Ich habe die Schnauze voll vom Vehicular Cycling

Vor knapp einem Dreivierteljahr überwältigte mich an einem Sommermorgen der ungebremste Aktivismus. Ich radelte morgens ins Bureau, die Sonne kitzelte meine Abenteuerlust wach und die folgenden acht Stunden im Bureau überlebte ich eher hibbelig denn konzentriert. Direkt zum Feierabend trat ich auf den Balkon unseres Bureahochhauses nahe der Hauptkirche St. Michaelis hinaus, stemmte mein Fahrrad in die Höhe und rief feierlich die Fahrradstadt Hamburg aus.

Nach dem Vorbild des Berliner Radentscheides befand ich, es wäre nach nunmehr fünf Jahren an der Zeit, der Umwelthauptstadt 2011 ihre Vorschusslorbeeren zu legitimieren: Noch immer waren die Schadstoffwerte in der Luft jenseits von Gut und Böse, noch immer staute sich der Straßenverkehr zwei Mal am Tag quer durch die Hansestadt, noch immer tobte dort draußen der legendäre Krieg auf der Straße.

Make Cycling great again!

Ich war der Meinung, da ginge noch mehr und sprudelte geradezu über vor Ideen: Lasst uns rechtzeitig intervenieren, wenn wieder eine Straße saniert wird. Das machen Anwohner und Kraftfahrer schließlich auch. Radfahrer ließen sich bislang aber lieber vor vollendete Tatsachen stellen und bemängelten anschließend im Nachgang die mangelhafte Infrastruktur, die nun aber, wie sagt man so schön, gekommen war um zu bleiben, wenigstens für die nächsten zwanzig oder dreißig Jahre bis zur nächsten Sanierungswelle.

Oder lasst uns ein paar Denkmälern Feinstaubmasken aufsetzen. Alberne Idee? Oh ja, bestimmt. Doch diese Stadt stinkt zum Himmel und einige unserer Stadtväter, ganz geduldig in Stein gemeißelt den Verkehr beobachtend, haben vom vielen Dreck schon eine ganz unreine Haut.

A propos Geduld: Warum sitzen wir eigentlich bei den ganzen Umbau-Veranstaltung geduldig mit gefalteten Händen in der letzten Reihe, während Anwohner und Kraftfahrer in deutlicher Überzahl mit kindergartenähnlichem Gebaren die Richtung vorgeben? Da sitzen dann hundert Kraftfahrer, ganz heiser vom vielen Wutgebrülle und trommeln aus Angst um ihre Parkplätze mit den Fäusten auf der Brust, während hinten fünf Radfahrer hocken und bekunden, dass die geplante Fahrradinfrastruktur eigentlich gar keine schlechte Idee wäre und gaben artig zum Ende der vorgegebenen Redezeit unser Mikrofon weiter an den nächsten Kraftfahrer. Sowas kann ja nur schiefgehen. Wieso gehen wir da nicht einfach mal mit fünfzig Radlingen hin, besetzen die besten Plätze direkt in der ersten Reihe und prägen den Eindruck dieser Veranstaltung in der anschließenden Presseberichterstattung?

Oder wir reparieren einfach mal ein paar Fahrräder. Einfach so. Soll ja nachher niemand behaupten können, er hätte zum Grillen im Stadtpark das Auto nehmen müssen, weil das Fahrrad platt war.

Hauptsache wir zeigen, dass Radfahren eigentlich eine tolle Sache ist. Ich komme meistens pünktlich im Bureau an, ich stehe selten im Stau, ich muss nicht ewig einen Parkplatz suchen, ich kann sogar die Natur genießen. Radfahren ist gut gegen Missmut, trotz Feinstaub grundsätzlich gesund und entspannt und vor allem aber: Praktisch.

Und stattdessen verbringen wir unsere Zeit damit, uns gegenseitig vollzulabern und in Statistiken und Studien und Untersuchungen den heiligen Gral der Fahrradstadt zu finden.

„Hast du noch alle Tassen im Schrank?“

Mit Dingen, die von Balkonen ausgerufen werden, ist das historisch betrachtet immer so eine Sache und da ich weder ein besonders guter Anführer noch ein begabter Organisator bin, verschwand die Idee einer „Fahrradstadt Hamburg“ bereits nach wenigen Tagen in der Schublade, beziehungsweise wurde von facebook-Algorithmen schnell wegsortiert.

Das Feedback war eher ernüchternd: Eine Handvoll Radfahrer bekundete Interesse an diversen Aktionen und eine weitere Handvoll wunderte sich erwartungsvoll, was ich denn alles auf die Beine stellen wollte, verweigerte aber das Einbringen eigener Ideen, weil man erst einmal mit verschränkten Armen abwarten wollte. Mit einem wesentlichen Teil meiner damaligen Fahrrad-Freunde und -Bekannten verkrachte ich mich in den darauffolgenden Tagen allerdings erst einmal tüchtig. Dafür habe ich, man kann es angesichts meiner Biographie kaum leugnen, ein gewisses Talent.

Ich hatte mit meinen Ideen an den Idealen der Hamburger Fahrradaktivisten gerüttelt. Bislang galt in der Hansestadt das Vehicular Cycling als Schlüssel zur Fahrradstadt. Der Gesetzgeber hatte im Jahr 1997 aufgrund des steigenden Radverkehrsanteils und der gleichsam gewachsenen Erkenntnis, dass die buckeligen bundesdeutschen Radwege so sicher gar nicht wären, die allgemeine Radwegbenutzungspflicht aus den Verkehrsregeln gestrichen. In der Fahrradwelt galt seitdem vor allem das Ziel, den Radverkehr überall auf die Fahrbahn zu verlagern.

„Ab auf die Straße“

Ich mag die Reichweite des „alten“ Radverkehrspolitik-Weblogs überschätzen, aber womöglich bin ich gar nicht so unschuldig an dieser Entwicklung. Ich hatte damals, also zwischen 2011 und 2014, recht vehement das Fahrbahnradeln propagiert, wann immer irgendwo eine Radverkehrsinfrastruktur vermurkst wurde, bemerkte ich recht schnippisch, dass man ja auch einfach auf der Fahrbahn fahren könne.

Damals hielt ich das für eine tolle Idee. Heute nicht mehr.

Mehrere Jahre lang habe ich recht offensiv das so genannte Vehicular Cycling praktiziert. Wo immer keine blauen Schilder die Radwege zierten, fuhr ich auf der Fahrbahn. Was war das für ein Genuss: Ich musste nicht auf buckeligen Radwegen herumkrebsen, wurde nicht an jeder Ecke übersehen, musste nicht dauernd an Kraftfahrzeugen warten, die aus Grundstücksausfahrten herausstießen, ich hatte eine wesentlich höhere Durchschnittsgeschwindigkeit und hielt mich nicht dauernd an irgendwelchen Kreuzungen mit langwierigen Überlegungen auf, wie und wo ich jetzt eigentlich einer versteckten Radverkehrsführung folgen solle.

Doch das, was ich an zusätzlicher Sicherheit gewann, weil mich auf der Fahrbahn kein blinder Rechtsabbieger vernascht, kompensierten die hanseatischen Kraftfahrer mit einem recht aggressiven Fahrstil. Wenn der Hamburger Kraftfahrer einen Radfahrer „trotz Radweg mitten auf der Straße“ bemerkt, dreht er teilweise sofort durch, er muss wild hupen, drängeln, eng überholen, womöglich sogar die Scheibenwaschanlage betätigen oder den Radfahrer mit einer Vollbremsung ins Heck knallen lassen. Der Fantasie für Fahrrad-Sanktionen sind prinzipiell keine Grenzen gesetzt.

Okay, das ist nun grob übertrieben, aber als hanseatischer Fahrbahnradler wird man schon recht regelmäßig gemaßregelt.

Ich nahm diesen so genannten Krieg auf der Straße jahrelang hin, schließlich gehörte das irgendwie zum Radfahren dazu und außerdem betrieb ich ein Weblog, das sich mit regelmäßigen Beiträgen diesem Thema widmete; also berichtete ich quasi als „Embedded Journalist“ aus erster Hand direkt von der Front.

Aber dann, ich fuhr an einer Hamburger Hauptverkehrsstraße ohne Radwegbenutzungspflicht und überdies einem wegen Bauarbeiten gesperrten Radweg, versuchte mich mal wieder ein Kraftfahrer für mein vermeintliches Fehlverhalten zu sanktionieren und drängte mich an den Fahrbahnrand, während er laut das obligatorische „RAAAAAAAAADWEEEEEG“ durchs Beifahrerfenster brüllte.

Und dann versuchte mich ein Busfahrer mit seinem Gelenkbus einzuquetschen, weil ich an einer anderen Straße ebenfalls neben einem wegen Bauarbeiten gesperrten Radweg fuhr. Ein anderer Kraftfahrer fuhr mich schon vor Jahren mal über den Haufen, weil er meinte, ich hätte irgendwo auf dem Radweg fahren müssen. Und so weiter und so fort.

Fahrbahnradeln geht in Hamburg mit regelmäßigen Streitigkeiten einher — aber etwa einmal im Quartal versucht ein beherzter Kraftfahrer mit seinen Wagen den Fahrbahnradler kaputtzufahren.

Und darauf habe ich einfach keine Lust mehr.

Zumal auch das Miteinander mit weniger aggressiven Verkehrsteilnehmern langsam an die Substanz ging. Ich habe kein grundsätzliches Problem mit Vehicular Cycling, aber wenn direkt hinter mir ein Bus oder Lastkraftwagen fährt, dann empfinde ich das als unangenehm — sicher auch aufgrund meiner Erfahrungen, dass ungeduldigem Hinterherfahren recht bald ein ungeduldiges Überholmanöver folgt, was beim Bus meist noch unangenehmer als beim Lastkraftwagen ist, weil der Bus womöglich gleich darauf seine Haltestelle ansteuern und mich am Fahrbahnrand zerreiben möchte.

„Radwege töten!“

Gar keine Frage: Das deutsche Radwege-System mit handtuchbreiten Buckelpisten direkt neben parkenden Kraftfahrzeugen und einer teilweise brandgefährlichen Radverkehrsführung an Kreuzungen ist, Pardon, allergrößte Scheiße. Da brauchen wir auch gar nicht groß diskutieren. Und da finde ich auch nichts zu beschönigen, von wegen der Radweg ist zwar an der Kreuzung nicht ungefährlich, aber immerhin einigermaßen eben und man könne darauf fahren, wenn man etwas vorsichtig wäre.

Der einzige Radweg, bei dem ich mir vorstellen könnte, ihm das Prädikat „mit Abstrichen brauchbar“ anzuheften ist der LOOP in Hamburg-Wilhelmsburg, der aber eigentlich auch nur größtenteils ein für Radfahrer mit Schrittgeschwindigkeit freigegebener Gehweg ist und andauernd bevorrechtigte Straßen kreuzt. Wenigstens die Nord-Süd-Verbindung von der Veddel bis zum südlichen Wilhelmsburg wäre einigermaßen befahrbar, stünde man als Radfahrer an beiden Enden nicht wieder im Nirgendwo und müsste sich seine Route auf linksseitigen Buckelradwegen und Kopfsteinpflaster suchen.

Radwege werden in Deutschland offenbar nach wie vor von Behördenmitarbeitern geplant, die den Straßenverkehr nur durch die Windschutzscheibe wahrnehmen, Radwege sind in Deutschland nach wie vor das Abfallprodukt, was bei der Planung einer Straße übrig bleibt, wenn Fahrstreifen für den Kraftverkehr und Parkplätze und Werbeeinrichtungen und Verkehrszeichen platziert wurden.

Und das schlimme ist: Momentan wird es einfach nicht besser. Wenn ich mit dem Rad zur Arbeit die Kieler Straße komplett hinunterfahre, komme ich an mehreren Stellen entlang, die eigentlich vor nicht allzu langer Zeit saniert worden sind. Dabei wurde die Radverkehrsführung teilweise dermaßen verschlimmbessert, dass einige Gefahrenstellen erst mit der Sanierung entstanden sind, weil man es auf dem Papier für eine tolle Idee hielt, den Radverkehr hinter Bushaltestellenhäuschen und Werbeeinrichtungen in einem unmöglichen Winkel zurück an die Fahrbahn zu führen — und unten an der Stresemannstraße flugs der erste Radfahrer totgefahren wurde.

Und Radwege, die vorher die Mindestmaße nicht einhielten, sind auch anschließend nur einen Meter breit, nur eben nicht mit buckeligem Asphalt geteert, sondern mit roten Steinen ausgelegt, zumindest bis sich die Wurzeln benachbarter Bäume den Weg durch den Radweg ans Tageslicht bahnen. Zumal auch die sanierten Radwege nach wie vor noch Stückwerk sind: Da fährt man dann dreihundert Meter auf einer sanierten Infrastruktur, sei es ein Hochbordradweg, sei es ein Radfahrstreifen, aber gleich danach darf ich mich als Radfahrer wieder umsehen, wie ich denn jetzt wohl weiterkomme und ob ich mir auf einem buckeligen Hochbord-Radweg aus Adenauers Zeiten die Zähne ausschlagen möchte.

Fahrradstadt geht anders. Angeblich will Hamburg pro Jahr 50 Kilometer Radweg sanieren, hat von 2008 bis 2016 aber nur knappe 110 Kilometer geschafft und will erstmal bis 2020 die so genannten Velorouten fertigbasteln. Allein schon die Velorouten sind so ein Thema, über das man mittlerweile gar nicht mehr den Kopf schütteln darf, weil man aus dem Schütteln nicht mehr herauskommt, aber, naja, sei’s drum.

Obwohl, einen Moment mal, ich glaube, das Thema mit den Velorouten lässt sich an einem Beispiel erschöpfend erklären: Im Grandweg, einer Tempo-30-Zone im Hamburger Norden, wollte mich vor anderthalb Jahren ein aggressiver Kraftfahrer überfahren, ist aufgrund meiner schnellen Reaktion gescheitert, hat mir aber anschließend mit einem kräftigen Hieb auf die Stirn die Lampen ausgeknipst, so dass ich lockere zwei Monate brauchte, um ans Radfahren überhaupt denken zu können. Der Kraftfahrer kannte sich nicht so gut mit den Straßenteilen aus und vermutete, ich hätte auf dem Radweg fahren müssen, obwohl es im Grandweg nur Gehwege gibt, die nicht einmal für den Radverkehr freigegeben sind, aber, naja, man kann sich ja mal vertun, nä?

Nun sind Aggressionen zwischen Rad- und Kraftfahrern im Grandweg offenbar an der Tagesordnung, was angesichts der Tatsache, dass es sich dort um eine Ausweichstrecke für den staubelasteten Lokstedter Steindamm handelt, nicht weiter verwundert, wäre da nicht ein kleines Problem: Die Veloroute 3 führt durch den Grandweg. Und offenbar beschwerten sich auch andere Radfahrer über Probleme zwischen Rad- und Kraftfahrern, so dass man nunmehr erwägt, die Veloroute 3 aus dem Grandweg an den parallel verlaufenden Lokstedter Steindamm zu verlegen. Andere Möglichkeiten, wie etwa die Einrichtung einer Fahrradstraße oder wenigstens die Unterbindung des Durchgangsverkehrs zieht man nicht weiter in Erwägung.

Ich glaube, damit hat man das Konzept der Velorouten hinreichend erklärt: Irgendwas für den Radverkehr tun, aber bloß nicht auffallen.

Ich will doch nur Radfahren

Inzwischen praktiziere ich eine Fahrweise, die ich früher wutschnaubend abgelehnt hätte: Ich fahre absolut defensiv und bremsbereit auf dem Radweg herum, sofern der denn einigermaßen befahrbar ist. Das tolle am Radweg ist, dass ich zwar an jeder dritten Kreuzung „übersehen“ werde, ich mich aber darauf einstellen und mein Bike abbremsen kann. Das ist auf Dauer zermürbend, gar keine Frage, aber deutlich entspannter als die Fahrbahnradelei, bei der ich Kraftfahrern mehr oder weniger hilflos ausgeliefert bin.

Ich kenne mittlerweile alle Ratschläge bezüglich des Vehicular Cyclings. Nach außen aggressiv, nach innen defensiv fahren. Die eigene Position auf der Fahrbahn behaupten. Gefährliche Manöver von Kraftfahrern durch selbstbewusste Fahrweise unterbinden. Nicht vorschnell auf die eigene Vorfahrt verzichten. Die in § 2 Abs. 4 StVO verbrieften Rechte zur Fahrbahnradelei wahrnehmen. An Engstellen rechtzeitig deutlich machen, den eigenen Vorrang gegenüber dem Gegenverkehr durchsetzen zu wollen. Nicht unterkriegen lassen. Wenn er hupt, will er nur mitteilen, dass er dich gesehen hat. Wer bremst, verliert. Um die eigenen Rechte kämpfen.

Ich will aber gar nicht mehr kämpfen.

Manchmal denke ich mir, warum es als gesellschaftlich akzeptiert gilt, dass im Straßenverkehr derartige Aggressionen herrschen. Im Beruf, im Supermarkt oder im Schwimmbad wären derartige Verhaltensweisen inakzeptabel — aber im Straßenverkehr ist es okay, sich gegenseitig zu bekriegen?

Wenn ich heute aufs Fahrrad steige, dann möchte ich gerne in Ruhe und entspannt ins Bureau fahren. Und danach möchte ich gerne ruhig und entspannt nach Hause fahren. Am Wochenende möchte ich vielleicht gern eine Radtour unternehmen. Und ich will dabei nicht mit anderen Verkehrsteilnehmer kämpfen, die im Zweifelsfall keine großen Probleme haben, mich ab einem gewissen Aggressionslevel einfach über den Haufen zu fahren.

Vor allem aber möchte ich auch gerne mal mit meiner Freundin, mit meinen Eltern oder mit anderen Menschen eine Fahrradtour unternehmen. Und die werden den Teufel tun, irgendwo abseits eines Wohngebietes auf der Fahrbahn zu radeln. Die haben überhaupt gar keine Ambitionen in Richtung „den eigenen Platz auf der Straße behaupten“, die wollen einfach aufs Rad steigen und losfahren, manchmal auch in die falsche Richtung, manchmal auch auf dem Gehweg, manchmal auch lieber abseits der Hauptverkehrsstraßen.

Mein Fahrrad mag vielleicht direkt neben meinem Bett parken und mein liebstes Hobby sein, für meine Freundin und meine Eltern ist ein Fahrrad nur ein Gegenstand mit zwei Rädern, mit dem man irgendwo hinfahren kann (und der dann meistens auch noch vor Fahrtantritt repariert werden muss). Die wollen sich nicht erst meine seitenlangen Ausarbeitungen über die Feinheiten und Widersprüche der Straßenverkehrs-Ordnung durchlesen, die wollen sich überhaupt nicht mit Primary Position und dem Verteidigen des eigenen Platzes auf der Straße auseinandersetzen, die wollen einfach von A nach B fahren und dabei das Fahrrad nehmen, weil es für diese Strecke und diesen Zweck womöglich praktisch ist. Und um Gottes Willen, die kämen auch niemals auf die Idee, einem falsch parkenden Kraftfahrer eine Ordnungswidrigkeiten-Anzeige zu tippen oder ihr Recht auf die Straße bei der zuständigen Behörde einzuklagen.

Ich finde es total super, dass mein Vater jetzt beinahe täglich sein altes Herrenrad aus dem Schuppen rollt und eine kleine Runde durch meinen Heimatort dreht. Soll ich ihm jetzt ernsthaft dafür in den Ohren liegen, dass er auf für den Radverkehr freigegebenen Gehwegen fährt und an den Hauptverkehrsstraßen mit den schmalen (!) für beide Fahrtrichtungen freigegebenen (!) gemeinsamen Fuß- und Radwegen (!) nicht auf der Fahrbahn ein Hupkonzert anführt?

Total klasse: One car less, das wollten wir doch immer erreichen, oder? Und, Papa, wenn du das hier lesen solltest: Über das Autofahren zum Bäcker müssen wir dann doch irgendwann mal reden.

Oder meine Freundin: Die ist an meinem Geburtstag mit mir von Hamburg nach Lüneburg gefahren und hat mir damit einen wunderschönen Tag in der Natur geschenkt. Ich käme nie auf die Idee, im Nachhinein zu bemängeln, dass wir einen Teil der Strecke auf Gehwegen zurückgelegt haben, die überdies noch nicht mal für den Radverkehr freigegeben waren. Natürlich hätte ich gleich zu Beginn der Tour klarstellen können, auf welchen Straßenteilen wir uns bewegen werden und auf welchen nicht, aber dann wären wir nach dem fünften Hupkonzert in Hamburg-Harburg in die S-Bahn zurück nach Hause gestiegen.

Radfahrer lieben Radwege

Nun ist es eigentlich ein Unding, auf die eigenen Rechte zu verzichten und angesichts der Aggressionen am Lenkrad lieber auf dem handtuchbreiten Radweg zu pedalieren.

