Große Koalition will Fahrradhelm-Tragequote erhöhen

Der erste Entwurf des Koalitionsvertrages von SPD, CDU und CSU behandelt rein vom Gefühl her tausende Themen und schneidet dementsprechend vieles nur oberflächlich an. In einem kurzen Abschnitt ab Randnummer 1.522 am Ende von Seite 37 kommt dabei auch der Radverkehr zu Wort:

Radverkehr

Wir wollen den Anteil des Fahrradverkehrs als umweltfreundliche Mobilitätsalternative weiter steigern. Ausgerichtet an den Zielen des Nationalen Radverkehrsplans 2020 werden wir den breiten gesellschaftlichen Dialog über neue Wege und Umsetzungsstrategien zur Radverkehrsförderung intensivieren. Das Radwegenetz an Bundesverkehrswegen werden wir weiter ausbauen und die gesetzliche Grundlage für den Radwegebau an Betriebswegen unserer Bundeswasserstraßen schaffen. Um die Verkehrssicherheit im Radverkehr zu stärken, wollen wir an Bundesfernstraßen durch eine optimierte Infrastrukturplanung der Bildung von Unfallschwerpunkten vorbeugen und bestehende beseitigen. Zukunftsweisende Projekte an der Schnittstelle ÖPNV/Carsharing/Fahrrad werden wir weiter fördern. Wir wollen darauf hinwirken, dass deutlich mehr Fahrradfahrer Helm tragen.

Der letzte Satz bietet natürlich wieder hinreichendes Spekulationspotenzial: Ist das nun die Ankündigung einer Helmpflicht? Man kann zwar weiterhin mit tendenziösen Unfallberichten und halbgaren Sicherheitskampagnen versuchen, die deutschen Fahrradfahrer an den Sturzhelm zu gewöhnen, eine deutliche Erhöhung wird man allerdings auf lange Sicht nur mit einem entsprechenden Absatz in der Straßenverkehrs-Ordnung bewirken können — § 21a StVO hat ja noch Platz für einen dritten Absatz.

Man darf ja überhaupt gespannt sein, was aus den warmen Worten dieser sechs Sätze während der nächsten Legislaturperiode wohl wird. Falls das Verkehrsministerium weiter von der CSU besetzt wird, fällt die Antwort nicht besonders schwer: Allenfalls eine Fahrradhelm-Pflicht, ansonsten nichts, denn die Sache mit dem Fahrradhelm ist schließlich der einzig ungeschwurbelte Satz in diesem Abschnitt. Es gibt jedenfalls keine stichhaltigen Argumente, warum sich ein CSU-geführtes Verkehrsministerium plötzlich stärker den Interessen des Radverkehrs widmen sollte.

15 Gedanken zu „Große Koalition will Fahrradhelm-Tragequote erhöhen“

  1. Auch spannend ist dies hier: „an Bundesfernstraßen durch eine optimierte Infrastrukturplanung der Bildung von Unfallschwerpunkten vorbeugen und bestehende beseitigen“.
    Daraus lassen sich viele Fragen ableiten, z.B. weshalb nur an Bundesstraßen und v.a. darf man sich fragen an welche (Art?) von Unfallschwerpunkten man dabei so denkt, am Ende gar Radwege?? Man weiß es nicht!

    1. Die Begrenzung auf Bundesfernstraßen liegt wohl einfach daran, dass für andere Straßen die Länder/Kommunen zuständig sind und der Bund da wenig direkten Einfluss hat.

  2. Im Vergleich zum letzten Koaliltionsvertrag ist das ein Quantensprung. Da gab es einen einsamen schwammigen Satz zum Radverkehr. Von daher binich gzuter Hoffnung, dass es zumindest nicht schlechter wird 🙂 Der Helm-Satz scheint irgendwie drangepropft zu sein. Ich glaube nicht, dass da was kommt. Erst wird abgewartet, was Helm-Willi Hermanns Studie zu Fahrradhelmen bringt.

  3. Mir ist gestern mal aufgefallen wie gefährlich man eigentlich als Fußgänger lebt: Bei 30000 Unfällen mit Personenschaden in 2012 gab es 520 tote Fußgänger, während von 75000 verunfallten Radfahrern „nur“ 400 starben. Sollten nicht eigentlich Fußgänger `nen Helm tragen?

    1. Ich gehe davon aus, dass du deine Aussage vermutlich ironisch meintest aber auch hier bringt’s vermutlich eher was, wenn die Unfallverursacher (i.d.R. Kraftfahrzeuge) im wahrsten Sinne ausgebremst würden, sprich Tempolimit senken und konsequenter kontrollieren.

