Countdown-Anzeige für Ampeln: Füße runter von der Fahrbahn

Momentan sind zusätzliche Anzeigen über oder unter dem Signalgeber mit einer Anzeige für die verbleibende Zeit bis zum nächsten Umlauf sozusagen das nächste große Ding in den Straßenverkehrs-Behörden.

Politiker wollen Countdown-Ampel für Fußgänger

Mehr Transparenz am Straßenrand: Nach dem Willen der Koalition sollen Fußgängerampeln in Deutschland mit einer Anzeige ausgestattet werden, die die verbleibende Zeit bis zur Grünschaltung verrät. Verkehrsexperten erhoffen sich davon mehr Disziplin beim Warten.

Publikumswirksam wurden schon vor mehreren Jahren derartige Anzeigen am Hamburger Ballindamm und am Gänsemarkt installiert, inzwischen gibt es die Countdown-Ampeln sogar in ländlichen Dörfern. Das Problem ist nur: So einfach funktioniert das nicht.

Ein Countdown bis zum nächsten Umlauf lässt sich logischerweise nur anzeigen wenn überhaupt bekannt, wieviel Zeit bis dahin noch vergeht — und das klappt nicht bei auf Anforderung schaltenden Anlagen, die ja ebenfalls total trendy sind. Damit disqualifizieren sich überraschend viele Kreuzungen für einen Einsatz des Countdowns.

Will die Behörde eine solche Anzeige trotzdem haben, lässt sich immer noch der umgekehrte Weg beschreiten: Man setzt den Countdown einfach für das Ende der Grünphase ein. An der Büdelsdorfer Hollerstraße steht eine Anlage, die Senioren in fünfzehn Sekunden über die Straße scheuchen soll: Drei, zwei, eins – Rot!

Eine neue Countdown-Ampel an der Ecke Hollerstraße/Parkallee signalisiert den Fußgängern, wieviel Zeit ihnen zum Überqueren der Straße noch bleibt – maximal 15 Sekunden.

Offenbar erhofft man sich durchaus, dass langsame Fußgänger gar nicht erst mit der Überquerung beginnen, wenn nicht mehr 15 Sekunden auf der Uhr stehen. Damit pervertiert die Behörde den Sinn der Grünphase: Solange grünes Licht leuchtet, sollen Fußgänger die Überquerung beginnen können. Schaltet der Signalgeber für Fußgänger auf rotes Licht um, beginnt die Räumphase, die so lang sein soll, dass auch langsame Senioren noch rechtzeitig die Füße von der Fahrbahn bekommen. Will man den älteren Fußgängern einen Gefallen tun, hätte man sowohl die Grünphase als auch die Räumphase verlängern können — stattdessen setzt man darauf, dass die unsicheren Senioren lieber noch eine zusätzliche Phase warten.

Die technische Spielerei macht anscheinend sehr viel Spaß.

4 Gedanken zu „Countdown-Anzeige für Ampeln: Füße runter von der Fahrbahn“

  1. Wenn man schon technische Verbesserungen andenkt, könnte man ja vielleicht auf die Idee kommen, statt 2, 3 oder gar 4 separaten Leuchtkörpern ein einheitliches Bildschirm-Leuchtdisplay zu entwickeln, das sowohl Rot, Grün, Gelb als auch Zusatzinformationen wie diverse Countdowns darstellen kann. Und wenn eine Countdownzeit technisch nicht zur Verfügung steht, blendet man eben andere nützliche oder kurzweilige Informationen ein.

  2. Ich finde die Anzeige in wie vielen Sekunden der nächste Ampelphasenwechsel stattfindet für alle Verkehrsteilnehmer hilfreich (lohnt es sich zu positiv/negativ beschleunigen) und wünschenswert. Gab es da nicht auch großen Beifall dass RadfahrEnde das in der heiligen Stadt (Kopenhagen) schon zig Meter vor der nächsten Lichtsignalanlage mitgeteilt bekommen?

    Ampeln mit Bedarfsanforderung könnten auch einfach „Drück mich“ anzeigen, und nach dem Drücken dann die Zeit bis zur Grünphase, dann die Zeit bis zur Rotphase und dann wieder „Drück mich“.
    Und Ampeln mit Bedarfsanforderugnen abseits von großen Kreuzungen sollten eh als „Schlafampel“ (die komplette Lichtsignalanlage wird erst bei Anforderung aktiv, es wird innerhalb von wenigen Sekunden (d.h. sofort Gelb für den Fahrbahnverkehr) grün für Anfordernde) ausgeführt sein.

    Die LSA in Büdelsdorf habe ich aufgrund des Artikels so verstanden, dass die Zeitanzeige die langsamen Verkehrsteilnehmer dazu animieren soll, den Bedarfsknopf zu drücken: „Nur durch das Drücken des Anforderungsknopfes sei die Zeit für das Überqueren verlängert worden.“ Man muss dann also nicht die nächste Phase abwarten (was heute von denjenigen getan wird, die bei rot zurück auf Los gehen), sondern kann sofort rüber und hat dazu die vollen 15 Sekunden Zeit. Aber das ist nur meine Interpretation des Artikels. Statt der Zeitanzeige würde ein Hinweis über die (vom erwarteten Verhalten abweichende) Schaltung da aber wohl auch reichen.

    1. Gab es da nicht auch großen Beifall dass RadfahrEnde das in der heiligen Stadt (Kopenhagen) schon zig Meter vor der nächsten Lichtsignalanlage mitgeteilt bekommen?

      War das nicht in Odense? Ich habe da auch etwas im Hinterkopf, aber das war ja die Anzeige der verbliebenen Rotlicht-Zeit, die ja so verkehrt tatsächlich gar nicht ist.

      Aber das ist nur meine Interpretation des Artikels. Statt der Zeitanzeige würde ein Hinweis über die (vom erwarteten Verhalten abweichende) Schaltung da aber wohl auch reichen.

      Ich habe da früher mal gewohnt und mir das vor einiger Zeit mal angesehen. Es läuft jetzt zumindest so, dass ältere Fußgänger und Familien mit Kindern tatsächlich stehenbleiben, wenn die Anzeige „nur“ noch zwölf oder zehn Sekunden anzeigt aus Sorge, gleich vom Querverkehr umgemäht zu werden. Da fehlt leider auch vollkommen das Gefühl, dass zehn Sekunden auch für einen langsameren Fußgänger genügt, um die Kreuzung zu überqueren.

  3. Bin mal gespannt was sich die „Oberen“ noch einfallen lassen um mehr Sicherheit zu gewährleisten.
    Da schau ich doch mal nach Österreich, da ist die Ampelphase besser geregelt. Da weiß man durch blicken das die Ampel gleich auf Rot schaltet.

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