Hanstedt: Lebensgefährliches Gehweg-Verbot für Radfahrer

Die Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht an einigen engen Hanstedter Gehwegen hat die ländliche Idylle offenbar ordentlich durcheinander gebracht: „Radweg-Verbot ist lebensgefährlich“

Neue Verkehrsregelung sorgt in Hanstedt für reichlich Wirbel

Das Wochenblatt unternimmt größte Anstrengungen, den Radverkehr wieder auf die engen Gehwege zu verfrachten. Unter Beschuss ist auch Karin Sager vom ADFC, die als Verantwortliche für den „Unsinn“ genannt wird. Die Verantwortung im ADFC zu verorten ist nun allerdings eine kurvige Argumentation, denn im Prinzip sind auch in Hanstedt die Verwaltungsvorschriften zu beachten. Sager und der ADFC sind sicherlich in der Verantwortung für die Umsetzung dieser Vorschriften, aber nur mittelbar dafür haftbar, dass der Verkehr in Hanstedt bislang über technisch unzureichende Radverkehrsanlagen abgewickelt wurde.

Trotzdem kommen wieder einige Bürger zu Wort, die von der neuen Regelung überhaupt nichts halten. Auf Seite 12 läuft die Kampagne weiter, dort ist aber plötzlich nicht mehr Karin Sager die Böse, sondern die Autofahrer ohne Rücksicht:

Fußweg-Verbot für Radfahrer sorgt für großen Ärger / „Regelung sollte zurückgenommen werden“

In dem zweiten Artikel wird nun eine empirische Untersuchung angesetzt, deren Ergebnis allerdings schon determiniert ist. Ein Trupp aus zwanzig Radfahrern im Rentenalter traut sich auf die Fahrbahn und befindet die Maßnahme als unsinnig und gefährlich. Im Gegensatz zur Oldesloer Straße im nördlichen Hamburg wäre die Fahrbahn allerdings breit genug, um einen oder mehrere Radfahrer problemlos zu überholen. Ohne den älteren Radfahrern zu nahe treten zu wollen: Wenn man gleich zu Anfang mit zwanzig Radfahrern im gemächlichen Tempo die Fahrbahn okkupiert, wird das mit dem Überholen natürlich etwas schwieriger, auch die aggressiven Kraftfahrer überraschen dann nur mäßig. In kleineren Gruppen oder alleine dürfte es dagegen sehr viel weniger Probleme geben.

Es kommt allerdings auch niemand auf die Idee, das Verhalten der Kraftfahrer in Frage zu stellen. Dass hinter der Windschutzscheibe beinahe die romantische Ader auf der Stirn platzt scheint geradezu als gottgegeben akzeptiert und nicht hinterfragt zu werden. Der pulsierenden Ader könnte allerdings mit mehr Aufklärung und Gewöhnung entgegengewirkt werden. Pedaliert aber ein Schwung von zwanzig Radfahrern auf der Fahrbahn, obwohl jahrzehntelang die Benutzung der Gehwege vorgeschrieben war, wird natürlich im Cockpit das Ende der Welt ausgerufen.

Leider weigert sich das Wochenblatt weiterhin beharrlich, auf den Sicherheitsaspekt des Fahrbahnradelns einzugehen. In Hanstedt wurde bislang mit Ruhe und Rücksicht den unzulässig angeordneten Zeichen 240 entsprochen, was wohl soviel wie ständige Aufmerksamkeit auf abbiegende Kraftfahrer bedeuten soll. Natürlich wird es weiterhin am Verständnis für diese Maßnahme mangeln, wenn sie einzig und allein als gefährliche Schikane verkauft wird.