Aber angesichts der momentanen Umgangsformen im Straßenverkehr bin ich nicht länger bereit, meine Knochen für das Vehicular Cycling hinzuhalten. Die Idee hinter dieser Idee ist ja unter anderem, dass nur genügend Radfahrer das Fahrbahnradeln regelmäßig praktizieren müssten, schon würden sich die übrigen Kraftfahrer daran gewöhnen und die Aggressivität im Straßenverkehr nachlassen. Ich habe nicht den Eindruck, dass das funktioniert. In den Jahren, in denen ich auf der Fahrbahn unterwegs war, habe ich dort wenig Gleichgesinnte getroffen.

Während der Radverkehrsanteil in Hamburg rein vom Gefühl her momentan explodiert, sind außerhalb von Wohngebieten kaum Fahrbahnradler zu sehen. Auf der Hoheluftchaussee habe ich allenfalls mal hin und wieder einen Fahrradkurier abseits der mangelhaften Radwege gesehen. An der Elbgaustraße habe ich noch nie Fahrbahnradler in freier Wildbahn entdeckt. Auch in der Holsteiner Chaussee kurbeln so gut wie alle Radfahrer lieber auf dem freigegebenen Gehweg als auf der Fahrbahn. Auch entlang der Elbchaussee macht das Fahrbahnradeln eher wenig Freude.

Ich möchte beinahe behaupten: Die meisten Radfahrer lieben Radwege.

Früher hätte ich angesichts dieses Gedanken geschäumt vor Wut von wegen „autogerechte Stadt im Kopf“ und „Radweg-Faschismus“, hätte den Anhängern dieses Götzendienstes eine HVV-Monatskarte empfohlen. Mittlerweile denke ich mir:

Ist doch toll, wenn die Leute aufs Fahrrad steigen. One car less. Eine Feinstaubquelle weniger. Ein Mensch mehr, der die Arterien dieser Stadt vom Verkehrsinfarkt befreit.

Natürlich finde es es doof, wenn mir solche Leute dann auf einem ohnehin ultraengen Radweg als Geisterradler entgegen kommen, natürlich fände ich es schöner, wenn in der Dunkelheit jeder Radfahrer mit funktionierender Beleuchtung unterwegs wäre, aber, verdammt, soll ich jetzt ernsthaft die Oma, die mir jeden Morgen als Gehweg-Geisterradlerin vom Supermarkt entgegenkommt, eine Fahrkarte für den Bus empfehlen? Herrje, lieber freue ich mich, dass allein diese rüstige Dame all jene Kraftfahrer Lügen straft, die der Meinung sind, man brauche ab einem bestimmten Alter unbedingt ein Auto, um im Rentenalter Mobilität erfahren zu können.

Recht darf Unrecht nicht weichen

Okay, noch mal einen oder zwei Schritte zurück zu der Aggressivität im Straßenverkehr, die nunmehr auch mich von der Fahrbahn auf den Radweg vertrieben hat. Anstatt mich einfach auf den Radweg zu verkriechen, um bloß nicht die hanseatischen Kraftfahrer zu provozieren, könnte ich ja auch zum Gegenschlag ausholen: Der Bußgeldkatalog ist prall gefüllt, heute haben wir alles da, Radfahrer anhupen macht 10 Euro, Radfahrer abdrängen gibt’s für 30 Euro, und für Beleidigungen durchs Beifahrerfenster sogar den Hauptgewinn mit 30 Tagessätzen vom Amtsgericht, Vorstrafe inklusive.

Ja, sicherlich könnte ich jeden einzelnen Verkehrsteilnehmer, der mir dumm kommt, mit Ordnungswidrigkeiten- oder Strafanzeigen eindecken. Ist halt nur die Frage, ob ich dazu Lust und Zeit habe. Allein die Aufarbeitung einer zehn Kilometer langen Fahrbahnfahrt entlang der Kieler Straße nähme ungefähr mindestens eine Stunde in Anspruch, eventuelle zusätzliche Zeugenaussagen und Gerichtstermine noch gar nicht mit einberechnet — plus den ganzen Ärger, den man sich hin und wieder mit einer so genannten Gegenanzeige wegen falscher Verdächtigung, Falschaussage oder gleich dem vollen Programm mit Beleidigung und Gefährdung des Straßenverkehrs. Kraftfahrer wissen sich gegen Radfahrer zu wehren, nicht nur auf der Straße, sondern auch juristisch.

Zumal Verstöße im fließenden Verkehr recht schwer zu ahnden sind. Parkverstöße lassen sich dank der Halterhaftung einfach und zeiteffizient auch von Privatpersonen ahnden, aber dichte Überholmanöver und andere Maßregelungen sind so eine Sache, weil angesichts des Beschuldigtenfragebogen im Briefkasten manchen Kraftfahrer plötzlich akute Amnesie befällt und er mitunter plötzlich nicht mehr weiß, wer eigentlich gefahren ist (oder eben die obligatorische Gegenanzeige abgefeuert wird).

Gar keine Frage: Der momentane Zustand es so genannten Miteinanders dort draußen auf der Straße ist unerträglich. Aber es kann nicht Aufgabe einzelner Verkehrsteilnehmer sein, im Bodensatz ebenjenes Miteinanders aufzuräumen, nachdem die Staatsmacht dank Stellenabbau und Kosteneinsparungen ein Machtvakuum hinterlassen hat, das nunmehr mit einer Jeder-gegen-jeden-Mentalität gefüllt wird.

Vor allem sehe ich nicht, dass es in absehbarer Zeit allein mit Ordnungswidrigkeiten- und Strafanzeigen eine Verbesserung im Straßenverkehrsklima geben wird. Selbst wenn wir in in zwanzig oder dreißig Jahren jeden Kraftfahrer so oft mit Anzeigen eingedeckt haben, dass er begriffen hat, angesichts eines Fahrbahnradlers mal die Finger von der Hupe zu lassen, wird es immer noch Konfrontationen geben.

Die Evolution hat uns das Streiten mit Mitmenschen in unsere Gene geschrieben, womöglich auch als Werkzeug, um unsere eigenen Interessen durchzusetzen. Es gibt Streit im Job, in Beziehungen, zwischen Fußballfans und an der Supermarktkasse. Aber woher kommt die Annahme, dass es ausgerechnet im Straßenverkehr plötzlich eine Art emotionsfreien Raum geben könnte, in dem alle Teilnehmer vollkommen rational handeln und ihre Gefühle unter Kontrolle haben? Das wird nicht mal mit autonom fahrenden Kraftfahrzeugen passieren, sofern sich in selbstfahrenden Autos die Fenster zum Beschimpfen anderer Verkehrsteilnehmer öffnen lassen.

Gerade Kraftfahrzeuge sprechen immer noch die Gefühle ihres Fahrers an, sei es in der Werbung, in der ein Auto elegant durch eine vollkommen leere Innenstadt gleitet, sei es mit dem aggressiven Kühlergrill, der den Vorwärtsdrang des Fahrers mit einem drohenden Gesichtsausdruck verdeutlicht. Man möchte fast meinen, wäre ein Kraftfahrzeug einfach ein sachliches, gefühlsloses Objekt für den Transport von A nach B, so gäbe es wohl viel weniger Probleme im Straßenverkehr, allerdings hätte sich auch niemand so eine umständliche Kiste angeschafft.

Doch momentan gehört es beinahe zum Geschäftsmodell der Automobilindustrie, dass sich der Käufer so sehr mit dem Produkt identifiziert, dass er jegliche Hindernisse auf seiner Fahrbahn als persönliche Kränkung, als Provokation oder gar als Angriff wertet — und wenn sich jemand nicht so sehr im Griff hat, einen echt beschissenen Tag hinter sich hat oder schon seit Stunden im Stau stand, so mag die Bereitschaft sinken, sich noch mit anderen Verkehrsteilnehmern zu arrangieren.

Und dann muss ich immer wieder daran denken, dass die Deutschen im Herbst eine angebliche Alternative in den Bundestag wählen werden, womöglich sogar mit Regierungsbeteiligung, deren Existenzgrundlage unter anderem aus dem Gegen- statt Miteinander innerhalb zwischenmenschlicher Beziehungen fußt. Es wird wohl in absehbarer Zeit nicht mit dem Einzug von Vernunft im Straßenverkehr zu rechnen sein.

Diskussionskultur: Immer aggressiv im Kreis

Zurück ins Internet: Ich glaube, meine erste „richtige Diskussion“ über Radwegbenutzungspflichten hatte ich irgendwann im Frühjahr 2011 drüben im Verkehrsportal miterlebt. Ich finde den damaligen Thread nicht mehr, vermutlich wurde er angesichts der für solche Themen üblichen Diskussionskultur in mehrere Teile mit unterschiedlichen Titeln aufgeteilt, aber ich erinnere mich noch dran, dass ich ebenjene Diskussionskultur recht bemerkenswert fand, weil die Leute sich über mehrere Monate mit teilweise aberhunderten Beiträgen diesem Thema widmen konnten, ohne inhaltlich weiterzukommen. Alle Argumente waren längst ausgetauscht, alle Positionen hinlänglich bekannt, was gesagt werden musste wurde gesagt, aber man konnte sich nicht dazu durchringen, als Konsens einfach festzustellen: Es gibt Radfahrer, die gerne auf der Fahrbahn fahren möchten und es gibt Radfahrer, die gerne auf dem Radweg fahren möchten.

Seitdem habe ich ungelogen hunderte derartiger Diskussionen erlebt und interessanterweise sind die Argumente heute noch die selben wie vor sechs Jahren. Es gibt keine neuen Argumente, keine Sichtweisen, alles, was sich bei diesen Diskussionen bewegt, sind die beiden Lager: Immer weiter auseinander. Der Graben wird immer tiefer.

Das ganz perfide an diesen Endlos-Grundsatzdiskussionen aber ist, dass sie Zeit binden. Zeit, die wir nicht nur draußen auf dem Rad verbringen könnten, sondern auch Zeit, die wir in einen nachhaltigen Mobilitätswandel investieren könnten. Die damalige Idee mit einer „Fahrradstadt Hamburg“ brach unter anderem nach nicht einmal einer Woche wieder zusammen, weil wir unsere Zeit mit „Radweg vs. Fahrbahn“-Debatten vergeudeten, anstatt einfach mal raus auf die Straße zu gehen und etwas zu bewirken: Die Vertreter beider Fraktionen konnten sich nicht dazu herablassen, sich mit dem Feind gemeinsam in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Was die Fahrradstadt Hamburg angeht, fehlt mir vielleicht auch die notwendige Zeit und ein Charakterzug, den ich an Heinrich Strößenreuther so furchtbar unangenehm finde: Der Typ hat eine Radentscheid-Idee, von der er überzeugt ist, und die zieht er durch, ohne sich mit den VC-Bedenken anderer groß auseinanderzusetzen. Laberst du ihn voll mit VC-Weisheiten und gehst ihm auf die Eier, stellt er dich auf twitter ruhig.

Im ersten Moment fand ich das total ekelhaft, weil ich eher so der Typ bin, der eher nach einem Konsens zwischen verschiedenen Meinungen gesucht hätte. Dann fiel mir aber ein, dass es bei diesem ganzen Fahrrad-Themenkomplex gar keinen Konsens geben wird — wenn wir etwas bewegen wollen, dann müssen wir uns für eine Seite entscheiden. Wir werden den Graben zwischen Radweg und Fahrbahn nicht überbrücken können.

Strößenreuther hat eine Idee und von dieser Idee ist er überzeugt und für diese Idee setzt er sich ein. Er will unter anderem eine Radverkehrsinfrastruktur schaffen und verschwendet seine Zeit nicht mit Diskussionen über Vehicular Cycling, weil Vehicular Cycling offenbar nicht das ist, was der normale Berliner Radfahrer gerne praktizieren möchte.

Das ist eine Art von Coolness, die mir leider nicht liegt.

Gefangen in der Filterblase

Vielleicht lebe ich in dieser Fahrrad-Welt schon seit Mitte 2011, als ich das Critical-Mass-Phänomen für mich entdeckte, in einer Filterblase. Damals wusste man mit diesem Begriff noch gar nichts anzufangen, damals schien die Welt im Internet noch einigermaßen in Ordnung. Ich engagierte mich hin und wieder ein wenig für die Critical Mass Hamburg und bastelte zunächst an deren WordPress-Webseite herum, anschließend an criticalmass.in, aber ich tat in der Regel nichts ohne vorher die Community um deren Meinung zu fragen. Wenn die Community gerne Live-Tracking mit Fotos und Streckenaufzeichnungen wollte, baute ich Live-Tracking mit Fotos und Streckenaufzeichnungen. Nach ein paar Jahren ist die Stimmung etwas gekippt, die Community sprach sich explizit gegen diese Werkzeuge aus, also baute ich die Hamburger Seite auf criticalmass.in wieder zurück.

Auch bei death.bike ist nach zwei Wochen das Feedback derart niederschmetternd, dass ich mir nicht mehr sicher bin, ob ich in den folgenden 50 Wochen bis zum Jahresende noch Lust und Zeit aufbringen kann, tödlich verunglückte Radfahrer dort einzutragen — zumal das Feedback sich leider nicht auf Kritik und Verbesserungsvorschläge beschränkt, sondern häufig mit persönlichen Verunglimpfungen und Beleidigungen einhergehen. Das bisher unfreundlichste Feedback kam von einem bekannten Hamburger VC-Aktivisten, den die Idee hinter death.bike so sehr in Rage brachte, dass er mir vorwarf, dort meine „eigenen Toten“ zu zählen, weil ich als „eingeschworener Radweg-Fetischist“ schuld daran wäre, dass die verunglückten Radfahrer auf Radwegen verunglückt wären — oder so ähnlich.

Egal, das ist ein anderes Thema, zurück in die Filterblase: Weil ich mich während meines Informatik-Studiums beinahe nur mit anderen Radfahrern aus der Critical-Mass-Szene umgab, lernte ich auch nur deren Perspektive auf den Straßenverkehr kennen. Wir hatten alle ein schnelles Fahrrad, die meisten sogar drei oder vier schnelle Räder, wir hatten alle wenig Probleme mit der Fahrbahnradelei und wir hatten zum Großteil übereinstimmende Meinungen über den Mobilitätswandel in unserer Stadt.

Wir waren und sind die Meinungsführer, was radverkehrspolitische Themen angeht.

Dumm nur, dass wir nicht einmal ein Prozent der Hamburger Radfahrer repräsentieren.

Ich mein, okay, es ist total super, dass ich zu irgendeiner Fahrrad-Podiumsdiskussion gehen, an irgendwelchen Hamburg-wird-Fahrradstadt-Events teilnehmen kann und immer schon weiß, welche dreißig oder vierzig Leute man dort treffen wird. Aber wie das in solchen Filterblasen halt ist, nicken sich alle anerkennend zu, klar, der Radweg muss weg, Fahrbahnradeln ist die einzige wahre Art der Fortbewegung, und dann fahrbahnradelt man anschließend nach Hause, schreibt seine Ordnungswidrigkeiten-Anzeigen und ist zufrieden.

Hin und wieder gibt es bei solchen Veranstaltungen einen Zwischenfall, wenn ein Ungläubiger sich in unseren Elfenbeimturm schleust und aufzeigt und behauptet, er fände Vehicular Cycling gar nicht mal so toll und führe lieber auf einem Radweg. Solche Menschen können ihre Gedanken allerdings nicht zur Ausführung bringen, weil ihre Wortmeldungen längst im hämischen Gelächter untergegangen sind. Ich empfinde es rückblickend tatsächlich als sehr unangenehm, wie wir bei einigen Terminen mit „normalen Radfahrern“ umgegangen sind. Einige Witze beschränkten sich nicht nur auf „Kauf dir ’ne Monatskarte“, manch einiger wünschte direkt einen fröhlichen Tod unter den Zwillingsreifen eines abbiegenden Lastkraftwagens.

Ich glaube, das ist nicht der richtige Weg, um andere Mitmenschen vom Radfahren zu überzeugen.

Toll, dass wir uns alle einig sind und uns gegenseitig zustimmen, wie toll Fahrbahnradeln eigentlich ist. Aber ich glaube, wir vergessen die 98 oder gar 99 Prozent der Radfahrer, die Vehicular Cycling nicht so toll finden, aber auch gar nicht auf die Idee kommen, sich radverkehrspolitisch zu engagieren und ihre Gegenmeinung zu Wort zu bringen.

Ich kenne mittlerweile sehr viele Menschen, die gerne und teilweise sogar viel Radfahren, seien es Kollegen, Bekannte oder Verwandte. Für viele ist das Fahrrad eben hin und wieder die richtige Wahl, um eine bestimmte Strecke zurückzulegen, manche fahren jeden Tag zur Arbeit und zurück, manche bestreiten sogar ihren Urlaub mit dem Rad.

Aber diese Menschen haben eines gemeinsam: Niemals kämen sie auf die Idee, sich abends drei Stunden lang eine Podiumsdiskussion bezüglich des richtigen Straßenteils zum Radfahren anzuhören. Niemals nähmen sie an einer Diskussion in irgendwelchen facebook-Gruppen teil, auf welchem Straßenteil man mit dem Rad fahren sollte. Das interessiert die Leute einen Scheißdreck.

Und es ist total super, dass es sie einen Scheißdreck interessiert: Man kann diesen Scheißdreck nämlich auch von der anderen Seite betrachten und feststellen, dass diese Menschen einfach aufs Rad steigen, wenn’s ihnen praktisch erscheint oder wenn sie Lust darauf haben. Die Einstiegshürde ist auf die Höhe der Kellertreppe geschrumpft, die man das Rad eventuell hochwuchten muss. Trotz der eigentlich komplizierten Verkehrsregeln für Radfahrer steigen die Leute auf den Sattel und düsen los. One car less. Und noch eins weniger. Und noch eines. Und noch eines.

Ist das nicht irre?

Wir vergeuden unsere Zeit mit Diskussionen darüber, was das echte, das wahre Radfahren ausmacht, auf welchem Straßenteil man fahren darf, mit welchem Gedankengut man unterwegs sein muss, ja, ob man überhaupt noch der Fahrrad-Szene angehört, wenn man hin und wieder mal den Bus nimmt oder gar ins Auto steigt. Aber während wir seit vielen Jahren immer wieder die selben Argumente ins Feld führen, uns immer wieder mit den selben Vorurteilen bekriegen, lähmen wir unseren eigenen Aktivismus. So konnte ein Teil der Hamburger Fahrrad-Szene nicht mal an der Tempo-30-Feinstaub-Fahrrad-Demonstration in der Max-Brauer-Allee teilnehmen, weil man Sorge hatte, als Steigbügelhalter für eine eventuelle Radweg-Infrastruktur missbraucht zu werden.

Aber während wir uns in unserem Elfenbeimturm Unfreundlichkeiten an den Kopf werfen, steigen die Menschen einfach aufs Fahrrad. Auf dem Weg zur Arbeit komme ich momentan aus dem Staunen nicht mehr heraus, weil ich bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt plötzlich in einem Pulk von einem Dutzend Radfahrern über die Kreuzung rolle. Momentan sind rein gefühlsmäßig im Winter mehr Radfahrer unterwegs als im Sommer 2015. Finde ich irre: Ich stehe im Fahrrad-Stau! In Hamburg! Im Januar! Bei einem Grad unter null!

Und jetzt bin ich schon wieder ganz hibbelig und kann vor Aktivismus nicht ruhig sitzen: Es wäre unglaublich geil, wenn wir diesen Schwung mitnehmen könnten und jetzt endlich mal etwas reißen könnten.

Ein Schritt nach dem anderen

Was Sicherheit und Radverkehrsinfrastruktur angeht, gibt es keine zwei Meinungen, schrieb DIE ZEIT ganz treffend anlässlich des Konfliktes um eine Fahrradstraße in der Hamburger Walddörferstraße. Super, wozu diskutieren wir dann ewig über Vehicular Cycling und Radweg-Faschismus?

Ich glaube, eines unserer Probleme, das uns so sehr lähmt, ist der Anspruch, mit einem Fingerschnipsen alle Probleme auf einmal lösen zu wollen.

Wir wollen den Radverkehrsanteil steigern, die Sicherheit erhöhen, die Stadt fahrradfreundlicher gestalten. Das ist doch schon mal ein ehrenwertes Ziel, an dem man arbeiten kann. Dann wollen wir aber gleichzeitig noch die Feinstaubkonzentration senken, das Auto aus der Stadt verdrängen, als Fahrrad als gleichberechtigtes Fahrzeug in den Köpfen verankern, Hamburg komplett autofrei abzäunen, das Energieproblem lösen, Online-Lieferdienste bekämpfen, Straßen in Wiesen verwandeln, den Flughafen in einen riesigen Schrebergarten umgestalten und so weiter und so fort.

