Hamburgs gestrichelte Kreuzungen

Der Norddeutsche Rundfunk hat in einer netten Bildergalerie einige der neuen Hamburger Radverkehrsführungen kommentiert: Neue Kreuzungen in Hamburg: Radler in Gefahr

Dort sind einige Prachtexemplare dabei, an denen man wohl auch als erfahrener Alltagsradler einen Moment lang überlegen muss.

Siehe auch:

  • Bezirk Altona: Radfahrer auf die Straße

    Fahrradwege auf die Straße verlegen – das fordert jetzt die Bezirksversammlung Altona. Sie will auf der vielbefahrenen Ebertallee zwischen Bahrenfeld und Othmarschen Fahrradstreifen einrichten, wie NDR 90,3 berichtete.

8 Gedanken zu „Hamburgs gestrichelte Kreuzungen“

  1. Photo 3 und die Führung am Siemersplatz finde ich insofern problematisch, als die Abbiegespur sehr kurz ist und Spurwechsel und Abbiegen nahezu in einem Vorgang stattfinden. Einer der Effekte dieser Spuren in Mittellage sollte aber sein, dass die beiden Vorgänge zur Erhöhung der Aufmerksamkeit getrennt werden. Außerdem erscheint mir die Lösung am Siemersplatz deswegen ungünstig, weil zunächst auf dem Hochbord geführt wird, um direkt nach Ende des Hochbordes die Querung zur Abbiegespur zu installieren. Obwohl beste Sichtverhältnisse herrschen, werden nach meiner Erfahrung Radfahrer auf dem Hochbord viel weniger wahrgenommen und beim Abbiegen viel leichter vergessen, als wenn sie vorher niveaugleich geführt werden.

    Ansonsten kann ich auf den Photos keine wirklich unverständlichen Lösungen erkennen. Könntest Du evtl. etwas näher ausführen, warum auch erfahrene Alltagsradler dort überlegen müssen. Für mich wird das als Ortsfremdem nicht aus den Photos ersichtlich, allerdings sind hier in Berlin derartige Führungen nicht ungewöhnlich, ich bin also schon etwas eingewöhnt.

    1. Könntest Du evtl. etwas näher ausführen, warum auch erfahrene Alltagsradler dort überlegen müssen.

      Damit wollte ich mich auf diese ganzen gestrichelten Konstruktionen zum indirekten Linksabbiegen beziehen. Ich behaupte mal, dass ich eigentlich etwas geübter bin, was bestimmte Radverkehrsführungen angeht, aber wenn ich jetzt nach einer solchen Sanierung wieder an einer Kreuzung stehe, muss ich auch eine ganze Weile überlegen: Kommt man jetzt da hinten noch links rüber? Direkt oder indirekt? Gibt es dort drüben noch eine Querungsfurt oder muss ich da vorne rüber? So nett diese ganzen Markierungen auch gemeint sein mögen, sie führen nach wie vor wie in Hamburg üblich nicht unbedingt dorthin, wo man als Radfahrer eigentlich entlang möchte.

      1. Ach so, das verstehe ich. Auf unbekannten oder umgebauten Strecken überlege ich auch öfter, wie die Radverkehrsführung eigentlich auf der anderen Seite aussieht.

        Da ich grundsätzlich eher direktes Linksabbiegen bevorzuge, leite ich vorrangig das Abbiegemanöver ein und nehme eher zweitrangig zur Kenntnis, was dort für Markierungen existieren. Die Unvorhersehbarkeit wäre dann auch eine gute (und in diesen Fällen ehrliche) Begründung, falls tatsächlich einmal ein Verstoß gegen § 9 Abs. 2 S.3 StVO (Abbiegen über Radverkehrsführungen) vorgeworfen werden sollte. Beim Ausscheren aus der Radverkehrsführung kann man oft nicht wissen, ob gegenüber eine Radverkehrsführung zum indirekten Linksabbiegen existiert. Markierungen zum direkten Linksabbiegen sind nach meiner Erfahrung aber rechtzeitig erkennbar und ohne stärkeres Nachsinnen verfolgbar.

