Fahrradbeleuchtung.

    Kurzum: Eine Fokussierung auf die Sichtbeziehung der Verkehrsteilnehmer und die damit verbundenen, unfallpräventiven Konsequenzen (angepasste Geschwindigkeit, verkehrsbauliche Ermöglichung der Sichtbeziehung etc.) täte dieser Diskussion in der Öffentlichkeit sehr gut, weil alle Verkehrsteilnehmer gleichermaßen in die Pflicht genommen würden.

  3. Moin,
    ich bin schichtbedingt eigentlich zu jeder Tag- und Nachtzeit im innerstaedtischen Berich mit dem Fahrrad unterwegs. Da ich (zum Glueck) mit nen Rennrad bis 11Kg durch die Stadt schredder, musste ich des oeffteren feststellen: je mehr „Weihnachtsbaum“, desto besser nehmen dich die Autos um dich herum wahr…! Man muss halt nur darauf achten, das die Akkus staendig gut geladen sind, bzw. die zweitakkus immer im Rucksack sind und auch mal zwischendurch checken ob noch genug Saft drauf ist. Bis jetzt ist es eigentlich immer gut gegangen!

  4. „Ein Radfahrer mit Warnweste ist sicherlich schon aus mehreren hundert Metern zu sehen, alles andere ohne Warnweste allerdings nicht.“
    Enttarnt! Da ist jemand voll auf einen Taschenspielertrick reingefallen.

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