„Kampfradler: für mich ist das etwas Neues“

Holger Dambeck schreibt bei SPIEGEL ONLINE über Das Rätsel des radelnden Holländers:

Was können die Deutschen von den Niederländern lernen? Vor allem einen entspannten Umgang mit dem Fahrrad. Trotzdem rätseln Verkehrsexperten, warum in Amsterdam, Utrecht und Eindhoven vieles so anders ist als in Deutschland.

Der wesentliche Unterschied: während in der Automobilnation Deutschland immer wieder der Krieg zwischen Kraft- und Radverkehr skizziert wird und das Fahrrad nach Meinung der meisten Verkehrsteilnehmer ohnehin bloß zur Fahrt zum Baggersee taugt, sind Zweiräder in den Niederlanden gesellschaftlich akzeptiert. Daraus folgt auch die Bereitschaft zur Finanzierung der entsprechenden Infrastruktur, während hierzulande Radfahrer einerseits nicht auf der Fahrbahn fahren, andererseits aber bitteschön mit einem handtuchbreiten Radweg zufrieden sein sollen.

4 Gedanken zu „„Kampfradler: für mich ist das etwas Neues““

  1. @Daniel: Dein Kommentar entspricht absolut der Realität! Nur leider wird es nicht so kommen, wie Du vorschlägst. Du hast völlig Recht, es existiert ein „Lagerkampf“ zwischen Auto- und Radfahrern. Auch ich habe fast täglich diese aggressiven Autler erst hupend hinter mir, dann pöbelnd neben mir. Wenn Du meinst, „die Politik“ müsse den Autofahrern klarmachen, dass Radfahrer gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer sind, auf die es zu achten gilt, dann ist dies mehr als überfällig, wird aber leider nicht zum gewünschten Ergebnis führen.

    Erstens weiß, auch ohne dass es „die Politik“ nochmals deutlich macht, jeder Mensch, dass Selbstjustiz verboten ist. Das Allermindeste, was also von Autofahrern, die sich vermeintlich im Recht sehen, zu erwarten wäre, ist ein Dialog, wie unter Menschen, die unterschiedlich Meinungen vertreten, üblich ist. Die Realität sieht aber ganz anders aus! Weshalb also sollten Autofahrer, nur weil „die Politik“ es ihnen ans Herz legt, fortan diesen Dialog suchen, zumal er nicht mehr notwendig ist, denn „die Politik“ hat ihnen ja gesagt, was erlaubt ist.

    Das Problem liegt viel tiefer. Ich möchte es mit der Deutschen Wiedervereinigung vergleichen: Es wird viele Jahre dauern, bis alle Autofahrer es akzeptieren werden, dass die Fahrbahn nicht nur für sie allein da ist. Die Autler wurden seit etwa 70 Jahren von „der Politik“ gefördert und verhätschelt. Egal, was sie für Verstöße begehen, echte Strafen haben sie bis heute nicht zu erwarten. Das Auto gilt vor Gericht noch nicht einmal als eine potentielle Waffe. Wer mit 220 Km/h erwischt wird, wo 80 erlaubt sind, bekommt drei „Punkte“, zahlt 650 Euro und darf ein paar Monate lang kein Auto fahren. DAS SOLL EINE STRAFE SEIN??? Der Mann hat bewusst mit Menschenleben gespielt! Er dürfte niemals wieder ein Kraftfahrzeug führen!

    Das Parken auf Radwegen ist nicht weniger, als eine Vollsperrung eines Verkehrsweges! Es kostet 15 Euro – wenn es überhaupt geahndet wird. Was wäre wohl, wenn ich mein Fahrrad mitten auf die Fahrbahn stellte?

    Die Autofahrer werden lange brauchen, bis sie zähneknirschend akzeptieren werden, dass auch Fahrräder Fahrzeuge sind und damit auf die Fahrbahn gehören. Je mehr Radler dies praktizieren, umso schneller wird diese Akzeptanz stattfinden, stattfinden müssen.

    „Die Politik“ ist leider der Autoindustrie zutiefst ergeben. Die weitaus meisten Politiker dürften persönlich auch mehr dem Auto, als dem Fahrrad zugeneigt sein. Ich erwarte in absehbarer Zeit keine deutliche Wende „der Politik“.

    Wir Radler haben es selbst in der Hand: Rauf auf die Fahrbahn, wo immer es möglich ist! Die Autofahrer verteidigen ihr vermeintliches Recht mit allen Mitteln, jetzt reicht es. Wir Radler haben ein tatsächliches Recht auf die Fahrbahn und wir nehmen uns jetzt dieses Recht!

  2. Zuerst Tempo 30 überall im Stadgebiet einführen – mit konstanter Geschwindigkeitsüberwachung per GPS.
    Dann privates Autofahren im Stadtgebiet verbieten.

  3. „Das Parken auf Radwegen ist nicht weniger, als eine Vollsperrung eines Verkehrsweges! Es kostet 15 Euro – wenn es überhaupt geahndet wird. Was wäre wohl, wenn ich mein Fahrrad mitten auf die Fahrbahn stellte?“
    –> Ja, das ist so ein Paradebeispiel, was mir auch immer einfällt. Für Autofahrer ist das, wenn überhaupt, ein Kavaliersdelikt…

    Und zur Politik: Ich denke schon, dass eine Aufklärungskampagne erste Erfolge erzielen kann. Denn viele Autofahrer wissen schlicht nicht, dass Radfahrer auf der Fahrbahn fahren dürfen. Sie wissen es einfach nicht. Das sollten sie aber…

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