Immer noch nicht „Absteigen am Zebrastreifen“

Man kann dem Auto Club Europa immerhin nicht vorwerfen, die falsche Interpretation über die angebliche Absteigepflicht für Radfahrer an Fußgängerüberwegen im Alleingang in die Medienwelt gesetzt zu haben. Schon vor zwei Jahren behauptete das Wochenblatt Biberach: Absteigen am Zebrastreifen!

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Auch dort heißt es weiter hinten, unter den Mama-Taxis und den überhöhten Geschwindigkeiten der motorisierten Verkehrsteilnehmer:

Den besonderen Schutz auf Zebrastreifen habe nämlich nur, wer „zu Fuß oder mit einem Krankenfahr- oder Rollstuhl unterwegs ist“. Für überquerende Radler heißt das: Absteigen am Zebrastreifen! Als Gedächtnisstütze gib es an fünf Fußgängerüberwegen im Biberacher Stadtgebiet entsprechende Schilder.

Diese Schlussfolgerung aus § 26 Abs. 1 StVO ist aber immer noch falsch: Nur weil der Schutz des Fußgängerüberweges nur für Fußgänger gilt, dürfen Radfahrer trotzdem dort rüberdüsen — nur eben ohne besondere Rechte.

Fussgaengerueberweg-Grosshansdorf-1

Das dann auch noch mit einer lustigen Beschilderung kundzutun ist mittlerweile allerdings auch durchaus üblich, aber immer noch unsinnig. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass so etwas in die Hose geht und Radfahrer eben nicht nur ganz ordnungsgemäß über den Fußgängerüberweg radeln dürfen, sondern sogar noch Vorfahrt genießen. An dieser Kreuzung in Großhansdorf im Hamburger Osten folgt der gemeinsame Fuß- und Radweg einer Vorfahrtstraße, so dass Radfahrer auch an dieser Einmündung gegenüber den abbiegenden und einfahrenden Kraftfahrzeugen bevorrechtigt sind. Leider wurde statt einer Fahrradfurt ein Fußgängerüberweg appliziert, der sich über die gesamte Breite der Querungsmöglichkeit erstreckt — nach den Richtlinien für die Anlage und Ausstattung von Fußgängerüberwegen übrigens unzulässig:

FGÜ dürfen nicht angelegt werden

  • in der Nähe von Lichtzeichenanlagen (LZA)
  • auf Straßenabschnitten mit koordinierten LZA („Grüne Welle“)
  • über Bussonderfahrstreifen (Zeichen 245 StVO)
  • über Straßen mit Straßenbahnen ohne eigenen Gleiskörper
  • auf bevorrechtigten Straßen an Kreuzungen und Einmündungen mit abknickender Vorfahrt
  • im Verlauf eines gemeinsamen Fuß- und Radweges (Zeichen 240 StVO)

Fussgaengerueberweg-Grosshansdorf-2

Weil man sich über die einschlägigen Regelungen nicht im Klaren war, hat man eben auch noch das rechtlich unwirksame Zusatzzeichen 1012-32 angeschraubt, obwohl Radfahrer hier weder absteigen noch Vorfahrt achten müssen. Stattdessen kann man sich aber wieder prächtig darüber echauffieren, dass diese ganzen bösen Kampfradler gar keine Lust haben, auf ihrem Weg entlang einer Vorfahrtstraße plötzlich abzusteigen und zu schieben, nur weil tatsächlich bei der Planung des Überweges die entsprechenden Vorschriften nicht eingehalten wurden.

(Kurze Anmerkung zu dem letzten Foto: Die Radfahrer purzeln nicht aus diesem komischen Trampelpfad in der Bildmitte heraus, sondern fahren auf einem aus diesem Blickwinkel nicht sichtbaren Radweg am Fahrbahnrand entlang.)

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