„Die sollten sich lieber um andere Sachen kümmern“

Die Hamburger Fahrradstaffel kontrolliert Rotlichtsünder und der Norddeutsche Rundfunk war mit dabei — das verspricht Spannung und gibt bestimmt Anlass zur Diskussion: NDR Fernsehen: Unterwegs mit der Fahrradstaffel

Die Kontrollstelle befindet sich an der Kreuzung zwischen Osterstraße und Eppendorfer Weg und ist wie erwartet schon beinahe urkomisch. Es gibt dort Radwege ohne Benutzungspflicht, so dass Radfahrer ganz legal auf der Fahrbahn radeln dürfen. Man darf es wohl tatsächlich schon als Fortschritt ansehen, dass die Polizei offenbar nicht die Fahrbahnradler zur Benutzung der Radwege auffordert, die Fahrradstaffel kennt im Gegensatz zu manchen Kollegen die Straßenverkehrs-Ordnung wenigstens bis § 2 Abs. 4 StVO. Nun werden an jenen Radwegen die Rotlichtverstöße geahndet und es fahren tatsächlich hinreichend viele Radfahrer über rotes Licht, obwohl die Polizeibeamten recht auffällig in der Gegend herumstehen.

Wenigstens ist die Ampelfrage eindeutig geklärt und die Beamten sanktionieren nach dem richtigen Signalgeber — auch das war in der Vergangenheit alles andere als selbstverständlich. Zwar ist ein Rotlichtverstoß ein Rotlichtverstoß, keine Frage, aber warum nun ausgerechnet die relativ harmlose Variante kontrolliert und sanktioniert wird, ist wohl ein Geheimnis der Beamten. Während nämlich für den Radfahrer auf dem Radweg die Fußgängerampel gilt, die für den Fußgängerverkehr berechnet wurde und dementsprechend früh auf rot umschaltet, dürfen Radfahrer auf der Fahrbahn noch eine gefühlte Ewigkeit die Kreuzung überqueren.

Es handelt sich also keineswegs um den üblichen Rotlichtverstoß, von dem am Stammtisch gerne berichtet wird, sondern um ein halbwegs nachvollziehbares Verhalten. Schließlich mussten derartige Radwege jahrzehntelang benutzt werden und es machte sich unter Radfahrern durchaus Missmut breit, dass für den Radfahrer die für den drei bis zehn Mal langsameren Fußgänger berechnete Räumzeit gilt, während der doppelt so schnelle Kraftfahrzeugverkehr noch eine ganze Weile die Kreuzung überqueren kann. Prinzipiell ist dieser Rotlichtverstoß sogar einigermaßen ungefährlich, sofern man auf rechts abbiegende Kraftfahrzeugführer achtet, die in der Regel nicht mit querenden Radfahrern rechnen.

Insofern hätte man sich definitiv bessere Plätze für eine Rotlichtkontrolle aussuchen können. Wenigstens mokiert man sich nicht wieder über die ertappten Radfahrer, die voller Unverständnis auf die Beschuldigung reagieren — so als ob andere Verkehrsteilnehmer mit Begeisterung und Dankbarkeit ihre Strafe entgegennähmen.

2 Gedanken zu „„Die sollten sich lieber um andere Sachen kümmern““

    1. Das war auch mein erster Gedanke, als ich ihn das Rad aus dem Keller tragen sehen habe. Aber bei näherer Betrachtung würde ich diese Behauptung nicht aufrecht erhalten wollen. Reifen haben Reflexstreifen, Pedale haben gelbe Reflektoren, weißer Reflektor vorn und Roter hinten sind vorhanden. Ich nehme mal an das Rad wiegt weniger als 11kg, womit auch keine Dynamobeleuchtung zwingend notwendig ist. Dass der Kollege funktionstüchtige Batteriebeleuchtung mitführt kann man auch nicht ausschließen. Und ob er jetzt eine Klingel hat oder nicht, konnte ich auch nicht richtig erkennen.

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