5 Gedanken zu „Hanstedt: Lebensgefährliches Gehweg-Verbot für Radfahrer“

  1. Das Ergebnis war wohl für jeden aufmerksamen Bürger abzusehen: auch hier bei uns fallen Rentner durch konsequentes Gehwegradeln auf. Der Unterschied zu jungen Fahrern besteht darin dass die Jüngeren gerne haarscharf an einem vorbeirasen, während die Älteren sich mangels Reaktionsfähigkeit und Gleichgewichtssinn mit dem inflationärem Gebrauch der Klingel und Beschimpfungen „begnügen“ müssen wenn ihnen (den Radfahrern) nicht sofort der ihnen gebührige Platz auf dem *Geh*weg eingeräumt wird.
    Es muß wohl irgendwo im GG ein oder zwei Geheimparagraphen geben die Radfahren immer und überall erlauben, wohl genau dort wo auch das Friedrich’sche „Über-„Grundrecht auf Sicherheit steht.
    … oder diese Leute wissen sehr genau warum sie nicht auf der Fahrbahn fahren wollen – da fahren nämlich ihre Brüder im Geiste, und so wie die sich schon mit einem Fahrrad als Waffe benehmen will *denen* + KFZ dann wirklich keiner begegnen.

  2. Nicht wenige Senioren radeln, weil sie den „Lappen“ abgegeben haben. Sie fühlen sich dem Strassen- (sprich: Fahrbahn-) Verkerhr nicht mehr gewachsen.
    Da ist es nicht allzu schwer zu verstehen, dass sie nun nicht -nunmehr völlig ungeschützt – weiterhin auf die Fahrbahn zwingen lassen. Dann wären sie besser im Auto geblieben, hätten zwar Andere gefährdet, aber für sich selbst bessere Überlebenschancen gehabt.
    Einigen mögen für ihre Interessen eintretende Senioren ein Dorn im Auge sein, ich finde das gut.
    Ich finde es auch keineswegs übertrieben, vom ADFC zu verlangen, auch die Ansprüche und Bedürfnisse der älteren, jüngerern und schwächeren Radfahrer zu bedenken.
    Ich finde es auch gut und nachahmenswert, wie man in dieser ländlichen Gegend die Älteren mit ihren Mobilitätsbedüfnissen nicht links liegen lässt. Da kann Hamburg sich eine dicke Scheibe von abschneiden.

    Das beliebte Konzept “ Runtermachende Demonstrative Ignoranz“ gegenüber Ansprüchen und Bedürfnissen Schwächerer („… Rentner … konsequentes Gehwegradeln .., … Brüder im Geiste …, … Fahrrad als Waffe …“) mag ob der denunzierenden Wortwahl Claqueure finden, ich halte es für geistig armselig und asozial (nicht als Schimpfwort gemeint, sondern im Sinne des Wortes).

    1. Und wenn sich Senioren dem Straßenverkehr nicht mehr gewachsen fühlen dann „dürfen“ sie als Radfahrer plötzlich Fußgänger terrorisieren? So als Fortsetzung von dem was sie jahrzehntelang als Autofahrer auf der Fahrbahn getrieben haben, das Fahrrad quasi als SUV des alten Mannes oder was?

      Die Argumentation hätte ich gerne auch in anderen Lebensbereichen: Wer sich den Brie als Rentner nicht mehr leisten kann der darf ihn halt klauen / hat ihn klauen zu dürfen, das muss man schon verstehen!

      Nochmal: es gibt kein Grundrecht auf Radfahren, geschweige denn ein Über-Grundrecht darauf. Es gibt aber Regeln und Vorschriften wer wann wo fahren darf, und dazu gehört im Moment das
      a) Radwege minimalen Anforderungen genügen müssen (auch wenn das weiterhin großzügig ignoriert wird) und
      b) das auf *Geh*wegen Radfahren verboten ist.

      Ich hätte aber auch einen Vorschlag zur Güte: 30 km/h sobald alte Menschen oder Kinder in der Nähe sind, und, was noch viel wichtiger ist, *Kontrollen*. Solange wie hier in DAH unsere grün-beigen angeblichen Helfer lieber wegschauen (obwohl sie selber zugeben das sie wissen was auf den Straßen so passiert) anstelle Strafzettel zu verteilen wird das nix.