Jo.

Und dann stellen wir fest, hmm, wenn wir jetzt Radwege bauen, dann zementieren wir ja die Vormachtsstellung des Autos, das erhöht ja noch nicht direkt die Luftqualität. Drum diskutieren wir eine Weile, stellen fest, dass wir uns nicht einig werden und tun dann lieber gar nichts.

Und wenn wir jetzt Radwege bauen sollten, dann kriegen wir das mit der Gleichberechtigung des Fahrrades ja nicht geregelt. Denn Radwege suggerieren doch, dass auf dem Sonderweg wertloses Leben unterwegs ist. Wer Radwege fordert, trete direkt für die Verkehrsmittelapartheid ein.

Und dann diskutieren wir wieder tage-, wochen- und monatelang über Korrelationen und Kausalitäten, drehen Statistiken so lange hin und her, bis sie unsere Meinung repräsentieren und am Ende steht dann die Aussage, dass Amsterdam, Groningen und Kopenhagen in Wirklichkeit autogerechte Städte wären, weil da der Radverkehr nur auf Radwegen stattfände und nirgendwo die Verkehrsmittelapartheid so stark ausgeprägt wäre und in Wirklichkeit würden die dortigen Radfahrer von der Autolobby gegängelt und sehnten sich danach, endlich gleichberechtigt auf der Fahrbahn zwischen dem Schwerlastverkehr fahren zu dürfen.

Da denke ich mir auch, okay, da konnte ein Diskussionsteilnehmer geschickter mit Zahlen umgehen als ich, aber glauben tu ich’s noch immer nicht.

Ob man als Verkehrsteilnehmer von Grund auf gleichberechtigt auf der Straße unterwegs ist, mag eine Sorge sein, die einen Fahrrad-Aktivisten wie mich nachts wachhält, aber ich habe nicht den Eindruck, dass wesentliche Teile der Kopenhagener Bevölkerung unglücklich ist mit ihrem zwei Meter breiten Radweg entlang von vierstreifigen Hauptverkehrsstraßen. Das interessiert einen wesentlichen Teil der Bevölkerung einfach nicht. Die Leute interessiert nicht mal, ob ihr Radweg zwei Meter oder einen Meter breit ist, die interessiert nur, oh, hier komme ich schnell und praktisch irgendwohin.

Anstatt jetzt wieder die ganz grundsätzlichen Diskussionen aufzugreifen — wie wäre es denn mal mit einer anderen Strategie?

Wenn die meisten Radfahrer ihre Radwege so sehr lieben, dann lassen wir ihnen halt ihre Radwege. Ich sehe keinen großen Gewinn für die Allgemeinheit darin, den Leuten zu erklären, sie mögen doch bitte lieber auf der Fahrbahn fahren und den Radverkehr in der Stadt sichtbar machen. Die werden dort drei Mal angehupt und einmal beschimpft und am nächsten Tag sitzen sie wieder im Auto oder im Bus und haben das Experiment „mit dem Rad zur Arbeit“ beendet.

So. Nun wissen wir: Radwege sind in Hamburg eng und scheiße und zugeparkt und an jeder Kreuzung eine potenzielle Todesfalle.

Da haben wir dann schon mal unser Betätigungsfeld für dieses Jahr: Radwege sind scheiße, zugeparkt und jeder Kreuzung eine potenzielle Todesfalle. Hmm. Was täte Strößenreuther? Der ließe es oben auf der medialen Bühne ordentlich krachen. Also nehmen wir uns ein Stück Kreide und malen an die fünf gefährlichsten Kreuzungen die Umrisse überfahrener Menschen inklusive der Umrisse ihrer Fahrräder und pushen das in die einschlägigen Zeitungen, teilen und verbreiten das über facebook, twitter und Instagram. Und zwar ohne lange darüber zu diskutieren, ob Radfahrer nicht ohnehin viel lieber auf der Fahrbahn unterwegs sein sollten anstatt auf dem Radweg und ob sowas jemandem vom Radfahren abhalten könnte, wenn er das in der Zeitung liest.

Oder wir thematisieren mal die Sache mit dem Parken auf den Radwegen. Das muss ja nicht gleich in einer Knöllchen-Offensive enden, aber dieses ständige „nur mal kurz über Nacht“ bietet unglaublich viele Angriffspunkte. Oder wir demonstrieren das Radfahren auf diesen Naturerlebnis-Radwegen: Wenn sich Baumwurzeln ihren Platz im Straßenverkehr nehmen können, dann können wir das auch.

Damit stehen wir dann aber wieder vor dem Problem, dass wir damit noch immer nicht den ganzen Radverkehr auf die Fahrbahn verlagert haben, dass wir immer noch zu hohe Schadstoff-Werte in der Luft haben, dass der Radverkehr immer noch nicht gleichberechtigt ist. Super: Dann haben wir im Jahr 2018 auch noch was zu tun. Und 2019 wird’s auch nicht langweilig. Und 2020 sind wir dann soweit und stellen uns in diesen furchtbaren Grandweg, zack, hier, lieber Senat, hier sausen pro Tag zehntausend Radfahrer durch, es wird langsam mal Zeit für eine Fahrradstraße. Und die Walddörferstraße da hinten nehmen wir auch gleich noch mit.

Und dann kriegen wir auch langsam mal die Feinstaubwerte in den Griff. Und dann auch irgendwann die Sache mit der Gleichberechtigung. Und dann, so gegen 2030, 2035, vielleicht auch erst 2040, bauen wir dann die ganzen mittlerweile angesichts des Radverkehrsanteils auf drei Meter breite gewachsenen Radwege entlang der Kieler Straße zurück, so dass dort der Radverkehr einträchtig neben autonom rollenden Fahrzeugen auf der Fahrbahn stattfindet. Und 2065, wenn wir keine Flugzeuge mehr brauchen, lade ich euch alle in meinen Schrebergarten auf dem Hamburger Flughafengelände ein und wir lachen über alte Zeiten.

Fahrradstadt as a process

Okay, das ist jetzt sicherlich alles vereinfacht und übertrieben, aber eine Fahrradstadt ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Dieser Prozess ist auch in Kopenhagen, in Amsterdam und in Groningen im vollen Gange, wo Radwege abermals verbreitert und verbreitert und verbreitert werden, wo Brücken gebaut und Kreuzungen optimiert werden.

Aber ein Prozess hat nunmal einen Anfang und ein Ende und ein Prozess beginnt nunmal mit dem Anfang und nicht mit dem Ende. Und der Anfang lautet nicht: Alle Radfahrer vom Radweg runter auf die Fahrbahn — das ist nämlich das Ziel des Prozesses.

Und der Weg dorthin lautet: Bringt die Leute aufs Fahrrad! Macht es so einfach wie möglich! Wenn die Menschen ihre Radwege haben wollen, weil sie das so kennen, weil sie so sozialisiert worden sind, weil wir in einer Automobilnation leben, verdammt, dann gebt ihnen ihre dämlichen Radwege, anstatt ihnen lange Vorträge zu halten, dass sie dumm und unfähig zum Erfassen von Unfallstatistiken wären oder jeden anzeigen müssten, der sie anhupt. Helft ihnen beim Radfahren! Ihr wisst, wo die Probleme liegen? Cool, dann macht die Kreuzungen sicherer. Radverkehr soll ihm Sichtbereich des Kraftverkehrs stattfinden? Ja, geil: Das gilt aber nicht nur für den Straßenverkehr, sondern auch für andere Bereiche des Lebens.

Vorurteile und eine gewisse Abneigung gegen Radfahrer gehören beinahe zur Identität der deutschen Automobilnation. Warum kann man nicht mal Radfahren als was positives darstellen? Sei es irgendein schönes Foto vom Sonnenaufgang an der Fahrradstraße an der Alster, der allen Kraftfahrern aufgrund der Windschutzscheibe verwehrt blieb, sei es mit irgendwelchen mehr oder weniger albernen Aktionen, bei denen wir allen Menschen, die mit dem Rad zur Arbeit fahren, eine Brezel in die Hand drücken? Quasi so im Sinne von „Ja, die Infrastruktur ist nicht so doll, aber danke, dass du trotzdem mit dem Rad fährst“?

Wäre es nicht toll, wenn irgendein Mensch morgens die Zeitung aufschlägt, etwas von solchen Aktionen liest und sich denkt, wow, Radfahren scheint eine coole Sache zu sein, und danach sein Fahrrad aus dem Keller stemmt? Und anschließend auf diesen beschissenen Hamburger Radwegen zur Arbeit kurbelt, an einer Kreuzung nicht totgefahren wird, weil wir nämlich schneller waren und mit einer publikumswirksamen Aktion dafür gesorgt haben, dass die Ampelschaltung optimiert wird und der rechtsabbiegende Kraftverkehr keine Radfahrer mehr vernaschen kann, dann seine „Danke, dass du trotzdem radelst“-Brezel bekommt und anschließend zufrieden im Bureau sitzt und sich denkt, ja, das mache ich jetzt öfter? Und dann vielleicht ein Jahr später sein Auto verkauft und drei Jahre später kein Problem mehr mit Fahrbahnradeln hat?

Beim Begriff „Radfahrer“ dürfte den meisten Befragten irgendwas mit „fahren immer über rote Ampeln“ und „kennen keine Regeln“ einfallen. Wie wäre es denn mal mit einem Imagewandel hin zu Assoziationen wie „praktisch“ und „schnell“?

Ich werde jeden Tag hibbelig, wenn ich jetzt im Winter zur Arbeit fahre und dran denke, in welch einer menschenfreundlichen Stadt meine Kinder einmal aufwachsen könnten, in der sie womöglich ganz alleine quer durch die Stadt fahren dürften, ohne dass ich zu Hause Blut und Wasser schwitzen müsste, in der sie nicht abends mit einer Staublunge zurück nach Hause kämen. Nur: Damit unsere Kinder diese Stadt bekommen, müssen wir jetzt endlich mal unseren Arsch hochbekommen. Das passiert nicht automatisch dadurch, dass man alle vier oder fünf Jahre sein Kreuzchen bei den Grünen setzt.

Momentan lesen die Leute in der Zeitung, dass der ADFC das Fahrbahnradeln empfiehlt, denken sich, pfff, ich bin doch nicht lebensmüde, steigen ins Auto und stinken die Stadt voll.

So wird das nichts mit der Fahrradstadt.

Beruhige dich mal, Malte

Tatsächlich bin ich momentan echt hart angepisst. Seit knapp einer Woche bekomme ich ungelogen zwei bis drei Mal pro Tag ein Video zugeschickt, das eine zugeparkte Protected Bike Lane in Paris zeigt. Mir ist nicht klar, wer die Originalquelle dieses Videos ist, das es beispielsweise hier auf facebook gibt und dort auf YouTube. Und jedes Mal bekomme ich das Video mit der schnippischen Bemerkung zugesendet, dass sowas bei meinem Fahrradstadt-Hamburg-Experiment im letzten Frühjahr rausgekommen wäre.

Ja, mag sein. Aber das Video zeigt nicht was passiert, wenn man eine Protected Bike Lane baut, sondern es zeigt was passiert, wenn man eine Protected Bike Lane baut und sich einen Scheiß darum kümmert, ob diese Lane respektiert wird oder nicht. Das ist doch der selbe Effekt, der in Hamburg unter dem Begriff „Quartiersbelange“ läuft: Die Autos müssen doch irgendwo parken, die Lieferanten müssen doch irgendwo liefern und die Pannenfahrzeuge müssen doch irgendwo ihre Panne haben. Käme man einfach mal regelmäßig mit dem Abschleppwagen vorbei, um den ganzen Straßenzug freizuräumen, hätte sich das Problem schnell erledigt. Muss aber erst irgendein Fahrradaktivist seine eigene Freizeit opfern, um hin und wieder ein paar Ordnungswidrigkeitenanzeigen zu knipsen, kratzt das doch niemanden.

Die Alternative für all jene Leute, die mir das Video zugeschickt haben, ist mir schon klar: Fahrräder sind Fahrzeuge und gehören als solche auf die Fahrbahn. Klar, als Vertreter der schnellfahrenden Radlinge ist das für die gar kein Problem, nur… naja: Für den normalen Menschen eben nicht.

Aber ich glaube, wir werden uns da nie einig werden — und auch dieses Jahr wieder mit zeitraubenden Endlos-Diskussionen vergeuden, anstatt irgendwas zu reißen.

Bezüglich der Diskussionen lässt mich eine Sache ja nicht los: Wie stark wird eigentlich der Radverkehrsanteil in der Fahrradstadt London sinken, nachdem dort kilometerlange Radwege installiert wurden? Dort wird man ja neuerdings auf Radwege gezwungen.

105 Gedanken zu „Ich habe die Schnauze voll vom Vehicular Cycling“

        1. Manche Leute sind echt stumpf. Hut ab, Malte, dass du dabei so ruhig bleiben kannst. Ich würde solche Beiträge einfach löschen. Beleidigungen haben nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. Und man muss ja nicht jedem Spinner auf dem eigenen Blog eine Plattform geben.

    1. Diese triefende Arroganz ist ja aus dem Kindergarten. Unfassbar. Es geht um eine Planung für Menschen und nicht für „harte Kerle“. Überprüf mal dein Koordinatensystem. Grüße von einem, der auch plant und nicht nur flaches Zeug schreibt.

        1. Sorry für solche trolligen Diskussionen habe ich keine Zeit. Diese Selbstherrlichkeit, lieber Soren, führt zu richtig vielen Punkten auf der Sympathieskala und garantiert dazu, richtig viel zu erreichen. Wenn Sie den Höhenpunkt der fachlichen Diskussion im zitieren eines (!) StVO-Paragraphen sehen, wünsche ich Ihnen viel Erfolg in Ihrer sehr einfachen Welt.

    2. Geh auf Argumente ein und halte so lange die Klappe. Du bist der, der hier rumjammert.

      Wer bist Du denn auf Twitter, Soren?

      Wo genau ist DEIN Inhalt?

  1. Hi!

    Ich fühle mich durchaus an meine eigenen Erfahrungen erinnert:
    http://braunschweig-radler.blogspot.com/2016/08/jasperallee-macht-keinen-spa-mehr_19.html

    Auch ich habe keine Lust mehr auf den Kampf auf der Straße und sehe insbesondere ein, dass die Meisten nunmal nicht mit vielen und/oder schnellen KFZ zusammen fahren wollen.

    Mein Tipp an Dich: Mach‘ lokal ‚was. Ändere etwas. Bescheiden, aber bestimmt. Innerhalb von lokalen Institutionen.

    1. ja, genau. Mal lokal dafür einsetzen, dass die Radwege am Grandweg wieder instandgesetzt und offiziell entparkt werden. Dann läufts auch wieder mit dem Radverkehr.

      1. Mein Gott. Ich habe nicht mal im Ansatz irgendwas von Radwegen im Grandweg gefordert; ich schrieb was von einer Fahrradstraße. Ist eine Fahrradstraße jetzt auch schon so ein unfassbarer Affront gegen die VC-Anhänger?

        1. Tief durchatmen. Nicht aufregen. Es ist Dein Artikel. Deine Meinung. Einige stimmen Dir zu, andere machen sich Gedanken ob sie mit Dir konform sind oder nicht …..
          Kommentiere niemals Deinen eignen Artikel – Deinen Standpunkt hast Du bereits kundgetan.
          Ich bin kein Hamburger … aber größtenteils stimme ich Dir zu.
          Und: Ich bin befürworter für Radwege – Breit, durchgehend, gut geplant.

        2. Wenn VC so abgrundtief gehasst und gemieden wird: was machen wir denn mit all den Wohngebieten und ihrem Ziel- und Quellverkehr? basteln wir da Radwege hin?
          Oder stellen wir einfach „Fahrradstraße“-Schilder auf?
          Was genau würde sich im Grandweg denn ändern, wenn es eine Fahrradstraße wäre? Plötzlich würden sich von heute auf morgen ausnahmslos alle KFZ-Führer an die StVO halten und dem Radfahrer den Vorrang an den entsprechenden Engstellen gewähren?
          Prima Utopie.
          Oh, Durchgangsverkehr raushalten? Ja, da freut sich der Anwalt für Verwaltungsrecht, der mal kurz darlegt, dass so hopplahopp eine Straße nicht einfach qua „hätten wir gerne“ für den Durchgangsverkehr gesperrt werden kann. Und selbst, wenn es keinen Widerspruch gibt: die StVB wird zu recht anführen, dass das Quartier dort so dicht bebaut ist, dass auch eine Sperrung des Durchgangsverkehres die Verkehrsbelastung nicht großartig reduzieren wird.
          Klar ist es nett an Heidenkampsweg und der Ost-West-Straße 3m breite Radwege zu fordern. Nur zu.
          Dann aber auch gefälligst Gedanken machen, wie mit der Nordkanalstraße und der Stresemannstraße verfahren wird. Sich jetzt hinzustellen und zu sagen: „jaja, da kümmern wir uns in n Jahren drum, weil das ein zu dickes Brett ist“, dann ist auch nichts anderes, als das, was hier „den Planern“ vorgeworfen wird: nur das machen, was am wenigsten Ärger hervorruft/Arbeit macht/kostet/behindert.
          Lachen musste ich über Ampelschaltungen, bei denen kein Radfahrer mehr totgefahren wird. Prima Idee. So vom Grundsatz her. Was das für die Umlaufzeiten an Kreuzungen bedeutet, ist dann auch klar?

          1. Wenn VC so abgrundtief gehasst und gemieden wird: was machen wir denn mit all den Wohngebieten und ihrem Ziel- und Quellverkehr? basteln wir da Radwege hin?

            Das hat niemand gefordert, das habe ich auch hoffentlich nicht im obigen Artikel so angedeutet. In den allermeisten Wohngebieten funktioniert Fahrbahnradelei nach meiner Beobachtung schon, selbst bei Kopfsteinpflaster — natürlich auch deshalb, weil selbst der größte Apartheits-Fetischist mehr als diesen halben Meter braucht, der da von parkenden Kraftfahrzeugen freigelassen wird.

            Oder stellen wir einfach „Fahrradstraße“-Schilder auf?
            Was genau würde sich im Grandweg denn ändern, wenn es eine Fahrradstraße wäre? Plötzlich würden sich von heute auf morgen ausnahmslos alle KFZ-Führer an die StVO halten und dem Radfahrer den Vorrang an den entsprechenden Engstellen gewähren?

            Das sicherlich nicht.

            Oh, Durchgangsverkehr raushalten? Ja, da freut sich der Anwalt für Verwaltungsrecht, der mal kurz darlegt, dass so hopplahopp eine Straße nicht einfach qua „hätten wir gerne“ für den Durchgangsverkehr gesperrt werden kann. Und selbst, wenn es keinen Widerspruch gibt: die StVB wird zu recht anführen, dass das Quartier dort so dicht bebaut ist, dass auch eine Sperrung des Durchgangsverkehres die Verkehrsbelastung nicht großartig reduzieren wird.

            Dass die Sache nicht einfach ist und man den Grandweg nicht einfach beim Veilchenweg in zwei Teile schneiden kann, hatten wir nach meiner Erinnerung schon mehrfach im Radverkehrsforum angesprochen. Das ist nicht leicht, das würde eben ein größeres Projekt, diese Straße ist eben wie verhext.

            So. Nun ist der momentane Status, dass es dort mit dem Vorrang nie funktioniert, nach den Umbauarbeiten vor zwei Jahren eher noch schlechter als vorher, und dass ein Großteil der Radfahrer ordnungswidrig auf dem Gehweg unterwegs ist. Und es stellen auch andere kamerabewehrte Radfahrer, die ich bislang nicht als zimperlich kennengelernt habe, fest: Boah, diese Straße ist richtig scheiße zu befahren. So scheiße, dass man ja offenbar sogar die Veloroute dort raushaben möchte, weil die Beschwerden immer weiter zunehmen.

            Ich finde, da könnte man jedenfalls mal Ideen sammeln, wie so etwas funktionieren könnte. Die man dann, wie du es getan hast, einer verwaltungsrechtlichen Prüfung unterzieht. Man würde ja vermutlich auch ein paar Mitstreiter unter den Anwohnern, womöglich auch beim PK 23 finden; dass dort eine Rennstrecke durchs Wohngebiet führt, die bei jedem Stau auf dem Lokstedter Steindamm — wie beispielsweise gerade heute Morgen wieder — zu einer stinkenden Blechwüste mutiert, kann dort ja niemand ernsthaft toll finden.

            Klar ist es nett an Heidenkampsweg und der Ost-West-Straße 3m breite Radwege zu fordern. Nur zu.

            Ich habe nicht davon geschrieben, sich jetzt hinzustellen und breite Radwege zu fordern. An überhaupt keiner Stelle. Ich finde es unfassbar, dass beispielsweise an der Luruper Chaussee die schmalen Sonderwege gegen schmale Sonderwege mit neuem Pflaster getauscht wurden, ja, aber ich halte es nicht für sinnvoll, jetzt überall in jedem Wohngebiet breite Radwege einzufordern. Das ist etwas, was du irgendwie in meinen Text hineininterpretiert hast.

