Frankreich will drittes Fahrradland werden

Während sich die deutsche Politik noch immer nicht so richtig mit dem Fahrrad anfreunden kann, ist Frankreich schon einen ambitionierten Schritt voraus: Erster “Plan National Velo” veröffentlicht

Die Zusammenfassung klingt ausgesprochen vielversprechend:

  • Anstieg des Radverkehrsanteils auf 10 Prozent bis 2020
  • Reiseziel Nr. 1 für Fahrradtouristen
  • Fahrradgaragenpflicht bei allen Neubauvorhaben
  • 50 Prozent mehr staatliche Gelder für den Bau von Radfernwegen abseits von Straßen (sog. Grüne Wege)
  • Einführung von Grünpfeilen (Rechtsabbiegen oder Geradeausfahrt exklusiv für Radfahrer) als Schild oder als Ampelsignal.
  • Förderung des Alltagsradverkehrs z. B. durch steuerliche Anreize
  • Imageförderung des Radverkehrs durch eine nationale Kommunikationsstrategie
  • Förderung des Umweltverbundes (Rad/ÖV) durch kombinierte Tickets (ÖV/Verleihsysteme)
  • Reduktion des Fahrraddiebstahls durch “bicycode” (Kodierung durch Gravur)

4 Gedanken zu „Frankreich will drittes Fahrradland werden“

  1. na dann muss ich meinen nächsten urlaub wohl woanders verbringen……………… schade um bagette und Rotwein….. aber fahrradland… nein danke….. am besten noch mit tempo 30 in paris…..

  2. Das sind aber hoch gesteckte Ziele.
    Franzosen (Pariser kenne ich nicht, aber die vom Land) sehen meiner Erfahrung nach das Rad als reines Sportgerät an. Die zum Einkaufen oder den Weg zur Arbeit auf’s Rad zu bekommen, dürfte spannend werden. In normalen Großstädten wie Valenciennes oder St.Malo sind Fahrradfahrer im Straßenverkehr deutlich weniger verteten als bei uns.
    Als Tourist mit Gepäck erntet man selbst in französichen Touristenbüros nur blankes Erstaunen.
    Wäre es möglich, in französischen Fernzügen sein Rad zu transportieren, wäre Frankreich trotz allem schon jetzt das ideale Radtouristenland.
    Allein schon deshalb, weil Franzosen die besseren Autofahrer sind (Pariser kenne ich nicht, aber die vom Land) und ihr Fahrzeug nicht als Waffe ansehen. Die fahren sogar mal Tempo 30, wenn es notwendig ist.

    1. In Paris hat sich zugunsten des Fahrrades in den letzten fünf Jahren einiges getan. Als Vélib-Abonnent bin ich dort regelmäßig unterwegs.
      Das Fahrrad ist dort politisch gewünscht. Der amtierende Bürgermeister Delanoë möchte den Autoverkehr zugunsten von Fahrrad, Bus und Straßenbahn aus der Stadt drängen und macht Nägel mit Köpfen. Fahrbahnen wurden in (vom Radverkehr mitbenutzbare) Busspuren und Parkplätze in Fahrradabstellplätze und Vélib-Stationen umgewandelt.
      Das Vélib-System, größtes Leihfahrradsystem der Welt, ist die Keimzelle des Fahrradbooms. Praktisch an jeder Straßenecke der Stadt findet man eine Station. Die Räder sind zwar Gurken (schwer, ungefedert, oft miese Bremsen und ausgelutschte Dreigang-Nabenschaltung), aber eben leicht verfügbar, günstig (1,70€/24h, 29€ Jahresabo) und das schnellste innerstädtische Verkehrsmittel. Vélib ist inzwischen Opfer des eigenen Erfolgs: Oft findet man leere Stationen, da morgens alle Radfahrer in die Innenstadt drängen und abends wieder in die Außenbezirke. Auch scheint man bei den Reperaturen nicht nachzukommen.
      Bei der Radinfrastruktur ist die Bilanz durchwachsen. Am besten kommt man auf den für Radfahrern freigegebenen Busspuren voran, vorausgesetzt, man nimmt sich vor den dort ebenfalls zugelassenen und wenig rücksichtsvollen Taxis in Acht. Es gibt auch einige gute bauliche Radwege, etwa am Canal d’Ourq oder in der Rue de la Fayette. Leider geht der Trend in letzter Zeit zu schmalen Bordsteinradwegen, ganz übel ist es zB. auf dem Bd. Magenta oder auf den durch den Straßenbahnbau umgestalteten Bd. des Maréchaux, wo Radfahrer bei Radwegbenutzung alle paar 100m die Fahrbahnseite wechseln müssen. Zum Glück sind solche Wege idR. nicht benutzungspflichtig (rechteckiges Blauschild) , sodass auf die Fahrbahn ausgewichen werden kann. Das ist in Paris aufgrund des chronischen Dauerstaus allerdings nur nachts oder am Sonntagvormittag empfehlenswert.
      Positiv ist die Freigabe fast aller Einbahnstraßen gegen die Fahrtrichtung für Radfahrer (selbst bei engsten Innenstadtgassen – hier arrangiert man sich eben mit entgegenkommenden Autos) und der Feldversuch “tourne á droite / tout droit vélo”, ein Zusatzschild, das Radfahrern die Vorbeifahrt an roten Ampeln unter Beachtung der Vorfahrtregelung erlaubt und damit das bei Pariser Radlern beliebte “brûler les feux” faktisch legalisiert.

  3. Kopenhagen kann es, Paris kann es…, nur in Deutschland tun sich die Städte uuuuneeendlich schwer damit, endlich dem umweltfreundlichem Fahrradverkehr den Stellenwert zukommen zu lassen, der ihm gebührt. Lieber ersticken sie kollektiv im subventionierten Autoverkehr.

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