Grüne Welle: Gunnar zürnt auf seinem Zossen

Nach langer Abstinenz mit „gerechtem Zorn“ auf Radfahrer ist Gunnar Schupelius wieder da. Und dummerweise ist er wieder sowas von in Höchstform, da weiß man überhaupt nicht so genau, wo man bei seinem neusten Kommentar mit der Kritik ansetzen soll. Er beklagt dieses Mal: Grüne Welle für Radler behindert den Verkehr

Gunnar Schupelius fragt, ob wir mit Tempo 18 leben können. Auf dieses Tempo ist die Grüne Welle geschaltet.

Vielleicht will man auch angesichts von Gunnar Schupelius’ Namen einfach den Artikel beiseite klicken und sich sinnvolleren Beschäftigungen widmen.

Und wenn man’s doch lesen will, wäre der Griff zum Fahrradhelm vielleicht gar nicht so verkehrt. Uns wird nämlich bald der Himmel auf den Kopf fallen, könnte man angesichts von Schupelius’ Befürchtungen meinen.

Schupelius holzt los mit:

Berlins Fahrradfahrer teilen sich in zwei Gruppen. Die einen halten an der roten Ampel an. Die anderen fahren weiter.

Ich gehöre zu der ersten Gruppe und sehe fassungslos zu, wie die anderen an mir vorbeiziehen und sich und andere in Lebensgefahr bringen. Und jedes Mal denke ich, dass dieses Radeln über Rot besser kontrolliert und härter bestraft werden müsste.

Man reibt sich verwundert die Augen: Gunnar Schupelius fährt mit dem Rad? Der Gunnar Schupelius, der in seiner B.Z.-Kolumne regelmäßig die Klischees seiner Stammleserschaft bedient und dabei den Eindruck macht, nichts mehr zu hassen als diese Radfahrer, die sich parasitär in der gesamten Stadt ausbreiten und noch nicht einmal Steuern zahlen und die Radwege benutzen? Eventuell wurde Schupelius in den letzten Tagen zum Zwangsradler, nachdem sein Kraftfahrzeug offenbar aufgrund unterschiedlicher Definitionen des Begriffes der Meinungsfreiheit in Brand gesteckt worden war.

Aber so richtig wohl fühlte sich Schupelius auf seinem ummotorisierten Zossen offenbar nicht, denn die einzige Frage, die ihn während seiner Radtour umtreibt, scheint zu lauten: Warum werden diese Radfahrer nicht härter bestraft? Es lässt sich leider nicht in Abrede stellen, dass es in einigen deutschen Städten zum tradierten Brauchtum gehört, es auf dem Rad mit den Farben nicht so genau zu nehmen. Während in der einen Stadt eher die kombinierten Signalgeber für Radfahrer und Fußgänger missachtet werden, die auf rotes Licht schalten, obwohl der Fahrbahnverkehr noch eine ganze Weile weiterrollen darf, bahnen sich Radfahrer in anderen Städten tatsächlich recht sportlich ihren Weg durch den fließenden Querverkehr.

Es gibt zwei grundsätzliche Möglichkeiten, der roten Ampel zu mehr Beachtung zu verhelfen: Repressionen und Optimierung. Das Mittel der Repression basiert darauf, dem Verkehrsteilnehmer zu zeigen, wer am längeren Hebel sitzt: Wer die Bedeutung der roten Ampel vergessen haben sollte, kann sich gegen ein mehr oder weniger schmerzliches Entgelt die Verkehrsregeln erklären lassen. Der Ansatz der Optimierung hingegen versucht auf die Bedürfnisse der Verkehrsteilnehmer einzugehen: Wenn an dieser oder jener Kreuzung ständig das rote Licht missachtet wird, muss wohl etwas faul an der Schaltung sein. Denn so verschieden die Verkehrsteilnehmer in ihren Rollen als Kraft- oder Radfahrer oder Fußgänger sein mögen, eines ist ihnen doch gemein: Nur aus Jux und Dollerei widersetzen sich nur die allerwenigsten den Verkehrsregeln.

