Köln: Nur ein Spiegel für sicheres Radfahren

Das klingt ja schon fast ganz manierlich: Radtour zu Kölner Gefahrenstellen

Bei einer Fahrradtour durch die Innenstadt haben sich Vertreter der Stadtverwaltung, der Polizei, der Politik und des Verkehrsclubs einen Überblick über die Gefahrenstellen verschafft. Schnell wurde deutlich, wo diese liegen.

Man muss sich diese Radtour mal vorstellen: Da fahren Leute, die sonst nicht mit dem Rad fahren, mit anderen Leuten, die ebenfalls nicht häufig mit dem Rad fahren, zu den Unfallschwerpunkten der Stadt — also prinzipiell zu ebenjenen Orten, an denen die Arbeit der Behörden ganz besonders versagt hat. Und alles, was Elfi Scho-Antwerpes einfällt, ist ein Trixie-Spiegel. Wohlgemerkt: Ein Trixie-Spiegel. Und der eine auch aufgrund seiner umstrittenen Wirksamkeit auch nur versuchsweise. Zu sinnvolleren Maßnahmen will sich die Stadt lieber nicht hinreißen lassen, denn die eigentliche Ursache ist in der Verwaltung schon längst identifiziert:

Doch jenseits der juristischen Bewertung zeigt sich, dass das Mantra von Stadt, Polizei und Verkehrsverbänden einmal mehr im Nichts verhallt ist: Gegenseitige Rücksichtnahme.

Offensichtlich leidet der Kölner Radverkehr genau wie in anderen Städten vor allem an einer desolaten Radverkehrsinfrastruktur, die von keiner Rücksicht dieser Welt kompensiert werden kann. Wie soll das denn auch laufen? Was Rücksicht in der Sprache von Polizei und Verwaltung bedeutet, wird klarer, liest man sich die unter anderem auf facebook veröffentlichten Berichte anderer Teilnehmer dieser Informationstour durch: Radwege benutzen, weil sie sicherer als die Fahrbahn sind, im Zweifelsfall auch mal absteigen und schieben und sowieso auf den Vorrang verzichten.

Das mag ja hin und wieder auch eine praktikale Lösung sein, um nicht plötzlich auf der Motorhaube zu liegen, wird aber generell die Verkehrssicherheit in Kölns Straßen kaum verbessern. Denn auch wenn die Polizei es nicht glauben mag: Verkehrssicherheit für Radfahrer wird sicherlich nicht mit Repressionen gegen den Radverkehr und derartigen Aufrufen hergestellt.

8 Gedanken zu „Köln: Nur ein Spiegel für sicheres Radfahren“

  1. Einmal, nur einmal möchte ich von solchen Ignoranten hören, dass Autler im Zweifelsfall aussteigen und schieben sollten.

    Oder einfach mal langsamer fahren.

  2. M.M.n. ist das eine reine PR-Aktion. Dennoch/Daher wäre es wichtig, vernünftige Radverkehrspolitik bei diesen medienwirksamen Schauspielen zu integrieren.

    Die wirkliche Arbeit an Unfallschwerpunkten leisten Unfallkommissionen, meist in aller Stille. Genauso still wird danach oft auf politischer oder Verwaltungs- Ebene die Entscheidung für sichere Lösungen für Radfahrer getroffen oder aus diversen Gründen davon abgesehen, der Vorschlag der fachlich versierteren Unfallkommission also umgesetzt oder nicht.

  3. Dass es überhaupt noch ein Politiker oder Polizist wagt, die Mär von „Gegenseitiger Rücksichtnahme“ in den Mund zu nehmen. Gegenseitig? Dazu fallen mir viele Fragen ein:

    Auf mehrere tausend rücksichtslos und behindernd auf Geh- und Radwegen geparkte Autos kommen exakt NULL auf Fahrbahnen abgestellte Fahrräder. „Gegenseitige“ Rücksichtnahme?
    Wenn ein Radler auf einen Autler, der sich seine Vorfahrt erzwingt, keine Rücksicht nimmt, kostet das seine Gesundheit (oder sein Leben). Wie sieht das umgekehrt aus?
    Typische Grünphase für Kraftfahrzeuge: ca. 80 Sekunden. Typische Grünphase für Fußgänger und Radler: ca. 10 Sekunden, an manchen Kreuzungen ca. 5 Sekunden. Wie wäre es mit identischer Länge?
    Radwege sind im Regelfall viel zu schmal und von extrem schlechter Oberflächenbeschaffenheit. Was unternehmen die Behörden dagegen? Nichts. Autofahrer (die in einem gut gefederten Fahrzeug sitzen!) klagen bitter über ein paar Schlaglöcher in der Fahrbahndecke. Was unternehmen die Behörden dagegen? Fahrbahndecke wird umgehend ausgebessert oder erneuert.

    Wer „gegenseitige“ Rücksichtnahme einfordert, muss zunächst einmal gleiche Bedingungen für beide Parteien schaffen!

