„Fahrradhelme schützen!!!“

Es wurde in diesem Blog schon viel über Fahrradhelme geschrieben und teilweise recht akribisch jeder Unfallbericht protokolliert, in dem ein verunfallter Radfahrer einen Helm trug oder vielleicht auch nicht, aber hätte er keinen Helm getragen, wäre er ohne Helm jetzt tot — oder so ähnlich.

In Geseke übersah eine Kraftfahrerin einen Radfahrer beim Einfahren in einen Kreisverkehr. Der behelmte Radfahrer stürzte und wäre ohne Helm jetzt tot laut des Berichtes nicht mit leichten Verletzungen davongekommen. Am wichtigsten scheint dabei zu sein, und man spart noch nicht einmal mit Ausrufezeichen, dass Fahrradhelme schützen!!!

Man hätte ja auch andere Dinge des Unfallherganges herausarbeiten können. Zum Beispiel dieses seltsame „Übersehen“, das vor Unfällen besonders häufig von den Kraftfahrern praktiziert wird. Ohne Licht kann der Radfahrer in den Morgenstunden ja nicht gefahren sein, sonst würde das ja ebenso prominent wie der Fahrradhelm in der Meldung erwähnt. Insofern wäre ja gerade angesichts der jüngsten Verwirrungen am Kreisverkehr durchaus der Hinweis angebracht, insbesondere dort mit kreuzenden Radfahrern zu rechnen, die da nämlich meistens noch mit Vorfahrt daherkommen. Das brächte nämlich tatsächlich mal ein echtes Plus an Sicherheit.

Die Sache mit dem Fahrradhelmen scheint der Polizei in Soest aber tatsächlich besonders am Herzen zu liegen. Hier übersieht eine Kraftfahrerin beim Abbiegen eine Geisterradlerin, die Auf der falschen Seite unterwegs war und es heißt wieder:

Polizeilicher Nachtrag: Sie trug keinen Fahrradhelm!

Immerhin wird erwähnt, dass die Geisterradelei keine besonders gute Idee war. Gerade eben veröffentlicht: Werl – Fahrradhelme schützen

Es ist ja wirklich irre, wie sehr sich die Polizei in Soest auf die Fahrradhelme versteift. Über den eigentlichen Unfallhergang wird kaum noch berichtet, weil der komplette Platz für, man mag es kaum noch anders nennen, Lobpreisungen des Fahrradhelmes in Anspruch genommen wird. Ein helmbewehrter Radfahrer wird auf die Motorhaube geschleudert, sein Helm trifft die Windschutzscheibe, der Kopf bleibt unverletzt, der restliche Körper wird — inklusive Kopf — schwerverletzt ins Krankenhaus gefahren. Man könnte diese Meldung anreichern um Details zum Unfallhergang und wie man als Verkehrsteilnehmer solche Situationen vermeiden kann, aber stattdessen geht es zu einem wesentlichen Teil nur um den Helm, der in diesem Unfall immerhin vermutlich wenigstens schützend eingegriffen hat. Aber ansonsten geht in Soest offenbar wirklich nichts über Fahrradhelme: Lippstadt – Radfahrer schwer verletzt

Als Lektüre sei der Polizei in Soest empfohlen: Wissenswertes zum Thema Schädelhirntrauma

Dort heißt es im allerletzten Absatz:

Helme schützen daher meist nicht bei mittleren oder schweren Unfällen, können leichtere Kollisionen jedoch begrenzt abdämpfen.

3 Gedanken zu „„Fahrradhelme schützen!!!““

  1. Da wär die Überschrift „Hingucken hilft!!!“ ja vielleicht passender gewesen über der Pressemeldung. Aber dann gäb’s sicher Beschwerden, wie die Polizei denn die arme Autofahrerin so angehen könne, die in aller Unschuld bloß einen 13jährigen Radfahrer übersehen und umgenietet hat, der auch noch (ohne Helm!) seine Vorfahrt erzwingen wollte …

  2. Dabei frage ich mich immer wie Autofahrer Geisterradler übersehen können. Immerhin fahren diese ja auf sie zu und kommen nicht aus dem toten Winkel….

  3. Gibt es Ketzer in der „church of fear?
    Die Aussage:
    „Langzeitstudien von Verkehrsunfällen in Kanada, Neuseeland und den USA zeigen keinen direkten Zusammenhang zwischen weniger ernsten Kopfverletzungen und der Benutzung eines Helms. Trotz der steigenden Verwendung von Helmen sei in keinem Land die Zahl an schweren oder tödlichen Kopfverletzungen zurückgegangen.“

    sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen (ein offenbar aus der Mode gekommenes Zitat) ist beim Thema H*lm ja bekanntlich nicht opportun. Da wird die GFMK Verlagsgesellschaft wohl böse Briefe bekommen…

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