Radfahrer auf der Fahrbahn: Erstaunte Ortspolitiker

Ein schönes Beispiel, wie schwer sich Verwaltung und Politik noch immer mit dem Fahrrad auf der Fahrbahn tun, liefert der Weser-Kurier: Radfahrer dürfen auf Borgfelder Allee fahren

Bremer Radfahrer haben seit rund 16 Jahren an vielen Stellen der Stadt die Wahl, ob sie den Radweg oder die Straße benutzen wollen. Allerdings ist diese Regelung in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Wahlfreiheit haben auch Radfahrer im Ortsteil Borgfeld, wie Ernst Kittlaus vom Amt für Straßen und Verkehr (ASV) im Verlauf der jüngsten Beiratssitzung erläuterte. Die Ortspolitiker nahmen die Erklärungen des Verkehrsexperten erstaunt zur Kenntnis.

Interessanterweise hat der Redakteur des Weser-Kuriers offensichtlich im Gegensatz zu vieler seiner Kollegen schon mal die einschlägigen Vorschriften und Verordnungen befragt. Das Bremer Beispiel zeigt allerdings auch eindrucksvoll auf, warum selbst eintausend Unterschriften nicht für eine Benutzungspflicht vermeintlich sicherer Sonderwege genügen, wenn es die Vorschriften einfach nicht hergeben.

Karin Sagers ideologischer Feldzug gegen Radwegbenutzungspflichten

Es heißt, Radfahren verlerne man nie. Selbst nach jahrelanger Fahrrad-Abstinenz braucht es so gut wie keine Eingewöhnungszeit, um die physikalischen Effekte des Radfahrens sofort in den Griff zu bekommen.

Nur die Presse, die tut sich mit dem Radfahren immer etwas schwer. Auch zu Zeiten des so genannten Fahrrad-Boomes beschränkt sich die Berichterstattung über Fahrräder meistens auf Unfallberichte, bei denen dann das beliebte Ohne-Helm-wäre-er-jetzt-tot-Spiel begonnen wird. Klar, es gibt vereinzelt auch auffallende Gegenbeispiele, beispielsweise die durchaus den Radfahrern wohlgesonnene Berichterstattung über den sagenhaften Kreisverkehr am Ochsenzoll-Kreisverkehr. Aber dann kommt plötzlich wieder sowas auf den Frühstückstisch: Fußweg-Verbot für Radfahrer in Brackel

Nur 26 dünne Zeilen zählt der Bericht auf Seite 8 in der oberen rechten Ecke und man weiß nicht so richtig, ob man froh darüber sein sollte, dass für dieses Thema offenbar nicht mehr Platz veranschlagt worden ist oder ob nicht doch ein paar mehr aufklärende Sätze dem Artikel ganz gut gestanden hätten.

Andererseits scheint das Wochenblatt ohnehin kein großes Interesse an einer sachlichen Abarbeitung an einem komplexen Thema wie benutzungspflichtigen Radwegen zu haben. Als Karin Sager vor einigen Monaten gegen unzulässige benutzungspflichtige Fuß- und Radwege in Hanstedt vorging, schäumte das Wochenblatt vor Wut, ließ Statistiken nicht gelten und wollte die Radfahrer um jeden Preis wieder auf die unbrauchbaren Gehwege verbannen, schließlich wäre es ja nur dort sicher, jedenfalls gefühlt, denn was zählen schon Unfallstatistiken, wenn sich nichts ändern darf, weil es schon immer so war?

In Brackel sieht die Sache nicht besser aus, dort sollen einige blaubeschilderte Gehwege gar so schmal und zugewachsen sein, dass noch nicht einmal ein Fahrradreifen den Weg durch das Straßenbegleitgrün finden will. Im Wochenblatt klingt das dann so:

Sager stellte beim Landkreis einen Antrag, der nun auch alle Radfahrer in Brackel auf die Straße zwingt.

Das klingt noch verhältnismäßig nüchtern, aber neutral geht auch anders. Man hat beim Lesen sofort dieses Bild von Sager im Kopf, die mit einem Lorbeerkranz auf der Tribüne des Kolosseums steht und den Daumen hebt oder senkt und bestimmt, ob Radfahrer leben, also auf den Gehwegen fahren dürfen, oder ob sie den Kraftfahrern zum Fraß vorgeworfen auf die tödliche Straße geschickt werden.

Tatsächlich dürfte sich Sagers Korrespondenz deutlich nüchterner lesen: Sie bat lediglich die Behörden um eine Überprüfung, inwiefern die Radwegbenutzungspflichten notwendig sind und den einschlägigen Vorschriften entsprechen — schließlich braucht es für ein paar blaue Schilder nicht nur einen Rad- oder Gehweg, sondern auch eine konkrete Gefahrensituation, die das Radfahren auf der Fahrbahn aus Sicherheitsgründen verbietet. Wenn man noch nicht einmal den Weg eines Widerspruchsverfahrens einschlagen muss und die Behörde sofort bei der bloßen Androhung einer Klage die Radwegbenutzungspflicht einknickt, scheinen die blauen Schilder ja tatsächlich nicht besonders fest am Pfahl zu hängen. Vielleicht wäre das der eigentliche Skandal an der Sache, die man mit Sager besprechen könnte.

Gesprochen hat man Sager allerdings durchaus, schließlich wird sie zitiert mit:

„Ich bin davon überzeugt, dass wir Radfahrer auf der Straße sicherer sind, als auf dem Gehweg“, so Karin Sager.

Auch hier hätte man beispielsweise einen kurzen Ausflug zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Unfallstatistik machen oder wenigstens in einen oder zwei Absätzen die gar nicht mal mehr so neuesten verkehrspolitischen Erkenntnisse fallen lassen können. Zum Beispiel, dass das Radfahren auf der Fahrbahn zwar gewöhnungsbedürftig sein mag und sich bestimmt nicht jeder sofort damit anfreunden mag, enge, buckelige und gegen jegliche Regeln der Verkehrssicherheit verstoßende benutzungspflichtige Fuß- und Radwege, die aus reiner Gewohnheit sämtlichen Verwaltungsvorschriften trotzen, bestimmt keine Alternative sind. Womöglich hätte man noch erklären können, was man denn als Kraftfahrer so tut, wenn ein Radfahrer auf der Fahrbahn unterwegs ist (nicht hupen, sondern mit Sicherheitsabstand überholen).

Stattdessen hat sich der Autor für dieses Ende entschieden:

In Hanstedt formierte sich großer Widerstand gegen das Fußweg-Verbot; mehr als 1.000 Unterschriften kamen zusammen. Allerdings ohne Erfolg. Das Verbot bleibt.

Sicherlich sollte es dem örtlichen ADFC zu denken geben, warum er die Bedenken der Radfahrer nicht ausräumen konnte, die um jeden Preis weiter auf den engen Gehwegen radeln wollten. Dass vermutlich ein beachtlicher Teil der Unterschriften von Einwohnern stammt, die sich vorm dem angeblichen Stau auf der Fahrbahn fürchteten, lässt sich dem ADFC nunmal nicht vorwerfen, diese Befürchtungen werden schließlich mit bestem Bestreben von Medien und Stammtischen wiederholt.

Leider schweigt sich der Artikel auch aus, warum denn nun die Unterschriften von über eintausend Hanstedtern nicht für eine Wiedereinführung der Radwegbenutzungspflichten oder freigegebene Gehwege gelangt haben. Das liegt nämlich nicht an Karin Sager, die auf die blauen Schilder einfach keinen Bock hatte, sondern die einschlägigen Vorschriften nunmal absolut keinen Spielraum für eine weitere blaue Beschilderung ließen. Wenn die Anordnungen zur Radwegbenutzungspflicht sogar die absoluten Mindestmaße dauerhaft unterschreiten, dann kann sich die Straßenverkehrsbehörde nicht einfach darüber hinwegsetzen. Okay, genaugenommen könnte sie schon, schließlich werden Radfahrer bundesweit noch immer auf abertausende Kilometer absolut unzulässiger und gefährlicher Radwege gezwungen, aber man war sich wohl im Klaren, dass der ADFC dann den Rechtsweg einschreiten würde.

Auch das hätte man schreiben können. Dafür mangelte es aber entweder am Platz oder an der Lust — schließlich lässt bereits die Einleitung des Artikels keine Unklarheiten darüber, in welche Richtung es hier geht:

Der ideologische Feldzug von Karin Sager (Asendorf) geht weiter. Nachdem die Vize-Kreisverbands-Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) bereits in Hanstedt den Zorn der Bürger heraufbeschwor, zettelt sie nun in Brackel die nächste „Radfahrer-Revolte“ an.

Immerhin haben diese Artikel im Wochenblatt doch noch einen gewissen Vorteil: Die normalerweise in der Presse üblichen Radfahrer-halten-sich-nie-an-die-Regeln-und-zahlen-nicht-mal-Steuern-Berichte sind absolut nicht parallel zu dieser Argumentationslinie.

Kreisverkehr Ochsenzoll: Ein Drama in Bildern

Ich muss zugeben: Ich habe mich geirrt.