        Interessanter für mich ist meist, ob die Führung geradeaus auf einem nichtbenutzungspflichtigem Hochbord, einem Parkstreifen oder anderen von mir verweigerten Verkehrsflächen führt und einen rechtzeitigen Wechsel auf die Fahrbahn, oft mitten auf unübersichtlichen Kreuzungen erforderlich macht. Leider sieht man oft zu spät solche Führungen und kann sich dann nur mit Verzögerungen richtig einordnen, weil natürlich niemand damit rechnet, dass man die „für teuer Geld extra angelegten ‚Radwege‘ mitten auf der Straße“ verlassen wollen könnte.

  2. Nachtrag:
    Die ständige Fehlbezeichnung bei Verlegung der Radwege auf „die Straße“ ist ja noch ok, aber was soll in den Berichten der mehrmalige Hinweis, dass jetzt Rechtsabbieger den Weg der Radfahrer kreuzen? Das ist doch der Witz an der ganzen Aktion, dass man versucht, dieses Kreuzen sicherer zu machen und an eine andere Stelle zu verlegen.

  3. Das ist mein persönliches Schmankerl:
    „Für die Radfahrer enden die eigenen Fahrbahnen oft schon direkt hinter der Kreuzung. Sie finden sich ohne schützende Markierung auf der Straße wieder.“

    Vor was schützt denn eine Markierung? Ist so eine Markierung wie eine Mauer und ein Auto schleift dann an der Markierung an und kann nicht drüber fahren? Echt lustig…

  4. Vieles von dem, was in dem NDR-Beitrag kritisiert wird, ist in Ordnung, teilweise sogar gut. Dass Rechtsabbieger bereits vor der Kreuzung auf die rechte Seite des Radfahrstreifens geführt werden ist mitnichten gefährlicher, sondern sehr viel sicherer (auch wenn man sich über die Qualität der konkreten Ausführung streiten kann). Auch bei dem Bild, bei dem es heißt „Auch auf dem Siemersplatz in Hamburg-Lokstedt sind die Radfahrer nach der Umgestaltung mitten auf der Straße unterwegs“, scheint es auf den ersten Blick nicht um ein Negativ-Beispiel zu gehen, sondern um ein postives (ob es dann auch gut ausgeführt wurde ist eine andere Frage). Offenbar wurde statt der (auf Google erkennbaren) abgestzten Hochbordradwege Radfahrstreifen markiert – also genau das, was im Sinne der Verkehrssicherheit und -qualität fürFahrradfahrer wünschenswert ist.

    Statt einem Blog-Beitrag über schlechte Radverkehrsführungen hätte ich aufgrund des NDR-Beitrages eher einen Blog-Eintrag über die Unfähigkeit von Journalisten, zumindest rudimentär den wissenschaftlichen Stand zu kennen, erwartet. Denn offenbar halten jene Journalisten Hochbordradwege für deutlich sicherer für Radfahrer als fahrbahnnahe Führungen (sie es auf der Fahrbahn oder auf Radfahrstreifen), was natürlich Unfug ist. Unter den kritisierten Fällen ist denn aiuch kein einziger buckeliger Hochbordradweg mit Sichthindernissen, dafür einige verhältnismäßig ERA-konforme Führungsformen.

  5. Kommt man aus der Vogt-Wells-Straße, also aus westlicher Richtung, ist auf dem Siemersplatz das direkte Linksabbiegen erlaubt – zumindest theoretisch. Ab dort, wo der Hochbordradweg auf die Fahrbahn abgeleitet wird, endet nämlich auch die Radwegebenutzungspflicht (VZ 237 + ENDE). Man müsste allerdings erst zwei Geradeaus-Fahrstreifen queren, um sich in die rechte der beiden Linksabbieger-Spuren einzuordnen. Nachts ist das kein Problem, im Berufsverkehr aber praktisch unmöglich.

    Der Hammer ist die Radwegeführung nach dem Überqueren des Siemersplatzes (also am Beginn der Osterfeldstraße). Dort fährt man als Radler durch Menschentrauben, die z.B. aus dem Bus ausgestiegen sind. Fußgänger haben praktisch keinen Gehweg und laufen deshalb auf dem Radweg.

    Das letzte Wort dürfte für den Siemersplatz noch lange nicht gesprochen sein…

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