Licht an: Repressionen oder Technik?

Die Münstersche Polizei klopft sich auf die Schulterklappen, denn in der so genannten Fahrradstadt fährt kaum noch jemand ohne Licht: Licht an – auch am Fahrrad

In sieben Jahren von 40 auf 96 Prozent – immer mehr Münsteraner schalten am Fahrrad ihr Licht ein. Ist es die Angst vor Unfällen oder doch der Geiz, der die Radfahrer dazu treibt? Die Polizei hat eine Erklärung.

Die Erklärung der Polizei ist relativ einfach, repressive Kontrollen sollen zu einer Verbesserung der Beleuchtungsmoral geführt haben:

Die Polizei führt diese Entwicklung auf die Sicherheitsoffensive zurück, die vor sieben Jahren startete. „Das Ergebnis zeigt, dass die Präventionsaktionen, die regelmäßigen Kontrollen und die konsequente Verfolgung der Verstöße zu einer kontinuierlichen Verbesserung geführt hat“, heißt es.

Sicherlich haben die Polizeikontrollen ihren Beitrag zu dieser Verbesserung geleistet. Es gibt auch noch weitere Aspekte, die dazu beigetragen haben könnten, beispielsweise eine deutliche Steigerung der Verlässlichkeit der Beleuchtungstechnik. Zu Beginn des Jahrtausends waren beinahe noch ausnahmslos Fahrräder mit den üblichen Halogen-Funzeln und schrubbenden Seitenläuferdynamos unterwegs. Wenn diese Kombination kaputt ging, wurde sie, wenn überhaupt, häufig nur notdürftig repariert und ging wieder kaputt. Die etwas preisgünstigeren Seitenläuferdynamos waren im Regen schnell nicht mehr zu gebrauchen und einmal verstellt, musste man eine ganze Weile fummeln, bis der Dynamo nicht mehr an der Bremsflanke rollt, sondern am Mantel.

Offenbar hat mit der Kombination von Nabendynamos und LED-Scheinwerfern auch ein höherer technischer Standard Einzug gehalten, der nicht andauernd auseinanderfällt. Ein Nabendynamo hat außerdem mittlerweile einen derart geringen Widerstand, so dass das Licht auch permanent brennen kann, da stellt man nachts um drei in der Dunkelheit keine Kosten-Nutzen-Rechnungen mehr an, ob man lieber schnell oder mit Licht fährt. Womöglich wurden in diesen sieben Jahren, die von der Polizei zur Debatte gestellt wurden, die alten Seitenläufer-Fahrräder langsam außer Dienst gestellt und gegen neuere Technik ersetzt, die sich jetzt in diesen erfreulichen Werten niederschlägt.

2 Gedanken zu „Licht an: Repressionen oder Technik?“

  1. Kann ich mehr oder weniger bestätigen:
    Mein vorletztes Rad hatte noch ein Seitenläufer. Und das Licht war so mies, dass ich ohne Licht besser gucken konnte als mit. Mit Licht sah man nur noch ein kleines Fleckchen von der Umgebung, ohne Licht quasi alles, wenn auch nur schemenhaft. Und Glühlampen häufiger kaputt gegangen, irgendwann auch Wasser in Dynamo gekommen und kaputtgefroren. Fortan halt ohne Licht.
    Das letzte Rad hatte erst gar kein Licht, taugte ja eh nichts. Irgendwann hab ich mir dann Batterie-Led-Aufsteckleuchten besorgt, da war das Licht dann schon akzeptabel und es ist nichts kaputtgegangen. Aber trotzdem nervige Angelegenheit, muss man ja ständig Batterien tauschen und die Leuchten auch mitnehmen, damit sie keiner klaut.
    Beim aktuellen Rad stand ich dann im Fahrradladen und hab mich informiert. Schöner Sport-Nabendynamo und LED-Leuchen. Wartungsfrei, gutes Licht, kein Aufwand. Einfach toll.
    Ein Grund für mich war also bessere Technik. Ein anderer ist aber auch die Verkehrssicherheit. Ich fahr gerne auf der Fahrbahn und ich bin davon überzeugt, dass man das nur mit Licht sollte. Auf dem Gehweg mit 10km/h und defensiver Fahrweise kann man auch drauf verzichten.

  2. Dürfte die Ursache sowohl in der Technik als auch den Kontrollen haben. Immer im Herbst steht die Polizei mehrmals pro Woche an Knotenpunkten, die nur schwer zu umfahren sind. Ich finde die Kontrollen richtig und sinnvoll, zumal die Polizei kulant ist, was StVO zugelassene Beleuchtung angeht: sobald irgendwas leuchtet, wird man in Ruhe gelassen. Das der ein und andere verstoß der Kfz-Fahrer durchaus auch geahndet werden könnte, ist davon natürlich unabhängig…

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