            Wenn man aber dann irgendwann an der Kieler Straße aufgrund des dortigen Radverkehrsaufkommen verbreitern sollte, meinetwegen von anderthalb Meter auf drei, dann ist das halt so. Warum denn nicht? Wenn die Leute gerne an einer Hauptverkehrsstraße radeln wollen — ich habe es mir mittlerweile abgewöhnt — und sich jemand für den dortigen Platz einsetzt, bitteschön.

            Dann aber auch gefälligst Gedanken machen, wie mit der Nordkanalstraße und der Stresemannstraße verfahren wird. Sich jetzt hinzustellen und zu sagen: „jaja, da kümmern wir uns in n Jahren drum, weil das ein zu dickes Brett ist“, dann ist auch nichts anderes, als das, was hier „den Planern“ vorgeworfen wird: nur das machen, was am wenigsten Ärger hervorruft/Arbeit macht/kostet/behindert.

            Nö, überhaupt nicht „gefälligst“. Ich mache das, wozu ich Zeit habe und was ich auf meiner persönlichen Prioritätenliste stehen habe. Dort ist der Grandweg ganz schön weit nach unten gerutscht, seit ich nicht mehr nach Hoheluft fahren muss, aber wenn sich ein paar Mitstreiter fänden, die dort was unternehmen wollen, könnte ich sicherlich einen Teil meiner Zeit abknapsen.

            Momentan habe ich eher das Überseh-Hattrick vom Eidelstedter Platz bis zur Autobahn 7 im Auge und will dort mal das PK 27 nerven. Auf das PK 14 mit der Fußgängerampel an der Kieler Straße dort drunten habe ich keine Lust mehr, mit denen soll sich jemand anders auseinandersetzen.

            So läuft das. Ich mache das, wozu ich an einem Tag abzüglich Schlaf, Arbeit, Freundin, Fahrrad und diversen Webseiten noch Zeit finde.

            Ich weiß nicht, warum du mir nun das Recht absprichst, überhaupt irgendetwas zu fordern, wenn ich nicht gleich eine Art Generalplan für die ganze Stadt vorlegen könnte. Das kann ich nicht und das weißt du.

            Trotzdem gilt auch bezüglich deines bemängelten Abschnittes an der Stresemannstraße, dass man sich ja mal Gedanken machen könnte. Ich glaube, ausgerechnet an jenem Abschnitt mit der Tempo-30-Beschränkung fände man tatsächlich eine ganze Menge Mitstreiter, wenn man etwas bewegen möchte. Nur läuft das halt notfalls so, dass man sich in seiner Freizeit, ohne direkt einen eigenen Vorteil daraus zu haben, durch die Häuserzeilen klingelt und Anwohner anspricht. Einen Appell an eine Veränderung dieser Straße in einem Radverkehrsforum oder Radverkehrspolitik-Weblog zu verstecken erreicht eben nur einen Bruchteil der Menschen, die dann wieder mit den üblichen Diskussionen über Radweg oder Fahrbahn beginnen.

            So, also, Stresemannstraße. Wir hatten schon mal darüber gesprochen, dass man beispielsweise die beiden Seitenstreifen entfernen könnte, um dort Radfahrstreifen anzulegen oder gar die plötzlich in Mode gekommene Protected Bike Lane. Dazu müsste man dann allerdings im östlichen Teil bis zur Bernstroffstraße die Bäume entfernen, um die Fahrbahn Richtung Norden zu rücken. Das wird also schon mal nicht funktionieren, die Idee sollte man aber dennoch nennen dürfen.

            Man könnte auch erstmal den allerersten Schritt machen und die blöden blauen Schilder dort abmontieren lassen, nur denke ich nicht, dass sich in dieser Feinstaub-Schlucht ein wesentlicher Anteil an Fahrbahnradlern generieren ließe.

            Gut, dann bliebe noch eine Alternative: Wenn man schon diese Straßenschlucht nicht verbessern kann, dann nehmen wir eben Nebenstrecken in Angriff. Man könnte von meiner Bude am Eidelstedter Platz bis hinunter zum Neuen Pferdemarkt eigentlich recht konsequent rechts und links der Kieler Straße und der Stresemannstraße fahren, beispielsweise aus Norden kommend die ganze Ecke über die Langenfelder Straße umfahren und sich aus Westen kommend in Höhe des Bornkampwegs entscheiden, ob man eher nördlich oder südlich der Stresemannstraße fahren möchte.

            Ist das cool? Nein, das ist nicht cool, aber das ist mir das beste, was mir jetzt gerade auf die Schnelle bei Google Maps in der Mittagspause eingefallen ist. Wenn man sich dort ausführlicher Gedanken machte, auch mit anderen Menschen, käme sicherlich etwas brauchbares bei raus. Man muss sich nur damit arrangieren können…

            Lachen musste ich über Ampelschaltungen, bei denen kein Radfahrer mehr totgefahren wird. Prima Idee. So vom Grundsatz her. Was das für die Umlaufzeiten an Kreuzungen bedeutet, ist dann auch klar?

            … dass man eben niemals die eigenen Maximalforderungen durchsetzen können wird.

            Klar wäre es toll, gäbe es von meiner Haustür bis zum Michel einen von den Hauptverkehrsstraßen abgewandten Korridor ohne Kopfsteinpflaster, auf dem ich schnell zur Arbeit und zurück sausen könnte. Mir ist klar, dass wir den genauso wenig bekommen werden wie irgendwelche breiten Radfahrstreifen an irgendwelchen Hauptverkehrsstraßen oder brauchbare Velorouten, die ihren Namen tatsächlich verdienen.

            Ich weiß, worauf du mit deiner Frage bezüglich der Umlaufzeiten abzielst, aber da denke ich mir eben mittlerweile auch: So ist das dann halt. Dann muss man eben auch als Radfahrer an einigen Stellen einen Moment länger warten.

            Um beim Beispiel mit Kieler Straße und Reichsbahnstraße oder Kieler Straße und Autobahn 7 zu bleiben, so bekomme ich dort mit meinem Rad immer dann grün, wenn gerade der Kraftverkehr mit mehr oder weniger Vollgas rechts abbiegen möchte und überhaupt gar nicht merkt, dass parallel fahrende Radfahrer eigentlich bevorrechtigt waren. Wie du sicherlich meinen unzähligen Berichten im Radverkehrsforum entnommen hast, geht das tendenziell eher schief.

            Wenn eine erste Verbesserung der Situation bedeutet, das rechtsabbiegende Kraftfahrer und geradeausfahrende Radfahrer nicht mehr gleichzeitig aufeinander losgelassen werden, dann fände ich das nicht schlecht. Wenn das bedeutet, dass ich hin und wieder mal einen Umlauf länger warten muss, dann bin ich momentan bereit, diesen Nachteil in Kauf zu nehmen. Man kann ja ange Wenn man’s ganz dicke hat, kann man dem Radverkehr wie oben in Kopenhagen ja rechtzeitig signalisieren, mit welchem Tempo man die letzten hundert Meter in Angriff nehmen kann, um die Ampel bei grünem Licht zu erwischen.

            Das wäre schon mal eine erste Verbesserung, die dafür sorgen könnte, dass ich diese Kreuzung nicht irgendwann bei Death.Bike eintragen müsste.

            Natürlich wäre es schöner, wenn man diesen geilen Umbau von wegen Radweg hinter das Bushaltestellenhäuschen und dann im lustigen Winkel zurück an die Fahrbahn rückgängig machen könnte. Auch das wird in absehbarer Zeit nicht passieren. Aber mittelfristige Verbesserungen mit kleinen Nachteilen sind meines Erachtens besser als angesichts unerfüllbarer Maximalforderungen (Radfahrer-Grünphase darf nicht verkürzt werden, Kreuzung muss wieder umgebaut werden) einfach zu sagen: Nö, dann machen wir lieber gar nichts und fahren auf der Fahrbahn, soll halt der Rest selbst sehen, wo er bleibt.

  2. VC ist eh am Ende, können GrüneSPDCDU noch so strampeln mit diesen 1%. Mit dem Dreck haben sie in D zwar 20 Jahre gewonnen, totgekriegt haben sie die Radkultur damit aber auch nicht.
    Kurz schütteln und – ride on.

    Lern doch mal organisieren, ich glaub, das lohnt sich.

  3. Gute Analyse. Erfreulich, dass der Kopf bei manchen rund ist. Beim ZK des Hamburger ADFC ist dagegen mit keinerlei Erkenntnisgewinn zu rechnen.

    1. Genau solche Statistiken meinte ich. Die Grafik stammt von einem Artikel von Hamburgize und trägt dort die Unterschrift „Entwicklung des Fahrradverkehrs an den Hamburger Fahrradpegeln“, die ursprüngliche Quelle ist offenbar das BWVI.

      Was zeigt diese Kurve denn nun? Dass der Radverkehrsanteil seit 2008 explodiert, weil Hamburg in ungefähr jener Zeit angefangen hat, die Radverkehrsinfrastruktur stellenweise zurückzubauen, Radfahrer auf die Fahrbahn zu schicken und Radwegbenutzungspflichten aufzuheben? Da haben also wirklich aberhunderte, nein, abertausende Radfahrer gedacht, hmm, schade, der Radweg am Lokstedter Steindamm ist noch immer benutzungspflichtig, da nehme ich heute lieber das Auto? Dementsprechend müsste die Siemerplatz-Dammtor-Achse doch eigentlich überquellen vor Radfahrern und im Nedderfeld müssten hunderte Radlinge auf der Fahrbahn zu sehen sein. Sind aber irgendwie nicht: Die fahren zwar mit dem Rad, bleiben aber immer noch artig auf den technisch vollkommen unzureichenden Radwegen (beziehungsweise kurbeln im Nedderfeld ordnungswidrig auf den Gehwegen umher).

      Vielleicht zeigt diese Darstellung aber auch einfach, dass Hamburg seit 2008 die Radverkehrsinfrastruktur zurückbaut, weil etwa seit 2008 der Radverkehrsanteil aus einem beliebigen anderen Grunde explodiert ist. Vielleicht hat aber beides auch gar nichts miteinander zu tun.

      Eigentlich halte ich einen anderen Grund für viel plausibler: Als meine Mutter 1969 ihr Studium begonnen hat, war die Talfahrt des Radverkehrsanteils plötzlich vorbei. Und als ich 2008 mit dem Informatikstudium angefangen habe, begann plötzlich der Fahrradboom. Also, da sind die Ursachen doch eine glasklare Sache, oder willst du das etwa anzweifeln?

      1. Hehe, wichtiger Punkt. Der Gedankengang funktioniert aber auch in die andere Richtung:

        Hier in Münster war der Ausbau der Radverkehrsanlagen Anfang der 1970er-Jahre weitgehend abgeschlossen. Der Radverkehrsanteil war aber noch 1972 ziemlich mau. Zwischen 1972 und 1984 explodiert der Radverkehr dann regelrecht. Die Stadt Münster schlägt dies gerne ihrer supertollen Radverkehrsförderung zu (ich nenne es lieber Verkehrsmittelapartheid). Dabei übersieht sie nur allzu gerne, dass sich zwischen 1972 und 1984 auch die Studienzahlen an der WWU verdoppelt haben – und zwar unter dem Einfluß des BAFöG. Es strömten also wesentlich mehr junge Menschen aus weniger gut situierten Familien an die Uni. Dann nimmt man noch die Energiekrise der 1970er dazu und erhält eine plausible Erklärung für den Fahrradboom in Münster. Mit Infrastruktur hat das herzlich wenig zu tun – sondern eher damit, dass Arbeiterkinder sich endlich die Uni, aber noch immer keine eigene Karre leisten konnten, und wohl auch bald nicht mehr wollten: Es ist heute an der breit über die Stadt gestreuten WWU nicht möglich, ein Studium ohne Fahrrad zu beenden, weil man schlicht in der akademischen halben Stunde keinen Parkplatz findet.

  4. Oftmals bleibt nichts anderes übrig als VC zu spielen.
    Ich habe mir dafür Reißnadelspitzen auf die Handschuhe genäht.
    Kommt mir ein Fahrzeug zu nahe, strecke ich die Hand aus.
    Gehärteter Stahl mit 68 HRC zerkratzen nicht nur den Lack sondern sogar Scheiben.
    Macht es nicht besser, aber man hinterlässt einen bleibenden Eindruck.
    Das „Z“ stammt also nicht von Zorro, sondern vom #scheissradfahrer, den man zu eng überholt hat.

  5. Was für ein unfassbarer Scheißartikel. Der Autor ignoriert sämtliche Studien zum Radfahrerverhalten, über Sicherheitsaspekte des Radfahrens und die Flächenwahl der Radfahrenden. Stattdessen sticht er das Messer in den Rücken der Fahrrad-Aktivisten, die seit Jahren gegen verbotswidrige Beschilderungen kämpfen und in Punkto Sicherheit des Radverkehrs wirklich etwas bewegen, anstatt sich als Rosa Parks aufzuspielen und einen haufen gequirlte heiße Luft abzusondern.

    Es beschämt mich einmal mehr, in welcher ideologisch verblendeten Welt einige Radfahrer leben, in der das Recht auf Radweg wichtiger ist als jegliche Sicherheitsaspekte. Wer wie der Autor Radwege fordert, geriert sich als Alice Schwarzer der Radfahrenden, die eine von der automobillobby finanzierte Verkehrsmittelapartheid forcieren möchten, obwohl ganz klar ist, dass Fahrräder auf die Fahrbahn gehören.

    Es ist aber interessant zu lesen, wie ein solcher Kleingeist sich plötzlich der Autolobby anbiedert. Ich bin gespannt, ob dieser Artikel irgenwann als Werbeanzeige gekennzeichnet wird und wie viele Scheine die Autolobby zahlen musste. Vielleicht fährt der Autor bald in einem brandneuen Feinstaub-Passat durch Hamburg und hupt alle Radfahrer an, die noch nicht die heiligen Segnungen des heißgeliebten Radweges empfangen haben? Ich könnte echt kotzen, wenn ich dran denke, wie viele Stunden Lobbyarbeit mit diesem Artikel den Bach runtergehen.

    Für die Sicherheit und den Umweltschutz erweist der Autor einen riesigen Beerendiensst.

    1. Den Spruch mit Rosa Parks habe ich vorhin erst auf facebook gelesen — wir sind uns da nicht zufällig schon mal argumentativ über den Weg gelaufen?

    2. Haben wir den gleichen Artikel gelesen? Ich finds befremdlich, dass in deinem Kommentar von Kleingeist und gequirlter heißer Luft die Rede ist. Ich bin sehr aktiv was Radfahren und Verkehrssicherheit betrifft, kann aber diese Abwertung und extreme Polarisierung bis hin zu persönlichem Hass wegen „pro/contra Radweg, Fahrbahn“ echt nicht nachvollziehen. Woher kommt das?

      Ich habe den Bericht eher als Tatsachenbericht gelesen. Wir häufig sitzt Du denn auf dem Rad? Ich selbst bin absolut erschrocken, wie sehr man benachteiligt, bedrängt und mit dem Tode bedroht wird. Häufig habe ich Dinge erlebt, die Malte beschreibt. Hin und wieder könnte ich weinen, wie sehr man gehasst und gefährdet wird.

      1. Will sagen: Ich möchte auch einfach nur Radfahren. Ich möchte nicht jedes Mal vorher Angst vor den krassen Stellen haben, mich geistig stärken, damit ich mit dem Hass klar komme und mich behaupten müssen. Daraus leite ich keine Empfehlung pro oder kontra Radweg ab, sondern einfach nur, dass man oft kurz vor Resignation /Kapitulation steht.

    3. Findest Du den Artikel eigentlich nur deshalb so scheiße, weil du dich, ganz schubladig, für die Seite der Fahrbahnradelbefürworter entschiedst? Ich wäge ja alles für mich selbst ab und höre anderen zu, weshalb es eben nicht so schwarz/weiß ist. Kinder sind anders als Erwachsene sind anders als Senioren. Gesunde Leute sind anders als kranke Leute sind anders als Gehörlose. Selbstbewusste sind anders als Schüchterne sind anders als Seltenradler…

      Wen willst Du alles ausschließen, wem willst Du nicht zuhören?

    4. Was für ein unfassbarer Scheißartikel.

      Herzlichen Dank. Und bevor du dich aufregst: Hier kommt gleich noch ein unfassbarer Scheißkommentar hinterher.

      Der Autor ignoriert sämtliche Studien zum Radfahrerverhalten, über Sicherheitsaspekte des Radfahrens und die Flächenwahl der Radfahrenden.

      Ich kenne die einschlägigen Statistiken über Flächenwahl und Verhalten und Sicherheitsaspekte, ich habe drei Jahre lang im alten Radverkehrspolitik-Weblog erschöpfend daraus zitiert. Und mittlerweile habe ich festgestellt: Ich kann anderen Radfahrern so fort wie möglich aus den Unfallstatistiken vorlesen, die haben trotzdem keine Lust aufs Fahrbahnradeln.

      Stattdessen sticht er das Messer in den Rücken der Fahrrad-Aktivisten, die seit Jahren gegen verbotswidrige Beschilderungen kämpfen und in Punkto Sicherheit des Radverkehrs wirklich etwas bewegen, anstatt sich als Rosa Parks aufzuspielen und einen haufen gequirlte heiße Luft abzusondern.

      Donnerwetter: Dichtest du mir jetzt ernsthaft eine Dolchstoßlegende an? Da kann ich Philipp nur Recht geben: Eine Nummer kleiner ging’s nicht?

      Den Radfahrern, die seit Jahren gegen widerrechtliche Beschilderungen kämpfen, kann ich nur meine Hochachtung ausdrücken: Ich hätte weder Zeit noch Nerven für diesen Kampf. Allerdings habe ich nicht den Eindruck, dass sich bezüglich Sicherheit wirklich etwas verbessert: Nach Entfernung der widerrechtlichen Beschilderung ändert sich meistens nichts.

      Wer vorher angesichts der blauen Schilder ordnungswidrig auf der Fahrbahn unterwegs war, fährt anschließend ordnungsgemäß auf der Fahrbahn. Das sind aber hier in Hamburg meistens vielleicht pro Tag ein Dutzend Radfahrer, wenn überhaupt. Wer vorher auf dem Radweg zugange war, bleibt auch nach Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht dort.

      Bezüglich der Sicherheitslage dürfte sich kaum etwas ändern: Der Radweg ist unsicher wie zuvor, auf der Fahrbahn wird auch kein Kraftfahrer feststellen, oh, das blaue Schild ist weg, dann hupe ich jetzt mal nicht.

      Dennoch: Ich halte es für richtig, die blauen Schilder aus dem Weg zu räumen und sei es damit die Verwaltungen überhaupt mal auf die Idee kommen, ihre Verwaltungsvorschriften zu lesen.

      Es beschämt mich einmal mehr, in welcher ideologisch verblendeten Welt einige Radfahrer leben, in der das Recht auf Radweg wichtiger ist als jegliche Sicherheitsaspekte.

      Ich hoffe, dass mein Blogbeitrag diese Schlussfolgerung nicht hergibt, ansonsten habe ich mich argumentativ wirklich ganz und gar verrant.

      Wer wie der Autor Radwege fordert, geriert sich als Alice Schwarzer der Radfahrenden, die eine von der automobillobby finanzierte Verkehrsmittelapartheid forcieren möchten, obwohl ganz klar ist, dass Fahrräder auf die Fahrbahn gehören.

      Noch mal: Ich hoffe nicht, dass mein Blogbeitrag diese Schlussfolgerung hergibt. Ich will überhaupt keine Verkehrsmittelapartheid forcieren, ich möchte eher daran erinnern, dass ein Großteil der Radfahrer eben überhaupt gar nicht zu Wort kommt, beziehungsweise sich überhaupt gar nicht zu Wort meldet, weil ein Großteil der Radfahrer nunmal gar nicht auf die Idee kommt, sich irgendwie Gedanken über die Wahl des richtigen Straßenteils zu machen.

      Es mag ja sein, dass Fahrräder im Sinne von § 2 Abs. 1 StVO auf die Fahrbahn gehören, ich habe nur noch keine Lösung gefunden, wie alle dorthin kommen.

      Es ist aber interessant zu lesen, wie ein solcher Kleingeist sich plötzlich der Autolobby anbiedert.

      Nichts liegt mir ferner, als mich der Feinstaub-Lobby anzubiedern. Ich habe meine Karre vor recht genau zwei Jahren abgeschafft und plane nicht, mir in absehbarer Zeit wieder einen Wagen vor die Tür zu stellen.

      Ich bin gespannt, ob dieser Artikel irgenwann als Werbeanzeige gekennzeichnet wird und wie viele Scheine die Autolobby zahlen musste.

