Der mysteriöse Auffahrunfall

Es gibt Unfälle, die sind unfassbar selten, dass sie in der Unfallstatistik noch nicht einmal namentlich genannt werden — dazu gehört beispielsweise der Auffahrunfall zwischen Kraftfahrzeug und Fahrrad, bei dem das Fahrrad hinterrücks von einem Kraftfahrzeug angefahren wird. So etwas passiert praktisch: Nie. Trotzdem ist die Angst vor ausgerechnet dieser Unfallart maßgeblich dafür, dass Radfahrer an Straßen ohne Radweg lieber den Gehweg befahren als die Fahrbahn — und sich ansonsten mit Begeisterung auf jeden Radweg stürzen, auch in Gegenrichtung, obwohl dort die Unfallwahrscheinlichkeit gegenüber dem Auffahrunfall auf der Fahrbahn in der Regel wesentlich höher ist.

Dazu passt, das sei nur nebenbei erwähnt, auch das Titelfoto der ADAC-Motorwelt im April 2013: Dort liegt ein Radfahrer quer auf der Fahrbahn, das Fahrrad noch halb zwischen den Beinen, offenbar just von hinten angefahren von einem Kraftfahrzeug, dessen Fahrerin gerade zur Hilfe eilt. Man kann nur mutmaßen, warum sich die Motorwelt-Redaktion keine gegenwärtigere Unfallursache für das Foto ausgedacht hat — immerhin ist das Titelbild schnell als gestellt zu erkennen: Dem Kraftfahrzeug riss es bei dem Unfall nicht nur die Stoßstange hinunter, denn auch die Windschutzscheibe trägt eine ordentliche Beule, offenbar vom Körper des Radfahrers. Dessen Fahrzeug wiederum weist keine sichtbaren Schäden auf, liegt aber in einer für diese Unfallart unnatürlichen Position vor dem Wagen. Es wäre ehrlicher gewesen, den Titel „Retten Sie Leben“ mit einem Symbolbild eines häufigeren Unfalls darzustellen.

Zurück zum Thema: Dieser Auffahrunfall ist so selten, dass er eine Erwähnung wert ist. Die Rad-Spannerei meldet einen solchen Unfall in der Nähe des Berliner Nollendorfplatzes — und sogar dieser Unfall scheint keineswegs den typischen Auffahrunfall darzustellen. Offensichtlich jagte das unfallverursachende Kraftfahrzeug der Radfahrerin über eine rote Ampel hinterher und befuhr außerdem noch ordnungswidrig einen Busfahrstreifen, das lässt sich wohl wirklich nur noch als Verkettung unglücklicher Umstände bezeichnen. Bleibt zu hoffen, dass die Radfahrerin ihre schweren Verletzungen möglichst gut übersteht.

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