Fahrrad-Sternfahrten: Erstmal Steuern zahlen und Radwege benutzen

Seit der seltsamen sternTV-Sendung scheint der Radverkehrspolitik-Posteingang so eine Art Kummerkasten verletzter Kraftfahrer-Seelen geworden zu sein. Regelmäßig werden Beobachtungen gemeldet über Radfahrer, die trotz eines „bestens ausgebauten und breiten Radweges“ einfach so „mitten auf der Straße fahren“ und damit ihre Anerkennung als menschliches Lebewesen schlichtweg verspielt hätten. Und Steuern zahlen die ja auch nicht! Und sie haben nicht mal ein Kennzeichen und fahren ohne Helm! Ist diese Phrase von den „bestens ausgebauten und breiten Radwegen“ eigentlich so ein Running-Gag oder hat die tatsächlich schon mal jemand gesehen?

Natürlich gab es auch bezüglich der Berliner Fahrradsternfahrt Kritik, obschon gar nicht mal so sicher ist, wie viele Teilnehmer sich bei dem Wetter auf das Rad gesetzt haben. Klaus Kurpjuweit und Christoph Stollowsky schreiben dazu im Tagesspiegel: Rund 100 000 Teilnehmer bei Fahrrad-Sternfahrt

Trotz strömenden Regens machten sich zehntausende Radler auf in Richtung Großer Stern. Manch einer sehnte sich schon unterwegs nach einer heißen Dusche. Stattdessen goss es vom Himmel, und die Pfützen spritzten hoch auf.

Dankenswerterweise hat sich berlinradler drüben in der Rad-Spannerei gerade an diesem Thema abgearbeitet: Schränkt die Fahrradsternfahrt die Freiheit ein?

Ein Gedanke zu „Fahrrad-Sternfahrten: Erstmal Steuern zahlen und Radwege benutzen“

  1. Breite Radwege
    Unter breiten Radwegen verstehe ich als absolutes Mindestmaß, dass zwei Radfahrer überholen/nebeneinander fahren können, ohne zu geringe Sicherheitsabstände zueinander oder zu Hindernissen/anderen Verkehrsräumen zu haben. Bei Gegenverkehr muss das ganze entsprechend breiter sein. So etwas gibt es in Berlin m.W. nicht als originären Radweg, ich wäre aber über Nennungen dankbar.

    Breit genug weil für motorisierte Nutzung (und sei es als Rettungsweg) eingerichtet und mit dem Rad befahrbar sind bspw. die Krone oder der Bremer Weg. Der Standard-Radweg bis in die Neunziger ist für einen alleinfahrenden Radfahrer schon zu schmal, da keine Sicherheitsabstände möglich, Überholen ist legal normalerweise nicht auf dem Radweg möglich. Ab den Neunzigern stieg die Breite etwas an, allerdings ist auch hier Überholen selten ohne Unterschreitung von Sicherheitsabständen möglich.

    Bestens ausgebaut
    Bestens ausgebaut ist mir auf die Schnelle kein Radweg bekannt. Bestens ausgebaut wäre ein Radweg, wenn er zwischen zwei sicher ausgebauten Anschlussstellen keine ungesicherten Gefahrenstellen aufwiese und komfortabel befahrbar wäre. Den Komfort der meisten Oberflächen von Radwegen will ich nur oberflächlich erwähnen, nur ein geringer Bruchteil ist wirklich glatt. Ein erheblicher Anteil hat derart schlimme Oberflächen, dass einige Studien neben Sicherheitsrisiken eine nahezu verdoppelte Kraftanstrengung und schlimmere Erschütterungsbelastungen als bei zugelassenen Baustellenrüttlern festgestellt haben. Auch sichere Anschlussstellen oder gesicherte Gefahrenstellen sind selten, jedenfalls bei komfortabler Ausstattung. „Sicherung“ von Gefahrenstellen bei Radwegen wird nahezu ausschließlich durch benachteiligende Ampelschaltungen (oft verschwenkt und auf mehrere Ampeln und Phasen ausgedehnt), Drängelgitter oder „Radfahrer absteigen“ versucht. Mangels Komfort und Akzeptanz sind diese Lösungen oft schon nicht sichererer, ganz sicher aber nicht „bestens ausgebaut“.

    Das die genannten Kriterien anders gesehen werden können, kann ich noch nachvollziehen, wie man sie aber aus einem fahrenden Auto einschätzen können wollte, erschließt sich mir nicht.

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