Dumm gelaufen: Melonentest geht schief

Das Maß der Dinge in Sachen Fahrradhelm ist der so genannte Melonentest: Einer Wassermelone wird ein Helm umgeschnallt, anschließend wird sie aus etwa zwei Metern Höhe auf den Boden fallen gelassen. Der Versuch wird anschließend noch einmal ohne Fahrradhelm wiederholt, wobei die Melone erfahrungsgemäß aufgrund der Belastung zerplatzt.

Demonstriert werden soll damit die Gefährlichkeit des Radfahrens die Schutzwirkung des Fahrradhelmes, allerdings ist der Versuchsaufbau, gelinde gesagt, nicht unbedingt brauchbar. Klar, in der Grundschule werden derartige Vorführungen zu großen Augen und womöglich auch zu der Feststellung führen, nie wieder mit dem Rad zu fahren. Mission erfüllt: Wer nicht mit dem Rad fährt, kann auch nicht als Radfahrer in einen Unfall verwickelt werden.

Okay, ein paar Schritte zurück, allzu viel Sarkasmus ist bei dem Thema nicht angesagt. Der Vergleich zwischen Kopf und Melone ist aber weiterhin schwierig: Erst einmal werden in der Praxis Unfälle selten so ablaufen wie bei einer fallengelassenen Wassermelone, so dass die handlichen Gleichungen „Mit Helm = lebendig, ohne Helm = tot“ vermutlich so valide gar nicht sind. Zweitens stört sich der Kopf im Gegensatz zu einer Wassermelone nicht an ein paar oberflächlichen Schrammen — die sind zwar unschön, sicherlich auch schmerzhaft, aber sowas verheilt. Im Gegensatz dazu dürfte sich das Gehirn innerhalb des Schädels mit der Heilung deutlich schwerer tun, also sollte vor allem das Hirn bei einem Unfall möglichst geringen Kräften ausgesetzt werden.

Das wird aber bei einem Melonentest überhaupt nicht illustriert: Das Fruchtfleisch innerhalb der Schale ist eben nicht mit der Gehirnmasse vergleichbar und selbst wenn die Melone optisch unversehrt aus dem Helm kullert, können je nach Versuchsaufbau schon derartige Kräfte eingewirkt haben, die an einem menschlichen Gehirn schon schwere und irreparable Schäden hinterlassen hätten. Andersherum platscht ein menschlicher Kopf bei einem mittelschweren Sturz aber längst nicht mit einem ekelhaften Geräusch in Dutzende Teile wie eine Melone.

Es soll gar nicht in Abrede gestellt werden, dass Fahrradhelme unter bestimmten Voraussetzungen schützen können und mit solchen Unfällen sicherlich nicht zu spaßen ist. Aber längst nicht jeder Unfall ohne Fahrradhelm geht mit Kopfverletzungen oder gar mit dem Tode einher — und wenn bei einem Unfall der Schädel platzt, weil beispielsweise ein Kraftfahrzeug mit hoher Geschwindigkeit auf Kollisionskurs geriet oder die Zwillingsreifen eines Lastkraftwagens den Kontakt zur Fahrbahnoberfläche verloren, dann wird ein Helm sowieso nichts mehr ausrichten können.

Manchmal funktionieren diese Melonentests auch einfach nicht. Das wird vermutlich daran liegen, dass die Früchte bereits vorher beschädigt waren oder man ein besonders stabiles, widerspenstiges Exemplar im Supermarkt gekauft hat, aber prinzipiell ist das eine interessante Darstellung, dass „Mit Helm = lebendig, ohne Helm = tot“ so einfach eben nicht funktioniert: Sanierte Leonhardstraße ist für Schüler sicherer

Braunschweig Das Wilhelm-Gymnasium veranstaltete für Fünft- und Sechstklässler einen Mobilitätstag auf der Straße.

Immerhin scheinen die Kinder damals noch ein bisschen mehr über die tatsächlichen Gefahren im Straßenverkehr gelernt zu haben. Womöglich aus finanziellen Gründen reduziert sich offenbar beim schulischen Verkehrsunterricht das Thema „Sicherheit im Straßenverkehr“ mitunter wirklich nur noch auf Fahrradhelme, denen dann wiederum gar unglaubliche Fähigkeiten im Schutz des Schädels angedichtet werden.

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4 Gedanken zu „Dumm gelaufen: Melonentest geht schief“

  1. Ich frage mich ja gerne wie solche Melonentests ausgehen würden, wenn man an die Melone noch ein fragiles Genick und daran eine schiebende Masse von 40, 50, 60 oder gar 70 kg „Körpermasse“ anflanschen würde.
    Spätestens wenn bei einem solchem Frontalaufprall das Genick zerbröselt, war es das. Aber ist doch nett, wenn die Leiche dann noch im Gesicht vorzeigbar aussieht.

    Ne, solcherlei dummdämliche bescheuerte „Tests“ gehören verboten wegen vorsätzlicher Volksverdummung. Wenn einer erzählt Ausschwitz sei nur eine PR-Aktion, dann droht hierzulande doch auch ne Zwangsfortbildung in Knast. Weshalb eigentlich nicht auch ähnliche Zwangsfortbildung bei derlei Unfallverherrlichung á la Melonenhelm?

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