Junge Hamburger radeln gefährlich

Schleswig-Holstein ist das zweitfahrradunfallreichste Bundesland mit 145 verletzten Kindern pro 100.000 Einwohner — Hamburg folgt gleich auf dem nächsten Platz mit 114 verunfallten Kindern: „Viele Fahrradunfälle mit Kindern“

In der Meldung darf natürlich auch der übliche Fahrradhelm-Anteil nicht fehlen:

(…) Hauptunfallursache war eine falsche Straßenbenutzung (22 Prozent), hier insbesondere die Benutzung der falschen Fahrbahn. An zweiter Stelle folgten Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren (21 Prozent), hier vor allem Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr. Eltern sollten darauf achten, dass ihre Kinder immer mit einem Fahrradhelm fahren, appelliert die Techniker-Krankenkasse. (…)

Ganz egal, ob ein Fahrradhelm nun ein umfassendes Schutzwerkzeug ist oder doch nicht die ihm angedichteten Schutzwirkungen erreicht, die Argumentation in diesem Absatz kann man nicht einmal mehr als hinkend bezeichnen. Anstatt den Kindern plump einen Fahrradhelm umzuschnallen, der ja leider in den meisten Fällen nicht korrekt sitzt, sollten die Eltern den jungen Radfahrern vor allem die nötigen Verkehrsregeln erklären und als zusätzliche Sicherung einen Helm anschaffen. Ein Helm trägt nicht zur Unfallvermeidung bei, sondern mindert allenfalls dessen Folgen im Kopfbereich — sinnvoller wäre es angesichts solcher Meldungen doch eher, Unfälle von vornherein zu verhindern, aber dafür ist der momentane Fahrradunterricht anscheinend nicht ausreichend geeignet.

Je nachdem, in welcher Stadt und in welchem Polizeirevier die Kinder das Radfahren lernen, dauert ein solcher Unterricht im Extremfall nur wenige Stunden, wobei jedes einzelne Kind nur ein paar Minuten auf dem Sattel sitzt. Es ist natürlich utopisch anzunehmen, dass man in den paar Minuten zuzüglich der Theorie im Klassenraum vom Verkehrsanfänger zum sicheren Radfahrer wird, gerade wenn die meisten Kinder eine verhängnisvolle Vorbildung aus dem Elternhaus mitbringen, was sich etwa in der unfallträchtigen Benutzung der falschen Straßenseite niederschlägt.

Es gibt sicherlich viele weitere Möglichkeiten, die Unfallzahlen in Schleswig-Holstein und Hamburg zu senken, aber dass in dieser Meldung zur Hälfte nur über den Fahrradhelm philosophiert wird, ist schon beinahe zynisch.

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