Fahrradhelme: Es wird immer schlimmer

Montagmorgen, 8.30 Uhr, eine Bushaltestelle im Bereich des Hamburger Verkehrsverbundes. Auf den Bus warten einige vom Montagmorgen erschlagene Arbeitnehmer auf dem Weg ins Bureau, drumherum wuseln einige für diese Uhrzeit unerhört aufgeweckte Kinder der benachbarten Grundschule.

Und alle 25 Kinder tragen einen Fahrradhelm. Natürlich ist „tragen“ nur so dahergesagt, denn bei dieser Altersgruppe legen die Eltern leider nur Wert darauf, dass der Helm irgendwie gerade so auf dem Kopf hockt, aber leider nicht auf eine wirklich sichere Befestigung, die bei einem Unfall nicht schon vor dem Unfall von der Murmel rutscht.

Das machte neugierig und nach Auskunft der erwachsenen Begleitungen ging es nicht etwa zum Radfahren oder zum Inlinerfahren oder etwas in der Gegend, sondern: In ein Kindermuseum.

Aber damit sich die Kinder nicht verletzen, haben sich die Eltern dafür ausgesprochen, dass alle am Ausflug teilnehmenden Kinder einen Helm tragen müssen. Hände, Ellenbogen, Knie und Gesichter blieben allerdings weiterhin ungeschützt, deren Verletzung in dieser überaus aktiven Altersgruppe deutlich wahrscheinlicher sein dürfte. Ernsthafte Kopfverletzungen beim Toben dürften sich ja normalerweise in Grenzen halten.

Man kann sich nur noch wundern.

11 Gedanken zu „Fahrradhelme: Es wird immer schlimmer“

  1. Wenn’s nicht so traurig wäre und ich nicht gerade meinen Indoor-Helme trüge und deshalb Angst hätte, mich an der Hand zu verletzten, schlüge ich mir vor den Kopf… oder so…

  2. Bitte Malte, sage mir, dass dies keine wahre Begebenheit ist.
    Das einzelnen Eltern kann ich mir sowas ja noch vorstellen. Aber dass die Eltern einer ganzen Klasse kollektiv das Hirn abgeschaltet haben….

  3. Ich frage mich, wie vor 30 Jahren meine Klassenkameraden und ich, die alle jeden Tag ohne Helm mit dem Fahrrad zur Schule gefahren sind, ohne lebensbedrohliche Kopfverletzungen bis heute überleben konnten. Heute brauchen Kinder vermutlich auch einen doppelten Klettergurt und eine zweistündige Sicherheitseinweisung vom Forstamt, bevor sie auf einen Baum klettern dürfen.
    Traurig.

  4. Normalerweise hätte ich über diese Geschichte nur den Kopf geschüttelt und wäre zum nächsten Blog gestiefelt (typisch Helikoptereltern).
    Doch wie die Faust auf Auge passt dazu dieser TED – Vortrag (http://www.youtube.com/watch?v=07o-TASvIxY ).
    In diesem wird der Sinn von Kopfbedeckungen für verschiedene Verkehrsteilnehmer betrachtet. Die Überraschung: Einer australischen Studie zur Folge (2001) wäre ein Kopfschutz für KFZ-Fahrer am sinnvollsten. Hierdurch könnten Folgekosten (Verletzungen, Reha, etc.) in Höhe von ca. 400 Millionen australischen Dollar vermieden werden. Dies wird aber nicht durchgesetzt, da dies den Leuten klar machen würde wie gefährlich das Fahren eines Autos ist. Im Vortrag wird auch erwähnt, dass die Automobilindustrie einer der Hauptbefürworter von Fahrradhelmen ist.

    Aber zurück zum Thema. Bei 4:40 des Vortrages wird der „Thudguard“ vorgestellt (http://www.thudguard.com/product-info). Ein Sturzhelm für Kinder, die das Laufen lernen. Kostet 32 EUR.
    Was hat die Menschheit die letzten Millionen Jahre bloß ohne dieses Produkt gemacht?

