HUK-Coburg reagiert auf Fahrradhelm-Urteil

Die HUK-Coburg will in ihren Versicherungen künftig das Urteil des Schleswig-Holsteinischen Landesgerichtes berücksichtigen: HUK kürzt Zahlungen für Fahrradunfälle ohne Helm

Weil sie keinen Helm getragen hat, soll eine verunglückte Fahrradfahrerin für einen Teil ihrer Unfallschäden selbst aufkommen, entschied ein Gericht. Jetzt zieht der erste Versicherer nach – und behält sich vor, in so einem Fall weniger zu bezahlen.

Wenn die Versicherung jetzt pauschal zwanzig Prozent weniger im Schadensfalle anbietet, werden derartige zivilrechtlichen Ansprüche nach einem Unfall künftig wohl noch häufiger vor Gericht verhandelt; schließlich ging es in Schleswig auch um eine Einzelfallentscheidung, der ein Verletzungsmuster zugrunde lag, das von einem Fahrradhelm mutmaßlich hätte gemindert werden können — sozusagen ein Glücksfall für die Versicherung. Prinzipiell macht die HUK-Coburg dabei allerdings nichts verkehrt: Eine Versicherung ist nunmal kein Wohltätigkeitsverein und ist natürlich angehalten, im Interesse ihrer Kunden in solchen Fällen möglichst wenig auszuzahlen.

AXA, R+V-Versicherungen und Ergo halten sich mit einer Meinung noch zurück, unter anderem in Ermangelung einer Helmpflicht in Deutschland: Die Ergo wolle keine Helmpflicht durch die Hintertür einführen.

3 Gedanken zu „HUK-Coburg reagiert auf Fahrradhelm-Urteil“

  1. Da werde ich meine HUK mal anschreiben müssen, ob sie mich weiter als Kunden behalten wollen.

    Vielleicht lesen das noch weitere HUK – Kunden mit Fahrrad.

  2. Die von der HUK haben wohl nen Triller unterm Pony? (Umgangssprachlich für „nen Vogel“ wahlweise nen Wandervogel).
    Das Urteil ist noch gar nicht rechtskräftig! Und birgt so derart viele weitere Fragen … daher auch hier, billigster Populismus übler Machart!
    Und sollte der BGH denn vielleicht das Urteil, oder Teile davon bzw. die Heransgehensweise, dem OLG *umgangssprachlich* „um die Ohren hauen“, was verkündet die HUK dann?

    Ich bin schon weit über den Punkt hinaus, wo ich sagte „ich verstehe die Leute immer besser, die aus dieser Bürokratischen Republik auswandern. Wenn ich ne Perspektive dafür hätte, würde ich es wohl selber auch tun.

  3. Ob die auch nur ahnen, welchen Imageschaden sie dadurch riskieren, vor allem in Relation zu den tatsächlich einzusparenden Summen? Oder sind die auch der ständig verbreiteten Mär von der ach so hohen Gefahr von Kopfverletzungen beim Fahrradfahren reingefallen? Die tatsächlich eingesparte Summe dürfte gering sein, immerhin rühren nur ein winziger Bruchteil aller Schadensfälle von Fahrradunfällen her, nur jeder viete ernsthaft (krankenhausreif) verletzte Fahrradfahrer hat Verletzungen am Kopf, wovon wiederum nur ein Teil den Abschnitt des Kopfes betreffen, der vom Helm geschützt werden kann. Und nur bei diesen Verletzungen kann man das Urteil überhaupt anwenden, wobei es dann nochmal gerichtsfeste Gutachten braucht, dass die Verletzungen vom Helm hätten verhindert bzw. gemindert werden können (was bei weitem nicht bei allen Verletzungen der Fall ist, was Gerichte (bspw. das OLG Brandenburg (2 U 34/08)) durchaus wissen).

    Auf der anderen Seite gibt es in Deutschland Millionen Fahrradfahrer, von denen nur ein Zehntel einen Helm tragen. Ob die anderen die Äußerungen von HUK alle gut finden…?

    Nebenbei gibt es eine zweistellige Anzahl an OLG-Urteilen, die sich mit der Radhelmfrage beschäftigen, das jüngste davon keine drei Jahre alt. Das neueste (noch nicht einmal rechtskräfitge) Urteil ist eine Einzelfallentscheidung, die jedes andere Gericht jeder Zeit revidieren könnte. Als Versicherung würde ich mich wegen solchen Peanuts nicht so weit aus dem Fenster lehnen.

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