    1. Daniel, wenn du die Möglichkeit hast, schau doch mal welcher Art (Untergrund) die die Bundeswasserstraßen begleitenden Betriebswege in den allerallermeisten Fällen so sind. Und dann überlege mal welches Potential diese Verbindungen haben, oder haben könnten, wenn man dort gescheit ausbauen würde.
      Natürlich ergeben sich da direkt verschiedene Fragen und Probleme, denn in erster Linie sind jene Wege eben für die Aufrechterhaltung des Betriebs der Wasserstraßen gedacht. Was auch immer man sich darunter dann auch vorstellen mag…

      An der Donau in Österreich fand ich dies Frühjahr da prima angelegte Fahrwege, auf denen sich hervorragend Rollen ließ und dann kam die Stelle wo ein großer Kipplaster stand und mit frischen Holzhäckseln aus dem Monsterhäcksler, der an dem riesigen Monsterschlepper hing, beladen wurde. Solcherlei Gerät fühlt sich auf ordentlich befestigten Wegen natürlich noch wohler, aber v.a. ist ein gut befestigter Weg IDEAL wenn den Radtourismus effektiv fördern will!

      In Schland herrschen nunmal leider Splitwege vor, die zudem häufig von recht eigenwillig welliger, mitunter auch buckliger oder eben löchriger Natur sind. Um die Tragweite zu begreifen, schlage ich die Befahrung des südlich des Rhein-Herne-Kanals verlaufenden Weges entlang des Nordsternparks (Gelsenkirchen) vor, oder die paar Kilometer zwischen Centro (Oberhausen) und Essen-Borbeck. Da vergeht einem so einiges.

    1. Wobei sich bei Radwegen entlang von Bundeswasserstraßen in Städten die Frage stellt, wer dafür eigentlich zuständig ist. Für Bundesstraßen (und damit für die zugehörigen Radwege) ist in Städten über 80.000 Einwohnern immer die Kommune verantwortlich.

      1. In Mittelfranken gibt es eine wunderbare Radstrecke am Main-Donau-Kanal. Leider ist auch hier der Belag von der Sorte „Wassergebundene Oberfläche“, was in der Regel bedeutet, dass man da nur mit einem grobstolligen oder breiten Reifen gut fahren kann. Bei Schneefall oder länger andauernden Regen ist Schluß mit lustig, da geht praktisch nicht mehr. Deswegen wird schon seit Jahren vom ADFC eine Asphaltierung gewünscht, aber das ist aufgrund der komplexen Zuständigkeiten und Gesetzen nicht absehbar.
        Dabei wäre es für die Region ein großer Gewinn. Die Radwege am Kanal sind ziemlich gerade, flach und vor allem ohne Kreuzungen und Ampeln. Der Radfahrer könnte hier sehr schnell und bequem größere Stecken zurücklegen.
        Von Seiten des Landes Bayern gibt es Fördermittel um Radwege entlang von Wasserwegen zu asphaltieren bzw. renovieren. Die Bedingung allerdings: Danach ist die jeweilige Kommune für den weiteren Unterhalt zuständig. Dafür hat z.B. die Stadt Nürnberg kein Geld, also passiert nichts!

  4. Bei deutlich mehr Radfahrern muss die Helmtragequote sich für das Ziel der Koalition nicht ändern. Deshalb lese ich den letzten Satz als: Wir wollen mehr Radfahrer.
    Eine weitere Möglichkeit wären Diensträder statt Dienstwagen für helmtragende Politiker.

    1. Herr Winter spricht von 1/3 Helmtragenden Fahrradfahrern, die offiziellen Zahlen von 10 bis 11% und meine eigene Zählung ergibt 2 bis 5% im Straßenverkehr und rund 25% im Wald rund um die MHH. Gerade unter Mediziner scheint der Helm doch etwas beliebter zu sein.
      Ich vermute, die Diskrepanz zwischen den offiziellen Zahlen und Herrn Winters ligt darin , das er vor allem die Zahl der Radfahrer zählt, und gerade Wenigfahrer oft Helm tragen, so das sie bei Verkehrszählungen nicht so ins Gewicht fallen.

      1. Michael Winter geht sicher von den Verkaufszahlen der Fahrradbranche aus. Wahrscheinlich besitzt bereits jeder dritte Radfahrer einen Helm, weil aber unpraktisch, unbequem und clownesk aussehend, setzt ihn nur jeder zehnte auf. Diese Helme liegen dann ein paar Jahre in Garage oder Keller und enden schließlich beim Plastik-Sondermüll.

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