Die Behauptung, viele Rotlicht missachtende Radfahrer machten sich rein gar nichts aus ihrer Anonymität wäre wahrscheinlich ein ziemlich unberechtigter Vertrauensvorschuss, tatsächlich dürfte das am Fahrrad nicht vorgesehene Kennzeichen durchaus Auswirkungen auf die eigene Beurteilung der Gültigkeit einer roten Ampel haben. Genauso ungerecht wäre es allerdings, die recht freie Auslegung der Verkehrsregeln nur den Radfahrern anhängen zu wollen: Nach der dritten oder vierten roten Ampel in Folge wächst auch bei Kraftfahrern die Bereitschaft, die nächste Ampel noch mal schnell bei Dunkelgelb oder gar bei Tiefrot zu nehmen — das lässt sich beinahe rund um die Uhr an den Kreuzungen deutscher Großstädte beobachten. Auf dem Rad verschärft sich diese Überlegung noch, weil man nicht einfach nur vor der roten Ampel wartet, sondern vor der roten Ampel wartet und eigentlich noch fahren könnte. An den meisten Kreuzungen gilt für Radfahrer und Fußgänger ein gemeinsamer Signalgeber, der aber natürlich auf die Geschwindigkeit eines Fußgängers ausgelegt ist. So trägt es sich zu, dass Radfahrer teilweise eine halbe Minute oder länger vor einer roten Fußgängerampel stehen, obwohl der parallel verlaufende Fahrbahnverkehr noch fließt und sie während der Wartezeit locker mehrmals die Kreuzung überqueren könnten.

Diese kombinierten Signalgeber werden zumindest an größeren Kreuzungen mit entsprechend längeren Räumzeiten in der Vergangenheit häufig gegen eigene Signalgeber für den Radverkehr ausgetauscht, so dass sich für alle drei Verkehrsarten eine auf die jeweilige Räumgeschwindigkeit optimierte Grünphase signalisieren lässt. Eine andere Möglichkeit, diesem Problem zu begegnen, ist die so genannte Grüne Welle, die es in Berlin neuerdings auch für den Radverkehr gibt. Zwar nur für eine relativ überschaubare Strecke, aber hej, immerhin: Man kann es ja mal probieren:

Die Politik hat sich aber offenbar für das Gegenteil entschieden und schaltet die roten Ampeln aus: Sie richtet die grüne Welle für Radfahrer ein.

Man darf allerdings vermuten, dass es der Verwaltung nicht speziell um die Vermeidung von Rotlichtverstößen ging. Die Berichte in den Medien klingen eher so, als hätte man einfach mal etwas für den Radverkehr tun wollen, so etwa nach dem Motto, was die Dänen können, das können wir schon lange.

Dieses Intervall gilt natürlich auch für Autos und Lieferwagen. Sie müssten ebenfalls 18 fahren, um die grüne Ampel zu erreichen. Das ist nicht möglich. So lassen sich Termine nicht einhalten.

Naja, nunmal langsam. Die in Berlin eingerichtete grüne Welle für Radfahrer ist zwar tatsächlich nicht an irgendeiner bummeligen Nebenstraße in einem entlegenen Wohngebiet am Ende der Stadt bei den sieben Bergen und den sieben Zwergen gelegen, aber nun auch nicht gerade eine Hauptverkehrsstraße. Und obschon die Erweiterung der grünen Welle in andere Straßen Berlins überprüft wird, ist ja nun wenigstens in naher Zukunft nicht damit zu rechnen, das Berlin mit einer großflächigen grünen Fahrrad-Welle überzogen wird.

Wer momentan in Berlin von einem Termin zum nächsten hetzt, hat sicherlich andere Sorgen als eine grüne Fahrrad-Welle abseits der Hauptverkehrsstraßen. Oder, andersherum formuliert: Wer seinen Termin verpasst, weil er in der grünen Welle für Radfahrer gefangen war, der wäre ohnehin nicht pünktlich angelandet. Der Straßenverkehr innerhalb einer Großstadt lässt sich zwar einigermaßen vorhersagen, ist aber noch immer so extremen Schwankungen unterworfen, dass bereits eine verhältnismäßig kleine Störung, beispielsweise ein Auffahrunfall oder eine einzelne Arbeitsstelle auf dem rechten Fahrstreifen, den Verkehr nachhaltig irritieren und stellenweise zum Erliegen bringen könnte. Ein Kraftfahrer kann sogar auf einer für Kraftfahrzeuge eingerichteten grünen Welle unterwegs sein und sich trotzdem kräftig verspäten, wenn der Verkehr zu dicht ist.

