Gegen Kopfhörer muss etwas getan werden

Mit Kopfhörern beim Radfahren ist das so eine Sache: das kapiert nämlich kein Mensch. Leider trifft diese Behauptung auch auf die Staatsmacht zu, denn auch Polizeibeamte tun sich außerordentlich schwer mit musikhörenden Radfahrern. Es gibt in der Straßenverkehrs-Ordnung den Absatz 23, der mit „Sonstige Pflichten des Fahrzeugführers“ überschrieben ist. Dort steht im ersten Absatz:

Der Fahrzeugführer ist dafür verantwortlich, daß seine Sicht und das Gehör nicht durch die Besetzung, Tiere, die Ladung, Geräte oder den Zustand des Fahrzeugs beeinträchtigt werden. (…)

Daraus wurde bislang abgeleitet, dass Fahren unter Musikeinfluss in Ordnung ist, sofern denn das mittelbare Verkehrsgeschehen aufgrund der moderaten Lautstärke zu hören ist. Trotzdem holt die Polizei mitunter Radfahrer vom Sattel, die äußerst leise Musik hörten und trotz Kopfhörern problemlos mit den Beamten sprechen konnten.

Nun gibt es eine neue Studie und die sagt sinngemäß, dass sich die Reaktionszeit im Straßenverkehr schon bei geringer Lautstärke um ein Fünftel erhöht. Das klingt nach wenig, ist aber ganz ordentlich. Der Witz ist nur: es mangelt an Hinweisen, dass dazu einen Zusammenhang in der Unfallstatistik gibt. Soll heißen: die Reaktionszeit mag sich zwar verlängern, Auswirkungen zeigt das allerdings nicht. Trotzdem muss man dagegen natürlich etwas tun, also wird überlegt, nicht nur Radfahrern, sondern auch Fußgängern die Stöpsel aus den Ohren zu ziehen.

Sicherlich wird es Unfälle geben, die ohne Isolation von der Umwelt nicht passiert wären. Doch wieder einmal bleibt die Frage, warum nun Fußgängern und Radfahrern verboten werden soll, was im Auto mit dem Radio schon seit Jahrzehnten Serienausstattung ist. Schließlich wurde auch das Verbot mit einem Mobiltelefon während der Fahrt zu telefonieren nicht nur damit begründet, der Autofahrer könne nicht gleichzeitig das Mobilgerät halten und schalten und blinken und am Lenkrad kurbeln, sondern weil ein Telefonat nunmal einiges an Aufmerksamkeit bindet. Dass der Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung im Auto sitzt lässt sich nicht nur an dem konstanten Rauschen im Hintergrund feststellen, sondern auch an regelmäßigen Sprechpausen: wenn der Vordermann unerwartet in die Eisen geht oder eine komplizierte Verkehrssituation überblickt werden muss, verlagert das Hirn seine Aktivitäten kurzzeitig in andere Bereiche und der Mund hält kurzzeitig die Klappe. Und nicht nur das: auch ein redseliger Beifahrer kann einen ähnlichen Effekt wie ein telefonierender Fahrzeugführer erzeugen.

Bei Kraftfahrzeugführern ist das aber egal. Weder wird das Telefonieren mit Freisprecheinrichtung verboten noch der Beifahrer geknebelt, aber Radfahrer und Fußgänger sollen fortan nicht mehr mit moderater Musik unterwegs sein dürfen? Irgendetwas passt da nicht.

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