„Das Auto ist ein Armutsmodell“

Ein ganz interessantes und lesenswertes Interview mit Heiner Monheim, Professor für Verkehrswissenschaft und Raumentwicklung an der Universität Trier, gibt es in der Neuen Rheinischen Zeitung zu lesen: Das Auto ist ein Armutsmodell

Monheims Aussagen sind hart und direkt, stimmen aber nachdenklich:

(…) Es gibt Städte, die haben viel weniger Autoverkehr, meistens sind die Leute dort überdurchschnittlich klug und überdurchschnittlich reich. Das Auto ist ein Armutsmodell. New York hat ganz wenige Autos, Universitätsstädte haben wenige Autos. Das Ruhrgebiet hat viele Autos, das Saarland hat viele Autos. Je dümmer die Regionen sind, desto mehr Autobahnen und Autos. Das ist traurig, aber wahr, weil Beton das Hirn ziemlich vernebelt, und in den meisten politischen Gehirnen ist noch ganz viel Beton verarbeitet. Sie müssen warten, bis das Betonhirn ausgestorben ist, das ist die Tragik. (…)

16 Gedanken zu „„Das Auto ist ein Armutsmodell““

  1. Sicherlich fährt Herr Monheim auch mit dem Rad sein Regal von IKEA nach Hause, mit dem Rad mehrere tausend Kilometer in den Sommerurlaub und mit dem Rad bei Wind und Wetter zur Arbeit. Schade, dass es keine vernünftigen Radfahrer gibt, die nicht nur schwarz-weiß sehen.

    1. Wenn Du Dir die Mühe gemacht hättest, das verlinkte Interview auch zu lesen, bevor Du hier Deinen Trollsenf dazugibst, dann wäre Dir aufgefallen, dass es sich bei Herrn Monheim gar nicht um einen Radfahrer handelt.
      Und BTW: die meisten Leute, die ich kenne, die im Sommerurlaub ein mehrere tausend Kilometer entferntes Ziel aufsuchen, tun das auch nicht mit dem Auto.

      Und noch nebenbei bemerkt: die These, dass es _keine_ vernünftigen Radfahrer gibt, die möchtest Du sicherlich belegen.

      1. Muss ich mit Leuten diskutieren, die Autofahrer als dumme Betonköpfe diskreditieren? Ihr könnt gerne weiterhin mit euern Drahteseln durch die Weltgeschichte schauckeln und meine Abgase einatmen, während ich mit meinem Wagen zur Arbeit fahre und Geld verdiene, damit euch das Amt am Monatsanfang überhaupt noch Harz 4 auszahlen kann. Schon mal überlegt, warum Leistungsträger und hart arbeitende Menschen generell nicht mit dem Fahrrad fahren? Und dann noch mal kurz das Hirn anstrengen und überlegen, ob diese Leute denn wirklich alle so dumm sind, wie ihr hier glaubt.

        Mir ist eine Stadt mit vernünftigen Straßen sehr viel lieber als eine Hyppie-Kommune in der letzten Ecke, in der die Autos auf der Straße von Radfahrern behindert werden, die zu öko und fein für die Radwege nebenan sind, die übrigens auch von meinen Steuergeldern finanziert werden.

        Aber macht´s euch nur bequem in eurer kleinen heilen Welt. Ihr habt eben einen Horizont mit dem Durchmesser 0 und nennen das euren Standpunkt. Ich wünsche euch dann noch viel Spaß auf euren klapprigen Rädern, ihr werdet merken, dass man mit vier Rädern bequemer vorankommt.

          1. Ja, schon, aber das sind nunmal auch die gebräuchlichen Argumente. In meinem Umfeld sind auch viele überzeugte „Nur-Autofahrer“ und wenn man mit denen diskutiert, warum man sich einen Lastenanhänger fürs Fahrrad anschafft, anstatt die zwei Kilometer zum Einkaufen mit dem Auto zu fahren, ist man nach zehn Minuten auf einem ähnlichen Argumentationsniveau angekommen.

            Wenn man häufiger Fahrrad fährt als nur Sonntags einmal um den See, so ist man halt unmittelbar ein Öko-Spinner. Wenn man dann noch die Diskussion in Richtung Radwegbenutzungs- und Helmpflichten lenkt, braucht man sich um sein Ansehen jedenfalls nicht mehr zu kümmern. Wenn man sich für Autos interessiert, ist man in der Autonation Deutschland prima aufgehoben. Ist man aber von Fahrrädern angetan, ja, dann ist man halt ein Freak. Und wenn man dann noch neben einem Anderen Radweg auf der Fahrbahn fährt, gehört man ohnehin nur noch zum Abschaum der Gesellschaft.

          2. Also solche Leute kenne ich nicht persönlich, ich lege auch keinen Wert darauf.
            Spätestens bei Aussagen der Art „arbeitende Menschen und Leistungsträger fahren kein Fahrrad“ war mir persönlich klar, dass es sich nur um einen Troll handeln kann.