Schupelius hat sicherlich recht, dass die grüne Welle für Radfahrer bestimmt kein Geschenk für den Kraftverkehr ist. In den betroffenen Straßen werden Kraftfahrzeuge eventuell langsamer vorankommen als vorher — so genau weiß man das ja auch nicht, weil eventuell die Straße bereits vor der Einrichtung der grünen Welle nicht gerade den Charakter einer Autorennstrecke aufwies. Aber wer sich ernsthaft in einer so kurzen Versuchsstrecke einer grünen Welle für Radfahrer schon dermaßen verbummelt, dass er seine Termine nicht einhalten kann, der sollte erstmal auf dem Verkehrsübungsplatz den Umgang mit dem Gaspedal üben. Im Endeffekt werden die Auswirkungen für Kraftfahrzeuge auf solchen Strecken nicht anders sein als auf anderen Straßen, in denen man nicht auf einer Grünen Welle von Kreuzung zu Kreuzung reitet: Mal trifft man die Ampeln im richtigen Zeitabstand, mal nicht.

Also müssten Autofahrer versuchen, doppelt so schnell zu fahren: Tempo 36. Das wäre in der Belziger Straße aber nicht erlaubt, denn dort gilt ja Tempo 30. Man hat also eine grüne Rad-Welle eingerichtet, ohne auf die Bedürfnisse der Autofahrer Rücksicht zu nehmen.

Ach Gottchen, da kommen einem ja die Tränen. Nein, wirklich, selbst wenn man sich diesem Thema neutral nähern möchte, greift man bei Schupelius’ Kommentar regelmäßig zum Schnuffeltuch. Jaja, Autos haben es echt nicht leicht in der heutigen Zeit. Sie sind laut, riechen nicht besonders angenehm, brauchen viel Platz und häufig stehen sie, anders als es die Werbung in leeren Straßenschluchten oder am Strand suggeriert, im Stau, weil andere Menschen dummerweise zeitgleich auf die selbe Idee gekommen sind. Und nun nimmt man nicht mal mehr Rücksicht auf die Autofahrer und richtet eine grüne Welle für Radfahrer ein!

Gunnar, es gibt noch ein paar andere Dinge, auf die bislang keine Rücksicht im Straßenverkehr genommen wurde. Und das sind nicht nur diese doofen Radfahrer, die jetzt ihre eigene Grüne Welle bekommen haben, das sind auch Fußgänger, denen abseits der Fahrbahn meistens noch weniger Platz zugedacht wurde als dem Fahrrad, oder Rollstuhlfahrer, die noch hilfloser den Widrigkeiten der Verkehrsplanung ausgesetzt sind, oder Eltern mit Kinderwagen, die ganze Straßenzüge nicht benutzen können, weil das behördlich angeordnete Gehwegparken keinen Platz für den rollenden Nachwuchs lässt. Auch in einer verhältnismäßig fahrradfreundlichen Stadt wie Berlin wird im Straßenverkehr erst einmal Rücksicht auf den Kraftverkehr genommen und erst danach wird mal geschaut, was man denn so für den Rad- und Fußverkehr unternehmen kann. Und nun beklagt Schupelius ernsthaft die fehlende Rücksicht gegenüber dem Automobil, weil man hier und da eine Grüne Welle für Radfahrer installieren will? Obschon der Kraftverkehr Grüne Wellen genießt, die vermutlich um ein hundertfaches länger sind als das, was man für Radfahrer gerade plant?

Das darf man nicht, die einen Verkehrsteilnehmer dürfen nicht auf Kosten der anderen bevorzugt werden.

