Gute Frage: Wie geht denn das mit den Verkehrsregeln?

Martina Lutz von gutefrage.net schrieb mir vor zwei Wochen eine E-Mail, ob ich nicht deren neue Broschüre über das Radfahren mit Kindern bewerben könne:

Diese Informationen dürften auch für die Besucher Deiner Website von Nutzen sein. Über einen Verweis auf unsere Broschüre oder eine Weiterempfehlung würde ich mich sehr freuen.

Ich kann einer Weiterempfehlung leider nur bedingt entsprechen, zumindest bezüglich der dort dargelegten Verkehrsregeln.

Zunächst einmal: Von Kinderfahrrädern habe ich nicht unbedingt viel Ahnung, das ist ist weder mein Fach- noch Interessengebiet und hat mit Radverkehrspolitik eher weniger zu tun. Was die Broschüre da erklärt, klingt aber erst einmal gar nicht so falsch: Dass Stützräder längst nicht mehr angesagt sind, dass ein gutes Rad auch mal etwas kosten darf, obschon das Kind bald herauswachsen wird, und dass Fahrradfahren eine recht komplexe Angelegenheit ist, naja, das ist eigentlich schon beinahe selbstverständlich, wird aber in anderen Ratgebern gerne anders kommuniziert.

Nur wenn’s plötzlich um die Verkehrsregeln geht, da hält sich die Broschüre eher bedeckt. Auf Seite 30 heißt es:

Radfahrer im Straßenverkehr

Radfahrer nehmen als Fahrzeugführer am Verkehr teil – sie müssen sich also an die allgemeinen Verkehrsregeln halten. Einige gelten für alle Fahrzeugführer, einige richten sich speziell an Radfahrer.

Das klingt ja schon mal nicht schlecht. Nur danach wird’s leider nicht so doll:

Ein Beispiel sind hier Radwege. Sind sie vorhanden, so müssen sie von Radfahrern auch genutzt werden.

Nein, das stimmt nicht. Nur mit Zeichen 237, 240 oder 241 gekennzeichnete Radwege müssen befahren werden, sagt § 2 Abs. 4 StVO. Allerdings scheint das angesichts der Zielgruppe der Broschüre ohnehin ein verschmerzbarer Mangel zu sein: Die meisten Radfahrer mit Kindern dürften wohl kaum auf die Idee kommen, die Benutzung der Fahrbahn neben einem so genannten anderen Radweg auch nur in Erwägung zu ziehen.

Weiter geht’s:

Radfahrer dürfen außerdem im Straßenverkehr nicht nebeneinander fahren, sondern nur einzeln hintereinander her.

Schon wieder nicht: Auch hier hilft § 2 Abs. 4 StVO, denn Radfahrer dürfen selbstverständlich nebeneinander fahren, sofern der übrige Verkehr nicht behindert wird — was auch immer letzteres heißen mag. Es fällt allerdings offenbar noch nicht direkt unter eine Behinderung, wenn ein Kraftfahrer bis zur nächsten Überholmöglichkeit einige Sekunden hinter zwei nebeneinander radelnden Verkehrsteilnehmern hinterherfahren muss.

Diese und alle weiteren gesetzlichen Regelungen rund um den Straßenverkehr können Sie in der Straßenverkehrsordnung nachlesen.1

Unter der Fußnote verbirgt sich ein Link zu www.strassenverkehrsordnung.de. Nun ist die Formulierung natürlich ganz witzig, die obigen Behauptungen dort nachlesen zu können, wenn die Autoren selber noch nicht einmal bis § 2 Abs. 4 StVO durchhalten konnten. Wenigstens die Regeln, bis zu welchem Alter Kinder Gehwege befahren müssen oder dürfen, sind korrekt wiedergegeben. Schön wäre natürlich ein Hinweis über die noch immer aktuelle Problematik gewesen, wie denn nun der Familienausflug gestaltet wird, wenn das eine Kind noch auf dem Gehweg radeln muss, das andere aber schon mit den Eltern auf der Fahrbahn, weil die Straße ohne Radweg auskommen muss. Die Straßenverkehrs-Ordnung schweigt sich zu diesem Thema aus und es liegt an der lokalen Polizei, wie das Thema gehandhabt wird.

Roland Brühe hat diese Mail ebenfalls bekommen und findet das auch nicht alles so toll: Kind und Fahrrad: Grobe Unkenntnis per Ratgeber

Ein Gedanke zu „Gute Frage: Wie geht denn das mit den Verkehrsregeln?“

  1. Da geht es ja eh nur um SEO-Links. Ob ihr das gut oder schlecht besprecht, ist denen recht egal, hauptsache der Link ist da und es wird bei Google gefunden. Ob du da mitmachen willst oder die Infos richtigstellen, musst du halt abwägen.

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