Der Mythos von der Entkriminalisierung der Autofahrer

Momentan verbreitet sich diese Zeilen in der aufgeregten Fahrradfahrer-Welt:

Es regnet und es ist dunkel — das Scheinwerferlicht entgegenkommender Fahrzeuge spiegelt sich auf der nassen Straße. Auf der Rückbank quengelt ein Kind. Der Fahrer dreht sich kurz nach hinten. Als er wieder nach vorne sieht, taucht unvermittelt eine Warnweste vor ihm auf. Es kracht. Die Bremsen quietschen — zu spät. Auf der Fahrbahn liegt ein schwer verletzter Radfahrer, der später im Krankenhaus stirbt. Der Autofahrer kommt wegen fahrlässiger Tötung auf die Anklagebank.

Pardon, der Text lautet natürlich anders, der Radfahrer trug ja gar keine Warnweste:

Es regnet und es ist dunkel — das Scheinwerferlicht entgegenkommender Fahrzeuge spiegelt sich auf der nassen Straße. Auf der Rückbank quengelt ein Kind. Der Fahrer dreht sich kurz nach hinten. Als er wieder nach vorne sieht, taucht unvermittelt ein Schatten vor ihm auf. Es kracht. Die Bremsen quietschen — zu spät. Auf der Fahrbahn liegt ein schwer verletzter Radfahrer, der später im Krankenhaus stirbt. Der Autofahrer kommt wegen fahrlässiger Tötung auf die Anklagebank.

Natürlich muss man diskutieren: hätte ein unaufmerksamer Autofahrer, der gar nicht nach vorne sieht, den Radfahrer mit Warnweste besser erkannt als ohne?

Nur: man muss gar nicht diskutieren, denn die Geschichte stimmt so nicht. Stattdessen steht im Artikel auch die vernünftige Schlussfolgerung:

Der ACE sei aber gegen ein „privilegierendes Sonderrecht“ für Verkehrssünder. Straftaten im Verkehr dürften nicht zu Ordnungsdelikten herabgestuft werden. Dies gelte vor allem, weil in vielen Fällen eine vom Fahrer bewusst in Kauf genommene gefährliche Fahrweise zu Unfällen mit schwerwiegenden Folgen führe. Eine mildere Sanktionierung fahrlässiger Tötungen im Straßenverkehr als bisher ließe sich nur schwer vermitteln.

Die Liste der schließlich getroffenen Empfehlungen liest sich dagegen sehr viel angenehmer, auch bezüglich Helmpflicht, Bierbikes und Segways.

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