Fahrradzukunft 14: Kultur der Angst

Die neuste Ausgabe der Fahrradzukunft widmet sich dem Thema Fahrradhelm und Bernd Sluka findet bereits in der Einleitung deutliche Worte:

Wir sind satt. Wir sind sicher. Wir leben so lang wie noch nie. Hat eine Gesellschaft dieses Stadium erreicht, beginnt sie damit, Ängste zu entwickeln. Ob SARS, die Schweinegrippe oder ein paar Keime auf Sprossen: winzige Risiken, die kaum jemanden treffen, werden hochgespielt. Wirkliche Gefahren wie Bewegungsarmut, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen – die häufigste Todesursache – stark begünstigt, verdrängen dagegen die meisten. Und dass die Autofahrt zum Flughafen öfter zum Tod führt als sämtliche Terroranschläge auf Flugzeuge zusammen, interessiert niemanden.

Auch der Fahrradhelm ist Ausdruck der Kultur der Angst. Wie sonst kann man auf die Idee kommen, dass gerade zu einer Tätigkeit, die regelmäßig ausgeübt zwanzig mal soviel Lebenszeit schenkt wie die gesamte Unfallgefahr ausmacht, ein besonderer Schutz nötig ist? Warum gerade beim Radfahren und nicht beim Zufußgehen, wobei jedes Jahr weit mehr Menschen bei Unfällen sterben? Und wieso soll dann gerade ein bisschen Schaumstoff helfen, dessen Wirksamkeit so zweifelhaft ist, dass es als Medikament nie zugelassen worden wäre? Aber Helme schüren Angst. Wo für Fahrradhelme geworben wurde, ist die Zahl der Radfahrer merklich zurückgegangen. Das ist nicht nur schade, sondern auch schädlich für das Klima und die Gesundheit der Menschen.

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