Hermann will Gutachten zur Helmpflicht

Schon ein paar Tage sind seit dem letzten Bericht über Fahrradhelme oder Fahrradhelmpflichten vergangen, da macht man sich als wintertauglicher Radfahrer beinahe Sorgen, eines der Lieblingsthemen des Alltagsradlers käme erst im nächsten Frühjahr wieder auf den Tisch.

Zum Glück sorgt der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann derweil für neuen Gesprächsstoff: Grüne wollen Helmpflicht für Radfahrer

Baden-Württemberg hat ein Gutachten zu einer möglichen Helmpflicht für Radfahrer auf den Weg gebracht. Die Expertise sei ausgeschrieben, der Zuschlag werde noch vor Jahresende gegeben.

Hermann tat sich schon in der Vergangenheit vor allem damit hervor, sogar berechtigte Kritik ohne Gegenargumente abzuweisen. Ein Rückgang des Radverkehrsanteils bei der Einführung einer Helmpflicht ließe sich nicht nachweisen und die Wirksamkeit von Fahrradhelmen stünde doch außer Frage. Nun soll also eine Studie diese Fragen klären, wobei Hermann betont, kein Gefälligkeitsgutachten in Auftrag geben zu wollen — alles andere wäre ja auch zu komisch: Minister bringt Gutachten zur Helmpflicht auf den Weg

Würde eine Helmpflicht für Radler nach hinten losgehen und die Menschen wieder zum Autoschlüssel greifen lassen? Zu dieser Frage gibt es kaum Daten. Die Lücke will jetzt das Land schließen.

Womöglich klärt diese Studie auch endlich die im Artikel angesprochene Wirksamkeit von Fahrradhelmen, schließlich darf man durchaus bezweifeln, dass ausgerechnet die besonders schnellen Elektrorad-Fahrer bei einem Unfall von einem relativ schmalen Kopfschutz profitierten.

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10 Gedanken zu „Hermann will Gutachten zur Helmpflicht“

  1. Offenbar beherrschen helmtragende Minister nicht einmal mehr einfachste Dreisatzrechnung. Wenn , wie als Begründung für die Helmpflicht angegeben, unter 42 in BW getöteten Radfahrern 9 Helmträger waren, sind das fast doppelt so viele, wie bei 10% Helmtragequote zu erwarten wären. Es gilt offenbar: Helm auf, Hirn aus.

    1. Und selbst wenn, wie oft behauptet, 20 Prozent der Radfahrer einen Helm tragen, stellen sie in Baden-Württemberg immer noch 21 Prozent der Toten. Schöner kann man doch die relative Nutzlosigkeit von Helmen gar nicht belegen. Und bei einem Blick über den Gartenzaun, nämlich in Länder, die eine Helmpflicht eingeführt haben, wird die Nutzlosigkeit sogar statistisch signifikant. Auch wer mit Statistik nichts am Hut hat oder an politischer oder journalistischer Rechenschwäche leidet, sollte sich wenigstens bei einem Blick nach Holland verwundert die Augen reiben und sich fragen, ob es möglich sein kann, dass alle Holländer unvernünftig sind, weil sie keinen Helm tragen.

      1. Aus diesem relativen Anteil kann man rein gar nichts rauslesen, weil ihr die Grundannahme macht, das Radfahrer mit und ohne Helm mit gleicher Wahrscheinlichkeit in einen Unfall verwickelt werden. Wenn man aber annimmt, dass die Helmfahrer im Schnitt mehr Kilometer, bzw. eine höhere Durschnittsgeschwindigkeit fahren, funktioniert die Argumentation nicht mehr. Ich bin auch kein Freund der Helmpflicht und gegen die Helmpflicht sprechen schon genug Argumente, so dass man auf Polemik gut verzichten kann.

        1. Na, dazu passt der Satz: „Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast!“

          Grundsätzlich finde ich Deinen Vorschlag nicht schlecht die Unfälle nicht auf Anzahl der Radfahrer sondern auf die Anzahl der zurückgelegten Kilometer zu normen.
          Quasi, X Unfälle pro „Helmkilometer“.