    Die Hauptunfallursachen mit Radfahrerbeteiligung in Hamburg (Quelle: Radverkehrsstrategie, Fortschrittsbericht 2013):

    Hauptfehler der Radfahrer:
    falsche Straßenbenutzung, regelwidrige Benutzung des Gehwegs oder des linken Radwegs, Missachtung von Rotlicht, Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr, Vorfahrtsverletzung, Fehler im „ruhenden Verkehr“ (Anm.: wie sieht so einer bei einem Radler eigentlich aus und wie kommt es dadurch zum Unfall?).

    Hauptfehler der Kfz-Führer:
    Fehler beim Abbiegen, Vorfahrtsverletzung, Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr, z.B. aus einer Grundstückszufahrt, Fehler im „ruhenden Verkehr“.

    Man analysiere einmal jeden Verstoß daraufhin, WEM es an den Kragen geht. Die A-Karte hat grundsätzlich der Radler! Dem Kfz-Führer wird maximal sein Blech angekratzt. Unfall ist nicht gleich Unfall. Es macht einen Riesenunterschied, ob ein Auto ein Beule bekommt oder ein Radfahrer körperlich verletzt wird. Konsequenterweise muss auch bei den vorbeugenden Maßnahmen sehr unterschiedlich vorgegangen werden. Dabei ist das Mittel der Wahl ein ganz einfaches:

    Fährt der Radverkehr auf der Fahrbahn, entfallen fast alle der oben genannten Unfallursachen! Aber genau diese Maßnahme scheuen die Verkehrsplaner, wie der Teufel das Weihwasser, es könnte ja zu einer Beeinträchtigung der „Leistungsfähigkeit“ des Kraftfahrzeugverkehrs führen. Lieber schraubt man an einer Gefahrenstelle einen Spiegel an… Die Planer sollten lieber darüber nachdenken, wie man die endlosen lärmenden, stinkenden, Platz verschwendenden Blechkisten weitgehend aus den Städten verbannt. Wie kommt es, dass Kopenhagen so etwas schafft und deutsche Großstädte nicht?

  4. Ja, da klopfen sich hier die querulantischen Verkehrsbehinderer mal wieder aufe Schultern. Anstatt zu registrieren, dass hier die Stadt Köln die Verkehrssicherheit verbessern will, fällt unserem von Mami und Papi gesponserten Studentlein aus Wedel nichts besseres als die übliche Radwege-sind-doof-Rhetorik ein.

  5. Kampfradler: „Auf mehrere tausend rücksichtslos und behindernd auf Geh- und Radwegen geparkte Autos kommen exakt NULL auf Fahrbahnen abgestellte Fahrräder.“

    Auf ein rücksichtslos und behindernd auf Geh- und Radwegen geparktes Auto kommt ein rücksichtslos und behindernd auf Geh- und Radwegen geparktes Fahrrad.

    Auf mehrere tausend rücksichtslose Gehweg- und Geisterradler kommen wenige rücksichtslose geisterfahrende Autofahrer.

    Auf mehrere tausend unbeleuchtete nächtliche Fahrräder kommen (fast) NULL unbeleuchtete am Verkehr teilnehmende Autos.

    Ob man das Pflegen von Feindbildern wohl als Rücksichtnahme verstehen kann?

  6. @Kommentator: Sachlichkeit scheint nicht zu Deinen Stärken zu gehören…
    Ja, es gibt vereinzelt auch Fahrräder, die auf Gehwegen behindernd abgestellt werden – mir fallen etwa 2 bis drei pro Jahr auf.

    Mit den Geisterradlern hast Du allerdings Recht. Ich verabscheue sie ebenfalls, trotzdem sollte man nicht die unterschiedlichen Auswirkungen bei Unfällen durch Geisterradler und geisterfahrernden Autos übersehen. Kommt mir ein Radler auf einem Radweg entgegen, habe ich viel Zeit zum Ausweichen und Tempo drosseln, bei einem Geisterfahrer auf der Autobahn bin ich fast chancenlos. Selbst wenn es auf dem Radweg krachen sollte, stehen die Folgen in keinem Verhältnis zu einem Frontalzusammenstoß zweier Autos.

    Übrigens: Wie Du vielleicht bemerkt hast, favorisiere ich das Fahrbahnradeln. Ich habe bisher noch keinen Geisterradler auf der Fahrbahn gesehen!

    Bei der fehlenden Beleuchtung gebe ich Dir auch Recht. Was die daraus resultierenden Unfallfolgen angeht, gilt dasselbe, wie für’s Geisterradeln. Auch hier gehe ich davon aus, dass die Hemmschwelle, ohne Licht auf der Fahrbahn zu fahren, weitaus höher ist, als auf Radwegen.

    Ich spreche über Fakten, die ich über viele Jahre als Radfahrer in der Großstadt gesammelt habe. Dies als „Feindbildpflege“ zu bezeichnen ist ein wenig platt, gelle? Hast Du auch etwas zur extremen Ungleichbehandlung von Radverkehr und Autoverkehr vonseiten der Behörden zu sagen? Zum Qualitätsunterschied zwischen Fahrbahnen und Radwegen? Zu den unterschiedlichen Grünphasen?

  7. Spiegel sind meiner Meinung nach eine veraltete Technik, mit der die Wahrnehmen vieler Verkehrsteilnehmer bereits überfordert ist. Besser wären durch Videokameras versorgte Leuchtdisplays. Und zwar überall, wo man bis jetzt Spiegel verwendet.

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