      Lustig auch das in Hanstedt die Leute wohl schon so konditioniert sind das sie sich bei unseren Verkehrsterroristen dafür entschuldigen das sie ihre Rechte jetzt wahrnehmen „müssen“ nachdem die Gemeinde die illegale Beschilderung entfernen „musste“.

  3. „Nochmal: es gibt kein Grundrecht auf Radfahren“
    Was ein Schmarren! Natürlich gibt es ein Grundrecht auf freie Bewegung. „Frei“ schließt die freie Wahl des Verkehrsmittels ein. Freie Bewegung bedeutet nicht die Pflicht Auto zu fahren. Was euch Autofanatikern immer so einfällt!

    Wenn du dich schon von harmlosen radfahrenden Senioren terrorisiert fühlst, ohje, was machst du erst mit lärmenden, stinkenden, tötenden, auf Rad- und Fußwegen herumkarriolenden Autoverkehr? Immer nur zu Hause bleiben? Ach, das ist etwas Anderes! Die wollen nur spielen?

    Deine Argumentation (nicht nur) gegen Senioren ist mir zu wirr und vor allem zu hetzerisch. Fällt mir nur „Neues aus der Anstalt“ zu ein. Und sorry, das ist mir zu abgedreht. Ciao.

    1. So ein Unsinn! Es gibt kein „Grundrecht auf freie Bewegung“, und schon gar keines das Dir oder jemand anderem erlaubt immer und überall mit dem Mittel seiner Wahl unterwegs zu sein. Das GG räumt einzig und allein „Freizügigkeit“ ein (Art. 11 (1)), was immer das auch sein mag. Wie Du jetzt daraus herleitest Du dürftest überall mit den Fahrrad hin weiß ich jetzt nicht, aber in dem Fall würde ich Dich bitten mal das Z. 254 – Verbot für Radfahrer – aus dem Verkehrszeichenkatalog wegzuklagen. Da Radfahrer ja überall fahren dürfen ist das dann ja wohl völlig überflüssig.

      Oder gibt es etwa ein spezielles Gesetz das zwar Radfahrer selbstverständlich auf Gehwegen fahren zu haben dürfen, Autofahrer aber nicht? Darf *ich* das nächste Mal wenn es mit auf der Fahrbahn zu bunt/langsam/“gefährlich“ ist dann auch auf mit meiner Kiste auf dem Gehweg weiterfahren? „Ganz foasichtig“, selbstverständlich? Naja, ein wenig hupen darfs schon sein wenn jemand nicht schnell genug in den Büschen ist, aber sonst ganz rücksichtsvoll? Aber das ist dann wohl wieder mal „etwas ganz anderes“.

      Ein großer Teil der „Seniorenradler“ ist sicher harmlos, aber zum Einen hilft das den Kindern gar nichts wenn sie wieder mal von einer qualifizierten Minderheit angebrüllt werden, zum Anderen sind die im Artikel angesprochenen Seniorenradler wohl wirklich harmlose Lämmer – sonst würden sie eher wegen der Autofahrer auf der Matte stehen als wegen den endlich entfernten illegal aufgestellten Schildern. Da sie aber wohl eher darauf pochen das die Gemeinde wieder in die Illegalität abdriftet vermute ich eher das *diese* Rentner persönliche Erfahrungen damit haben was Autofahrer mit Radfahrern machen die nicht da fahren „wo sie hingehören“ – Erfahrungen, die sie aus der Windschutzscheibenperspektive gewonnen haben. Das ist aber wie gesagt nur mein ganz persönlicher Verdacht.

      Und woraus Du aus meiner Forderung das die „Rentnergang“ mit den Fahrrädern gefälligst die Fahrbahn zu nutzen hat wenn keine anderen Straßenteile freigegeben sind oder zu Fuß auf dem Gehweg schieben sollen[1] ableitest ich sei Autofanatiker erschließt sich mit nicht so ganz – aber ich muss ja Gottseidank auch nicht alles verstehen.

      [1] aber nur wenn die damit andere Fußgänger nicht erheblich behindern – sonst gehören die Radschieber auch auf die Fahrbahn – §25 (2) StVO.

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