      Es wird dich verwundern, aber ich habe keine Scheine von der Auto-Lobby empfangen. Dementsprechend wird auch keine Kennzeichnung als Werbeanzeige erfolgen.

      Vielleicht fährt der Autor bald in einem brandneuen Feinstaub-Passat durch Hamburg und hupt alle Radfahrer an, die noch nicht die heiligen Segnungen des heißgeliebten Radweges empfangen haben?

      Ich weiß wirklich nicht, woher du diese Vermutungen nimmt. Ich habe nicht vor, irgendjemandem einen Straßenteil vorzuschreiben. Und ich werde auch nicht mit irgendeinem Auto hupend durch die Gegend fahren.

      Ich könnte echt kotzen, wenn ich dran denke, wie viele Stunden Lobbyarbeit mit diesem Artikel den Bach runtergehen.

      Ich kann mir angesichts deiner Argumentation kaum vorstellen, dass du bislang nennenswert viel Zeit in Lobbyarbeit gesteckt hast.

      Für die Sicherheit und den Umweltschutz erweist der Autor einen riesigen Beerendiensst.

      Auch hier würde mich tatsächlich die Begründung für dein Fazit interessieren. Mir hat nun leider noch wirklich niemand erklärt, wie er denn nun nennenswert viele „normale“ Radfahrer vom Radweg auf die Fahrbahn bringen möchte. Ich bin jetzt einige Jahre auf der Fahrbahn gefahren und es ist mir zu dumm geworden, obwohl ich mutmaßlich durchaus etwas abgehärtet bin.

      Wie bekommt man denn nun die „normalen“ Radfahrer auf die Fahrbahn? Immerzu mit § 2 Abs. 1 StVO zu wedeln überzeugt meines Erachtens niemanden, beziehungsweise hat angesichts des Radverkehrsanteils auf der Fahrbahn bislang niemanden überzeugen können.

      Ich fände es ernsthaft toll, wenn jemand mal einen Plan darlegen könnte bezüglich „Radverkehr gehört auf die Fahrbahn und wir machen das jetzt so:“. Gibt’s aber nicht. Bislang gibt’s nur endlose Diskussionen und Niedermachen gegenteiliger Meinungen.

    5. „Es beschämt mich einmal mehr, in welcher ideologisch verblendeten Welt einige Radfahrer leben,“

      schreibt einer der größten Aggro-Fanatiker der Community …

  6. Sehr toller Artikel und viel Erkenntnis darin. Diese Streiterei ist so selbstzerstörend wir die Gender Debatte der Piraten.
    Erst mal die Leute aufs Rad bekommen und fahren lassen. Das wäre wie mit Wasser, die Wege (hier für die Radler) finden sich durch pure Menge. Wenn dann der Radweg die Straße ist, dann ist das doch auch gewonnen.
    Ich fahre täglich nach Mannheim, die sich selbst die Draisstadt nennen und es ist traurig wie schlecht die Radwege sind, die nicht im Zentrum der Straßenmalerei liegt. Das alte Laub vom letzten Jahr liegt jetzt fest gefroren auf dem Rad und das auf einer Hauptroute.
    Blieb genau so dran, man muss einfach nur viele auf die Straße bekommen.
    Das was Du mit Kinder schreibst, ist in der Tat ein Problem und wenn man sich zurücklehnt und drüber nachdenkt erkennt man noch viel mehr Wahnsinn.
    Man lässt seine Kinder nicht auf die Straße wegen den Autos und ein großer Teil der Bevölkerung findet das normal. oder begrüßt das sogar. Aber das ist halt #schland, dass wird nicht besser.

  7. Guter Ansatz. Wichtig, dass es weiter geht und für Fahrradfahrer sicherer wird.
    Ein Detail: Hamburg hat kein Feinstaub sondern ein Stickoxid (NO2) Problem, wenn es um die Luftqualität geht…

  8. „Make cycling great again“
    sehr ehrlich und sehr passend.
    Sehr zeittypisch auch, dass Radverkerspolitik sich immer stärker von Umweltpolitik absetzen will – bzw. absetzen muss.
    So schreitet denn die Autobahnisierung unseres „normalen“ Strassennetzes weiter voran und nach Ausschluss der Fussgänger wird jetzt mit brachialer Konsequenz alles von den Fahrbahnen verbannt, was „den Verkehr“ behindern könnte.
    Schön beschrieben, dass nicht Einsicht/Strategie der Grund für den Meinungswandel war, sondern die physische Gewalt von Autofahrenden, die mit der Methode „Auto als Waffe“ erfolgreich und ungestört für Rad-befreite Fahrbahnen sorgen / sorgen dürfen / sorgen sollen.
    Ja …
    ‚Make cycling great again‘ wie treffend …

    1. Sehr zeittypisch auch, dass Radverkerspolitik sich immer stärker von Umweltpolitik absetzen will – bzw. absetzen muss.

      Ich denke nicht, dass sich Radverkehrspolitik unbedingt von Umweltpolitik absetzen kann oder will oder muss. Woran machst du das fest?

      So schreitet denn die Autobahnisierung unseres „normalen“ Strassennetzes weiter voran und nach Ausschluss der Fussgänger wird jetzt mit brachialer Konsequenz alles von den Fahrbahnen verbannt, was „den Verkehr“ behindern könnte.

      Das ist eine vollkommen legitime Sichtweise auf den Vorschlag, die Radfahrer auf den Radwegen zu belassen, die sie so sehr lieben — ob nun diese Konsequenz „brachial“ ist, sei mal dahingestellt.

      Allerdings frage ich dich: Was ist denn dein Vorschlag? Den ganzen Tag lang ist das passiert, was ich oben im Artikel bereits beschrieben habe: Wir diskutieren die ganze Zeit um andere Themen drumherum, beispielsweise die Sache mit der Gleichberechtigung im Straßenverkehr oder die Verkehrsmittelapartheid in den Städten, aber ich habe bislang genau wie in den fünf oder sechs Jahren zuvor keinen Vorschlag gelesen, wie man denn nun tatsächlich den Radverkehr auf die Fahrbahn bringt.

      Stattdessen passiert das, was immer passiert: Wir können nicht alle fünfzig Probleme auf einmal lösen, also lösen wir lieber gar keines und diskutieren uns zu Tode.

      Schön beschrieben, dass nicht Einsicht/Strategie der Grund für den Meinungswandel war, sondern die physische Gewalt von Autofahrenden, die mit der Methode „Auto als Waffe“ erfolgreich und ungestört für Rad-befreite Fahrbahnen sorgen / sorgen dürfen / sorgen sollen.

      Vollkommen richtig, nichts anderes habe ich behauptet, nichts anderes wollte ich suggerieren. Auch da ist die Frage: Worauf zielt dein Vorwurf ab?

      Ich habe Vehicular Cycling lang genug praktiziert, ich habe nicht bemerken können, dass ein wesentlicher Teil der übrigen Radfahrer mitgezogen wäre. Alles, was mir persönlich bei meinem bisherigen Glück wiederfahren könnte, wäre pro Quartal ein weiterer Versuch eines Kraftfahrers, mich über den Haufen zu fahren — so lange, bis ich irgendwann nicht mehr aufstehe. Selbst die teilweise horrend unsicheren Radwege in Hamburg garantieren mir da ein längeres Leben.

      Polizei und Staatsanwaltschaft in Hamburg interessiert sowas nicht, man muss erfahrungsgemäß froh sein, wenn Ermittlungsverfahren denn wenigstens gegen eine Spende des Tierheimes eingestellt werden.

      Man könnte darauf hinarbeiten, dass bitteschön mehr Polizei auf den Straßen unterwegs sein sollte, um solche Vorfälle direkt zu ahnden, allerdings fürchte ich, wird die Polizei angesichts der momentanen gesellschaftlichen Lage eher für andere Zwecke eingeteilt als sich plötzlich um bedrängte Radfahrer zu kümmern.

  9. Ich bin hauptsächlich in Berlin unterwegs und habe da völlig andere Erfahrungen gemacht. In den letzten Jahren hat sich die Situation deutlich gebessert und wirklich aggressives Verhalten von Autofahrern hat deutlich abgenommen (ich schätze mal 60-80% weniger als noch vor 6-8 Jahren, und in der Regel bleibt es bei einem einfachen Hupen ohne aggressive Fahrmanöver). Inzwischen gibt es auch deutlich mehr Radfahrer, die von der Wahlfreiheit gebrauch machen und je nach Situation auf der Fahrbahn fahren, obwohl ein Radweg existiert. Hier sind das nicht knapp 1% sondern je nach Situation auch mal 10-30% (darunter viele normale Alltagsradler und nicht nur Fahrradkuriere/Rennradfahrer). Die meisten Autofahrer haben sich wohl inzwischen an Radfahrer auf der Fahrbahn gewöhnt.

    Mit dazu beigetragen hat wahrscheinlich auch, dass es viele Hauptverkehrsstraßen völlig ohne Radwege (und oft ohne brauchbare Alternativen) gibt und die Behörden in Berlin nur sehr selten ein Zeichen 240 aufstellen (meist gibt es nicht mal einen freigegebenen Gehweg). Damit gewöhnen sich nicht nur „Kampfradler“ sondern auch normale Alltagsradler an das Fahren im Mischverkehr auf verkehrsreichen Straßen. Ebenfalls hilfreich ist, dass gefährliche Altradwege gelgentlich durch rot/weiße Absperrelemente gesperrt werden (für einen vollständigen Rückbau ist kein Geld da).

    1. Jakob, ich kann Dir nur beipflichten.

      Hier in Berlin, vor allem in der Innenstadt, hat sich die Situation in den letzten Jahren enorm verbessert. Ja, manchmal gibt es noch richtig blöde Autofahrer, aber die sind meist aus dem Umland und den starken Radverkehr vielleicht einfach nicht gewöhnt.

      Vielleicht liegt es daran, daß viele Autofahrer auch öfter mal das Rad nehmen und somit beide Blickwinkel kennen? Oder daran, daß es mittlerweile viele brauchbare Radstreifen gibt?

      In Hamburg mag die Situation anders sein, aber in Berlin brauchen wir aus meiner Sicht nur eine Fahrradinfrastruktur: Die Straße!

    2. Ich bin Ende ’96 vom westlichen Ruhrpott nach Kiel gezogen und habe zunächst einen Kulturschock erlitten. Im Ruhrpott fuhr ich schon Mitte/Ende der 80er nur in Ausnahmefällen auf Radwegen und außer der Rennleitung hat das keine Sau groß interessiert. In Kiel wurde ich aber tagtäglich gemaßregelt, das ging bis hin zu Straftaten. Jetzt war ich aber schon lange vom Fahrbahnfahren überzeugt und Radwege sind mir entschieden zu gefährlich. Ich habe mich also nicht verpisst und von „schönen“ Radwegen geträumt. Schon aus Frankreich und Paris (Da wo Malte sich so gar nicht wohl fühlte), wußte ich aber, daß Autofahrer sich gegenüber Radfahrern auf der Fahrbahn sehr wohl anständig benehmen können und das Belästigungen und Gefährdungen auf der Fahrbahn in D absichtlich herbei geführt werden. Jetzt ist zwischenzeitlich in Kiel aber eine sehr deutliche Verhaltensänderung bei Autofahrern eingetreten. Auch außerorts herrschen hier schon beinahe französische Verhältnisse. Belästigungen und Gefährdungen sind mittlerweile selten. Der Grund für diese verhaltensänderung würde mich aber mal brennend interessieren.
      Aus Berlin berichten andere Radfahrer wieder das genaue Gegenteil, so wie hier Radfahrer behaupten sie würden aggressiv behandelt (auch auf Strecken die ich kenne) und ich kann das regelmäßig nicht nachvollziehen.
      Diese Diskrepanz dürfte psychologisch bedingt sein.
      Dieses Problem habe ich nicht. Ich benutze das Fahrrad seit über 40 Jahren als Verkehrsmittel und ich träume nicht mehr von schöneren und besseren Radwegen. Für mich kommt also nichts Anderes als Fahrbahn in Frage. Radfahrer werden abgesehen von Vorzeigewegen genau die Scheiße bekommen, die sie jetzt schon bekommen und auch in den Vorzeigestädten wie Amsterdam oder Kopenhagen bekommen Radfahrer Dreck.
      Malte ist halt noch jung, da hat man noch Utopien. Ich bin dafür definitiv zu alt…

  10. Mein Blog http://www.hannovercyclechic.wordpress.com ist aus den im Artikel genannten Gründen zu einer Initiative für eine lebenswerte Stadt mutiert. Ich glaube um die Städte zu verändern müssen viel mehr Interessengruppen – Radfahrer, Senioren, Eltern, Fußgänger, Gehandicapte, Umweltschützer, Nicht-Auto-leisten-Könner und Nicht-Auto-haben-Woller etc. – zusammenarbeiten. Das Engagement trägt Früchte, weil in unserem Stadtteil, Hannover-Linden, nicht nur Radfahrer über notwendige Veränderungen diskutieren. Als nächstes laden wir am 9.2.2017 zu einer Podiumsdiskussion „Wie wollen wir leben in unseren Stadtteilen (und Städten)?“ ein. Jedem oder jeder, der aus unterschiedlichen Gründen due autogerechte Stadt leid ist, müssen wir mit einem Narrativ aus der „Es soll alles so bleiben wie ist“-Gruppe herauslocken. Dem Handwerker, der der FDP nahesteht, müssen wir klar machen, dass seine Mitarbeiter mit dem Firmen-Bulli besser durchkommen, wenn mehr Menschen die 5km-Strecken in der Stadt mit dem Rad zurücklegen. Außerdem kommen wir mit erhobenem Zeigefinger und verkniffenem Gesicht nicht an die Menschen heran, sondern eher mit guter Laune und Humor. So weit so gut erstmal… Bis dann, Olli alias hannovercyclechic aka als PlatzDa!-Initiator

    1. Schöner Ansatz, dasselbe hier. Letztlich geht es nicht ums Radfahren, sondern um nachhaltige Mobilität. Die Menschen sind halt vielfältiger als es sich in einer Frage von Auto vs. Rad oder Fahrbahnradler vs. Radwegnutzer abbilden ließe. Und das betrifft nicht nur den Unterschied zwischen einzelnen Individuen sondern auch den Unterschied in der eigenen Biografie. Als Kind hat man durchaus andere Ansprüche als als junger Erwachsener, später als Vater/Mutter, als älterer Radfahrer oder mittendrin vielleicht sogar als überhaupt keiner mehr – Beinbruch oder so 😉

      Mobilität in der deutschen Stadt von heute ist einfach kacke organisiert, Hauptproblem sind die KFZ, da beißt der Marder kein Kabel ab. Aber wie man den Übergang zu was anderem schafft und was das andere sein soll… da ist noch ne Menge Luft für Ideen.

  11. Ich bin auch der Meinung, dass man mit einem Schwarz/Weiß-Denken da nicht weiterkommt. Bei uns in Magdeburg gibt es einige Stellen, an denen ich fürs Radfahren auf der Straße plädieren würde (ganz besonders bei unserem großen Kreisverkehr mit Straßenbahn-Vorfahrt :P). An anderer Stelle sieht es wieder ganz anders aus.

    Am Ende finde ich tatsächlich auch am Sinnvollsten im Einzelfall als Radfahrer mitzuentscheiden, was den Radverkehr sicherer und attraktiver macht. „Fahr halt auf der Straße“ ist schon da blöd, wo ich als Radfahrer gemütlich an den wartenden Autos an der T-Kreuzung vorbeifahren darf.

  12. Ich will mit meinem Rad fahren und ich will sicher fahren. Auf der Fahrbahn werde ich in der Regel bedrängt, bedroht und gefährdet. Alibimäßig gibt es Schutzstreifen, die tatsächlich von der Anlage her dazu angetan sind, Radfahrer zu dezimieren. Sie sind schmal und liegen voll im Dooringbereich.
    Auch ich habe nach langen Jahren des Kampfes inzwischen doch etwas resigniert. Will nur in Ruhe mit dem Rad unterwegs sein.
    Ich denke bisweilen, je mehr Radfahrer unterwegs sind, umso weniger Autofahrer werden auf der Straße sein. Das könnte dann die Chance für eine gemeinsame Nutzung der Fahrbahn sein – partnerschaftlich!
    Verwundert bin ich immer, wenn ich einen solchen Text lese, dass es in jeder Stadt die gleichen Probleme gibt. Psydomaßnahmen wie in Köln sind da auch nur Augenwischerei um Radfahrer ruhigzustellen und Autofahrern zu geben, was Autofahrer wollen. Vor einiger Zeit habe ich etwas zum Thema »Anarchie und Verkehrschaos als wünschenswerte Zukunftsutopie« geschrieben (http://blog.medienecken.de/anarchie-und-verkehrschaos-als-wuenschenswerte-zukunftsutopie/).
    Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr denke ich, dass das ein Weg sein kann.
    Für den Artikel hier möchte ich mich bedanken. Ich habe mich an vielen Stellen darin gefunden. Danke!

  13. Hallo Malte,
    vielen Dank, dass du immer wieder Mut fasst, deine Erkenntnisse zu posten – wissend, dass ein Shitstorm folgt. Wenn nicht von der einen, dann von der anderen Seite. Was du hier schreibst kann ich total nachvollziehen. Ich, 33, gesund und duchtrainiert fahre konsequent Fahrbahn. Blauschilder an miesen Radwegen ignoriere ich. Ich freue mich über neue Radstreifen. Ich vermute aber, dass es keine 20 Jahre mehr dauert, bis ich zum torkelnden Gehwegradler mutiere, weil ich dann vermutlich nicht mehr im Verkehr mitschwimmen kann. Darum bin ich auch der Meinung, dass neben der Fahrbahn immer eine zumutbare Alternative für Kinder, Alte und nicht ganz so fitte Radler vorhanden sein muss. Sonst fahren die nämlich gar kein Rad – und das obwohl das Rad gerade für diese Gruppen ein geeignetes Verkehrsmittel sein sollte. Malte – Kopf hoch und durchatmen! Auch wenn du keine ultimative Patentlösung vorlegst, die jedem gefällt, ist es doch wichtig die Diskussion in Gang zu halten!

      1. Auch wenn du 53plus sein solltest, erhält dein Kommentar dadurch keine valide verallgemeinerbare Aussagekraft …

  14. Klasse Kommentar, zwar etwas länger, aber die Kernaussage ist genau das was wir brauchen. Mehr Radfahrer und zwar egal wie! Nur eines dürfen wir dabei nie aus den Augen verlieren, die Fußgänger!
    Klingt komisch, ist aber so!
    Wenn wir weniger Autos wollen, dann benötigen mehr von allem anderen Verkehrsarten. Und dabei sind die Fußgänger diejenigen, mit denen wir leider auch immer wieder im Clinch liegen.
    Lasst uns nicht nur unter den VC-Amhängern und den Radwegbenutzern zusammenarbeiten, sondern mit allen, die zugunsten einer menschenfreundlicheren Stadt auf ihr Auto verzichten.

    Soviel zu meinen Gedanken

    MfG

    Gregor

    1. Nein.
      Das ist m.E. ein klarer logischer Fehler.
      Mehr von anderen Verkehrsarten führt nicht automatisch zu „weniger Autos“.
      Um den Effekt von „weniger Autos“ zu erhalten müsste die Vorhaltenotwendigkeit von Autos abgebaut werden, bzw das Vorhalten von Autos de-attraktiviert werden.
      Zudem wäre zu diskutieren, wie das Verhältnis der Relevanz von Wegenzahlkonstanz auf der einen und Reisezeitkonstanz auf der anderen Seite diesbezüglich zu bewerten ist.
      Die These „mehr Radfahrer egal wie“ sei ein Schritt hin zu weniger Autoverkehr ist m.E. ebenso tumb wie sie populistisch simplifiziert und inhaltlich falsch ist.
      Mehr separierter Kurzstreckenradverkehr kann durchaus die Vorhaltenotwendigkeit von Autos für Viele zementieren (Stichwort Suburbanisierung plus green-urbanism Gentrifizierung der Kernstädte), als auch die gefahrenren Auto-Kilometer (Reisezeitkonstanz bei verflüssigtem Fahrbahnverkehr durch separierten Radkurzstreckenverkehr) erhöhen.
      Empirische Befunde aus den USA (protected-bikelanes) deuten darauf hin, und auch die Steigerungsraten der Auto-kilometerleistung in DK und NL deuten stark in diese Richtung.
      Aber es ist wohl nicht die Zeit für derartige Überlegungen.
      Lieber gemeinsam mit CSU, BMVI und den diversen Schwarz/grünen Landesregierungen für mehr separierten Radtourismus (Heckträger und SUV-Parkplatz lassen grüßen) und mehr subjektiv sichere Radwegelchen eintreten.
      Zugegeben das ist seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts voll anschlußfähig für die automobil orientierte ‚Mitte‘ unserer Gesellschaft, und es werden ja auch – bezeichnenderweise – die diversen neuen deutschen Separatisten-Bewegungen nicht müde zu betonen, dass die ganzen neuen Radwege doch auch dem Autoverkehr zugute kämen.
      Recht haben sie, aber dann bitte anufhören mit dem dummen Gerede, dass der neue deutsche Rad-Separatismus irgendwas mit Klimaschutz und dergleichen zu tun hätte.
      Und nein: ich bin keinesfalls gegen den Bau von tauglichen optionalen Radwegen.

