Hoppla: Da kommen die Fahrbahnradler

Das Ende der generellen Radwegbenutzungspflicht vor nunmehr fünfzehn Jahren stellte beinahe alle Verkehrsteilnehmer vor große Probleme — sofern sie denn die Änderung von § 2 Abs. 4 StVO überhaupt bemerkt hatten. Radfahrer wussten mit der neuen Freiheit auf der sichereren Fahrbahn nichts anzufangen und beradelten weiterhin pflichtbewusst alles, was nach Radweg aussah. Kraftfahrer bekamen von der Neuregelung ebenso wenig mit und wiesen Fahrbahnradler mehr oder weniger freundlich auf das vermeintliche Fehlverhalten hin.

Und die Polizei? Die tut sich je nach Region bis heute schwer, mit Fahrrädern auf der Fahrbahn zurechtzukommen. Die Münchener Polizei rät weiterhin zur Benutzung der vermeintlich sicheren Radwege, mitunter muss man dem Streifenwagen bei der Verkehrskontrolle erstmal aus der Straßenverkehrs-Ordnung vorlesen, während in anderen Gegenden der Bundesrepublik die Polizei vielleicht nicht gerade die Fahrbahnradelei auf der Hauptverkehrsstraße empfiehlt, sich aber der verheerenden Unfallstatistik der Radwege durchaus bewusst ist.

Mitarbeiter des Polizeikommissariats PK 24 fuhren eine Weile auf Niendorfer Fahrbahnen umher, um die Regelkenntnis der Kraftfahrer zu überprüfen. In 90 Minuten auf der Fahrbahn wurden sie immerhin 17 Mal angehupt — und die entsprechenden Kraftfahrer anschließend belehrt. Erstaunt waren die Beamten vor allem über den Altersdurchschnitt der angehaltenen Kraftfahrer, die allesamt jenseits der vierzig Jahre waren und vom Selbststudium der Straßenverkehrs-Ordnung offenbar nicht so sehr viel hielten.

Gewöhnt Euch aneinander: Autofahrer und Radfahrer müssen lernen, sich die Straße zu teilen

Im April erlebten Mitarbeiter des Polizeikommissariats PK 24 am eigenen Leib, wie schlecht einige Kraftfahrer noch damit umgehen können, dass sie die Fahrbahn mit Radlern teilen müssen. Ein Test ergab: Je älter der Autofahrer, desto schwerer tut er sich offenbar mit der radelnden Spezies.

15 Gedanken zu „Hoppla: Da kommen die Fahrbahnradler“

  1. Zitat aus dem Artikel: „Wir werden auch sanktionieren“, warnt (der Polizeibeamte) Ziemer. „Das gilt nicht nur für uneinsichtige Autofahrer, sondern auch für Radfahrer, die sich nicht verkehrsgerecht verhalten, also etwa nebeneinander fahren oder während der Fahrt Kopfhörer benutzen.“
    Seltsam, ich dachte bisher, dass nebeneinander fahren nicht generell und Kopfhörer tragen garnicht verboten sei… und denke es eigentlich immer noch.
    Aus einer verkürzten Darstellung kann leicht eine Falschdarstellung werden.

  2. Das finde ich doch sehr erfreulich, dass die Polizei den Selbsversuch wagt. Sonst hört man bei Polizeiaktionen/-kontrollen nur davon, dass der Radfahrer kontrolliert wird. Auch – oder gerade – von der Fahrradstaffel der Polizei…

    Interessant wäre auch gewesen, eine Auswertung der Rüpelautler nach den ersten Buchstaben des Kennzeichens vorzunehmen. Ich beziehe mich hier auf meine persönlichen Erfahrungen mit PI und SE.

    Drei Dinge im Artikel, die nicht so positiv sind:
    1.) Zitat: „…wenn diese die Radler mit zu geringem Abstand überholen oder gar anhupen sollten“
    Hupen schlimmer als einen Sicherheitsabstand einzuhalten?
    2.) Es sollen Fahrradfahrer sanktioniert werden die einen Kopfhörer tragen oder nebeneinander fahren?
    Beides ist – wie wir alle wissen – nicht verboten (bis auf die Einschränkung mit dem Behindern beim Nebeneinanderfahren, wobei man sich streiten kann, ab wann das eine Behinderung darstellt)
    3.) Der erforderliche Sicherheitsabstand beim Überholen eines Radfahrers wurde in dem Bericht nicht angegeben. Wieviele Autofahrer denken weiterhin, dass ein knapper Meter mehr als ausreichend ist?

    Ansonsten hoffe ich, dass dieser Artikel ein weiterer Baustein zu einem besseren miteinander ist.

    @Malte: die angehaltenen Autofahrer waren nicht nur alle über 40, sondern hatten schon 40 und mehr Jahre ihren Füherschein, also Generation 58+.

    1. Ich möchte ja auch keine Vorurteile erzeugen oder schüren, aber meiner Erfahrung nach haben deutlich mehr Fahrer von Autos mit PI- oder SE-Kennzeichen ein Problem mit Radlern auf der Fahrbahn als welche mit HH-Kennzeichen.

  3. Hierzustadt kann ich nicht derartig eindeutig nur Ältere bei Fehlern beim überholen feststellen. Nach meiner persönlichen Erfahrung sind aber Männer, Ältere und Umlandkennzeichen im Verhältnis zu den Anteilen am Gesamtverkehr zum Teil stark überrepräsentiert. Insgesamt nimmt das Phänomen hier aber zum Glück ab, jedenfalls das „Belehren“, dicht überholt wird m.E. gleichbleibend.