Nun mal im Ernst: Gerade das ist doch die letzten Jahrzehnte lang passiert. Das Kraftfahrzeug wurde auf Kosten der anderen Verkehrsteilnehmer bevorzugt. Unabdingbar. Alternativlos. Rücksichtslos. Radfahrer und Fußgänger wurden zusammengepfercht auf enge Sonderwege, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen waren den Auswüchsen der autogerechten Stadt hilflos ausgeliefert.

Wow, es wurden jahrzehntelang Grüne Wellen für Kraftfahrer installiert, ohne auf die Bedürfnisse der Radfahrer Rücksicht zu nehmen. Deren Intervall galt natürlich auch für Radfahrer und Fußgänger, die mussten sich ebenfalls mit fünfzig Kilometern pro Stunde bewegen, um die grüne Ampel zu erreichen. Das war aus nachvollziehbaren Gründen nicht möglich. So lassen sich Termine nicht einhalten.

Hä?

Zweitens hat man angenommen, dass die Radler nicht mehr über Rot fahren, wenn man ihnen die Ampeln vorauseilend auf Grün stellt.

Hier liegt ein Denkfehler vor. Nur die langsamen Radler (Tempo 18) kommen ja in den Genuss der grünen Welle. Die schnelleren gehen leer aus. Sie werden deshalb nicht langsamer fahren. Aber sie werden weiterhin über Rot brettern, wie sie es bisher auch gemacht haben.

Eventuell war man in der Amtsstube aber auch gar nicht so verbissen wie der Herr Kolumnist und sah die Sache etwas lockerer, ohne krampfhaft auf die Rotlichtverstöße zu schielen.

Andererseits gibt es durchaus Indizien, dass Radfahrer sehr wohl die Annehmlichkeiten einer Grünen Welle zu schätzen wissen. Nun mag man die Mentalität der Kopenhagener Verkehrsteilnehmer sicherlich nicht einfach so auf Deutschland übertragen können, aber es erscheint mehr als nur vorstellbar, dass auch Berliner Radfahrer Gefallen an einer Grünen Welle finden und es dementsprechend langsamer angehen lassen. Selbstverständlich wird es auch weiterhin Rotlichtverstöße auf dem Zweirad geben, das wird sich nie vollständig abstellen lassen, aber eventuell dient ja diese Grüne Welle für Radfahrer auch erst einmal dazu, gerade jene Auswirkungen quantitativ sichtbar zu machen.

Die grüne Welle für Radfahrer behindert nicht nur den Verkehr, sie erfüllt auch gar nicht ihren Zweck.

Vielleicht ist der Zweck ja auch gar nicht primär das Reduzieren von Rotlichtverstößen, sondern eventuell die Förderung des Radverkehrs. Die „echten“ Grünen Wellen für Kraftfahrzeuge wurden historisch gesehen auch nicht eingerichtet, um den eklatanten Rotlichtverstößen durch Kraftfahrer Einhalt zu gebieten, sondern um die Leistungsfähigkeit des motorisierten Straßenverkehrs auf ausgewählten Strecken zu erhöhen.

Das wird die Planer im Verkehrssenat nicht aufhalten. Denn sie sind auf eine Formel geeicht: „Auto schlecht, Fahrrad gut“. Sie kennen keine Vernunft, sie kennen eine Ideologie, die da sagt, dass die Zukunft dem Fahrrad gehört.

Naja, da kennt man ja noch jemanden mit einer gewissen Ideologie.

Diese Ideologie irrt. Die Zukunft gehört nicht dem Fahrrad. Das Fahrrad ist eine Technologie aus der Steinzeit. Deshalb wollen die Chinesen ihre Fahrräder loswerden.