Während der neue Kreisverkehr am so genannten Ochsenzoll-Knoten im schleswig-holsteinischen Norderstedt gebaut wurde, schaute ich mal spaßeshalber an der Arbeitsstelle vorbei und dachte mir, naja, das wird ja mal wieder nicht so richtig der Hit. Als letzte Woche die Arbeiten abgeschlossen wurden und in den einschlägigen Radfahrer-Treffpunkten im Netz die Emotionen hochkochten, ging ich davon aus, die Sache wäre schon nicht so ganz wild, wir Radfahrer haben da etwas zu lamentieren und gefallen uns in der Opferrolle ganz gut gegenüber der fahrradfeindlichen Verkehrsplanung. Und wenn da Radwege fehlen, wäre das eben blöd gelaufen, das würde schon irgendwie so funktionieren.

Ich habe mich tatsächlich geirrt. Insgesamt betrachtet ist der Kreisverkehr am Ochsenzoll-Knoten das mit Abstand schlechteste Bauwerk im Straßenverkehr, das ich seit langer Zeit gesehen habe. Ich halte mich ja eigentlich zurück mit ausgefallenen Schriftgrößen, aber:

Der Ochsenzoll-Knoten ist für Radfahrer und Fußgänger ausgesprochen missraten und gefährlich.

Es ist vollkommen unverständlich, wie im Jahre 2013 angesichts eindeutiger Verwaltungsvorschriften, verbindlichen Empfehlungen für Radverkehrsanlagen und dem gesunden Menschenverstand der Verkehrsplaner eine so unfassbar verrückte und den Radverkehr ignorierende Verkehrsführung aufgebaut werden kann. Das ist insgesamt so unfassbar, dass man gar nicht weiß, wo man überhaupt mit der Kritik anfangen soll, weil sich keiner der Beteiligten auch nur ansatzweise Mühe gibt, sich mit fragwürdigen Äußerungen zurückzuhalten. Stattdessen wird nach Lust und Laune argumentativ herumgegrätscht und der an diesem Kreisverkehr zweifelsohne benachteiligte nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer als Übeltäter hingestellt, da kann man sich nur noch an den Kopf fassen. Kampfradlerdebatte galore!

Fangen wir mal ganz sachlich und vorsichtig an: Der Verkehrsknoten Ochsenzoll befindet sich direkt an der nördlichen Landesgrenze Hamburgs an der Kreuzung zwischen der in Ost-West-Richtung verlaufenden Bundesstraße 432, der Schleswig-Holstein-Straße in Richtung Norden und der wegen ihrer ebenfalls brandgefährlichen Radwege bekannten Langenhorner Chaussee in Richtung Süden. Historisch verlief hier eine Route des Ochsenweges, ungefähr in der Gegend des Kreisverkehres wurde damals die Hand aufgehalten, die reisenden Händler mussten hier ihre Ochsen verzollen. Einige Jahrhunderte später stehen anstelle der Ochsen motorisierte Fahrzeuge Stoßstange an Stoßstange: Die Kreuzung gehörte zu den am stärksten befahrenen Wegen im Hamburger Umland.

Vierzig Jahre lang wurde geplant, vier Jahre gebaut, rausgekommen ist ein sagenhaftes Kreuzungsbauwerk, das den nicht-motorisierten Verkehr mit beeindruckender Ehrlichkeit ignoriert. Während der Kraftverkehr mit einem Unterführungsbauwerk und drei Bypässen auf Maximalgeschwindigkeit beschleunigt wird, werden Fußgänger und Radfahrer, man kann es kaum anders formulieren, verarscht. Zugegebenermaßen kommen Fußgänger noch besser dabei weg als Radfahrer, denn letzteren wird eine vollkommen undurchsichtige und vor allem brandgefährliche Verkehrsführung kredenzt, die ihresgleichen sucht.

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In Nord-Süd-Richtung kann der Kraftverkehr zwischen Norderstedt und Hamburg eine Unterführung in Anspruch nehmen, die direkt unter dem Kreisverkehr hindurchführt und die Schleswig-Holstein-Straße mit der Langenhorner Chaussee verbindet. Alle anderen Verkehrsströme werden über einen großzügig bemessenen Kreisverkehr geleitet, wobei für rechtsabbiegende Kraftfahrer jeweils ein separater Bypass angeboten wird; lediglich die von Osten nach Norden abbiegenden Fahrzeuge müssen kurzzeitig die Kreisfahrbahn benutzen. Der Kreisverkehr muss außerdem zum Linksabbiegen und zum Geradeausfahren auf der Bundesstraße 432 befahren werden. Eine Luftaufnahme findet sich in diesem Artikel: Fehlplanung? Fahrrad-Streit am Ochsenzoll-Kreisel. Außerdem gibt es drüben bei hamburgize viele Darstellungen der möglichen Wegführungen für Radfahrer — am besten parallel zu diesem Artikel öffnen und die hier beschriebenen Routen nachverfolgen.

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Soweit, so gut, das klingt jetzt am Bildschirm vielleicht nicht so ganz einleuchtend, ist aber nach Meinung von Anwohnern, Kommentatoren und Leserbrief-Autoren eine ausgesprochene gelungene und schnelle Verkehrsführung. Der Witz ist natürlich, dass sich Kraftfahrer mit dem neuen Kreisverkehr erst einmal außerordentlich schwertun. Um mal gleich ein bisschen Stimmung in den Artikel zu bringen: Während des vom ADFC organisierten Ortstermins ließen sich brenzlige Situationen beinahe im Minutentakt bestaunen. Ich lief dort knappe anderthalb Stunden umher und habe schließlich bei vierzig Beinahe-Unfällen aufgehört zu zählen.

Das geht los mit Leuten, die einfach die falsche Ausfahrt nehmen, mutmaßlich weil das Navigationsgerät noch keine Bekanntschaft mit der veränderten Verkehrsführung geschlossen hat. Die fahren dann aus dem Kreisverkehr aus, machen sofort eine Kehrtwende und fahren wieder rein, wobei der Platzbedarf beim Wenden — was sich natürlich auf Sperrflächen und durchgezogenen Linien abspielt — regelmäßig falsch kalkuliert wird, so dass das Fahrzeug entweder auf das Hochbord raufknattert, wo womöglich schon ein Fußgänger oder Radfahrer unterwegs ist, oder aber abrupt vor dem Hindernis stoppt, so dass der nachfolgende Verkehr hupend eine Vollbremsung hinlegt.

Ein Fahrzeugführer löste das Problem ganz elegant und fuhr vor den Augen der anwesenden Polizei einfach falsch herum durch den Kreisverkehr, die Hand natürlich permanent auf der Hupe, um die vermeintlichen Falschfahrer zu vertreiben. Abgesehen davon fanden noch einige weniger spektakuläre Manöver statt: Die großzügig bemessene Kreisfahrbahn lässt sich zweispurig befahren und mitunter merkt ein innen fahrender Kraftfahrer zu spät, dass er hier eigentlich abbiegen möchte und zieht dann einfach nach rechts in die Ausfahrt, obwohl da gerade jemand anders unterwegs war. Teilweise scheinen die Kraftfahrer auch einfach überfordert zu sein mit der Gegenwart eines Kreisverkehres, fahren geradeaus in den Kreisverkehr ein, merken, hmm, da steht ja ein kleiner Hügel, bleiben aber während ihrer Denkpause mitten auf der Kreisfahrbahn stehen. Soviel zum vorausschauenden Fahren. Und manchmal möchte jemand auf der Kreisfahrbahn von innen nach außen wechseln, während gleichzeitig ein anderer Kraftfahrer in den Kreisverkehr einfahren möchte und schon ist gleich wieder Malheur.

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Man kann als interessierter Zuschauer also durchaus ein oder zwei Stunden mit dem Klappstuhl an dieser Kreuzung zubringen, ohne dass es langweilig wird.

Jetzt zum Radverkehr. Das ist vollkommen schwierig zu beschreiben, weil die Sache einfach vollkommen vermurkst ist. Wir fangen einfach im Norden an und wollen abbiegen nach Westen, das klappt ganz gut, da bleiben wir einfach auf dem Radweg und biegen nach rechts ab. Das einzige Problem ist eigentlich, dass da von links ein Fußgängerweg anlandet, mit dem wir uns später noch genauer auseinandersetzen müssen, der aber direkt vor dem Radweg endet, obwohl laut den Verwaltungsvorschriften zur Straßenverkehrs-Ordnung Fußgänger in solchen Situationen auch auf dem Radweg bevorrechtigt sein sollten:

In der Regel sollen Fußgängerüberwege zum Schutz der Fußgänger auch über Radwege hinweg angelegt werden.

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Naja, okay, von Regeln kann man ja mal abweichen und am Ochsenzoll-Knoten wurden die einschlägigen Vorschriften ohnehin nicht konsultiert.

Jetzt geradeaus von Norden nach Süden. Weil es am Kreisverkehr keine direkte Querungsmöglichkeit für Fußgänger und Radfahrer über die Bundesstraße 432 gibt, müssen wir mit dem Rad nach rechts abbiegen, nach knapp 150 Metern gegen den Uhrzeigersinn drei Mal Furt für Furt über eine für Fußgänger und Radfahrer miserabel geschaltete Kreuzungsanlage bummeln, um dann 150 Meter auf dem Radweg zurückzufahren und am Kreisverkehr ein weiteres Mal nach rechts abzubiegen, um dann auf der Langenhorner Chaussee mit ihren fürchterlichen Radwegen zu landen.