  4. Eine ganz einfache Frage an die hiesigen Radfahrer: Wer von euch zahlt Straßensteuern? Bei der nächsten Ausfahrt einfach mal dran denken, dass ihr auf der Straße nur geduldet seit!

    1. Bei solchen Sprüchen wünsche ich mir manchmal, dass mal für ein – zwei Jahre wirklich mal nur soviel Geld für den Straßenbau ausgegeben wird, wie durch die Steuern der Autofahrer eingenommen wird…

      Sollen sie ruhig mal sehen wer „Ihre“ Straßen bezahlt. Meine Steuergelder können dann gern für die sozialen Aufgaben des Staates ausgegeben werden.

      Wer sagt eigentlich, dass die „hiesigen Radfahrer“, die im Gegensatz zu den Autofahrern die Straßen ja auch nicht abnutzen/beschädigen, nicht auch ein Auto zu Hause stehen haben für das sie Steuern zahlen?
      Autofahrer sollen ruhig für die Schäden, die sie an Infrastruktur, Umwelt und Wirtschaft verursachen, bezahlen.

    2. genau, Vorfahrt für alle die hohe KFZ-Steuern bezahlen, rammt die blöden spritsparenden Kleinwagen weg:-)
      Warum ein Fahrzeug (Fahrrad = Fahrzeug, siehe StVO) auf der Straße nur geduldet sein soll, habe ich übrigens nicht so ganz verstanden?

  5. Herr Ziemer (PK 24, Hamburg-Niendorf) ist ganz sicher kein Freund der Radler. Kurz hinterm PK 24 im Garstedter Weg befinden sich mehrere Parkplätze, die den dortigen Radweg unbenutzbar machen, weil er erstens viel zu schmal ist und zweitens die Autos darauf stehen. Nachdem ich (nach endlosem Hin und Her) die Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht im Garstedter Weg durchgesetzt hatte, meinte Herr Ziemer, die Parkplätze bleiben, ich solle doch mit der Aufhebung der RWB zufrieden sein! Eigentlich sollte er wissen, dass Radwege, egal ob benutzungspflichtig oder nicht, in einem verkehrssicheren Zustand sein müssen. Vielleicht sollten die Fahrrad-Polizisten mal auf diesem „Radweg“ fahren…

  6. Wie erwartet tun sich die hiesigen Radfahrer schwer mit Kritik. Ich meine nur, dass ihr keine Strassensteuern zahlt und demzufolge auf der Straße nur geduldet seit. Wer das nicht versteht, sollte aus Sicherheitsgründen nicht am Verkehr tielnehmen.

    1. Wie erwartet tun sich Autofahrer die nur selten auf dem Rad sitzen schwer damit zu verstehen, dass sogar der Gesetzgeber meint, dass Radfahrer grundsätzlich auf die Straße gehören und nur dann (von Behörden, nicht von Autofahrern) auf Radwege gezwungen werden dürfen, wenn dort die Gefahr geringer ist als auf der Fahrbahn.
      Mit „Straßensteuern“ (ich vermute einfach mal du meinst die Kfz-Steuer) erkauft man sich nicht das Recht die Fahrbahn benutzen zu dürfen.
      Ich zahle für mein Auto vielleicht sogar mehr Steuern als du, darf ich dich dann mit meinem Auto von der Straße drängen? Oder dich überfahren wenn du als Fußgänger die Straße überqueren willst? Fußgänger zahlen ja auch keine „Straßensteuer“.
      Darf ich die Straße dann nur mit meinem Auto benutzen oder darf ich dann auch mit dem Rad darauf fahren?
      Was ist bei Straßen in denen es keine Radwege gibt? Muss ich dann auf dem Gehweg schieben? Und was ist wenn es auch keine Gehwege gibt? Was mache ich dann? Wie hättest du es denn gern? Soll ich doch lieber jeden kleinen Weg mit dem Auto fahren um noch mehr Lärm, Gestank und Abgase zu erzeugen? Um die Staus noch länger zu machen? Um noch mehr Parkplätze zu belegen?

    2. Wenn irgendwann die Steuern, die Autofahrer zahlen, die gesamten Kosten des Autoverkehrs abdecken und das nicht mehr aus den Steuern, die ich anderweitig zahle, quersubventioniert wird, könnte ich so einen Beitrag vielleicht etwas ernster nehmen.
      Aber auch dann würde noch gelten: Wer als Autofahrer andere Verkehrsteilnehmer nur als geduldet betrachtet, sollte aus Sicherheitsgründen nicht am Verkehr teilnehmen. Aber es ist ja nichts Neues, dass Autofahrer (auch wenn sie sich Auch-Radfahrer nennen) schwer damit tun, die Welt jenseits ihrer Frontscheibe als gleichberechtigt wahrzunehmen.

      1. Hallo Herr Auch-Radfahrer,
        ich für meinen Teil habe im Jahr 2012 ca 3000 Euro für KFZ Steuer der Firmenwagen und ca. 30.000 Euro an Mineralölsteuer an den Staat bezahlt. Warum darf ich dann nach Ihrem Verständnis nicht mit dem Rad in die Firma fahren? Eventuell können Sie mir das ja kurz erklären, ich verstehe es einfach nicht?
        Ach übrigens, mein Sohn bezahlt noch keine Steuern, darf er jetzt nicht mehr über die Straße gehen?

    3. Nur ne kurze Anmerkung: Steuern sind innA brd NICHT zweckgebunden! Das heisst, die KfZ-Steuer ist nix anderes als eine reine Luxussteuer! Oder wie erklärst du Dir dann die Schaumwein-, Kaffee- und Tabaksteuer?
      Ach ja, die Schaumweinsteuer wurde von Wilhelm zwo eingeführt um seine Flotte zu finanzieren…

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