Fahrrad-Monitor 2013 vorgestellt

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club haben gestern die Ergebnisse des Fahrrad-Monitors 2013 veröffentlicht. Das wenig überraschende Ergebnis lautet: Verbesserung der Infrastruktur notwendig

Der Untertitel ist allerdings traditionell eher schwammig formuliert, da ist für jeden was dabei:

Neuer Fahrradmonitor: Fahrrad bleibt beliebtes Verkehrsmittel

„Beliebtes Verkehrsmittel“ ist toll. Vielleicht sind Fahrräder ja genauso beliebt wie Kraftfahrzeuge, S-Bahnen und die eigenen Füße. Irgendeine Art von Komparativ, um die Beliebtheit wenigstens etwas in der Reihenfolge der Verkehrsmittel zu verorten, wäre schon mal ganz toll.

Der ADFC bietet auf seiner Homepage die Ergebnisse und einen kurzen Überblick zum Herunterladen an und findet eine ähnlich aussagekräftige Überschrift: Fahrrad bleibt beliebtes Verkehrsmittel

Die wichtigsten Punkte: Die Intensität der Fahrrad-Nutzung ist leicht zurückgegangen, „über die Hälfte der Radfahrer“ fühlen sich im Straßenverkehr sicher und als Hinderungsgründe gelten weiterhin große Entfernungen, lange Fahrtzeiten und die ubiquitäre Gegenwart des motorisierten Individualverkehrs — Fahrradhelme finden in der kurzen Zusammenfassung gar keine Erwähnung.

DIE WELT sieht die Sache noch etwas negativer und schreibt: Deutsche radeln seltener, zahlen aber mehr dafür

Die Beliebtheit des Radfahrens sinkt in Deutschland – auch, weil es vielerorts nicht genügend Wege dafür gibt. Zugleich gaben die Bürger aber 2013 für neue Fahrräder mehr aus als in den Vorjahren.

In den Kommentaren gibt’s den üblichen Schlagabtausch zwischen Radfahrern und Nicht-Radfahrern.

3 Gedanken zu „Fahrrad-Monitor 2013 vorgestellt“

  1. „über die Hälfte der Radfahrer“ fühlen sich im Straßenverkehr sicher“ Aha. Und der Rest?

    Wie mag eine solche (Um)Frage wohl in den Niederlanden ausgehen?

  2. Aus dieser Befragung irgendetwas zur Nutzung des Fahrrad bzw. zur Bedeutung des Fahrrads als Verkehrsmittel ableiten zu wollen geht schief. Es ist nunmal ziemlich egal, wie viele Leute „mindestens gelegentlich“ oder „mindestens selten“ Fahrrad fahren. Entscheidend ist vielmehr der Anteil an allen Wegen, also der Modal Split. Dieser ergibt sich aber vor allem aus Leuten, die täglich oder zumindest (mehrfach) wöchentlich mit dem Fahrrad fahren, nicht aus einzelnen Fahrten alle paar Wochen. Wenn 100% aller Deutschen jeweils einmal pro Monat mit dem Fahrrad fahren, reicht das gerade einmal für einen Modal-Split-Anteil von ca. 1%, von diesem „Fahrradmonitor“ würde aber allein die Zahl 100% verkündet werden. Und was man auf diversen Städten bzgl. Zählungen des Radverkehrs hört spricht stark gegen eine sinkende Nutzungsintensität.

    Überhaupt ist die Methodik fragwürdig, die Werte – nicht nur den Radverkehr, sondern auch bspw. für den Fußverkehr – weichen für 2013 extrem von den für 2011 ab. Normal sind Änderungen beim Verkehrsverhalten maximal um einzelne Prozentpunkte zu erwarten, in diesem Fall ändern sich einige Werte um sechs Prozent und mehr in nur zwei Jahren – und zwar im Durchschnitt für ganz Deutschland.

    Interessant auch die Anmerkungen zur Methodik auf S. 84: So wurden bereits für den 2011er Monitor alle Personen über 69 Jahre ausgeschlossen, Personen unter 14 Jahren waren bereits zuvor nicht berücksichtigt worden und werden auch weiterhin ignoriert. Noch entscheidender: Der Zeitraum der Befragung wurde immer weiter nach hinten verlegt, von August (2009) über September (2011) bis zu November/Dezemer (2013). Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Spätestens an dem Punkt ist die ganze Befragung unbrauchbar, die Fahrradnutzung ist nunmal immer noch stark jahrszeitenabhängig, auch wenn die Einflüsse des Wetters immer mehr abnehmen und immer mehr Leute wetterunabhänging mit dem Rad fahren.

  3. Hab da jetzt auch mal durchgeblättert. Auf Seite 103: „Verbesserungen für Radverkehr – Erwartungen an die Politik“:
    „In welchen Bereichen könnte die Politik Ihrer Meinung nach mehr für den Radverkehr tun?“

    Die ersten drei Punkte lauten
    – mehr Radwege bauen
    – Radwege besser beleuchten
    – Belag der Radwege verbessern

    dann gehts weiter mit Fahrradabstellanlagen, Verkehrserziehung an Schulen, Imagekampagnen etc.

    Offenbar geht schon die Fragestellung deutlich an der Realität vorbei, denn es geht ja nur um Radwege (also: Separierung der Radfahrer), nicht um die sinnvolle Gestaltung des Verkehrsraums.
    Wie M_Net schon geschrieben hat, sind die historischen Werte nicht vergleichbar – 2009 waren noch 27% für die bessere Ausbildung von Radverkehrs-Fachleuten in dne Verwaltungen, 2013 nur noch 7% – was soll diese Abweichung bedeuten?

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