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Die Fahrt von Norden nach Süden, die für den Kraftverkehr dank der Unterführung in ein paar Sekunden erledigt ist, stiehlt dem Radfahrer ungefähr fünf bis sieben Minuten. Um die Sache zu beschleunigen, schließlich hat man ja bei der Verwaltung und im Planungsbureau ein Herz für Radfahrer, höhöhö, wurde noch eine zweite Unterführung angelegt, die aus Richtung Norden in einer Rampe abzweigt. Fälschlicherweise ist in den Medien immer wieder von einem „Fußgänger- und Radfahrer-Tunnel“ die Rede, obwohl Radfahrer hier gar nicht fahren dürfen — bei der Rampe handelt es sich schließlich zweifelsohne um einen für Fußgänger vorbehaltenen Weg, ansonsten bräuchte es dort mindestens ein Zeichen 240 oder ein Zeichen 239 mit dem Zusatz „Radfahrer frei“:

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Schon die Bemessungen und nicht vorhandenen Sichtbeziehungen des Tunnels machen deutlich, dass hier sicherlich kein Radverkehr eingeplant wurde:

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Links führt eine Treppe zurück zur Oberfläche, rechts ein Aufzug. Auf der anderen Seite sieht die Sache schlechter aus: Dort gibt es keine Rampe nach oben, auf der man sein Bike wenigstens schieben könnte, es stehen nur Treppe und Aufzug zur Auswahl:

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Es gibt zwar Planungen, die hier bereits von der abgeschrägten Wand angedeutete Rampe irgendwann einmal zu bauen, die wird dann aber trotzdem nicht an die Langenhorner Chaussee anschließen, sondern irgendwo anders landen, wo man als Radfahrer eigentlich gar nicht hinwill. So hat man eben auch in Zukunft die Wahl zwischen dem Umweg über die benachbarte Kreuzung oder der Treppe oder dem Aufzug, wobei sich weder Aufzug noch Treppe mit größeren Fahrrädern oder gar mit Anhänger bestreiten lassen und wenigstens der Aufzug die Kapazität des Radverkehrs in Nord-Süd-Richtung stark begrenzen wird. Und kaputtgehen darf der Aufzug natürlich auch nicht, obwohl Aufzüge zu sowas gemeinhin neigen.

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Jetzt soll es von Westen nach Osten gehen. Das wird ein Spaß! Wir stehen also dort, wo unser voriger Versuch am Aufzug endete, anschließend steht man am Bypass und hier geht’s jetzt richtig ab:

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Erst einmal fehlt auch hier das bereits auf der gegenüberliegenden Seite bemängelte Zeichen 293 auf dem Radweg. Hier muss man aber als Radfahrer irgendwie rüber und wie das funktionieren soll, das ist überhaupt gar nicht klar. Theoretisch darf man den Radweg ja gar nicht verlassen, andererseits lockt ja auf der größeren Mittelinsel ein Zeichen 240, also scheint hier Radverkehr durchaus vorgesehen zu sein.

Diese Situation passt natürlich herzallerbest zu der momentanen Informationskampagne des Auto Club Europa, der mit Vehemenz verbreiten lässt, Radfahrer dürften niemals und unter keinen Umständen über einen Fußgängerüberweg fahren. Die Polizei hat beim ADFC-Ortstermin wohl mit Berufung auf den ACE dieses Verbot noch einmal betont, während der ADFC selbst offenbar eine recht seltsame Begründung des Fußgängerüberweg-Verbotes für Radfahrer vertrat, die sich nach der Position der einzelnen Verkehrszeichen richtete und auch früher oder später darauf hinauslief, dass das Radfahren dort streng verboten wäre.

Im Endeffekt kreisten während des Ortstermins Dutzende Legenden zu dieser Thematik um den Kreisverkehr, denen gemein jedoch war, dass das Radfahren dort streng verboten wäre. Jeder Radfahrer scheint da seine eigene Begründung zu pflegen und jeder kennt jemanden, der jemanden kennt, der schon mal auf dem Fußgängerüberweg angefahren wurde oder wenigstens ein Knöllchen wegen verbotener Zebrastreifen-Radelei bekommen hat. Insofern war man glatt versucht, sich mit ausgebreiteten Armen auf die erhöhte Mittelinsel des Kreisverkehr zu stellen und laut zu verkünden: Nein, das stimmt nicht, ihr dürft über den Fußgängerüberweg fahren, ihr habt da lediglich keine Vorfahrt.

Oder etwa doch?

Das ist nämlich bei diesem Kreisverkehr ausgesprochen trickreich und erfordert Kenntnisse der Straßenverkehrs-Ordnung, die in der Fahrschule nicht ansatzweise sichergestellt werden. Beginnen wir mit einem Blick in § 26 Abs. 1 StVO, der erstmal klarstellt, wer auf einem Fußgängerüberweg besondere Vorrechte genießt:

An Fußgängerüberwegen haben Fahrzeuge mit Ausnahme von Schienenfahrzeugen den zu Fuß Gehenden sowie Fahrenden von Krankenfahrstühlen oder Rollstühlen, welche den Überweg erkennbar benutzen wollen, das Überqueren der Fahrbahn zu ermöglichen. Dann dürfen sie nur mit mäßiger Geschwindigkeit heranfahren; wenn nötig, müssen sie warten.

Noch mal zu deutsch: Fahrzeuge, die Schienenfahrzeuge lassen wir mal außer Acht, weil die hier am Ochsenzoll nicht fahren, müssen Fußgänger am Überweg hinüberlassen. Radfahrer muss das Queren nicht ermöglicht werden, allerdings enthalten weder die übrigen drei Absätze des Paragraphen noch die restliche Straßenverkehrs-Ordnung ein Verbot, den Fußgängerüberweg mit dem Rad zu benutzen. Auch wenn es Polizei, ACE und Medien immer wieder behaupten und sogar angebliche Tatbestände aus dem Bußgeldkatalog zitieren: Es ist nicht grundsätzlich verboten, mit dem Rad einen Fußgängerüberweg zu benutzen.

Im Gegenteil: Wenn ein Radfahrer auf einem Sonderweg unterwegs ist, den er mit dem Rad befahren darf, steht ihm natürlich auch die Benutzung des Fußgängerüberweges frei. Bei diesen Sonderwegen kann es sich einerseits um freigegebene Gehwege handeln, die mit Zeichen 239 und dem Zusatzzeichen „Radfahrer frei“ gekennzeichnet werden, als auch um gemeinsame Fuß- und Radwege mit Zeichen 240. Radfahrer partizipieren allerdings nicht am Schutz des Fußgängerüberweges, denn der gilt laut § 26 Abs. 1 StVO schließlich nur für Fußgänger. Es soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass die Richtlinien für die Anlage und Ausstattung von Fußgängerüberwegen solche Zeichen 293 im Zusammenhang mit gemeinsamen Fuß- und Radwegen als unzulässig klassifizieren, was aber einige Behörden nicht davon abhält, trotzdem munter den Pinsel zu schwingen.

Andererseits: Wenn Radfahrer an einer solchen Stelle ohne Fußgängerüberweg Vorfahrt gegenüber den übrigen Fahrzeugen haben, dann verlieren sie ihn auch nicht aufgrund des Fußgängerüberweges, denn der Fußgängerüberweg ist für einen Radfahrer, der ihn quer zu den Streifen überfährt, quasi überhaupt nicht existent. Vorfahrt auf einem Fußgängerüberweg genießen Radfahrer beispielsweise, wenn sie an der Vorfahrtsregelung des Fahrbahnverkehrs teilnehmen — praktischerweise hat der Verkehr auf einer Fahrbahn im Kreisverkehr Vorfahrt und normalerweise erstreckt sich diese Vorfahrtsregelung auch über den Radweg, sofern man dort nicht mit Zeichen 205 oder baulichen Tricks hantiert, um Radfahrer aus vermeintlichen Sicherheitsgründen ihre Vorfahrt zu klauen.

Außerdem kennt die Straßenverkehrs-Ordnung noch § 9 Abs. 3 StVO:

Wer abbiegen will, muss entgegenkommende Fahrzeuge durchfahren lassen, Schienenfahrzeuge, Fahrräder mit Hilfsmotor und Fahrräder auch dann, wenn sie auf oder neben der Fahrbahn in der gleichen Richtung fahren. Dies gilt auch gegenüber Linienomnibussen und sonstigen Fahrzeugen, die gekennzeichnete Sonderfahrstreifen benutzen. Auf zu Fuß Gehende ist besondere Rücksicht zu nehmen; wenn nötig, ist zu warten.

Da das Ausfahren aus einem Kreisverkehr einen Abbiegevorgang darstellt, weswegen auch der Fahrtrichtungsanzeiger zu betätigen ist, müssen parallel fahrende Radfahrer zunächst vorbeigelassen werden — selbst dann, wenn sich unter dem Fahrrad ein Fußgängerüberweg befindet, denn der spielt für Radfahrer wie bereits erwähnt überhaupt gar keine Rolle.

Leider sind diese einigermaßen eindeutigen Regelungen am Ochsenzoll-Knoten nur mit besonderer Vorsicht anzuwenden. Die Behörden haben das Kunststück vollbracht, in Norderstedt eine Verkehrsführung zu installieren, für dessen Benutzung sich keine der Regelungen aus der Straßenverkehrs-Ordnung anwenden lassen. Ich habe in zwei Fachforen im Internet nachgefragt, mehrere befreundete Fachanwälte für Verkehrsrecht um ihre Meinung gebeten und eine ganze Weile im Netz herumgestöbert, aber herausgekommen sind so unterschiedliche Meinungen zu den vorliegenden Verkehrswegen und den gültigen Regelungen, dass sich nicht feststellen lässt, was hier eigentlich Sache ist.