  5. Endlich mal was Sinnvolles – schließlich ist die Wahrscheinlichkeit als Fußgänger eine Verletzung am Kopf zu erleiden wesentlich höher als die eines Fahrradfahrers.
    Wenn diese Eltern das jetzt nuch mit derselben Konsequenz als Autofahrer umsetzten dann, ja dann könnte man abschließend auch mal daran denken auch die letzte Randgruppe, die Radfahrer, damit zu beglücken. Nur so wird schließlich der sprichwörtliche Schuh draus: zuerst die häufigste Ursache entschärfen (Autofahren, zu Fuß gehen) und wenn die beseitigt sind dann kann man auch mal an die seltenen Unfallursachen (Radfahren) drangehen.
    Nur Radfahrer mit Helmen zu beglücken dagegen ist so sinnvoll wie Ladendiebstahl an Sonn- und Feiertagen zu verbieten.

  6. Ich hab da noch ne Interpretationsmöglichkeit anzubieten.

    Bus – Schulklasse – Ausflug : ganz offenbar mit einem Linienbus? Die sind in Hamburg und auch sonst sehr häufig, ja nicht unbedingt für sonderlich defensive Fahrweise berühmt. In denen gibt es zudem keine Sicherheitsgurte und das Sichern der Blagen in den Sitzen mittels Ratschengurten, könnte zu aggressiven Neidreaktionen der anderen Fahrgäste führen.
    Um nun zumindest Kopfverletzungen bei den Leichtgewichten bei den beliebten Vollbremsungen zu mindern, halt den praktischen Fahr-mit-dem-Bus Helm. 😀

  7. Moaaahhhh, och neee ey!
    Zeitung der Fahrradfreundlichen (Groß)Stadt Hamm, Artikel über neue Spielgeräte in einer zentralen Grünfläche, ein Bild mit einem auf einem Drehteller begeistert laufendem Kleinkind (KiGa Alter), im Hintergrund weitere Klettergeräte darunter auch solche mit Leinen – das Kind trägt: einen Fahrradhelm.

    Man möchte kotzen, aufspringen zur Redaktion fahren und dem verantwortlichen Volldeppen mal Bescheid stoßen. Aber so sind se hier, lassen keine Möglichkeit aus um auf die totale Wichtigkeit von Fahrradhelmen hin zu weisen. Ohne Rücksicht auf Verluste oder dem Menschen sonst mögliche Verstandesleistungen.

    Das gerade Fahrradhelme nun GAR NICHTS in Spielanlagen zu suchen haben, ist inzwischen so oft durch die Medien hindruch berichtet worden, dass man annehmen sollte, dass selbst die Hiwis des Stammblatts aus Dirk Ippens Medienimperium (seine Eltern haben den WA einst gegründet) das mitbekommen haben müssten. Aber in Hamm wurde ja die Parole ausgegeben, dem Fahrradhelm müsse unbedingt der Weg geebnet werden. Also Hirn ausschalten, sofern es denn überhaupt vorher an war und munter auch den gröbsten Mist absondern.
    Genauso im Sommer 3 Tage vor dem Großereignis „Sattel-Fest“, da hat auf einer nicht als Anzeige gekennzeichneten Extraseite ein als Experte getarnter Anwalt einen feuchten Erguss für die kommende Helmpflicht, aufbauend auf dem Schleswiger Urteil (nicht rechtsgültig – toller Anwalt…) abgesondert.

    Und derzeit sind die Bauarbeiten für die nagelneue Hochschule in den letzten Zügen und man erneuert noch schnell die maroden uralten Radwege an einer wichtigen zuführenden Straße. Die waren vorher kriminell und sind es jetzt auch: zu schmal (1m), unmittelbar in div. Dooring Zones und bgeleitet von dicht anstehenden Bäumen (Sichtschutz für plötzlich auf Radwege querlaufende Kinder und sonstige Latscher), die Straße gibt die ausserordentliche Gefährdung in keiner Weise her und natürlich mit fiesem Pflaster versehen.

    Fahrradfreundlichkeit geht anders, ganz anders. Aber was willste machen, die Stadtverwaltung hat den Ruf sich hinter besonders dicken Brettern verbarrikadiert zu haben.

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