      1. Mein Problem an dir ist einfach, dass du viele richtige Dinge schreibst, denen ich durchaus zustimmte, andersherum aber wieder Vorwürfe miteinander verknüpfst, bei denen ich dann denke: Okay, Alfons ist ein Troll und will mir nur die Zeit stehlen.

        Aber es ist wohl nicht die Zeit für derartige Überlegungen.

        Doch, ist es. Es ist Freitagabend, es ist 22.15 Uhr, es ist jetzt Zeit für diese Überlegungen. Wenn ich mir deine Kommentare in anderen Fahrradblogs anschaue, hast du dir ja durchaus zu diesem Thema gemacht.

        Nur dann kommt gleich wieder der Vorwurf, ich wollte irgendeinen Radtourismus etablieren. Da denke ich mir auch: Was ist denn jetzt unbedingt schlecht daran, wenn die Leute im Urlaub das Fahrrad mitnehmen? Dann frühstückst du noch jede Phrase ab, die du irgendwo aufgeschnappt hast, schrammst haarscharf am Adolf mit seinen freien Bahnen für Kraftfahrer vorbei und am Ende kommt: Nö, ich bin gar nicht gegen den Bau von optionalen Radwegen.

        Also, bitte stehle nicht dauernd meine Zeit. Drum fordere ich dich mal ganz frech auf: Was ist denn jetzt dein Vorschlag?

        Irgendein Interesse an diesem Thema scheint dich ja zu treiben, immerhin mehrere Male in verschiedenen Blogs deine Meinung zu kommentieren, insofern schreibe doch bitte mal ganz ohne Geschwurbel und Phasendrescherei auf, was du denn für eine Idee hast. Immer nur alles doof finden bringt auch niemanden weiter.

      2. Vor allen Dingen nervt dein narzisstischer Schreibstil.
        Doch, ich verstehe ihn als Germanist, aber was bleibt: Er ist unzeitgemäß und versucht verkrampft elaboriert zu wirken.

        Diagnose „Troll“ halte ich für wahrscheinlich, Malte.

  15. Als jemand, der seine Kinder (3+5) (fast) jeden Tag mit Fahr-, bzw. Laufend zum Kindergarten bringt, kann ich deine Argumente durchaus nachvollziehen. Ich will eine Infrastruktur, auf der meine Kinder später alleine zur Schule fahren können, ohne dass ich täglich Angst um sie haben muss. Ob das ein Radweg ist oder ein zivilisiertes und rücksichtsvolles Miteinander ist mir erstmal egal. Momentan sieht die Realität aber leider so aus, dass ich meine Jungs nicht mal auf einer Fahrradstrasse alleine fahren lassen würde….
    Selber wechsle ich regelmäßig zwischen Fahrbahn und Radweg. Auswahlkriterium ist immer mein persönliches Sicherheitsgefühl. Das sagt dann aber manchmal auch Gehweg statt „(Un-)Sicherheitsstreifen“, besonders wenn diese zu Stosszeiten konsequent ignoriert werden…
    Wo ich aber vielen hier recht gebe, ist, je mehr Leute überhaupt aus Fahrrad steigen, desto besser. Scheissegal, auf welchen Wegen die unterwegs sind!

    1. @Dumm bremst gut:

      Lies Deinen Kommentar und überlege, ob Du das auch Deiner Mutter, einem Senior, deinem/r baldigen Partner/in so sagen würdest.
      Hallo, hier sind Menschen, die sich nicht beleidigen lassen, sondern einfach nett Radfahren möchten.

      Bist Du dieser Typ, der gestern dem Kind einen Stinkefinger gezeigt hat? Könnte passen.

      1. Denen würde ich das erst recht sagen. Es sind nämlich gerade Kinder und Senioren die auf Radwegen verunglücken. Das ist übrigens auch im Vorzeigestaat Niederlande der Fall. Kinder und Senioren werden auf Radwegen eben schnell überfordert.
        Dumm bremst eben nicht gut genug. Und mit dumm ist hier die kognitive Ebene gemeint, es ist eben dumm, entgegen wissenschaftlicher Erkenntnisse, genau jene Sonderinfrastruktur zu fordern, die riskanter ist. Aus emotionaler Ebene muß das nicht dumm sein. Für mich kommt es aber auch emotional nicht mehr in die Tüte auf Radwegen rum zu gurken. Und diese Entwicklung hin zu einer Einheit von Kognition und Emotion hat bei mir sehr lange gedauert und ist auch immer noch nicht ganz abgeschlossen.

    2. Ist Dir auch aufgefallen, dass alle, die anscheinend sympathischer sind, auch argumentativ dabei sind? Abwägen und zuhören? Kannst Du nicht? Dann gib Du Ruhe.

    1. Ich kenne die Liste, doch bleibt bei mir die bange Frage: Bringt irgendeiner dieser Gründe einen „normalen Radfahrer“ ohne besonderes Interesse an Verkehrspolitik jetzt wirklich zum Fahrbahnradeln?

      1. Nein. Ein ganz entscheidender Baustein war für mich damals das Erlebnis nahezu radwegloses Frankreich. Ich hatte aber schon in der Pubertät gemerkt, daß Radwege irgendwie Scheiße sind.
        Nach Frankreich wußte ich nur, daß es auch ohne Radwege geht und besser geht. Nun muß man aber auch sagen, daß ich schon als kleines Kind nie Angst auf der Fahrbahn hatte. Zumindest auf Nebenstraße war es sogar üblich, daß Kinder dort auf der Fahrbahn fuhren und nicht etwa Fußgänger auf Gehwegen belästigten. Ich habe schon als kleines Kind gelernt, daß Autofahrer einen auf der Fahrbahn sehen und nicht überfahren.

  16. Mich kotzt dieses Gegeneinander sowas von an. Und damit meine ich sowohl das Lächerlichmachen von Fahrbahnbefürwortern durch MCA und Co, als auch das wüste Schimpfen in die andere Richtung. Das Ziel sollte einen: Sicherer Radverkehr für alle und lebenswerte Städte.

    Was mich allerdings an den Infra-Fans etwas irritiert, ist die Tatsache, dass das Problem nicht direkt angegangen wird: Viel zu viele gefährliche Fahrzeuge auf viel zu wenig Platz. Wenn es deutlich weniger Kfz in den Städten gäbe, wäre Mischverkehr doch gar kein Problem mehr. Oder liegt das daran, dass man sich Kopenhagen nicht ohne MIV vorstellen kann, weil ÖPNV quasi nicht stattfindet?

    Nun ja, wahrscheinlich bleibt mein Wunsch nach mehr Mit- statt Gegeneinander unerfüllt, zwischen den beiden Polen gibt’s kein vernünftiges Zwischending, oder ich bin zu unkreativ, es zu sehen.

    1. Was mich allerdings an den Infra-Fans etwas irritiert, ist die Tatsache, dass das Problem nicht direkt angegangen wird: Viel zu viele gefährliche Fahrzeuge auf viel zu wenig Platz. Wenn es deutlich weniger Kfz in den Städten gäbe, wäre Mischverkehr doch gar kein Problem mehr.

      Ja, eben.

      Ich hoffe, ich vergreife mich jetzt am Ende eines anstrengenden Tages nicht noch im Ton, aber ich habe diesen Vorschlag auch schon ein paar Mal per Mail unterbreitet bekommen, während er offenbar hier in den Kommentaren noch nicht zur Diskussion gestellt wurde:

      Wenn man weniger Kraftfahrzeuge in den Städten hätte, wäre Mischverkehr kein Problem, gar keine Frage. Nur: Bis dahin ist es eben ein langer Weg; das geht weder von heute auf morgen noch von diesem Sommer bis zum nächsten Sommer noch bis 2020.

      Und ich bin eben mittlerweile der Meinung, dass Fahrbahnradelei bei diesem Weg nicht den Anfang, sondern das Ziel darstellt. Aber um dieses Ziel zu erreichen halte ich es für eine legitime Möglichkeit, den Radverkehr erst einmal auf seinen heißgeliebten Radwegen zu belassen, aber dafür zu sorgen, dass er einigermaßen heil durch die Stadt kommt und der Radverkehrsanteil steigt. Dann kann man den Leuten immer noch beibringen, auf der Fahrbahn zu radeln.

      Nur dieses von jetzt auf gleich wird halt nicht klappen. Ich bin nun ein paar Jahre auf der Fahrbahn unterwegs gewesen und das hat in keiner Weise irgendwas bewegt. Und angesichts der momentanen politischen Situation habe ich keine großen Hoffnungen, dass wenigstens die größten Drecksschleudern vor die Stadtgrenzen verbannt werden. Auch an diesem Aspekt kann man arbeiten, klar, das eine schließt das andere ja nicht aus, aber ich halte es aus meiner Sicht für erfolgsversprechender, erstmal den Radverkehrsanteil zu erhöhen, beziehungsweise dem Radverkehr dieses Kampfradler-Image zu entziehen.

      1. @Torsten und Malte: Ich sehe das ähnlich, aber damit kommt man weder bei der einen noch der anderen Seite an.

        Das Problem ist, Radwege, die jetzt gebaut werden, sind dann für Jahrzehnte da und führen immer auch weg vom Ziel.

    2. Je weniger Autos, desto groessere Probleme haben sie mit dem Mischverkehr; denn wenn nur vereinzelt Autofahrer heraumfahren, sind die hauptsaechlichen Hindernisse beim Ausleben des Raserdrangs tatsaechlich Radfahrer. Schon 1946, als kaum Autos unterwegs waren, schrieben die Muensteraner Verkehrsplaner: „Das Fahrrad erschwert die Abwicklung des Stadtverkehrs als das am meisten stoerende Verkehrselement“.

      Mein Eindruck bei den Modal Splits von Kopenhagen und vor allem Amsterdam (im Vergleich mit z.B. Wien) ist, dass der hohe Radverkehrsanteil vor allem auf Kosten des Fussverkehrsanteils geht, zu einem kleineren Teil auf Kosten des oeffentlichen Verkehrs, und praktischn nicht auf Kosten des Autoverkehrs (der Anteil ist naemlich hoeher als in Wien). Letzteres ist auch kein Wunder, kann man dort doch aufgrund der Radwege nur zeitraubend radfahren und kommt dafuer mit dem Auto umso schneller voran.

  17. Danke für diesen tollen Artikel.
    Klar wäre es toll auf jeder Straße in der Stadt in fröhlicher lächelnder Gemeinschaft mit den Autos zusammen Radfahren zu können aber nicht einmal Autofahrer untereinander haben es geschafft dieses friedliche Zusammenleben zu erreichen. Da drängt der LKW den Kleinwagen ab und der Sportwagenfahrer bremst den SUV aus. Warum sollte das im Zusammenspiel mit Fahrrädern in absehbarer Zeit anders sein? Auch ich war mal der Meinung eine Linie auf der Straße wäre ein toller Radweg, weil ich gesehen werde – entgegen dem Bauchgefühl, dass mir sagte, dass es schöner, entspannter, befreiender ist, hinter einem für Autos unüberwindbaren Hindernis zu fahren.
    Ich war kürzlich in Kopenhagen und es ist einfach ein angenehmes und vor allem entspanntes Gefühl, auf breiten Radwegen an sich unterhaltenden nebeneinander fahrenden gut gelaunten Menschen vorbei zu fahren – oder je nach Laune auch nur hinterher. Hin und wieder passiert man ein Lastenrad genauso problemlos und man hat ein wohliges Gefühl im Bauch und kommt zügig und mit einem sicheren Gefühl voran. Und das jeden Tag. Ohne Hupen, ohne (oft auch aus Unachtsamkeit) gefährdet zu werden.
    In Berlin freue ich mich wenn mal ein halbwegs brauchbarer Radweg dabei ist. Dann fällt die Anspannung sofort ab und auf den Straßenstücken dazwischen mache ich die gleichen Erfahrungen wie im Artikel beschrieben und der Puls steigt. Würde es diese Kampfabschnitte ohne geschützten Radweg nicht geben, würden sicher mehr „Eltern“ und „Freundinnen“ und alle anderen normalen Menschen dort fahren. Bald wäre kein Platz mehr und der Weg wird breiter, wie beschrieben. Ich kenne keine Stadt auf der Welt die einen beachtenswerten Radfahreranteil hat, in der es anders funktioniert hätte.
    Viele Artikel zum Thema Radfahren beschreiben den Kampf, erzeugen das Gefühl man müsste etwas gegen die Ungerechtigkeit tun. Der Artikel hier gibt mir dieses angenehme glückliche Kopenhagen-Gefühl.

  18. Ich habe mir als mein Arbeitsweg vor 2 Jahren nur noch 6 anstelle von 16 km lang wurde meinen Fuhrpark um einen Cruiser erweitert. Mit dem sind die koelner Radwege nur noch halb so unertraeglich wie mit Renn/Trekking/Cyclocross/Mt-rad.
    Es ist gewissermassen der Balu in meiner Flotte: Versuchs mal mit Gemuehtlichkeit. Versuche sich diesem Motto zu wiedersetzen versanden im Schlupf der Nuvinci Nabe.

    Er hilft mir beim Unverschwitzt ankommen, und vorallem – kann ich weiterempfehlen! – beim Perspektivwechsel und Dogmen aufweichen.

    Zwei Ausstattungsmerkmale hat er allerdings nach einer Weile doch von den VC optimierten Raedern nachgeruestet bekommen: den B+M Rueckspiegel und die Knog-Netzhautpeitsche – ohne geht leider nicht. Gegen die Entgegenkommer hilft ja das breite Geweih 😉

    Leider ist man den ueblichen Anfeindungen wie Malte sie beschreibt aber auch mit dem Cruiser ausgesetzt; vielleicht nicht so haeuffig wie mit dem Rennrad, aber oft genug – zu oft! Und nicht nur in Koeln scheint die Empfehlung von Jurisdiktive und Exekutive zu sein: „Machts unter euch aus“ – danke.

    Vielleicht bemerkt mans erst wenn man drauf achtet – aber auch ich wuerde sagen das die Zahl der aggressiven Autofahrer hat abgenommen in den letzten Jahren, und die Zahl derer die warten und dann vernuenftig ueberholen zugenommen.

    Den Weg in die Zukunft mit einem hoeheren Radverkehrsanteil wird ueber das positive Lebensgefuehl der sich damit Erreichenlassen wird verkauft – nicht mit Diskussionen – richtig. Von 8-88 werden aber auch nicht auf separierter auf separierter Infrastruktur gluecklich, wie das meistverkaufte Auto (Toyota Carolla) in Deutschland erfolgreich ist.

    Eventuell koennen zum „befrieden“ von Strassen auch Fahrgemeinschaften helfen? Zusammen fahren ist geselliger 😉

  19. Moin Malte,

    was Du da ein bißchen außer Acht läßt ist die Tatsache, dass einen die Behörden (Polizei, Ordnungsamt, Staatsanwaltschaften) einen als Radfahrer ziemlich im Stich lassen. Die müssten ob der Zahlen eigentlich Aufklärungsarbeit leisten – machen sie aber nicht, wobei ich über die Gründe nur mutmaßen kann. Ohne Unterstützung durch diese Behörden erreicht man aber bei den von Dir geschilderten Verkehrschauvinisten nichts. Habe hier in Münster gerade selbst wieder eine solche bittere Auseinandersetzung mit der Rennleitung…

    Ein zweiter Punkt ist, dass einige Menschen aus der Infratruktur-Fraktion noch immer noch nicht verstanden haben, dass die Forderung der Freigabe von Fahrbahnen weniger mit Vehicular Cycling zu tun hat, als mit dem in etlichen deutschen Städten vorhandenen Altbestand an Radwegemurks. Sie übersehen zudem, dass es noch einen dritten Weg gibt:

    Die Errichtung eines leistungsfähigen Radverkehrsnetzes abseits der Hauptrouten des MIV. In Groningen beispielsweise ist es ein ganz wichtiger Bestandteil, den Kraftverkehr in der Innenstadt so zu führen, dass man mit dem Rad quasi auf jeder denkbaren Route sein Ziel schneller erreicht – über Abkürzungen auf verkehrsberuhigten Neben-, Wohn- und Geschäfsstraßen. In meiner Heimatstadt Emden (natürlich recht klein, aber knappe 30 % Radverkehrsanteil) verlaufen etliche Radwege als Schutzstreifen auf der Fahrbahn – auch an Hauptverkehrsstraßen. Aber dort kann man eben auch jedes Ziel mit dem Rad über fast gleichwertige Alternativrouten erreichen.

    Ich hatte meine Gedanken zu dem Thema schon vor einem Dreivierteljahr mal zusammengefaßt:

    http://leezerize.de/wordpress/2016/04/01/reclaim-the-streets-%E2%89%A0-vehicular-cycling/

    Und zu meiner Heimatstadt Emden:

    http://leezerize.de/wordpress/2016/05/23/emden-autostadt-mit-rad-up-pad/

  20. Himmel, ist das eine aggressive Diskussion hier. Wenn Ihr Euch im Straßenverkehr ebenso verhaltet, erklärt das einiges.

    Nicht den Fehler machen, Lautstärke mit Mehrheit zu verwechseln – Radverkehrspolitik sollte die Interessen aller Radler berücksichtigen und nicht ausschließlich die von jungen, männlichen Vielfahrern. Was ich immer wieder beobachte: Wenn vielbefahrene Straßen keinen Radweg haben, weicht ein erheblicher Teil der Radfahrer auf den Gehweg aus – egal, wie schmal auch immer der sein mag.

    Und auch wenn ich es mir idealerweise natürlich anders wünschen würde: Man muss sich von dem Gedanken verabschieden, dass man auf dem Rad immer und überall so schnell fahren kann, wie die Beine es hergeben.

    1. Die Aggressiven sind nach argumentativem Kontra und Forderung nach Diskurs ohnehin verschwunden. Hinterlassen ihren mehr als polemischen, wenn nicht gar hasserfüllten, Kackhaufen und lassen sich nicht blicken, um wirklich zu diskutieren. Nehme ich nicht mehr ernst.

      Die anderen führen den lebhaften Diskurs, der nötig ist, also das Mindeste was passieren kann.

  21. Warum der Kommunismus nun ausgerechnet im Strassenverkehr klappen sollte, konnte mir auch noch nie jemand schlüssig erklären.

    Alle nehmen aufeinander und alle zusammen auf die Schwächeren Rücksicht, share the road – ausgerechnet im weitgehend rechtsfreien Raum Straßenverkehr.

    Eine infantile Phantasie.

    Wir wissen seit Langem, Fahrradwege ist die übergroße Mehrheit der Radler die objektiv sicherste und objektiv attraktivste Möglichkeit, Rad zu fahren. Sie sind erschwinglich – und sparen den Kommunen sogar viel Geld.

    Zwar behauptet die von der aus der KFZ-Lobby finanzierten UDV 6/2013 erstellten Studie „Abbiegeunfälle Radfahrer vs Kfz/LKW“ eine gleiche Sicherheit von Radwegen und Mischverkehr bei Abbiegeunfällen:

    “5.6 Präferierte Radführungsformen
    Für die untersuchten Radführungsformen [Hochbord, Radstreifen, Mischverkehr] war kein Unterschied im objektiven Risiko (Konfliktrate) nachweisbar.“

    Bei näherem Hingucken wird aber klar: Dort, wo es ein Netz von geschützter Radinfra, von Radwegen gibt, dort ist der Radverkehr am weitaus sichersten:
    So weist Münster eine um mehr als 50% niedrigere Konfliktrate auf als die Vergleichsstädte:

    Münster: Konfliktrate 5,8% / UKR 27,6
    Magdeb.: Konfliktrate 11,5%/ UKR 33,9
    Darmst.: Konfliktrate 13,9%/ UKR 39,1
    Erfurt: Konfliktrate 13,2%/ UKR 72,1

    UKR: Unfallkostenrate. Die Konfliktrate ist sehr hoch signifikant mit dem tatsächlichen Unfallgeschehen korreliert.

    Sprich: In Münster mit seinen vielen Radwegen ist der Radler mehr als doppelt so sicher vor den gefährlichen Abbiegeunfällen wie in den 3 Vergleichsstädten der Studie.
    Und obendrein ist die Unfallkostenrate, d.h. die Schäden für die Radfahrer, in Münster 40% unter dem Schnitt.

    Those are the facts.