Das ist durchaus ein Problem, gerade im Straßenverkehr und vor allem an so sensiblen Bereichen wie dem Fußgängerüberweg, bei dessen Benutzung durch Radfahrer ohnehin reichlich viele Falschinformationen hinter der Windschutzscheibe kursieren. Zusätzlich geben Polizei, Behörden und Medien ihre Meinung kund und geben ihr bestes, das auch wirklich niemand mehr weiß, wer eigentlich zuerst fahren darf.

Letztlich wird auch hier früher oder später ein Gericht diskutieren müssen, wer in welcher Situation Vorfahrt hatte, was die Sache aber immer noch nicht besser macht, denn ein Gericht mag ja kluge Urteile sprechen, der Verkehrsteilnehmer ist aber auch weiterhin an die Straßenverkehrs-Ordnung gebunden und nicht an Dutzende Urteile verschiedener Gerichte. Insofern hilft beim Ochsenzoll-Kreisverkehr eigentlich nur eines: Sofort mit baulichen Veränderungen Klarheit schaffen, bevor der erste Tote zu beklagen ist.

Nochmal kurz zusammengefasst: Es darf durchaus auf einem Fußgängerüberweg geradelt werden, ein Radfahrer gewinnt dort keine Vorfahrt, denn der Schutz eines Fußgängerüberweges gilt nur für Fußgänger, allerdings verliert er seine Vorfahrt auch nicht, weil für den Radfahrer der Fußgängerüberweg quasi überhaupt nicht existent ist.

Nachdem wir nun eine ganze Weile mit dem Rad auf dem rot eingezeichneten Radweg gewartet haben, wollen wir die Überquerung wagen, wenn, ja, wenn denn überhaupt mal jemand wüsste, ob Radfahrer in dieser Situation Vorfahrt haben oder nicht. Im Ernst: Ich kenne nicht jeden Paragraphen der Straßenverkehrs-Ordnung auswendig und will auch nicht in Abrede stellen, mich hin und wieder mal zu vertun, aber wenn sich zwei Dutzend Fachexperten, die wirklich auch noch den unbekanntesten Kniff aus den Verkehrsregeln kennen, sich nicht einig werden können, welche Vorfahrtsregeln hier denn anzuwenden sind, dann ist das ein ganz eindeutiges Zeichen dafür, dass dieses Verkehrsbauwerk einfach nichts taugt; ja, sogar vollkommen gefährlich ist. Wie sollen sich denn die möglicherweise auf Kollisionskurs befindlichen Kraft- und Radfahrer über ihre Vorfahrt verständigen, wenn es denn schon offenbar keine eindeutige Interpretation der Regeln gibt? Baut man so einen Kreisverkehr dahin und denkt sich, naja, § 1 StVO wird die Sache ja schon regeln und im Zweifelsfall wird der Radfahrer zurückstecken und verzichten, denn schließlich ist er ja der Dumme, wenn’s knallt?

Okay, wir versuchen jetzt mal die Querung über die insgesamt vier einzelnen Fußgängerüberwege auf der Südseite des Kreisverkehrs. Wir sollten einen Fahrradhelm aufsetzen, wer weiß, vielleicht hilft’s ja.

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Zuerst einmal setzen wir uns darüber hinweg, dass es für den Radverkehr eigentlich keine Verbindung auf dem fehlenden Meter zwischen Fußgängerüberweg und Radweg gibt. Mit solchen fehlenden Verbindungen müssen sich Radfahrer im Straßenverkehr so häufig herumschlagen, dass davon auszugehen ist, dieser fehlende Meter werde im Falle des Falles das geringste Problem sein. Tatsächlich lockt ja von der anderen Seite noch das Zeichen 240, also scheint man ja irgendwie mit dem Rad da hinüber zu dürfen.

Der erste Fußgängerüberweg führt über den Bypass, der den Verkehr von Westen nach Süden unter Umfahrung des eigentlichen Kreisverkehrs auf die Langenhorner Chaussee leitet. Dort einen Fußgängerüberweg zu installieren und dabei auf spezielle Beleuchtungselemente zu verzichten ist schon eine gewagte Leistung, denn dieser Bypass wird natürlich mit überhöhter Geschwindigkeit befahren, dazu ist ein Bypass schließlich da. Hat man bei der Planung geglaubt, einen Hochgeschwindigkeits-Bypass mit angenehmen Kurvenradius bauen zu können, auf dem die Kraftfahrzeuge dann mit mäßigem Tempo nach rechts abbiegen? Unfug. Stattdessen biegen die Kraftfahrer mit ambitionierter Geschwindigkeit in den Bypass ein und merken kurz vor dessen Ende, oh, Mist, da ist ja ein Fußgängerüberweg. Es war beim ADFC-Ortstermin beinahe im Minutentakt zu bemerken, dass Kraftfahrer deutlich stärker auf die Bremse treten mussten, um ihr Vehikel vor dem vollkommen überraschend auftauchenden Fußgängerüberweg und vor allem vor den querenden Fußgängern und Radfahrern zum Stehen zu bringen, wenngleich hin und wieder genügend Zeit blieb, um die Hupe ausgiebig zu malträtieren.

Wie bereits erwähnt ist unklar, ob hier der Radverkehr Vorfahrt hat. Die Entfernung zur Kreisfahrbahn, von der der Radweg noch mit dem Bypass abgetrennt wird, spricht jedenfalls gegen eine Teilnahme des Radfahrers an der Vorfahrtsregelung der Kreisfahrbahn; mit dem Trick wird man hier also nichts. Bleibt die Frage, ob ein Kraftfahrer auf dem Bypass tatsächlich in einem Abbiegevorgang begriffen ist, wobei er nach § 9 Abs. 3 StVO unter anderem Fußgänger und Radfahrer queren lassen müsste, oder ob er einfach einem kurvigen Straßenverlauf folgt. Der Fußgängerüberweg spricht eigentlich dafür, dass es sich nicht um einen Abbiegevorgang im Sinne von § 9 Abs. 3 StVO handelt, schließlich hielten es die Planer für notwendig, dem Fußverkehr mit einem Fußgängerüberweg über den Bypass zu helfen, anstatt einfach eine Querungsfurt einzuzeichnen. Andererseits: Warum sollte man sich ausgerechnet hier auf das Talent der Planer verlassen? Womöglich dient der Fußgängerüberweg auch nur zur Klarstellung, dass hier abersowasvon § 9 Abs. 3 StVO gilt, womit wir dann wieder bei der Frage wären, warum denn auf eine ähnliche Klarstellung für den Radverkehr verzichtet wurde. Tendenziell haben Radfahrer hier keine Vorfahrt.

Okay, es geht weiter, der nächste Fußgängerüberweg wartet auf uns. Der ist jetzt nah genug an der Kreisfahrbahn, so dass die ausfahrenden Fahrzeuge uns wegen § 9 Abs. 3 StVO passieren lassen müssen, vielleicht gilt an dieser Stelle auch schon die Vorfahrtsregelung der Kreisfahrbahn für uns, wer weiß das schon so genau? Vielleicht ist aber aufgrund der Entfernung noch immer keine Teilnahme an der Vorfahrt der Kreisfahrbahn möglich und außerdem mutet es etwas seltsam an, dass plötzlich ein zehn Meter langes Stück Radweg fahrbahnbegleitend sein soll. Eventuell haben Radfahrer hier Vorfahrt, weil aus dem Kreisverkehr ausfahrende Fahrzeuge sie hindurchlassen müssen.

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Jetzt sind wir immerhin auf dieser größeren Mittelinsel angelangt, auf der wir dank Zeichen 240 mit dem Rad fahren dürfen. Wir haben nun Gelegenheit, uns erst noch einmal zu erinnern, dass Fußgängerüberwege im Zusammenhang mit Zeichen 240 eigentlich laut den Richtlinien für die Anlage und Ausstattung von Fußgängerüberwegen unzulässig sind und uns anschließend zu wundern, was eigentlich diese weiße Trennlinie auf einem gemeinsamen Fuß- und Radweg verloren hat. Radverkehr links, Fußgänger rechts? Kann ja nicht sein, das wäre dann ja ein getrennter Fuß- und Radweg. Soll hier das Rechtsfahrgebot gelten und auf der linken Seite soll in der Gegenrichtung geradelt werden? Kann auch nicht sein, denn das Radfahren ist am Ochsenzoll nur gegen den Uhrzeigersinn erlaubt. Da es so etwas wie ein Rechtsgehgebot eigentlich nicht gibt, bleibt wohl nur die Interpretation als so genannte Kunst am Bau, mit der man sehbehinderten Verkehrsteilnehmern das Überqueren erleichtern möchte. Ob man denen angesichts der vielen Unzulänglichkeiten des Kreisverkehrs, die sämtliche Sinne in Anspruch nehmen, einen Gefallen getan hat, sei mal dahingestellt.

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Weiter geht’s auf der anderen Seite. Hier fällt schon wieder die fehlende Markierung von Zeichen 293 auf dem Radweg auf, aber da müssen wir ja erst einmal hinkommen. Auf dem links im Bild zu sehenden Fußgängerüberweg haben wir mit dem Rad eventuell noch Vorfahrt, weil wir uns nah genug an der Kreisfahrbahn befinden. Das ist allerdings nicht so richtig klar, eventuell partizipieren wir nicht mehr an dessen Vorfahrt und weil das Einfahren in einen Kreisverkehr kein Abbiegen darstellt und wir uns auch nicht parallel zu den einfahrenden Fahrzeugen gewesen, ist eine Vorfahrt für uns hier eher nicht gegeben.