Das Fahrrad ist mitnichten eine Technologie aus der Steinzeit, weder konzeptionell noch historisch betrachtet. Mit den Chinesen hat er allerdings nicht so ganz unrecht, dort will man sich endlich im Zuge des beginnenden Wohlstandes einen eigenen Wagen zulegen. Allerdings, und das macht Schupelius’ markiges Beispiel etwas arg zu schaffen, merkt man auch in China, dass die Städte den steigenden Zulassungszahlen kaum gewachsen sind. Wo man früher mit dem Rad ganz gut vorankam, steht man jetzt dummerweise im Stau, weil sich alle anderen Mitbürger nicht nur ebenfalls einen Wagen zugelegt haben, sondern dummerweise auch noch zur gleichen Zeit auf die Idee gekommen sind, damit zu fahren. Und es soll auch in China schon eine gewisse Bewegung von Verkehrsteilnehmern geben, die bereits radfahrend den Feierabend genießen, während die Kollegen noch im Stau vor Wut das Lenkrad verköstigen — sofern man denn in den von Schadstoffen geplagten Städten überhaupt gerne mit dem Rad fahren möchte.

Die Zukunft gehört dem Auto, wahrscheinlich dem Elektroauto. Die Zukunft gehört dem Tempo und nicht der Langsamkeit. Unser Leben läuft global und in Echtzeit und nicht mit Tempo 18. Die Verkehrsplaner in diesem Senat sind alle von gestern.

Das mit den Elektroautos galt bis vor ein paar Jahren noch als schöner Wunschtraum, um sich an die Vorstellung niemals endenden Wohlstandes und ewiger Mobilität klammern zu können. Mittlerweile hat man aber eher den Eindruck, dass die Elektroautos erst gar nicht so richtig in Fahrt kommen und schon gar nicht das Problem bekämpfen, das Schupelius hier offenbar erkannt haben will. Elektroautos werden ganz offensichtlich auch mit Energie betrieben und man weiß momentan noch gar nicht so richtig, wie man den entstehenden Energiebedarf elektrisch betriebener Kraftfahrzeuge decken soll: Es wäre schließlich relativ witzlos, die angeblich grünen Kraftfahrzeuge mit Strom aus Kernkraft- oder Kohlekraftwerken aufzutanken. Abgesehen davon gibt es noch immer Probleme mit dem Energiespeicher, die leider längst nicht nur konzeptioneller Natur sind: Momentan sind die Akkus noch zu schwer und leiden an Kurzatmigkeit, so dass sich momentan nur verhältnismäßig kurze Strecken zurücklegen lassen, bevor die Karre wieder an die Steckdose muss. Das sind zwar alles Probleme, die sich irgendwie und irgendwann beheben ließen, doch stellt sich auch dann immer noch die Frage, wo man denn die ganzen Rohstoffe abbauen möchte, die für die speziellen Akkus der Elektroautos notwendig sind.

Abgesehen davon behebt auch das Elektroauto ein ganz schwieriges Problem nicht mal im Ansatz: Unsere Straßen sind einfach zu eng, unsere Städte zu klein, um zehn- oder hunderttausende Kraftfahrzeuge pro Tag zu verkraften. Das scheint Schupelius vollkommen entgangen zu sein, er glaubt offenbar, tauschte man den Verbrennungsmotor gegen einen Elektromotor, dann wären Parkplätze nicht mehr Mangelware und man könne auch mitten in der Rushhour mit Tempo 50 entspannt durch die Städte gleiten. Aber da irrt er vermutlich, der Gunnar, denn selbst wenn ausnahmslos Elektroautos unsere Städte beführen, gäbe es noch immer morgens und mittags und abends diesen Dauerstau in den verwinkelten Innenstädten. Es ist schlicht und ergreifend kein Platz mehr vorhanden für noch mehr und noch mehr Autos, ganz unabhängig von deren Antriebstechnologie.

Das wird durchaus ein Problem werden und auch ein Gunnar Schupelius, der zu allem und jeden eine Meinung hat, ist herzlich eingeladen, sich schon mal darüber Gedanken zu machen, anstatt sich über eine Grüne Welle für Radfahrer zu echauffieren. Ein kleiner Tipp: Es gibt durchaus ein Elektrofahrzeug, das bereits heutzutage ausgereift genug ist, um auch über mehrere Dutzend Kilometer hinweg einen Großteil der Mobilitätsbedürfnisse zu stillen. Der Akku ist klein genug, um technisch beherrschbar und in großen Mengen herstellbar zu sein, das Fahrzeug schnell genug, um pünktlich von A nach B zu kommen, und vor allem klein genug, um selbst in der Vorweihnachtszeit direkt vor dem Laden parken zu können.