          3. Tja, man kann sich seine Mitmenschen leider nur bedingt aussuchen 😉

            Aber ernsthaft, solche Aussagen sind nur bedingt Trollversuche. Wenn wir hier Konferenzen im Hause haben und dann Leute mit Anzug und Krawatte kommen, dann fährt von denen jeder im Mietwagen oder mit dem Taxi vor, auch wenn es nur anderthalb Kilometer vom Hotel sind. Lieber steht man eine Viertelstunde im Stau als mit dem Rad oder gar zu Fuß zu kommen.

            Das ist nunmal ein recht natürlicher Vorgang — wer Geld hat, will das in der Regel zeigen und macht es sich im Auto bequem, anstatt auf dem Rad fit zu bleiben.

            Meine Kommilitonen aus den BWL-Studiengängen sind in der Regel aus besserem Hause, sonst könnten die sich die Studiengebühren überhaupt nicht leisten. Von denen kommt auch ein nennenswerter Teil im Mercedes oder im BMW angerollt, selbst wenn es nur fünfhundert Meter zur Uni sind (übrigens werden natürlich aus Parkplatznot die Radwege beparkt, aber das sei nur am Rande erwähnt). Von denen würde auch niemand auf die Idee kommen, ein Fahrrad auch nur im Keller stehen zu haben. Das scheint in solchen Gesellschaftsschichten ein Ding der Unmöglichkeit.

          4. Na ja, bei Konferenzen kann ich dergleichen Verhalten (Taxi) ja teilweise noch verstehen – man befindet sich in einer fremden Stadt, kennt sich nicht aus, hat kein Fahrrad vor Ort oder hat Angst, dass man sich sein Businessoutfit am Radl einsaut.
            Bezüglich Studiengebühren und „aus besserem Haus“: wie hoch sind die denn bei Euch in HH? Bei uns in NRW waren’s 500 EUR pro Semester, das fand ich eigentlich noch erträglich (und fast vernachlässigbar im Vergleich zu den sonstigen Lebenshaltungskosten).
            Und die paar BWL/VWL Studenten, die ich in Duisburg an der Uni kennengelernt habe, hatten zumindest Fahrräder und haben sie auch gelegentlich benutzt.

        1. Ja, klar — aber man fragt sich als Außenstehender schon, warum es fünfzig Euro für ein Taxi sein müssen, das knapp anderthalb Stunden durch die vollgestopfte Stadt rollt, anstatt relativ bequem mit der S-Bahn für 2,70 Euro in nicht einmal der Hälfte der Zeit beinahe bis vor die Tür zu fahren.

          Das gleiche Spiel läuft dann bei den Abendveranstaltungen ab, zu denen man relativ gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gelangt — und trotzdem fährt beinahe jeder mit dem eigenen Taxi, da gibt es nicht einmal Fahrgemeinschaften.

          Studiengebühren betragen an unserer Universität knapp 1.500 Euro, für Betriebswirtschaftslehre im Bachelor wohl sogar etwas mehr. Bei der Preiskategorie sind nunmal Polohemden und dicke Autos Pflicht.

    2. Ganz unverzichtbar ist ein Auto natürlich nicht. Aber muss es ein eigenes sein?
      Für das Beispiel bei IKEA (wo man ja nicht täglich Regale abholt) kann man sich einen Transporter leihen, da geht mehr rein als in einen normalen PKW.
      Wenn man noch mal schnell bei schlechtem Wetter quer durch die Stadt will kann nimmt man den ÖPNV, da kann man nebenbei lesen. Oder das Taxi oder ein Carsharing Modell.
      Bei gutem Wetter spart man sich mit dem Fahrrad das Fitnessstudio und genießt das schöne Wetter (auch wenn einige Leute mit Ihren Abgasen die Luft verpesten 😉
      In den Sommerurlaub kann man auch mit der Bahn und Flieger kommen dann steht man auch nicht im Stau.
      So viel zu beschränktem Horizont.

      Ja, jetzt hat der Troll wieder Aufmerksamkeit. Also grgnruei bitte schön weiterärgern.

  2. Diese populistische Aussage ist bitter und noch dazu falsch. Offenbar hat der werte Herr nur 3 Faktoren beruecksichtigt. Das ist ganz offensichtlich nicht repraesentativ.

  3. @grgnruei:
    Demnach müsste ganz Kopenhagen eine Hippiekommune sein und Mitglieder des dänischen Parlaments und der dänischen Regierung lassen sich jeden Monat Hartz IV auszahlen . . . Ich verstehe allerdings nicht, was „vernünftige“ Straßen sind. Mir fällt dabei ein, dass die FDP in den 70er und 80er Jahren immer wieder Wahlkampf mit dem Wort „Vernunft“ machte, aber hat eine Straße „Vernunft“? Aber in Kopenhagen fahren sogar _alle_ Radfahrer auf dem Radweg und behindern nicht auf der Fahrbahn die armen, armen steuerzahlenden Autofahrer . . .

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