Auf dem rechten gilt das ganz sicher nicht mehr und hier kommt auch § 9 Abs. 3 StVO nicht mehr in Frage, weil sich Radfahrer senkrecht zu den Fahrzeugen auf dem Bypass bewegen, der genannte Absatz aber eine Bewegung in Fahrtrichtung fordert. Hier haben wir keine Vorfahrt mehr, müssen also die Fahrzeuge auf dem Bypass durchlassen oder alternativ absteigen und schieben. Man beachte auf dem obigen Foto auch noch die überhaupt nicht vorhandene Sichtbeziehung zwischen von links auf den Fußgängerüberweg zusteuernden Verkehrsteilnehmern und den an den Fußgängerüberweg heranfahrenden Fahrzeugen. Da muss es ja schon zwangsläufig knallen, wenn da ein Radfahrer seine möglicherweise vorhandene Vorfahrt wahrnehmen möchte.

Ganz schön kompliziert, oder?

Und damit das auch ja nicht zu langweilig wird, nehmen wir uns gleich im Anschluss die Fahrt von Osten nach Westen vor. Das geht hier los:

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Hier verwirrt auch schon mal das Zeichen 240 auf einem optisch abgetrennten Radweg, bis wieder einfällt, dass es sich bei der weißen Linie nicht um ein Zeichen 295 handelt, sondern um ein Blindenleitsystem. Zusätzlich überrascht der Radweg mit seinen handtuchbreiten Abmessungen, die ja wenigstens hinter dem Zeichen 240 auf die doppelte Breite anwachsen.

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Hier wird der Platz noch etwas großzügiger…

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… uuuund Action! Hier ist eigentlich auch schon die Frage, ob für abbiegende, also aus dem Kreisverkehr ausfahrende Fahrzeuge noch § 9 Abs. 3 StVO gilt, denn der Fußgängerüberweg ist ja deutlich von der Kreisfahrbahn abgesetzt, da passen ja locker anderthalb Kraftfahrzeuge rein. Außerdem irritiert die Verschwenkung um neunzig Grad, die dafür sorgt, dass Radfahrer zwar lange Zeit direkt neben dem Kreisverkehr radelten, im entscheidenden Moment nicht mehr parallel, sondern senkrecht zum abbiegenden Fahrzeug unterwegs sind und somit nicht durchgelassen werden müssen. Eventuell nimmt der Radfahrer noch an der Vorfahrtsregelung der Kreisfahrbahn teil, aber so genau weiß man das eben nicht. Rüberfahren darf er ganz sicher, Vorfahrt hat er vielleicht, vielleicht aber auch nicht.

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Immerhin müssen wir aber nur einen einzigen Fußgängerüberweg überqueren, dann sind wir schon auf der Mittelinsel. Dank des vorigen Zeichens 240 dürfen wir hier auch ganz ordnungsgemäß über den Fußgängerüberweg radeln, da stellt sich nicht die Frage des fehlenden Meters wie auf der Südseite. Allerdings gilt auch hier: Die Kombination aus Fußgängerüberweg und Zeichen 240 ist eigentlich strikt unzulässig.

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Auf dem Weg hinüber stellt sich noch ein ganz besonderes Problem: Aus dem Norden fahren recht viele Lastkraftwagen nach Hamburg hinein und wollen über den Kreisverkehr abbiegen. Die stehen aber leider beim Warten ordnungswidrig auf dem Fußgängerüberweg herum und das eine ganze Weile, weil der Kreisverkehr normalerweise recht voll ist und so ein großes Fahrzeug Platz und Zeit braucht.

Prinzipiell gilt auf der restlichen Strecke, was schon auf der südlichen Seite galt:

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Es gibt erstmal keine Sichtbeziehungen, na gut, das kennen wir schon. Auf dem linken Fußgängerüberweg gibt es eventuell noch Vorfahrt für Radfahrer aufgrund der Nähe zur Kreisfahrbahn, tendenziell eher nicht, auf der rechten Seite sicherlich nicht mehr, weil hier weder die Vorfahrtsregelung der Kreisfahrbahn noch § 9 Abs. 3 StVO greifen.

Einen haben wir noch: Von Richtung Süden nach Norden wird es ganz speziell, weil es auf der Schleswig-Holstein-Straße lediglich auf einer Seite einen gemeinsamen Fuß- und Radweg gibt. Auf der Südseite kann man entweder dem bereits bekannten Radweg in Richtung Osten folgen und dann nach knapp 150 Metern eine Fußgängerampel überqueren. Die hat vielleicht lange Wartezeiten, Donnerwetter, da steht man auch eine ganze Weile:

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Dann führt der Weg zurück über die drei eben besprochenen Fußgängerüberwege, so dass man sich mit dem Rad hier wiederfindet:

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Spätestens hier muss nun allerdings abgestiegen und geschoben werden, denn erst dort hinten am Horizont erlaubt ein blaues Verkehrszeichen die Geisterradelei. Wer etwas besser zu Fuß ist, kann auch auf der Südseite des Kreisverkehrs die vier Fußgängerüberwege schiebend im Uhrzeigersinn überqueren, das Rad entweder über die Treppe oder den Aufzug nach unten in die Fußgänger-Unterführung transportieren, auf der andere Seite die Rampe hochschieben und bei ebenjenem Verkehrszeichen wieder aufsatteln. Schneller geht das vermutlich nicht.

Nun besteht das Radverkehrspolitik-Publikum zum wesentlichen Teil aus unerschrockenen Alltagsradlern, die sich auch auf die Fahrbahn trauen. Die Behörden haben zwar versucht, mit vielen blauen Verkehrszeichen den Radverkehr auf die Radwege zu zwingen, aber ein benutzungspflichtiger Radweg muss grundsätzlich nur dann geradelt werden, wenn er auch dorthin führt, wo denn der Radfahrer auch hinradeln möchte. Wenn er erstmal einen Umweg von dreihundert Metern über eine Bettelampel in Kauf nehmen muss, um sich anschließend bei jedem Fußgängerüberweg aufs Neue zu überlegen, was er hier darf und was nicht, fällt das sicherlich nicht mehr unter „Führt dorthin, wo ich hin will“.

Da es sich nicht um eine Kraftfahrstraße oder gar um eine Autobahn handelt und auch keine Zeichen 254 den Spielverderber machen, spricht eigentlich erst einmal wenig gegen die Fahrbahnradelei. Die Frage ist nur, Alltagsradler hin oder her, ob man sich das antun möchte, schließlich sind die Kraftfahrer im Kreisverkehr schon hinreichend beschäftigt, sich nicht gegenseitig über den Haufen zu fahren — ob man da wirklich mit dem Rad dazwischen möchte, naja, ist zumindest mal nicht die allerbeste Idee.

Außerdem sind längst nicht alle Ausfahrten aus dem Kreisverkehr für Radfahrer geeignet. In Richtung Norden zum Beispiel landet man auf dem rechten Fahrstreifen der dort insgesamt vierstreifigen Schleswig-Holstein-Straße, muss also, sofern man denn auf den Radweg zurück möchte, den Fahrstreifen aus dem Tunnel queren sowie die beiden Fahrstreifen des Gegenverkehrs. Und wenn man sich dann ein bisschen verschätzt und die Lücke in der Schutzplanke verpasst, muss noch das Bike hinübergetragen werden.

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An der Ausfahrt Richtung Süden findet man sich hingegen plötzlich vor das Problem gestellt, quasi mehr oder weniger aus dem Stand hinüber auf den Bypass wechseln zu müssen, der ja vermutlich nicht gerade mit fünfzig Kilometern pro Stunde, sondern gerne etwas schneller befahren wird. Hier bleiben auch Lastkraftwagen gerne hängen und blockieren mit ihren Anhängern nicht nur den Fußgängerüberweg, sondern auch noch einen Teil der Kreisfahrbahn:

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Ob man sich denn zur Nord-Süd-Passage mit dem Rad in den Tunnel trauen möchte? Das ist vielleicht ebenfalls nicht gerade die allerbeste Idee.

Was soll man da eigentlich für ein Fazit ziehen? Fällt das noch unter „komplett schiefgegangen“? Mal im Ernst: Das kann so gar nicht funktionieren. Never ever. Bei der Planung und beim Bau dieses Kreisverkehres zeigen die Verantwortlichen derart grobe Fehler, dass der Duden kaum noch Synonyme für „schiefgegangen“ anbietet, die auch nur ansatzweise der Qualität dieses Versagens gerecht werden.

Klar, den Kraftfahrer freut’s, der kommt jetzt offenbar mit deutlich weniger Zeit im Stau ans Ziel und kann auf den Bypässen so richtig Gas geben. Aber schon für Fußgänger ist dieser Kreisverkehr eine Frechheit, wenngleich man zu Fuß ja wenigstens hundertprozentig eindeutig mit Vorrechten über die Fußgängerüberwege marschieren darf — und sogar in beide Richtungen! Für Fußgänger ist bei bestimmten Wegrelationen vielleicht sogar die schmale Unterführung ein tolles Angebot, wenn sie zufällig dorthin führt, wo man ohnehin gerne hin möchte. Schon in diesem Tunnel treffen allerdings gleich wieder Fußgänger und potenzielle Kampfradler aufeinander, wobei letztere hier gar nicht radeln dürfen, aber immer wieder zu hören oder lesen bekommen, es handle sich um einen Fußgänger- und Radfahrer-Tunnel.

