Der Fahrradhelm und die Physik

In der Debatte um eine Fahrradhelmpflicht werden dem Helm immer wieder übernatürliche Kräfte ausgesprochen, wenn etwa der unvermeidliche Nachbar in die Diskussion eingebracht wird, der vom Auto angefahren und dreißig Meter durch die Luft geschleudert wurde, direkt auf einen Kantstein knallte und ohne Helm definitiv tot wäre. Von anderer Seite wird eine vernünftige Diskussion durch Unfallberichte torpediert, in denen ein nicht getragener Fahrradhelm ausdrückliche Erwähnung findet, obschon er gegen die schweren Reifen eines Lastkraftwagen sicherlich nichts ausrichten könnte.

Etwas älter, aber immer noch aktuell sind diese Seiten zu der Wirksamkeit eines Fahrradhelmes, ganz interessant ist dabei vor allem auch das Fazit auf der Seite über physikalische Abläufe:

Was lernen wir daraus:

Muß der Helm nicht nur die 5 kg des Prüfkörpers, sondern die 75 kg eines Fahrers abbremsen, so bremst er von einer Geschwindigkeit von v = 25 km/h auf eine Geschwindigkeit von v = 24 km/h ab. Von einer Wirksamkeit kann dann wohl nicht mehr gesprochen werden.

7 Gedanken zu „Der Fahrradhelm und die Physik“

  1. Wer schon einmal mit dem MTB durch den Wald gefahren ist weiß, dass ein Helm durchaus von Vorteil sein kann. Muss ja nicht immer der Megacrash sein, bei dem der Helm eh nichts bringt.

    1. Hallo h4wk – der Witz ist nur, dass die meisten Leute, die Helm beim Radfahren tragen, dies nunmal tun, weil sie der Auffassung sind, sie würden damit ihre Überlebenswahrscheinlichkeit ganz radikal steigern. Die wenigsten sagen: „ich weiß, dass der Helm bei schweren Unfällen wahrscheinlich eh nicht viel bringt, aber ich trage ihn, um mich vor Schürfwunden, leichten Gehirnerschütterungen und Beulen am Kopf (von tiefhängenden Ästen) zu schützen.“.

      1. Im Endeffekt muss jeder selbst entscheiden, was er macht. Aus dem ganzen eine Religion zu machen löst das Problem auf jeden Fall nicht. 😀 Ich trage zum Beispiel aus dem selben Grund keine Protektoren beim Biken, wie manche auf einen Helm verzichten. Ich denke ich würde dann viel flotter unterwegs sein und somit wäre die Unfallgefahr wohl viel größer als ohne die Dinger. Auf einen Helm würde ich aber trotzdem nie verzichten und da sehe ich das auch nicht so. Jetzt frag mich aber ja nicht warum 😀

        1. Die Teile, die man als Mountainbiker trägt, sind aber mitunter ungleich wirkungsvoller als ein normaler Fahrradhelm; da wird ja meistens sogar das Kinn bedeckt und damit Gesichtsverletzungen wenigstens minimiert. Man muss ja schon froh sein, wenn ein „normaler“ Fahrradhelm denn so getragen wird, dass er wenigstens die Stirn bedeckt und nicht mehr oder weniger lose am Hinterkopf baumelt.

          Was mich stört, ist eben die von Polizei und Medien dargestellte Verzerrung der Wirksamkeit, quasi nach der Gleichung „Mit Helm = lebendig — Ohne Helm = tot“. Das mag bei einigen tragischen Unfällen sicherlich zutreffen, aber wenn ich wie letztes Jahr so einen Stuss wie diesen Unfallbericht lesen muss, weil ein Radfahrer von einem Lastkraftwagen überrollt wurde und es offenbar erwähnenswert war, dass er keinen Helm trug, dann kann ich mich nur wundern. Das ist genau wie bei einem anderen Unfall, bei dem ein Kind vom Rad fiel und nur der Fahrradhelm schwerste Kopfverletzungen verhindert haben soll, sich aber später herausstellt, dass das Kind beim Ausweichen einer Autotür nach rechts auf die Wiese gefallen ist und dabei weder der Kopf nur ansatzweise in Bodennähe war noch der gesamte Unfallablauf im Endeffekt das Potenzial zu schweren Kopfverletzungen hatte. Richtiger wäre gewesen zu schreiben, dass ein Helm beim Zusammenstoß mit jener Tür geholfen hätte, wobei man dann auch dort aufpassen muss, dass nicht frontal das Gesicht mit dem Türrahmen zusammenprallt.

          Das sind sicherlich Einzelfälle, aber wenn wir alle drei Wochen über die Einführung einer Helmpflicht diskutieren müssen, sollte man doch davon ausgehen, dass ein Fahrradhelm wenigstens ansatzweise jene phänomenalen Eigenschaften aufweist, die ihm nachgesagt werden.

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