Jagd auf Radl-Rambos

In München werden momentan schwerpunktmäßige Fahrrad-Kontrollen durchgeführt: Ab heute: Große Kontroll-Aktion der Polizei

Bei Rot über die Ampel, auf dem Gehweg, in falscher Richtung: Wer ab heute als Radl-Rambo unterwegs ist, muss sich auf empfindliche Strafen gefasst machen. Hier erhalten Sie alle Informationen!

So eine Fahrradkontrolle muss ja nicht pauschal etwas schlechtes sein, auch wenn sich im Netz genügend Berichte zu abenteuerlichen Kontrollen finden. Trotzdem tut die Gegenwart der Ordnungsmacht so manchem Sommerradler ganz gut, der sich in Unkenntnis der Straßenverkehrs-Ordnung links und rechts der Straße ans Ziel mogelt und auch mit der Farbe der Ampel so seine Probleme hat, denn schließ fährt er ja kein Auto, da sei doch alles halb so wild.

Viel interessanter als so manche misslungene Fahrradkontrolle, um die es hier nicht gehen soll, ist jedoch die begleitende Berichterstattung. „Hier erhalten Sie alle Informationen!“, tönt der Merkur und zählt die Straßen auf, in denen besonders mit Polizeikontrollen zu rechnen ist. Abgesehen von einer Tabelle, die haargenau die Bußgelder auflistet, sind Informationen im Artikel allerdings rar gesät: schön, dass die fehlende Klingel zehn Euro kostet, aber was ist denn nun mit den teilweise komplizierten Regelungen für Radfahrer? Was hat es denn mit Radwegen und den blauen Schildern auf sich, wann dürfen denn Einbahnstraßen in Gegenrichtung befahren werden und welche Regelungen gelten da?

Wie vernünftiges Radfahren funktioniert weiß leider kaum ein Radfahrer: in der Grundschule und auf weiterführenden Schulen lernt man dazu nicht zwangsweise brauchbare Verhaltensweisen, in der Fahrschule bleibt das Fahrrad komplett ausgespart und selbst Zeitungsartikel geizen mit sinnvollen Hinweisen. So weiß dann der so genannte Kampfradler zwar nicht, welche Ampel eigentlich für ihn gilt, kann aber wenigstens den passenden Tarif rezitieren. Frei nach dem Motto: Regeln interessieren niemanden, lasst euch bloß nicht erwischen.

Das ist schon ein bisschen traurig. Andererseits: hätte der Artikel tatsächlich alle Verhaltensregeln für Radfahrer aufgezählt, wäre damit auch niemandem geholfen — da blickt in der Regel niemand durch.

3 Gedanken zu „Jagd auf Radl-Rambos“

  1. Immerhin gibt es allerdings in München den Versuch, da etwas zu unternehmen.

    Einmal gibt es von der Stadt München die Broschüre „Radln – im Trend und sicher“, die meiner Meinung nach gar nicht schlecht gemacht ist.

    http://www.radlhauptstadt.muenchen.de/broschueren/radfahren-im-trend-und-sicher/

    Selbst die Ampelregelung ist dort meiner Meinung nach vernünftig dargestellt, natürlich geht das unmöglich in allen Nuancen, aber im Normalfall ist das dort gesagte wohl ausreichend.

    Zusätzlich gibt es von Polizei und KVR (Kreisverwaltungsreferat in München, nimmt die Funktion der Straßenverkehrsbehörde und der kommunalen Verkehrsüberwachung wahr) ein Infoblatt mit den wichtigsten Regeln, sozusagen eine Kurzversion. Der Sinn ist, bei den Kontrollaktionen etwas zu haben, wo dann auch die Regeln richtig drinstehen. Ob das im Moment an den Kontrollstellen auch ausgegeben wird, weiss ich aber nicht.

    Insoweit kann man schon sagen, dass sie sich zumindest schon um Aufklärung über die Regeln bemühen.

    Was ich am problematischsten finde, ist, dass eine klare Regelung bei Ampeln ohne Gelbphase fehlt – da sollte ein qualifizierter Rotlichtverstoß ja noch nicht nach einer Sekunde gezählt werden, das ist ja gerade mal die Reaktionszeit. Es wird aber leider vor allem an solchen Ampeln kontrolliert, letzte Woche schon wieder an der Leopoldstraße Einmündung Georgenstraße (für die Münchner), wo Rad- und Fußverkehr zusammen signalisiert werden, man vom Radweg aus die Ampel an der Fußgängerfurt aber wegen der Alleebäume erst im letzten Moment sieht…

  2. > denn schließ fährt er ja kein Auto, da sei doch alles halb so wild

    Das meint aber nicht der Radler von sich aus, sondern wird so erzogen, Radfahrers Norm- und Brutzentrale ist ja allgegenwärtig. Solange also Auto-Erzieher, Hetz-Schreiber und Behördenwillkür nicht angegangen werden, sind Umerziehungsversuche nur scheinheilig.

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