Der Radverkehr, der ist an diesem Bauwerk neuerdings aber sowas von am Arsch, da finden sich kaum noch die passenden Worte. Offenbar glaubt man im Norderstedt, Radfahrer würden bei Bedarf einfach zu Fußgängern mutieren, ihr Bike schultern und lustig ihre Wege über 150 Meter entfernte Lichtzeichenanlagen, womöglich defekte Aufzüge und Treppen in Angriff nehmen. Man stelle sich vor, das als grandiose Verkehrsführung gefeierte Beispiel aus Norderstedt mache Schule und in zehn Jahren müssen Radfahrer in Schleswig-Holstein alle dreihundert Meter absteigen und ihr Rad um irgendeine Kreuzungskonstellation herumtragen, um dann wieder aufzusteigen und bis zur nächsten Schiebestrecke zu radeln.

Man hätte ja darüber diskutieren können, dass aus Platz- oder Sicherheitsgründen oder warum auch immer ausnahmsweise der Radweg unterbrochen wird und Radfahrer absteigen und schieben müssen. Hand aufs Herz: Die Fähigkeit, einfach aus dem Fahrzeug zu steigen und als Fußgänger ein Hindernis zu überwinden, das gehört nunmal auch zu den Vorteilen eines schmalen und flexiblen Fahrzeuges wie es ein Fahrrad nunmal ist. Und wenn dann mal in einer Arbeitsstelle für ein paar Wochen der Radverkehr unterbrochen wird, dann ist das vermutlich ein Planungsproblem, weil Fahrräder wie allzu oft einfach nicht mit bedacht wurden, aber noch immer kein richtiger Weltuntergang. Aber an einem zentralen Verkehrsknoten den Radverkehr einfach auszusparen, das ist dreist.

Diese Dreistigkeit wird eigentlich nur noch übertroffen mit den insgesamt sieben Fahrrad-Fallen, bei denen sich Radfahrer über den Haufen ins Jenseits fahren lassen können. Noch einmal kurz rekapituliert: Es hält sich im deutschen Straßenverkehr hartnäckig das Gerücht, Radfahrer dürften Fußgängerüberwege nicht benutzen und müssten absteigen, alles andere wäre eine furchtbare Ordnungswidrigkeit. Dieses Gerücht wird sowohl von der Polizei und den Medien immer wieder bestätigt als auch ganz aktuell vom Auto Club Europa über seltsame Pressemitteilungen verbreitet. Es ist aber falsch: Die Straßenverkehrs-Ordnung verbietet Radfahrern nicht die Benutzung eines Fußgängerüberweges, sie genießen lediglich nicht den Schutz, an dem ein Fußgänger partizipiert. Und hier in Norderstedt gibt es nun einige konkrete Verkehrskonstellationen, an denen Radfahrer nicht nur über den Fußgängerüberweg fahren dürfen, sondern eventuell und unter Umständen auch noch Vorfahrt haben. Zu deutsch: Radfahrer dürfen hier über den Fußgängerüberweg fahren und möglicherweise haben sie sogar Vorfahrt. Will sagen: Autofahrer müssten in solchen Fällen anhalten und haben gefälligst die Finger von der Hupe oder dem Kampfradler-Vokabular zu lassen.

Und über jedem Fußgängerüberweg schwebt ein gewisser Konjunktiv, weil man ja gar nicht genau weiß, welche Regeln hier gelten. An dem einen Fußgängerüberweg hat ein Radfahrer vermutlich Vorfahrt, fünf Meter später aber auf gar keinen Fall, auf der anderen Seite letztlich wegen irgendeiner Kleinigkeit dann doch nicht, jenseits der Mittelinsel dann vielleicht doch und auf dem letzten Fußgängerüberweg dann wieder nicht und so genau weiß man das auch nicht.

Aha, ja, klar, Radfahrer sollen einfach absteigen und schieben, das hat man sich wohl als Notlösung gedacht, als absehbar war, dass dieses Desaster nicht mit dem Leben eines Radfahrers zu vereinbaren war. Ja, schiebend hat man mit seinem Rad eindeutig Vorrecht auf dem Fußgängerüberweg, wenngleich es noch immer einige Profis hinter dem Steuer gibt, die einen Fußgänger mit einem Rad mit einem Radfahrer verwechseln und die üblichen Kampfradler-Klagelieder mit untermalender Hupe anstimmen.

Aber wenn die Idee bei den Behörden war, den Radfahrer über die Fußgängerüberwege schieben zu lassen, warum stellt man ihm denn noch jeweils ein Zeichen 240 auf die breiten Mittelinseln? Glaubt man denn wirklich, dass da jemand durchblickt? Glaubt man denn wirklich, dass Radfahrer auf dem Radweg absteigen, über zwei Fußgängerüberwege schieben, für zehn Meter wieder aufsatteln, wieder über zwei Fußgängerüberwege schieben und ihre Fahrt anschließend auf dem gegenüberliegenden Radweg fortsetzen? Im Ernst?

Das hat auch gar nichts mehr mit der immerzu angeklagten Kampfradelei zu tun, dieses Durcheinander aus möglicherweise tödlichen Interpretationen der Straßenverkehrs-Ordnung kann man als Normalsterblicher überhaupt nicht durchblicken. Und das muss eigentlich schiefgehen, wenn zusätzlich noch das Märchen vom Fahrrad-Verbot auf Fußgängerüberwegen die Runde macht. Vielleicht hätte man anstelle der Zeichen 240 auf der Mittelinsel schon mal ein paar Holzkreuze basteln können, bei den vielen Zebrastreifen war doch bestimmt ein bisschen Farbe übrig, die könnte man schon mal als Dekoration auf der großen Mittelinsel der Kreisfahrbahn aufstellen, dann hat man nachher nicht mehr so viel Arbeit, dann kommt am Wochenende mal einer vorbei und schraubt ein paar Namensschilder an.

Okay, okay, der Blutdruck meldet sich. Hier standen jetzt eigentlich noch ein paar mehr Absätze, die sich darüber ausließen, wie man den Radverkehr eigentlich sehenden Auges in tödliche Konfliktsituationen schickt.

Es wird Zeit für einen kleinen Blick in die Zeitungsmeldungen der letzten Tage, das wird dem strapazierten Radfahrer-Herz ganz gut tun: Fehlplanung? Fahrrad-Streit am Ochsenzoll-Kreisel

Im Streit um den Radverkehr auf dem neuen Kreisel am Ochsenzoll wehrt sich die Stadt nun gegen den Vorwurf des ADFC, wonach die Planung fehl gelaufen sei. Absteigen sei zumutbar.

Die Stadt Norderstedt reagiert ziemlich gelassen auf die Kritik des ADFC:

Die Stadt lehnt die Kritik des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) an der Radwege-Situation am Verkehrsknotenpunkt Ochsenzoll als „absolut unzutreffend“ ab, wie Baudezernent Thomas Bosse sich gegenüber dem Abendblatt ausdrückte. „Es ist völliger Blödsinn zu behaupten, der Kreisel verstoße gegen die Straßenverkehrsordnung.“

Zu dieser Aussage fallen einem nun wirklich keine Worte mehr ein.

Da fällt einem wirklich nichts mehr zu ein.

Vielleicht doch: Der Kreisverkehr verstößt natürlich nicht gegen die Straßenverkehrs-Ordnung, der Kreisverkehr nimmt schließlich noch nicht einmal am Straßenverkehr teil. Aber die Ausführung dieses Kreisverkehrs verstößt nicht nur gegen sämtliche Vorschriften, Empfehlungen und Richtlinien, sondern letztlich auch noch gegen den gesunden Menschenverstand. Wie das Baudezernat so cool behaupten kann, das wäre ja alles gar kein Problem, tja, das ist wohl ein Hinweis darauf, dass er es mit dem Radverkehr nicht so ganz genau nimmt. Vielleicht erklärt er uns ja bei Gelegenheit, wie er sich die Überquerung des Kreisverkehrs vorstellt — absteigen und schieben gilt nicht, schließlich hat man sich bei den vielen Zeichen 240 sicherlich etwas gedacht. Oder auch nicht. Weiß man nicht genau.

Na gut, der ADFC kommt natürlich gleich wieder mit einem dicken Paket an Maximalforderungen, die aber sicherlich nicht umgesetzt werden und das Desaster am Kreisverkehr auch unwesentlich verbessern. Schutzstreifen in Kreisverkehren verstoßen nämlich ebenfalls gegen die einschlägigen Vorschriften und nur die wenigsten Radfahrer dürften dafür zu begeistern sein, sich mit den Kraftfahrzeugen diesen Mega-Kreisverkehr zu teilen.

Dann der nächste Streich:

Bosse widerspricht diesem Urteil. „Herr Jungbluth begeht eine Ordnungswidrigkeit, wenn er sich mit der Rad in den Kreisverkehr am Ochsenzoll begibt. Dort herrscht die Radwegebenutzungspflicht.“

Selbstverständlich gilt innerhalb des Kreisverkehrs keine Radwegbenutzungspflicht, da gibt es ja gar keine Radwege. Und auch die Radwege drumherum sind zwar benutzungspflichtig, aber natürlich nur benutzbar, wenn sie denn auch wenigstens grob in die Richtung des angedachten Fahrziels führen. Für ein Fahrradverbot innerhalb des Kreisverkehrs müsste das Baudezernat noch einige Zeichen 254 spendieren, erst dann ist die Kreisfahrbahn wirklich tabu.