Sicherlich wird wohl kaum das Elektrofahrrad der Alleinherrscher in den künftigen Straßenverhältnisse sein, vermutlich wird sich in ein paar Jahrzehnten eher ein Mix aus öffentlichen Verkehrsmitteln, Fahrrädern und elektrisch angetriebenen Kraftfahrzeugen durch die Städte bewegen. Die Zeit des so genannten motorisierten Individualverkehrs dürfte sich hingegen langsam dem Ende zuneigen — allerdings nicht aufgrund grün angehauchter Ideologien der künstlichen Verknappung des Wohlstandes, sondern schlicht und ergreifend der Tatsache wegen, dass für so viele Kraftfahrzeuge gar kein Platz auf den Straßen bleibt.

Solange man sich allerdings über Grüne Wellen für Radfahrer aufregen kann, scheint es ja so schlimm noch nicht zu sein.

Ach, übrigens — die Zeitung mit den vier großen Buchstaben, die normalerweise ins gleiche Horn stößt, findet die Grüne Welle offenbar gar nicht so verkehrt: Jetzt kommt die Grüne Welle für Radfahrer

Alles im grünen Bereich für Berlins Radfahrer!

7 Gedanken zu „Grüne Welle: Gunnar zürnt auf seinem Zossen“

    1. So viel Text = vertane Lebenszeit.
      Was jener Hansel da für eine geballte Ladung Bullendung abgelassen hat, braucht man nicht zu kommentieren und schon gar nicht so derart ausführlich. Menschen die noch klar geradeaus denken können, werden den Unfug sehr direkt erkennen und die übrigen werden es eh nicht/nie mehr verstehen.

  1. Der Rechtschreibfehler hier und dort muss seine Berechtigung haben. Viel Spannender ist die interessant ausgelegte Mathematik und Physik von Herrn Schupelius.

    Der Autofahrer muss also 36km/h fahren um die selbe grüne Welle zu haben wie der Radler mit 18 km/h? In welcher Stadt stimmt denn dieser Käse? Die Länge der Rot- und Grünphasen ist ja typischerweise nicht gleich sondern bevorzugt die mehr befahrene Straße (hoffe ich doch sehr – alles andere wäre ja völliger Unsinn). Und erstaunlicherweise ist die Ampel auch noch einige Sekunden nach dem Beginn der Grünphase grün.

    Von daher sind zu einer Oberschwingung der ersten „Grünen Welle“ Geschwindigkeit, Abstand der Ampeln, Länge der Grünphasen und Rotphasen nötig – oder sehe ich da etwas grundlegend falsch? Das kann man vermutlich schon optimieren. Nur wenn ich das vor Fahrtantritt mache verpasse ich sicherlich meinen Termin.

    1. Lange nicht mehr so gelacht über so viel Dummheit – und das macht mich auch ein wenig nachdenklich und gleichzeit auch traurig, wenn man die Sichtweise dieses dummen Menschen dieses BZ-Artikels mit dem Artikel der WamS (Radwechsel) vergleicht. Armes Deutschland

      1. Hab gerade den Artikel in der WamS gelesen und fand ihn ziemlich gut gelungen. Das Artikel wie dieser und die einigermaßen ausgewogene Debatte Pro- und Contra Helmpflicht bei SpOn veröffentlicht werden, gibt mir das Gefühl, dass sich gerade einiges bewegt. Radfahren als Alltagsfortbewegung wandert immer weiter in den Mainstream.

  2. Den hier hat die Rechttschreibkorrektur bestimmt nicht angezeigt:

    „Und nun beklagt Schupelius ernsthaft die fehlende Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Automobil….“

    Da soll doch bestimmt „Rücksicht“ stehen. 😉

  3. [Einrichtung einer grünen Welle für Radfahrer] Das darf man nicht, die einen Verkehrsteilnehmer dürfen nicht auf Kosten der anderen bevorzugt werden.

    Ach was …

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