    Im Gegensatz zu: ‚Alle Studien zeigen, dass Fahrbahnradeln am sichersten ist.‘ (Gerade erst wieder von der HHer Verkehrsbehörder anlässlich der ‚Planungswerkstatt Max-Brauer Allee‘ gehört.
    4 oder 5 von 500 bis 1000 Studien kommen zu diesem Schluß, die anderen 495 bis 995 sehen das genau anders rum.

    Aber wo es um Industrieinteresse geht, da hat man es ganz automatisch mit denialism zu tun.

    Ich habe übrigens nichts dagegen, wenn Leute unbedingt auf der Fahrbahn radeln unmd gegen Kfz ‚kämpfen‘ wollen.
    Ich finde es ein bisschen Don Quichotte, aber Don Quichotterien sind ja harmlos, manchmal sogar liebenswert. Also, warum nicht?

    Wo ich was dagegen habe:
    Dass das VC von der Kfz-Industrie und ihren Parteien nach den klassischen Linien des Divide et Impera dazu genutzt wird, dem Radverkehr die Infra vorzuenthalten und ihn so zu marginalisieren.
    Spätestens da ist Schluss mit lustig.

    Deshalb bin ich froh über 2016:
    Radentscheid.
    Und: Der ADFC hat endlich, nach 40 verlorenen Jahren, seine für den inklusiven Radverkehr verhängnisvolle Politik in Bezug auf Infra angefangen zu korrigieren.

    1. Danke, Vorstadt Strizzi, für die treffende Analyse. Ich kann die Märchen der VC-Sekte über angeblich gefährliche Radwege nicht mehr hören. Du hast vollkommen recht: Radwege sind objektiv äußerst sicher, sofern sie korrekt gestaltet sind. Zu dem Ergebnis kommt jede methodisch saubere Studie. (Indirekt könnten Radwege durch „safety in numbers“ die Sicherheit der Radfahrer weiter steigern. Das ist aber nicht zweifelsfrei belegt.)

    2. Strizzi, ich kann Deinen dreckigen Zynismus kaum noch ertragen. Ich sitze hier in Münster und wir haben hier inzwischen die Rohdaten der Polizei NRW vorliegen. Die Radunfälle hier geschehen irgendwo zwischen 70 und 80 Prozent auf diesen ach so tollen Superradwegen.

      Und diese Rausrechnerei mit „Safety in Numbers“ hilft den Leuten, die in den vergangenen Jahren an jahrelang vernachlässigten Einmündungen unter LKW zerquetscht wurden herzlich wenig. Denen dürfte nämlich herzlich egal sein, ob auf dem Radweg nun einer von einer Million oder einer von zwei Millionen Wege tödlich ist, wenn der Zufall gerade bei einem selbst zuschlägt.

      Ihr Separations-Anhänger betreibt gefählichen, postfaktischen Populismus. Ihr missbraucht „Safety in Numbers“ als billigen Taschenspielertrick. Ihr pickt Euch aus den Zahlen raus, was Ihr gerade so gebrauchen könnt.

      Und dann kommt da auch immer noch dieses schon an faschistoiden Wahn erinnernde Gelaber einer Weltverschwörung der „Vehicular Cyclists“:

      Wir haben hier in Deutschland eine ganz andere Ausgangssituation als in Nordamerika. Wir haben nämlich tausende Kilometer an gefährlichem Altbestand. Den haben die in Kanada oder USA nicht. Und Ihr Separatisten schmeißt jetzt ausgerechnet jenen Leuten Knüppel zwischen die Beine, die gegen diesen Altbestand vorgehen und die Benutzungspflichten wegklagen. Damit Deine so verhaßten „Schnellradler“ von diesem Altbestand runterkommen. Damit sie dafür sorgen können, dass Radfahrer auf der Fahrbahn überhaupt erstmal wieder akzeptiert werden.

      Strizzi, das ist Scheiße, wie Du und noch so ein paar andere Vögel gerade vorgehen. Ihr treibt hier gerade den Keil zwischen die Radfahrer – und das vollkommen grundlos.

      Glaubst Du denn, Du kriegst hier quasi über Nacht paradiesische Zustände auf dem Silbertablett präsentiert? Forget it!!!

      Aber ich sollte aufhören, mich mit so einem Ideologen wie Dir auseinanderzusetzen, der in etlichen Foren überall seine gequirlte Scheiße von sich gibt, aber auf seinem eigenen Blog zu feige ist, die Kommentarfunktion freizugeben.

      1. „… aber auf seinem eigenen Blog zu feige ist, die Kommentarfunktion freizugeben.“

        „gequirlte Scheiße “ ist nun einmal nicht mein Geschmack.

        Aber klar, die Geschmäcker sind verschieden: Wohl bekomm’s, lieber Rasmus.

  22. Hallo Malte,
    vielen Dank für diesen Blogbeitrag, in dem ich mich an vielen Stellen wiederfinde.
    Vor ein paar Jahren bin ich im Netz auf „Radverkehrspolitik“ gestoßen, habe angefangen mehr zu lesen und bin dadurch genau in dieser Blase der überzeugten Fahrradradler gelandet. Natürlich sind die Argumente nachvollziehbar, und in Berlin funktioniert es tatsächlich größtenteils ganz gut. Die allermeisten Autofahrer überholen mit ausreichend Abstand, wirklich kritische Situationen habe ich in den letzten Jahren – im Vergleich zu dir – wenige erlebt.
    (Meine Theorie dazu ist übrigens, dass es auch zum Teil daran liegt, dass ich eine Frau bin. Kann es sein, dass gerade Männer dazu neigen, ihre männlichen Konkurrenten aus dem Weg räumen zu wollen (unbewusst natürlich), und dass in den Köpfen doch irgendwie drinsteckt, dass das „schwache Geschlecht“ geschützt werden muss?
    Aber ist ja auch egal.)

    Auf jeden Fall war ich genau in dieser Fahrbahnradlerblase und fühle mich auch heute grundsätzlich wohl auf der Fahrbahn.
    Mittlerweile ist mein ältestes Kind 10 Jahre alt, und das hat meine Wahrnehmung geändert. Das, was für mich ok ist, ist für ein Kind, das deutlich langsamer fährt als ich (eher 15 als 25 km/h) nämlich schwieriger. Offenbar nehmen viele Autofahrer langsamere Radfahrer nicht so gut wahr wie schnellere Radfahrer, und das führt dazu, dass sie enger überholen. Hinzu kommt, dass meine Kinder tendenziell noch mehr schwanken. Die Mischung ist also von vornherein gefährlicher.
    Auch, was das Erfassen von komplexeren Situationen angeht, mache ich mir mehr Sorgen um meine Kinder als um mich. Beim Radfahren in der Stadt habe ich über die Jahre eine Art Zusatzsinn entwickelt. Ich höre beispielsweise, ob der Autofahrer links hinter mir abbremst und schlussfolgere daraus, dass er möglicherweise gleich nach rechts abbiegen wird. Ich registriere, dass gerade jemand eingeparkt hat und rechne damit, dass gleich die Autotür aufgehen könnte. Ich kenne die Ein- und Ausfahrten und rechne damit, dass vielleicht gleich ein Auto kommt. Ich sehe den Linksabbieger und weiß, dass er mich vielleicht doch „übersieht“. Ich sehe haufenweise Autos mit „kaputten“ Blinkern, die dann doch plötzlich irgendwohin abbiegen, und kann normalerweise entsprechend reagieren.
    Wann ist ein Kind dazu in der Lage?

    Und mal ganz ehrlich: Auch wenn die meisten Autofahrer sich an die Regeln halten, so reicht ein einziger Idiot, der das nicht tut, um mein Kind über den Haufen zu fahren. Zum Beispiel, wenn das Kind kurz zur Seite schaut und einen kleinen Schlenker fährt, und der Autofahrer denkt, dass 50 cm Überholabstand reichen. (Ich bin schon mal mit Kind auf dem Rücksitz so knapp überholt worden – hätte mein Kind sich in dem Moment nach links gelehnt, hätte ich nichts tun können).

    Von daher bin ich absolut für SINNVOLLE Infrastruktur. Dass es diese gibt und wie sie aussieht, kann man an mehreren Orten sehen, z. B. in den Niederlanden und und Kopenhagen. Da parkt auch keiner „eben mal kurz“ auf dem Radweg, weil allen die Regeln klar sind und diese offenbar auch durchgesetzt werden.

    Was das Argument betrifft, dass Radwege ja nur dazu dienen, die Straßen wieder freizubekommen, so plädiere ich übrigens für das Kopenhagener Modell: Um breite Radwege zu bauen, werden Parkplätze am Straßenrand abgeschafft.
    Wenn es in den meisten Fällen sinnlos oder umständlich ist, mit dem Auto irgendwohin zu fahren, weil man länger braucht und am Ziel eh nicht oder nur teuer parken kann, ist man viel eher geneigt, auf andere Verkehrsmittel umzusteigen. Mittlerweile sehe ich sowieso den stehenden Verkehr als größeres Problem: Würden nicht die ganzen Stehzeuge teilweise 2/3 der Fahrbahnfläche dauerhaft blockieren, wäre doch wirklich genügend Platz für Radfahrer und für Autofahrer.
    In Berlin (wie sicherlich auch in andere Städten) müsste auch ein Ausbau des ÖPNV, insbesondere der U-Bahn hinzukommen, z. B. zwischen Potsdamer Platz und Walter-Schreiber-Platz (ca. 1/3 des Tunnels existiert schon) oder die Verlängerung der U9 nach Lankwitz (ist bis jetzt echt Autofahrerland).

    Aber das alles müsste ja politisch gewollt sein.

    Malte, lass dich durch die miesen Kommentare nicht runterziehen. Ich bin sicher, dass der eine oder andere der Kommentatoren anders denken wird, sobald die eigenen Kinder auf der Fahrbahn fahren sollen 😀

    1. Lankwitz – Priesterweg – Anhalter Bahnhof ist dank Berlin-Leipzig-Fernradweg geradezu ein Genuss. Kilometerweit auf eigener Trasse.

    2. Die Kinderperspektive hat eben nicht jeder. Wer mal miterlebt hat, wie in Berlin in der 4. Klasse der Radführerschein in den Jugendverkehrsschulen abgenommen wird, dem kann es nur kalt den Rücken runterlaufen. Welche Eltern nehmen sich aber wirklich die Zeit, ihre Kinder lange lange Zeit mit dem Rad zur Schule zu begleiten, bis sie selber wissen, was ihr Kind überhaupt an Situationen erkennen kann und bis ihr Kind gelernt hat, wie es damit umgehen kann? Geht das überhaupt zuverlässig? Benötigt man nicht wirklich buchstäblich Insiderwissen, um einschätzen zu können, was von einem Auto im Fließverkehr erwartet werden kann?

      Was man für sich selbst vielleicht noch bereit ist, an Risiko zu tragen, auch weil man glaubt, es einschätzen zu können, wird man nicht immer von anderen erwarten können oder dürfen und genau so verstehe ich Maltes Beitrag.

    3. Man merkt, dass du Praxis und Kinder hast, danke für diesen besonnenen Beitrag!
      Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht — obwohl im HHer Umland.
      Meine Tochter ist 4, fährt, seit sie 3 ist Rad, und doch setzte ich sie (allzu) oft ins Lastenrad, weil eben jene Gefahren drohnen, die ich als alter Hase schon rieche, bevor sie eintreten.

  23. Danke, danke, danke Malte. In fast allen Belangen finde ich mich wieder. Hier in HH empfinde ich es als Alltagsradler tatsächlich als täglichen lebensbedrohlichen Kampf, konsequent dort die Fahrbahn zu benutzen, wo es zulässig ist. Vielleicht ist es eine Hamburger Besonderheit, dass Autofahrer sich einen Sport daraus machen, auf der Fahrbahn fahrende Radfahrer zu gefährden. Auf der Seite https://fahrradzukunft.de/2/fahren-neben-radwegen/ ist zu lesen „Sicher wird man auf der Fahrbahn von Autofahrern besser wahrgenommen als auf dem Radweg, aber man wird offensichtlich als Feind wahrgenommen. Auf den Radwegen mag es mehr schwere und tödliche Unfälle geben als auf der Fahrbahn im Sichtbereich der Autofahrer. Nur läuft man hier Gefahr exekutiert zu werden. Darüber sagen die Statistiken noch nichts aus.“ Das bringt es meines Erachtens auf den Punkt. Die Bewertung fußt auf Erfahrungen in Berlin vor etlichen Jahren. Dort hat es sich vielleicht gebessert. Die aktuelle Hamburger Situation spiegelt es jedoch exakt wider. Mit dem täglichen Auskämpfen des Rechts auf allen zulässigen Fahrbahnen zu radeln, wird man keinen einzigen Menschen zum Umstieg aufs Rad bewegen. Die Devise muss sein: Leute, fahrt Rad! Und zwar so viel(e) wie möglich. Meine Meinung.

  24. Halten wir fest:

    Auch Malte ist im postfaktischen Zeitalter angekommen. Er
    gibt nichts auf Studien, sondern hört auf die Meinung seiner
    Freunde, die sich nichts um die Stvo scheren. Toll, diese Ver-
    hältnisse stehen uns bevor.

    Auf, Malte, führe uns in das goldene Zeitalter des Radweg-
    Faschismus!

    1. Du hast da was falsch verstanden, Malte führt niemanden irgendwohin, er beobachtet, was die Masse macht. Deinem Sprachgebrauch nach gibt es schon den Radweg-Faschismus als Massenbewegung. Ist mir bedeutend sympathischer als das Original. Wenn du in den Widerstand gehen willst, ist das auch eine gute Sache. Vielleicht schaffst du es ja, eine alternative Massenbewegung draus zu machen, Fahrbahn-Faschismus, sozusagen. Sicher genauso gut wie Radweg-Faschismus, aber deutlich unwahrscheinlicher, dass das eintritt. Das Bundesverfassungsgericht hätte deshalb keine Probleme damit.

  25. Es ist wirklich sehr interessant und aufschlussreich wie seitens der Fahrradweg-Befürtworter mit allen Mitteln, unter anderem mit Verleumdung und Verdrehung der Tatsachen gearbeitet wird.

    Hier taucht ein Artikel auf, der nicht mehr ist als der bloße Versuch sich beim Großteil der Radfahrer anzubiedern. Hat jemand nachgesehen, was der Plan hinter diesem Artikel sein könnte? Ein kleiner Tipp an die Radweg-Liebhaber. Man kann auf github nachsehen, was der Autor obiger Zeilen heimlich im Schild führt. Auf fahrradstadt hamburg z.B. wird bald heimlich Werbung eingebendet, es ist alles vorbereitet: https://github.com/calderacc/fahrradstadt-hamburg/commit/9e2b406ee530dadd53273a7b94b2d61d4050f83e

    Auch interessant, dass dieses Blog von Werbebannern nur so überströmt. Fällt das niemandem auf? Mit Beiträgen, die dem Radweg-Fanatikern nach dem Munde sprechen, lässt sich gutes Geld verdienen. Da rollt der Rubel, da freut sich der Autor. Mit den früehren Beiträgen lässt sich kein Geld verdienen, Malte will hier die große Mehrheit ansprechen, die noch immer das Märchen vom ach so sicheren Radweg nachplappert.

    Pecunia non olet, das wussten schon die alten Römer. Hier werden in naher Zukunft Gelder von der Autolobby fließen, die eine Aktion ähnlich dem Volksentscheid aus Berlin möglich machen. Es steht im Interesse der Autolobby, dass möglichst viele Menschen auf den Radwegen bleiben, so dass Autos freie Fahrt haben und nicht andauernd bremsen müssen? Glaubt ihr nicht? Klar, ihr glaubt auch an das Märchen vom sicheren Radweg.

    Interesant ist hierbei, dass sich der Autor für die RWBP an weiteren Strecken stark macht. Mit Klagen gegen RWBP lässt sich schlecht Kohle machen, aber mit der Fahrradlobby auf dem Geldkonto sprudelt die Kohle nur so, denn wer Radwege säht, wird Gehwegradler ernten, aber Gehwegradler brauchen auch ein neues Fahrrad. Eine Win-Win-Situation für den Autor, der sich hier der Geldquellen bedienen kann, wie man anhand der Kommentare sieht.

    Zum blinden Radweg-Fanatismus des Malte Hübner gehört das Leugnen sämtlicher Statistiken, die den Sicherheitsvorteil der RAdahrer auf der Fahrbahn belegen. Alle Studien sind sich einig, dass die Unfallwahrscheinlichkeit auf Radwegen etwa um den Faktor 15 steigt. Malte Hübner sagt dazu: Lass tdie Radfahrer wietherin auf dem Radweg fahren, hauptsache sie fahren Fahrrad! Kann man seine verleumderischen Ziele noch klarer formulieren?

    Ich kann gar nicht so viel fressen wie ich kotzen möchte. Malte, ist dir eigentlch klar, welchen Bärendienst du deinen Freunden hier erweist? Wir haben jahrelang rechtswidige RWBP in Grund und Boden geklart, nun kommst du an und erklärtst, wir sollten doch bitte alle auf dem Radweg bleiben, damit die Quote stimmt und mehr Radfahrer utnerwegs sind? Sorry, wie kann man seinen Freunden dermaßen in den Rücken fallen? Ich finde keine Worte, um dies zu beschreiben, Arschloch ist noch viel zu gut für dich.

    Ernsthaft, bezeichnend, dass du deinen Pimmel einziehst und nicht den Mann hast, zu deinen Worten zu stehen. Wie kann man derart egoistisch jahrelange Lobby-Arbeit von DEINEN FREUNDEN, von Hamburger Aktivisten, vom ADFC und vom Fuss eV einfach so in die Tonne treten, nur um ein paar Werbeanzeigen schalten zu können? Hast du überhaupt keine Moral mehr? Was bist du für ein dreckiger Hurensohn, dass dir deine frühere Wegbegleiter dermaßen am ARsch vorbeigehen? Ich meins ernst: Ich würde zu gerne bei dir vorbeifahren und dir so richtig die Fresse polieren. Wir haben gemiensam so viel erreicht, aber deine FReunde bedeuten dir offenbar gar nichts mehr, oder? hauptsache der schnöde mannon fließt? Ist das alles, worum es dir geht? Geld und macht? Und die gewissheit, bei twitter mal wieder ganz oben zu stehen, in dem du dämlich beiträge postet? bleib auf deinen kack radwegen, dann hast du auch keine probleme. Mir fehlen die Worte, du dreckiges ARschloch. Es wäre echt schön, wenn du dich einfach aus Hamburg verpissen könntets. mach deine radwegscheiße drüben in berlin, dort brauchen sie solche labertaschen wie dich, wiel sie von allein nicht auf den trichter kommen, dass radfahren auf der fahrbhan die einzig sicher emöglichkeit ist, gefahrlos durch den verkehr zu kommen. anstand hast du nicht mehr, oder? deine dreckigen posts auf facebook, dass wieder EINE RADFAHRERIN GETÖTET WURDE, die nicht deine segnungen des sicheren radweges empfnagen hat, das ist dir scheißegal. Die Frau hatte FAMILIE und KINDEr, doch du postest das als teilnahmslose meldung auf facebook. Kein „WIR TRAUERN“ oder kein „UNSER MITGEFÜHL GILT“, nein, ein bloßer link , hauptsache der traffic fließt, der besuherzähler glüht und auf dem konto stimen die werbeeinnahmen. wenn ich könnte, würde ich dich verklagne, aber leider ist hinterfotzigkeit nicht strafbar. vielleicht hats du wenigstens den anstand, dich aus der fahrrad szene zurückzuziehen und dich in dein paradisisches kopenhagn zu verziehen
    .
    diene geledgeschäfte kannst ud auch von dort führen. verpiss dich so hart, bitte, ich köntne cht kotzen wenn ich nur daran denke, dass wir mal zusammen gearbeitet haben. es kotzr mich einfahc nur noch an, wie du an allen donge immer im mittelpunkt stehen und die MACHT AN DIcH REI?EN musst, weil es nicht sein kann, dass irgendein feld nicht von dienen dämlichen werbebannern besetzt ist. und jetzt: RADFAHRER AUF DIE RADWEGE, dort seid ihr sicher, STIFUNG MALTE garantiert das!

    echt, ich köntne so kotzen! keine ahnung von statistiken und allem, aber hauptsache hier ein auf radweg-versteher machen. geh sterben, malte. wer menschen gegen geld verkauft ist ein menschenhändler, neudeutsch schleuser, du bist ein radweg held, der die seelen getöteter radfahrer für den schnöden mannon hergibt.ich frage mich wirlich, wie jemand wie du nachts ruhig schlafen kann.

    1. Okay, vielleicht doch mal eine Antwort zu den Vorwürfen mit der Kohle.

      Ich verdiene momentan (!) mit keinem meiner Web-Projekte in irgendeiner Art und Weise Geld. Mit keinem.