Die Situation am Ochsenzoll habe sich im Vergleich zur ursprünglichen Situation für die Radfahrer sogar verbessert. „Vor dem Umbau hatten wir eine voll beampelte Kreuzung. Da mussten Radfahrer anhalten und absteigen. Jetzt ist es komfortabler, weil man unter Achtung des Verkehrs gleich über die Zebrastreifen gehen kann. Der Kreisverkehr läuft doch prima“, sagt der Baudezernent.

Ja, herzlichen Glückwunsch, das klappt aber wieder nur in Ost-West-Relationen. Alle anderen müssen entweder über eine weit entfernte und schlecht geschaltete Lichtzeichenanlage bummeln, am westlichen Ende des Kreisverkehrs sogar drei Kreuzungsarme einzeln überqueren, oder den komischen Fußgängertunnel benutzen, der am Ende in einem Fahrstuhl oder einer Treppe endet. Vermutlich sind die meisten Radfahrer jetzt deutlich länger unterwegs als früher.

Bosse empfiehlt allen Radfahrern sich an die Radwegenutzungspflicht am Ochsenzoll zu halten und sich von der Fahrbahn fern zu halten. „Das kann dort wirklich gefährlich werden.“ Dass die Polizei die Einhaltung dieser Regeln für den Radfahrer demnächst prüfen könnte, das hält Bosse für möglich.

Na gut, das mit der Fahrbahn, das lässt sich nicht in Abrede stellen, das ist wirklich gefährlich. Aber warum das Baudezernat das so locker-flockig zu Papier bringt, anstatt die Situation zu entschärfen, bleibt leider ungeklärt.

Sowieso ist fraglich, warum die ursprünglich geplanten Radwege schließlich nicht gebaut wurden. Angeblich, so erzählt man sich unter Radfahrern, wollten die Norderstedter eine Beteiligung der Hamburger Nachbarn vermeiden, weil Hamburg dieses Bauwerk überhaupt nicht wollte. Womöglich aus Platzgründen fielen dann zuerst die Radwege an der Seite herunter, weil man schon mit ein oder zwei Metern mehr schließlich auf Hamburger Boden gelandet wäre — darum endet die erneuerte Fahrbahn auch relativ genau an der Landesgrenze:

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Einer geht noch: Radler protestieren gegen die neue Verkehrsführung

Vor den Augen der Polizei nahmen sie Kurs auf den neuen Kreisverkehr am Ochsenzoll und radelten über die Fahrbahn. Der Ausflug über den Asphalt ist zwar verboten, doch die Polizisten schritten nicht ein.

Schon die Einleitung enthält gleich zwei grobe Fehler: Erstens ist der Ausflug über den Asphalt nicht verboten, das wurde schon weiter oben dargelegt. Und davon abgesehen verzichtete die Polizei nicht nur auf ein Einschreiten, sondern sicherte auch noch die eine Einfahrt für den Fahrradverband mit Sondersignalen ab.

Der Brüller folgt zwei Absätze später:

Doch langfristig können die Radfahrer nicht auf Nachsicht setzen. Der Verkehrsexperte des Norderstedter Polizeireviers, Kai Hädicke-Schories, kündigte an, dass seine Kollegen einschreiten werden, wenn sie auf dem Kreisel erwischt werden. „Die Regeln sind eindeutig“, sagt er. Da der Kreisel noch neu und gewöhnungsbedürftig sei, werde man es zunächst bei einem „erzieherischen Gespräch“ belassen.

Hier am Ochsenzoll ist ja nun mal wirklich nichts an den Regeln eindeutig. Klar, im Kreisverkehr geht’s rechts herum, aber das war’s dann auch schon mal gleich mit der Klarheit. Wer hier zwischen Fahrrädern auf dem Fußgängerüberweg und den ausfahrenden Fahrzeugen Vorfahrt hat, ist alles andere als klar. Okay, natürlich bezieht sich die Aussage nur auf die Radwegbenutzungspflichten und trifft dort sogar ganz gut zu, denn die Regelung ist wirklich ganz eindeutig: Zum Linksabbieger oder Geradeausfahren darf der blaubeschilderte Radweg verlassen haben.

Es spricht ja schon für sich, dass die Polizei keine anderen Sorgen hat als dass Radfahrer womöglich auf der Fahrbahn radeln könnten. Womöglich treffen Kreisfahrbahnradler die empfindliche Flüssigkeit des Kraftverkehrs! Eigentlich sollte der Polizei doch daran gelegen sein, nicht auch nur einen einzigen Radfahrer vom Fußgängerweg abkratzen zu müssen, weil sich Rad- und Kraftfahrer nicht über die korrekte Anwendung der Straßenverkehrs-Ordnung einig werden konnten.

Es ist ja schon fast schade, dass man es am Anfang bei einem erzieherischen Gespräch belassen möchte. Gegen ein Bußgeld könnte jedenfalls der Rechtsweg angegangen werden. Jene Bußgelder werden zum Glück bereits in Aussicht gestellt:

Auf Dauer kommen jedoch Strafen in Betracht, die zwischen 15 und 25 Euro liegen werden. Kommt es zu gefährlichen Situation oder wird ein Radler immer wieder auf dem Kreisverkehr gesichtet, seien auch Bußgelder von 60 Euro und sogar Punkte in Flensburg denkbar. „Die Radwege sind benutzungspflichtig – trotz aller Hindernisse“, betont der Leiter des Polizeireviers, Jochen Drews.

Ja, die Radwege sind benutzungspflichtig. Aber nur die Radwege. Herrje, ist das denn so schwer zu verstehen? Wenn ich zum Supermarkt fahren möchte und der benutzungspflichtige Radweg leider eine Kreuzung vorher nach rechts abbiegt, der restliche Weg nicht mit einem Radweg ausgestattet ist, dann darf natürlich die Fahrbahn zum Einkaufen beradelt werden; da muss man sich nicht von hinten über große Umwege anschleichen. Und nochmal: Wenn ein Radfahrer irgendwo langfahren möchte, wo der Radweg gar nicht hinführt, in diesem Fall also nach links oder geradeaus, dann darf natürlich der Kreisverkehr befahren werden. Wenn die Polizei das nicht möchte, soll sie gefälligst Zeichen 254 aufstellen lassen — das ist übrigens auch nicht ganz so leicht und an bestimmte Voraussetzungen geknüpft.

Entlarvend, dass die eben noch als eindeutig bezeichneten Regelungen offenbar doch so eindeutig nicht sind. Oder haben Radfahrer einfach generell keine Ahnung von den Verkehrsregeln, weil sie sich ja angeblich eh nie an die Straßenverkehrs-Ordnung halten und sowieso nur Radfahrer sind, weil es nicht zur Fahrerlaubnis gereicht hat?

Dass die „Verkehrsbeziehungen“ am Kreisel und andere Details nicht nur den Radl-Profis, sondern Alltagsfahrern unklar sind, belegen die zahlreichen Fragen an die Polizisten, die die ADFC-Tour am Sonnabend beobachteten und teilweise mit Blaulicht absicherten. „Darf ich hier fahren?“ fragte eine ältere Frau und zeigte auf den Zebrastreifen. „Nein, Sie müssen absteigen“, sagte der Polizist. „Das ist ein Fußgängerüberweg.“ Hat der Radler über diesen Zebrastreifen den Fahrbahn in Richtung Langenhorn überquert, trifft er auf ein Schild, dass ihm das Radfahren erlaubt. Aber nur für wenige Meter, dann folgt der Zebrastreifen auf der Fahrbahn aus Richtung Langenhorn.

Nein, man muss nicht am Fußgängerüberweg absteigen. Das wird auch bei der fünftausendsten Wiederholung nicht wahrer. Wahnsinn.

Eigentlich fällt einem gar nichts mehr zu diesem Kreisverkehr ein. Darum gibt’s dieses Mal auch kein rundes, lustiges Fazit, sondern nur die Feststellung:

Das ist doch alles nicht zu fassen.

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Hamburgs Fahrräder sollen auf die Straße

Hamburgs Politik scheint etwas unschlüssig, wie mit diesem komischen Zweiradfahrern umzugehen ist. Okay, ja, in diesem Sommer wurden vielen buckeligen und engen und unzumutbaren und gefährlichen Radwegen ihre blauen Beschilderungen geklaut, so dass wenigstens geübte Radfahrer mehr oder weniger stressfrei auf der Fahrbahn rollen durften. Das Hamburger Leihradsystem will man dann doch lieber nicht ausbauen, denn Geld, tja, wer hat denn schon Geld?

In den letzten Tagen wurde es hingegen etwas gruselig, denn plötzlich hieß es: Bürgerschaft beschließt: Radfahrer sollen auf die Straße

Die Fahrstreifen auf dem Gehweg sollen möglichst ersetzt werden. Die Politik reagiert damit auf den seit Jahren kontinuierlich steigenden Radverkehr in Hamburg.

Bei der Sanierung von Straßen soll künftig geprüft werden, ob der Radverkehr auf der Fahrbahn geführt werden kann — auf diese Weise sollen Gefahrenstellen umgangen werden, beispielsweise die üblichen Beinahe-Unfälle beim Rechtsabbiegen, weil der Radfahrer hinter dem Straßenbegleitgrün oder einer Armada parkender Kraftfahrzeuge verborgen oder ohne den lästigen Schulterblick sowieso nicht zu sehen war. Das Problem dürfte die Unverbindlichkeit des Wortes „soll“ sein: Prinzipiell wurden auch der Vergangenheit derartige Prüfungen angestellt, die dann meistens nach dem „Gut-gemeint-schlecht-gemacht“-Prinzip in handtuchbreiten Schutzstreifen oder aus vermeintlichen Sicherheitsgründen in gemeinsamen Fuß- und Radwegen resultierten.

