Irrgarten an der Ampel

Ein Glück, dass ein Bild mehr als tausend Worte zu sagen vermag: „Irrgarten für Fahrradfahrer“

Die Behörden und die Polizei findet die dortige Verkehrsführung natürlich total in Ordnung. Abgesehen davon, dass solche Experimente ein sicherer Hinweis darauf sind, dass man es anders hätte besser lösen können, ist da kaum etwas in Ordnung. Hier gibt es noch eine bessere Übersicht.

Das Desaster beginnt offensichtlich mit einem linksseitigen Radweg, der für beide Fahrtrichtungen verbindlich ist. Ein paar Meter vor der Kreuzung ist aber Schluss mit lustig, denn dort steht Zeichen 237 mit Zusatzzeichen 1012-31 „Ende“. Diese Kombination beendet sowohl rechts- als auch linksseitig die Benutzungspflicht des jeweiligen Radweges. Was danach folgt, ist ein so genannter „anderer Radweg“ ohne Benutzungspflicht, doch schreibt die Straßenverkehrs-Ordnung nun einmal vor, dass nur rechte „andere Radwege“ befahren werden dürfen. Da diese Kombination aber links aufgestellt wurde, müssen Radfahrer an dieser Stelle sofort absteigen und die restlichen Meter bis zur Kreuzung auf der Fahrbahn zurücklegen.

Schlimmer noch: angeblich beginnt der Radweg mit einem Zeichen 241-31, also einem getrennten Fuß- und Radweg. Der kann aber eigentlich nicht mit Zeichen 237 aufgehoben werden. Dann ist über dem Zeichen 237 noch das Zusatzzeichen 1000-21 angebracht, das eigentlich unter den dreieckigen Gefahrzeichen angebracht wird und in die Richtung der Gefahrstelle weisen soll. Hier soll es offensichtlich nicht anzeigen, wo der Radweg endet, sondern die Fahrtrichtung für Radfahrer vorgeben. Das ist eine reichlich gewagte Interpretation.

Es kommt aber noch schlimmer: an der Kreuzung wartet Zeichen 254 auf die Radfahrer und soll wohl allen, die die bisherige Regelung — zu Recht! — nicht verstanden haben, noch einmal darauf hinweisen, dass es hier nicht weitergeht. Schade bloß: Zeichen 254 wirkt wie alle Verkehrsverbote nicht auf einzelnen Straßenteilen, sondern über den gesamten Querschnitt — mit der unbeabsichtigten Folge, dass die anschließende Kreuzung für Radfahrer tabu ist.

Sieht man nun von diesen kleinen Schönheitsfehlern ab, wartet der Radfahrer auf der linken Straßenseite, bis er grünes Licht bekommt, sich wie ein Krebs seitwärts bewegend auf die Aufstellfläche zu positionieren, um dann von dort womöglich wieder nach links oder in andere Fahrtrichtungen fortzufahren.

Das hätte man auch einfacher haben können. Die Straße macht jedenfalls nicht den Eindruck, als sei sie so unglaublich gefährlich, dass unbedingt eine Radwegbenutzungspflicht notwendig wäre, schon gar nicht mit solchen tollen Experimenten. Dass es noch nicht zu Unfällen gekommen ist, liegt wohl auch daran, dass niemand diese seltsame Verkehrsführung benutzt.

Egal wie: selbst unter Ausblendung der akuten Sinnlosigkeit dieser Führung bleibt weiterhin schleierhaft, wie die Polizei dieses Schilderchaos für vernünftig halten kann.

Ein Gedanke zu „Irrgarten an der Ampel“

  1. „Zeichen 254 wirkt wie alle Verkehrsverbote nicht auf einzelnen Straßenteilen, sondern über den gesamten Querschnitt“

    Gibt es dafür den Geltungsbereich der Verkehrsverbote eine Quelle? Ich kann das aus der StVO (§41 und Anlage 2 Abschnitt 6) nicht so deutlich herauslesen und eine entsprechende Suche hat mir nicht so wirklich weitergeholfen.

    Danke!

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