Fahrradsaison, beginnende

Die Geislinger Zeitung schreibt: Experten empfehlen Kopfschutz beim Radeln

Es handelt sich dabei offensichtlich um einen dieser Artikel, die angesichts der überraschend beginnenden Fahrradsaison veröffentlicht wurden:

Das schöne Wetter lockt schon wieder viele Radler an die frische Luft. Die alte Frage bleibt: mit Helm oder ohne? Wir haben uns bei Experten umgehört: Sie befürworten das Tragen eines Helms.

Dieser Artikel soll an dieser Stelle stellvertretend für alle anderen Fahrradhelm-Artikel dienen, die in diesen Tagen durchs Netz rauschen und das Tragen des Fahrradhelmes propagieren, ohne, ja, ohne was denn eigentlich?

Es fehlt so eine Art Gegenmeinung. Klar, da gibt es den ADFC, der mal mehr und mal weniger stark das Tragen eines Fahrradhelmes empfiehlt, gleichzeitig auch darauf hinweist, dass bei einer Helmpflicht vermutlich viele Radfahrer hinter das Steuerrad abwanderten, aber das war es auch schon aus dieser Richtung. Andersherum können Mediziner ausführlich darlegen, welche furchtbaren und entsetzlichen Verletzungen — und das soll jetzt gar nicht so ironisch verstanden werden, wie es beim ersten Lesen klingt — unbehelmte Radfahrer bei einem Unfall erleiden mussten. Gemeinhin wird allerdings auch von der Fachwelt angenommen, dass Mediziner bei ihrer Diagnose der Erfolgschance eines Fahrradhelms meistens den Unfallhergang ausblenden und so unabsichtlich wichtige Informationen in ihrer Einschätzung unterschlagen: Bei bestimmten Unfallkonstellationen, etwa mit Beteiligung eines Lastkraftwagens, kann der Helm physikalisch bedingt nur noch recht wenig ausrichten.

Diese Details unterbleiben leider genauso wie Maßnahmen, die Sicherheit auf dem Rad tatsächlich zu erhöhen, beispielsweise mit entsprechenden baulichen Veränderungen der häufig vollkommen verlotterten Radverkehrsinfrastruktur.

Es wäre sicher falsch, das jetzt alles unter „halb so wild“ abzulegen, aber so gefährlich, wie diese Artikel es immer wieder suggerieren wollen, ist das Radfahren eigentlich nicht. Auch im Auto oder als Fußgänger ist man im Straßenverkehr einer mehr oder weniger großen Gefahr ausgesetzt — das wird allerdings nicht wöchentlich so prominent in der Presse erwähnt, so dass vermutlich niemand auf die Idee kommt, das Unfallrisiko könne beim Autofahren noch höher sein als auf dem Rad.

6 Gedanken zu „Fahrradsaison, beginnende“

  1. Nicht nur wegen der beginnenden Fahrradsaison gibt es verstärkt Helmpropaganda. Auch die regelmäßig Ende Februar/Anfang März veröffentlichten Verkehrsunfallberichte für das vergangene Jahr werden gerne dazu genutzt.
    Beipielsweise : die Polizei ist sich sicher daß zwei der tödlich Verunglückten noch leben könnten, hätten sie einen Helm getragen. Das den anderen drei tödlich Verunglückten der getragene Helm nichts genutzt hat, wird nicht laut gesagt. Und das der Anteil der Helmträger unter den Toten relativ zur Helmtragequote viel zu groß ist, auch nicht.

  2. @Faxe: Das kann ja überhaupt nicht sein.
    Ein Radfahrer der ein Helm trägt, verunfallt und dennoch ums Leben kommt. Und dann noch ohne Zusammenspiel mit einem PKW,LKW, Eisenbahn, Flugzeug, U-Boot oder UFO!!
    Wer soll dir denn das glauben? Sollte wohl eine 1.April-Meldung werden 🙂

  3. Ja da erzählt jeder immer irgend etwas anderes. Die einen meinen es muss unbedingt ein Fahrradhelm getragen werden und die anderen wieder nicht. Ich persönlich finde das dies eine Angelegenheit ist, die jeder selbst entscheiden muss. Ich persönlich habe bei kurzen Strecken keinen Helm auf. Bei langen Strecken dagegen schon. Am wichtigsten ist für mich wirklich der Ausbau der Fahrradwege. In vielen deutschen Großstädten besteht hier noch extremer Handlungsbedarf. Viele Grüße, Jenny.

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