      Ja, es gibt hier auf Radverkehrspolitik Werbebanner, die allerdings beide aufs Radverkehrsforum zeigen. Das ist einfach nur so ein Experiment, mit dem ich gerne testen möchte, wie viele Leute dort überhaupt draufklicken. In den letzten 18 Tagen wurde der Banner von Radverkehrspolitik bei 54.957 Einblendungen auf dieser und anderen von mir betriebenen Seiten extakt 450 Mal angeklickt. Wow.

      Ich sehe bislang nicht, dass ich diese Werbeflächen vermarkten könnte, dazu ist das Thema dieses Weblogs zu speziell, die Kommentare zu… unfreundlich, die Ausrichtung der Seite zu unberechenbar. Insofern: Chill mal low, alles ist cool. Witzigerweise habe ich kurz vor deinem lustigen Kommentar noch überlegt, ob man diese Banner nicht einfach mal ausbauen könnte, weil mich das dazugehörige WordPress-Plugin echt hart nervt.

      Bezüglich zu dem Commit bei Fahrradstadt.Hamburg, den du da total investigativ aufgedeckt hast: Ja, du hast recht, es wäre mir ganz recht, mit der Seite Geld zu verdienen. Die bisherigen Vorbereitungen, die du im Quellcode gefunden hast, dienen dazu, in exakt einer Woche einen „Werbebeitrag“ für die Critical Mass Hamburg anzeigen zu können, der permanent auf der zweiten Position gehalten wird. Und weil ich so ein ehrlicher Idiot bin, werde ich auch direkt daneben schreiben, dass dieser Beitrag hervorgehoben wird und kein normales Foto ist: https://github.com/calderacc/fahrradstadt-hamburg/commit/3569e905604e9768c162ea69c14ef1a08daffc0d

      Vielleicht schaffe ich es ja tatsächlich hin und wieder, einen „gesponserten“ Beitrag anzuzeigen. Wenn ich damit insgesamt 50 Euro im Jahr verdienen sollte, also die Kosten für den Domainnamen wieder reinkommen, bin ich zufrieden. Wenn es etwas mehr werden sollte, kaufe ich mir ein Eis. Wenn es noch mehr wird, gehe ich mit Lisa abends fein essen. Und der Rest, der dann noch übrig bleibt, geht an wohltägige Zwecke.

      Natürlich wäre es total super, wenn ich mit dieser ganzen Fahrrad-Nummer reich werden könnte. Warum sollte ich es leugnen: Das fände ich total klasse. Ein bisschen fotografieren, ein bisschen programmieren, ein bisschen schreiben, alles was ich gerne mache und dafür kriege ich noch Geld? Wäre super. Nur wird das nicht funktionieren, da mache ich mir keine Hoffnungen. Wenn ich hier irgendwann einmal Geld verdienen sollte, dann wird das nicht einmal so viel sein, dass wenigstens die regelmäßigen Betriebskosten gedeckt werden — von einem Sponsoring durch die Fahrrad-Industrie weiß ich bislang nämlich noch gar nichts.

      Interessant finde ich dann aber doch, dass wir uns offenbar kennen. So viele Menschen mit Verständnis von GitHub und einer Schreibe, die sich Zeile für Zeile in Rage tippt, kenne ich nämlich nicht.

      1. Hättest du es leicht anders ausgedrückt, wärst du von den Extremen der anderen Fraktion wüst beschimpft worden. Wobei diese moralische Überheblichkeit mir von Seiten der PBL-Fraktion bisher noch nicht so extrem entgegen geschlagen ist. Und dann diese Verschwörungstheorie, die Autoindustrie würde sich für kleine Radverkehrsseiten interessieren.

  26. Ja die Autobhanisierung „unserer“ Verkehrsinfrastruktur schreitet voran.
    https://fahrradstadt.hamburg/winterwunderland-ii-11
    Auch die neue Generation der ‚Radaktivisten‘ hat scheinbar mittlerweile die Position übernommen, dass die direkten umwegfreien Verbindungen mit guter Reisezeit (definitiv DAS Kriterium der Verkehrsmittelwahl und DAS Kriterium, um den Umweltverbund gegenüber dem MIV zu attraktivieren) lieber dem Autoverkehr zu überlassen sind und sich der Radverkehr besser ‚lohnend‘ und langwierig durch die tolle Landschaft zu mäandern hat?
    Scheint so. Lieber die ’subjektiv sichere‘ Burka als die nervige Anmache?
    Klar, das ist der neue mainstream, und wer will schon ein Minderheitendasein inmitten der automobilen ‚Leitkultur‘ fristen? Radverkehr ist jetzt separiert und NAH-mobilität 2.0, damit läst sich der Wege-modal-split in die Höhe treiben, damit lässt sich das zusätzlich gesteigerte Wachstum des MIV (Verkehrsleistung) schön unterm Teppich halten, damit lassen sich lohnende schöne green-economy-Besserverdiener-gentrifizierte Investoren-Innenstädte bauen, damit lassen sich Hochglanzbroschüren gut bebildern, und das ist toll für jung und alt, für Mann und Frau und überhaupt: guter Tipp! Lasst uns endlich zufrieden die abgasarmen Rekreationswege nutzen, die autobahnisierten Strassen lieber meiden, und wenn die Zeit dann nicht reicht, halten BMW, VW und Daimler durchaus passende Modelle für (fast) jeden Geldbeutel bereit, um auch Strecken oberhalt von 5KM zu bewältigen. Bald auch mit ‚elektrischem‘ Braunkohleantrieb.
    Es lebe das neue grüne automobile Suburbania!
    Aber immerhin können die heutigen oder zukünftigen Besserverdiener in green-economy Urbanitäten mit dem Fahrrad auf abgasarmen Strecken zum Cafe-latte cruisen oder naturnah abseits der nervigen direkten Schnellverbindungen die ‚Natur‘ geniessen.
    O.K. der Autoverkehr wird dabei weiter wachsen, aber who cares, Hautpsache separiert und/oder ‚protected‘.
    Bald Bilder auf ‚radverkehrspolitik‘ mit kleinen Kindern per Rad auf der gefährlichen Fahrbahn oder Radstreifen inmitten von SUV und LKW nebst Untertitel:
    „Würden Sie HIER ihr 10-jähriges Kinde mit dem Rad fahren lassen?“

  27. Ich finde den Text traurig.

    Traurig von deiner Resignation zu lesen.

    Traurig zu lesen, dass du für deine Erfahrerungen VC als Ursache siehst, wo es doch offensichtlich ist, dass Hamburger Kraftfahrer oder die allgemeine Stimmung und der Mangel an Sanktionen auf Hamburger Straßen das viel größere Problem ist.

    Traurig, dass du die unsinnige und zeitraubende Diskussion weiterführst, statt zu versuchen, sie zu beenden. Es wird ohnehin keine „eine“ finale Lösung geben. Kein Konsens auf den sich alle einigen können. Solange viele Radfahrer sich nur streiten, werden woanders weiter Riesenstraßen für Autos gebaut und Radfahrer mit schlechter Infrastruktur in beliebiger Form abgespeist. Diejenigen Radfahrer, die etwas tun, sitzen so lange alleine in Veranstaltungen, Workshops, Regionalausschüssen, Bezirksversammlungen.

    Aber gut, weiterdiskutieren, es gibt viel zu tun: https://xkcd.com/386/

  28. Soziale Ächtung, Verbannung? Welche Strafe hat der Zweifler am Glauben verdient? Oder ist er gar nicht ’nur‘ Zweifler, sondern fluchwürdiger Apostat (Apostasie = Ablehnung der verlassenen Religion)? Für das Verbrechen der Apostasie reichen Ächtung oder Verbannung bekanntlich bei Weitem nicht aus …
    In der Religionskomödie ‚Das Leben des Brian‘ von Monty Python würde die (Hamburger) Menge rufen: Osterfeuer! Osterfeuer!

    „Alle Studien/Statistiken zeigen …“
    Das ist das Mantra der VCs und der von allen Parteien getragenen regierungsamtlichen (Rad-) Verkehrspolitik, zu der man auch sagen kann: Kfz-Industriepolitik.

    Aus dem Jahr 2011 stammt diese unvollständige Auflistung über den Stand der internationalen, die Radinfrastruktur betreffende Forschung auf copenhagenize:
    http://www.copenhagenize.com/2011/08/case-for-bicycle-infrastructure.html

    Noch in keiner einzigen Stadt auf dieser Welt hat sich Fahrbahnradverkehr (VC) als sicherer erwiesen als die Trennung des MIV vom Radverkehr. In keiner einzigen. Obwohl es Tausende davon gibt auf dieser Welt. Keine dieser tausenden von Städten mit Radverkehr-Fahrbahnführung erreicht eine auch nur annähernde Radnutzung, geschweige denn einen auch nur annähernd ähnlich sicheren Radverkehr wie die Städte, in denen sich bemüht wird wird, den MIV vom Radverkehr immer mehr getrennt zu führen
    (‚Cities that rock the urban traffic world‘).

    Die Unterschiede in der Sicherheit nicht nur des Rad- sondern des gesamten Verkehrs sind dermaßen frappant und überzeugend – OBWOHL (oder auch WEIL) bekanntlich in den Radweg-Städten die ganz besonders unfallauffälligen Alterskohorten jünger als 14 Jahre und älter als 65 Jahre vergleichsweise stark überrepräsentiert sind –
    dass inzwischen weltweit, auch in den ehemaligen Geburtsländern und Hochburgen des VC, nämlich USA und GB, den MIV abtrennende Radverkehrsführungen State of the Art sind.

    Das Kfz-Land Deutschland ist weltweit das letzte, in dem diese, betrachtet man den Stand der wissenschaftlichen Forschung, völlig absurde Diskussion überhaupt noch geführt wird.
    Das hat nicht zufällig was von der Klimadiskussion in den USA, dem Sitz von Exxon & Co.
    Obwohl sie in den USA, das muss man trotz Trump gerechterweise sagen, mit der Klimadiskussion schon bisschen weiter weg von den Flat Earthern (’Post-Fact’) sind als wir hier in D mit der Radverkehrsdiskussion.

    Die Diskussionsmuster sind stets die gleichen.

    Mit hatespeech, der Drohung mit sozialer Isolation im Netz, mit Ausschluss, mit Stigmatisierung (bis hin zu nur wenig verschleierten Mörder! Mörder! -Vorwürfen, s.o.) wie man es allenfalls rechtsradikalen Trollen kennt, mit übler Nachrede, gezielten Aufrufen zu ’shitstorms‘ u.a. wird auf jedes Abweichen von den Glaubenssätzen der VC-Sekte reagiert.

    Noch jede Radverkehrsdiskussion wird sofort und systematisch von diesen Trollen gekapert, so dass eine Auseinandersetzung über inklusive Radverkehrspolitik, über mögliche Ziele, Strategien und Taktiken im Netz praktisch unmöglich ist – und Interessierte aufgrund des wüsten Tons und der Beleidigungen gleich wieder das Weite suchen. Die VC-Sekte als Kapos (Häftling, der andere Häftlinge beaufsichtigt und dafür mit Vergünstigungen belohnt wird) der industriestaatlich verordneten Radverkehrspolitik.

    Sachliche Auseinandersetzung? Streit in der Sache? Null. Auf das Feld der argumentativen Vernunft mag man sich nicht begeben, denn dort hat man nichts zu gewinnen.

    Hinzu kommen all die sattsam bekannten Techniken von Desinformation und Propaganda. Die Kommentarseiten entwickeln sich mehr und mehr zu effektiven industriepolitischen Instrumenten.

    Geschickt werden bekannte psychologische Effekte genutzt, wie

    – der Ankereffekt (Das dauerhafte Setzen auch falscher kausaler ‚Anker‘ führt nachweislich zur kognitiven Verzerrung des Urteils selbst bei Experten, z.B. der Anker: ‚Radwege sind gefährlicher als Mischverkehr‘),

    – die illusorische Korrelation (z,B. in Form des Ausnutzens bereits vorhandener Vorurteile gg gesellschaftliche Gruppen, Beispiel: „Radverkehr nütze nur einer Minderheit von grünen Besserverdienern“, siehe jüngst Forsa u.a.:
    „Fahrrad – Wahn in Deutschland ?
    Kommunalpolitiker sollten sich nicht vom „Fahrrad-Wahn“ verleiten lassen, sondern Verkehrspolitik für alle Bürger betreiben, meint Forsa-Chef Manfred Güllner. Zahlen, Daten und Fakten zum Thema. …“
    auf der Website ‚Kommunal‘ )

    oder

    – das vorgebliche Anpassen an die Meinung der Referenzgruppe (Radwege würden dem Kampf gg Kfz schaden, sie würden wg Entlastung der Fahrbahnen zu mehr Klimawandel und mehr Luftverschmutzung führen, sie wären ja vielleicht nicht schlecht aber leider leider viel zu teuer, etc.pp.).

    Lügen und Halbwahrheiten werden gezielt zugunsten solcher assoziativer Manipulationen eingesetzt. Und ich habe nur einige wenige dieser Manipulationen aufgezählt.

    Und doch, es tut sich Einiges. Wobei man nicht vergessen sollte, auch wenn es hier keine 1:1 Zuordnungen und direkten kausalen Zusammenhänge gibt, die deutsche Kfz-Industrie ist angeschlagen.
    Sie verliert an Legitimation – und dieser Prozess hat schon vor dem Dieselskandal begonnen und wurde von ihm nur beschleunigt.

    In den USA (vor 8-9 Jahren) und in GB (schon etwas länger) führten der relative Niedergang und der damit einhergehende Ansehensverlust der Kfz-Industrie zum nahezu vollständigen Verschwinden der organisierten VC-Ideologie.

    Diesen Prozess erleben wir gerade in Deutschland.

    Gute Zeiten für den inklusiven Radverkehr.

  29. „One car less!“ – das ist ein guter Ansatz!
    Ich gehöre zwar zu dem 1% der sicheren Radfahrer, die sich (noch) ihren täglichen Platz im VC erkämpfen müssen und wollen, akzeptiere allerdings auch alle anderen Radler neben mir.
    Schön wäre es noch, wenn wir in Deutschland eine legale Möglichkeit finden, dass auch jede/r dort radeln kann, wo er/sie es will. Bisher haben wir nur benutzungspflichtige Radwege, die ich benutzen MUSS, oder eben Fußwege/Kraftfahrstraßen, die ich nicht benutzen DARF. Die freie Wahl, wo ich, je nach meinen Fähigkeiten und persönlichen Situationen, gerne radfahren will, habe ich nach unserer STVO leider nicht.
    Können wir uns darauf einigen, dass wir hier gemeinsam vorgehen könnten, damit auch niemand mehr mit „dem Gesetz“ in Konflikt kommt und es immer, immer mehr „one car less“ werden?

  30. Danke, Malte für Deine vielen, richtigen Worte – sie sprechen mir vielfach aus der Seele…!
    Finde super, dass die „Radverkehrspolitik“ wieder lebt – Dein Blog ist eine wichtige Stimme im ganzen online-Debatten-Kuddelmuddel! Weiter so!!

  31. Es tun sich erstaunliche Gräben, äh, Parallelen auf zwischen Mr. Trump und Herrn Hübner: Alternative Fakten sind stark im Kommen!

    Klimawandel? Gibt es nicht! Radwege? Supersicher, unbedingt benutzen!

    Man kann sich wirklich nur noch an den Kopf fassen, wie viele Stunden harter Arbeit ehrenamtlicher Fahrradaktivisten mit diesem Schund den Bach hinuntergegangen sind. Und es ist unfassbar, wie viele Radfahrer, die es eigentlich besser wissen sollten, dem selbsternannten Fahrradpapst hinterherlaufen.

    1. Malte hat doch die Studien gar nicht bestritten sondern darüber geschrieben, wie sich sein Verhalten und seine Einstellung trotzdem verändert haben.

  32. Jetzt auch noch mal direkt zum Artikel und nicht zu Kommentaren.

    Überrascht bin ich darüber, wie aggressiv die Lage in HH sein muss in der „Szene“ und im Verkehr. Da ist das im Ruhrpott ja wohl entspannt.

    – Wenn Leute in ihrer Freizeit eine Runde mit dem Rad fahren substituiert das noch lange kein Auto („One car less.“) sondern andere Freizeitaktivitäten
    – Gehwegradeln geht zu Lasten des Fußverkehrs und damit insbesondere zu Lasten von Kindern, Blinden, … also zu Lasten einer noch weniger privilegierten Verkehrsart.

    Einen richtigen Gewinn kann ich darin nicht sehen für eine Veränderung im Verkehr. Davon profitiert dann eher die Gesundheit z. B. bei den Freizeittouren.

    VC würde ich histografisch als Überlebenstechnik und nicht als erstrebenswertes Ziel verstehen. Wenn man sich die Situation in deutschen Städten anguckt, wundert es nicht, dass Vielfahrer irgendwann anfangen mehr oder weniger intensiv VC zu betreiben.

    Das ganz perfide an diesen Endlos-Grundsatzdiskussionen aber ist, dass sie Zeit binden. Zeit, die wir nicht nur draußen auf dem Rad verbringen könnten, sondern auch Zeit, die wir in einen nachhaltigen Mobilitätswandel investieren könnten.

    Aber wenn die einen in die eine Richtung und die anderen sich genau in die gegenteilige Richtung einsetzen?

    Wir werden den Graben zwischen Radweg und Fahrbahn nicht überbrücken können.

    Solange man annimmt, dass Autoverkehr eine feste Größe ist, ja. Man muss genau da ansetzen. Das macht auch schon deswegen mehr Sinn, wenn man als Ausgangsfrage nicht „Wie bekommen wir mehr Radverkehr“ nimmt sondern „Wie bekommen wir weniger Autoverkehr hin.“ Mehr Radverkehr zu Lasten des Fußverkehrs ist nur ein Papyrussieg.

    Toll, dass wir uns alle einig sind und uns gegenseitig zustimmen, wie toll Fahrbahnradeln eigentlich ist. Aber ich glaube, wir vergessen die 98 oder gar 99 Prozent der Radfahrer, die Vehicular Cycling nicht so toll finden, aber auch gar nicht auf die Idee kommen, sich radverkehrspolitisch zu engagieren und ihre Gegenmeinung zu Wort zu bringen.

    Also stressfrei und entspannt ist das nicht, wen man mitten zwischen LKW und Bussen radelt, daher ist mir schleierhaft, wie man so eine Überlebenstechnik so idealisiert. Genauso wenig plausibel ist es aber, Radwege zu idealisieren, wo man regelmäßig die von dir geschilderten Probleme hat.

    Ich denke, es ist völlig normal, dass sich nur ein kleiner Teil mit Grundsatzfragen beschäftigt. Das sollten aber die Fachleute schon machen in Verbänden und Verwaltungen aber dann etwas gesitteter als im Internet.

    Ja, mag sein. Aber das Video zeigt nicht was passiert, wenn man eine Protected Bike Lane baut, sondern es zeigt was passiert, wenn man eine Protected Bike Lane baut und sich einen Scheiß darum kümmert, ob diese Lane respektiert wird oder nicht.

    Ob das oder Anhupen und Abdrängen, das basiert doch auf der gleichen Vorstellungswelt von mit dem Auto assozierten Ansprüchen etc. Ich bin mir nicht wirklich sicher, ob es am Ende nicht vor allem um eine Mentalitäts- oder Einstellungsfrage geht und dann drängt man weder Radfahrer*innen ab noch parkt man auf Radwegen.

  33. Schön: Du schreibst lange Beiträge über trockene Themen, die sich dennoch nicht wiederholen und wirklich amüsant zu lesen sind.

    In der Sache bin ich ganz bei Dir und sehe keinen Grund, in Deutschland anders als in den Niederlanden zu verfahren. Diese Sichtweise scheint sich jetzt ja auch durchzusetzen.

  34. Da schreibt Malte einen sehr weisen, weitsichtigen und klugen Artikel — und schon kommen die ganzen ideologisch verbrämten Fanatiker aus ihren Löchern!
    Leute, macht Kinder, habt ein erfülltes Sexualleben, seid beschäftigt — und vor allem: Fahrt viel Rad:
    Auf der Fahrbahn, auf dem super Radweg, auf dem Fakeradweg am Stau vorbei, mit Kindern auf dem Fußweg, findet Rennräder, Pedelecs, S-Pedelecs, Trikes, Trekking-Räder, MTBs, Fixies, Tiefeinsteiger … cool und freut euch über weniger Autos.
    Ich weiß manchmal schon gar nicht mehr, wen nich schlimmer finder:
    die Autofahrer-Hater und Trolls oder
    die überheblichen und selbstgefälligen Spa***s, die sich hier gegenseitig zerfleischen.
    Wie dumm: Anstatt gemeinsam Rad zu fahren und den Bleckisten allerorten gemeinsam den nackten Arsch zu zeigen.

    Bike or die!
    Peace!

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