          Aber, dass diese Forderung von einem Verkehrsminister eines Auto(bundes)landes kommt, dürfte nicht verdaimlern verwundern.

          1. Am sinnvollsten würde mir die Normierung auf Gesamtunfälle erscheinen, also tödliche Unfälle pro Unfälle jeweils für Radfahrer mit Helm und solche ohne Helm. Daran könnte man dann schon mal halbwegs sinnvoll den Schutz des Helmes vor tödlichen Unfällen abschätzen. Schwierig sind für statistische Aussagen aber auch die geringen Fallzahlen.

            1. Man könnte die Annahmen von Jonas auch umdrehen: Vielleicht fahren Helmträger kürzere Strecken? Allerdings ist die Annahme so oder so wenig sinnvoll, m.W. wird die Helmtragequote im Wesentlichen durch Augenschein (Beobachtung von Radfahrern) erfasst, entspricht also bereits der Verkehrsleistung der Radfahrer (bei einem Radfahrer mit hoher km-Leistung ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass er bei einer Zählung erwischt wird).

              Einflussreicher als die km-Leistung dürften sowieso soziologische Aspekte sein. Zum einen die Unfallgefahr (naiver Freizeitradler vs. erfahrern Alltagsradler?), zum anderen die Verletzungsgefahr im Falle eines Unfalls (rund die Hälfte aller getöteten und schwerverletzen Radfahrer ist über 65 Jahre alt, obwohl deren Anteil an der Gesamtzahl der Fahrradunfälle viel niedriger ist). Solange aber noch nicht einmal die Verkehrsleistung nach Geschlecht, Alter, Örtlichkeit (Inner- vs. Außerorts) und Tageszeit (Dunkelheit vs. Helligkeit) vernünfitg erfasst wird, solange kann man solche Berechnungen vergessen.

  2. Der Herr soll Mitglied bei den „Gruenen“ sein? Ist es nicht reichlich Paradox! Diese Partei hat sich ja teilweise schon bis zur Unkenntlichkeit geschwaerzt. Lokal machen die hier eigentlich ganz gute Arbeit. Nur im September letzten Jahres hatte ich genau deswegen bei der Zweitstimme extreme Schmerzen in der Hand …

  3. Eine wirkliche Studie zur Schutzwirkung von Helmen für den Kopf (nicht eine Melone, ein Prüfding, dass rechtwinklig auf den Boden fällt o.ä.) wäre m.M.n. deutlich wichtiger. Damit würde die o.g. Studie wohl obsolet.

  4. Nachdem der andere Helmgläubige Landesverkehrsminister for 2 Jahren eine Expertenkommission Helm ins Leben rief, die wohl nicht die erwünschten Resultate brachte, startet jetzt der zweite Versuch eines anderen Verkehrsministers.
    Herr Carius nahm an der Expertenkommission nicht selbst teil, und propagierte das Ergebnis: Ja Helme kann man bewerben, aber eine Helmpflicht wird aus rechtlichen Gründen nicht empfohlen. auch nicht.
    Ernsthafte Verkehrssicherheitsmaßnahmen, wie Tempo 30 und Beifahrerpflicht für LKW vertritt er auch nicht. Herr Hermman wird noch einen Brief von mir bekommen.

  5. Oh je:
    „Wir wollen kein Gefälligkeitsgutachten,…“
    Ich wette bei, unter den Gutachtern ist mindestens:
    – 1 Neurochirurg,
    – 1 Vorsitzender irgendeines Autoklubs
    – 1 Vertreter vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft
    – 1 Mitglied der Kannelore Hohl Stiftung
    – 1 Mitglied des Verbandes überprotektiver Mütter
    – 1 „pro Helm- contra Pflicht“ ADFC-TUI ler
    koordiniert von einem Mitglied der drei-Liter-Autopartei
    föllich (TM) ergebnisoffen….

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