Auch wenn diese Meldung momentan geradezu euphorisch durchs Netz getragen wird, ist durchaus Skepsis angebracht, ob die Hamburger Behörden künftig tatsächlich den Willen und vor allem den nötigen Mut zeigen, vernünftige Radverkehrsinfrastrukturen zu installieren, die nicht nach dreihundert Metern wieder in einen Hochbordradweg endet, die nicht direkt in der Door-Zone verläuft und nicht just vor der Kreuzung als eigentliche Gefahrenstelle in einen im toten Winkel verlaufenden Radweg wechselt — und womöglich sogar hier und dort mal einen Parkplatz kostet oder auch zwei.

Der Norddeutsche Rundfunk meldet hingegen direkt in der Überschrift Sicherheitsbedenken an: Radfahrer auf die Straße: Wie sicher ist das?

Seit vielen Jahren fordern Radfahrer in Hamburg den Ausbau der Radwege. Doch die Lage ist immer noch schlecht. Dort, wo jetzt neue Radwege entstanden sind, sind zudem noch neue Gefahrenstellen entstanden. Dazu gehören der Siemersplatz und die Kreuzung Grindelallee/Hallerstraße. Radwege kreuzen dort an einigen Stellen die Abbiegespuren der Autos und Lastwagen.

Die Einleitung klingt erst einmal so, als wäre das alte Konzept der Hochbordradwege in irgendeiner Art „sicher“ gewesen. De Fahrspuren der Kraftfahrzeuge werden sich zwangsläufig an verschiedenen Stellen mit Rad- und Gehwegen kreuzen, genau wie sich verschiedene Fahrspuren nunmal untereinander kreuzen. Das ließe sich noch nicht einmal vermeiden, würde der Radverkehr direkt auf der Fahrbahn geführt, sondern nur, baute man für Radwege kreuzungsfreie Brückenbauwerke über jede Kreuzung und jede Einmündung.

Zugegeben: Die nett gemeinte Überleitung auf die Fahrbahn am Siemersplatz ist für den Radfahrer gar nicht mal so ungefährlich. Der Radweg endet dort direkt zu Beginn der Rechtsabbiegespur und es bleibt zu befürchten, dass die Aufmerksamkeit hinter dem Lenkrad beim Wechsel auf die Rechtsabbiegespur noch geringer ist als beim eigentlichen Abbiegevorgang. Martina Koeppen von der SPD findet das alles gar nicht so wild: „Ich sehe da keine Gefährdung. Das sind Fachleute, die das geplant haben.“ Ja, Fachleute planen Dinge, die von Nicht-Fachleuten benutzt werden. Die handtuchbreiten Schutzstreifen, die sich momentan wie eine Krankheit in Hamburg ausbreiten, wurden vermutlich auch von Fachleuten geplant, zumindest wäre es ein Skandal, wenn da jemand heimlich nach Feierabend den Pinsel schwingt.

Übrigens ist der Begriff „Straße“ im Titel durchaus beabsichtigt: Radfahrstreifen sind beispielsweise im Gegensatz zu den Schutzstreifen kein Teil der Fahrbahn. Zur Straße gehört allerdings alles von Hauswand zur Hauswand, insofern macht man damit erstmal nicht allzu viel verkehrt.

Hamburg: Weg mit gammeligen Radwegen

In Hamburg will man die Radfahrer von größtenteils gammeligen Radverkehrsanlagen auf die Fahrbahn holen: SPD schickt Hamburgs Radler auf die Straße

Die SPD plant den ganz großen Befreiungsschlag für alle geplagten Radfahrer der Stadt. Statt auf kaputten, beengten und zugeparkten Radwegen, sollen sie in Zukunft deutlich häufiger direkt auf der Straße fahren und dafür eigene markierte Streifen auf der Fahrbahn bekommen.

Obwohl sich nicht leugnen lässt, dass in der Vergangenheit immer häufiger die blauen Schilder an den Radwegen verschwanden, befindet sich ein Großteil der Radverkehrsinfrastruktur weiterhin in einem absolut bemitleidenswerten Zustand. Die SPD will das offenbar ändern, kaputte Radverkehrsanlagen zurückbauen und den Radverkehr auf der Fahrbahn fahren lassen. Mal sehen, ob das wirklich klappt oder bei Versprechungen bleibt.

Hauptsache Radwegbenutzungspflicht

Das schöne an solchen lokalen Nachrichtenformaten ist die Wahl der Themen, die es auf die Mattscheibe schaffen. Zum Beispiel: Ein Radfahrer will einen Radweg nicht benutzen und legt sich regelmäßig mit der Polizei an. Das ganze läuft dann unter der leicht irreführenden Überschrift: Radweg nicht erkannt

Die Kurzfassung: Im beschaulichen Bergischen Land werden die Radfahrer kurz vor einer außerörtlichen Verbindung unvermittelt auf einen linksseitigen Radweg geschickt — einfach so, kraft Zeichen 240. Für fünfhundert Meter wird dann auf einem Weg abseits der Fahrbahn gerumpelt, anschließend geht’s wieder zurück auf die rechte Fahrbahnseite.

Das will nicht jeder, aber weil die Polizei offenbar bevorzugt auf den fünfhundert Metern patrouilliert, gibt’s regelmäßige Konflikte zwischen Streifenwagen und Radfahrer. Die Beamten drohen angeblich sogar mit dem Entzug der Fahrerlaubnis, um den renitenten Radfahrer zur Räson zu bringen — wer schon mal mit einem Kraftfahrzeug der Kampfparkerei gefrönt hat, dürfte eine ungefähre Ahnung haben, was man alles vor dem Entzug der Fahrerlaubnis alles so anstellen kann. Die Beamten versuchen sogar die Eigenschaft des Radweges aus dem roten Verkehrszeichen für eine Veloroute herzuleiten, obwohl ja gemeinhin bekannt ist, dass solche Verkehrsschilder sogar an Gehwegen oder für den Radverkehr gesperrten Straßen aufgehängt werden.

Soweit, so gut, man wird sich nicht einig. Ulrich Kalle darf noch ein paar Minuten lang die Verkehrsregeln für Radfahrer und insbesondere die blauen Verkehrsschilder erklären und eigentlich läuft das gar nicht so schlecht, da ist man von der Lokalberichterstattung deutlich schlimmeres gewöhnt.

Nicht zu Wort kommt bislang: Die Polizei, die ja offensichtlich auch eine Meinung zu dem im wahrsten Sinne verfahrenen Sachverhalt haben müsste, diverse Kraftfahrer, die sich, gefilmt durchs geöffnete Beifahrerfenster über die Radfahrer beklagen, die sich sowieso und niemals an die Verkehrsregeln halten und den ganzen Verkehr behindern, obwohl es doch einen bestens ausgebauten und breiten Radweg gäbe, aber leider auch die Verwaltungsvorschriften, die nur einen kurzen Gastauftritt bei Kalle genießen, bezüglich § 2 Abs. 4 StVO durchaus ganz umfangreich sind.

Nun ging die Sache ein paar Tage später in die zweite Runde: Radweg: Herr Conin trifft die Polizei

Die Diskussion zwischen Radfahrer und der Polizei wird allerdings eher unidirektional geführt und gleicht eher einem Monolog. „Verkehrsregeln sind zu Ihrer Sicherheit“, heißt es, aber worin nun der konkrete Sicherheitsgewinn besteht, auf einer Strecke von fünfhundert Metern zwei Mal die Fahrbahn zu queren und zwischendurch auf einer nicht den Vorschriften genügenden Radweg zu poltern, der außerdem noch dicht an parkenden Kraftfahrzeugen und beinahe gar nicht einsehbaren Einfahrten geführt wird, das führt der Beamte leider nicht aus. Für den Hauptkommissar steht unverrückbar fest: Da steht ein blaues Schild, also muss der Radweg benutzt werden, das hat sicherlich alles schon seine Ordnung haben. Stattdessen geht wieder ein wesentlicher Teil des Beitrages dafür drauf, man könne auch als Radfahrer seine Fahrerlaubnis verlieren, weil man einen Radweg, der zwar benutzungspflichtig sein mag, aber nicht ansatzweise den Vorschriften genügt, links liegen lässt.

Man möchte glatt glauben: Wenn die Verwaltungsvorschriften bei der Polizei nicht zu Wort kommen, wird man sich auch bei der Straßenverkehrsbehörde nicht weiter darum gekümmert haben. Vielleicht nimmt man dort ja diese beiden Beiträge doch noch mal zum Anlass, dort einen Blick reinzuwerfen, man kann ja nie wissen. Und die Polizei könnte sich die Zeit auf der 500 Meter langen Geraden künftig damit vertreiben, Kraftfahrzeugführer, die in Gegenwart von Radfahrern hartnäckig und immer wieder gegen die Verkehrsregeln verstoßen, ihre Fahrerlaubnis zu lochen.

Und der Hamburger Senat fährt elektrisch

Der Hamburger Verkehrssenator Frank Horch spricht mit der Hamburger Morgenpost über den Verkehr in der Hansestadt: Der Hamburger Senat fährt bald E-Mobil

Im MOPO-Verkehrs-Spezial spricht Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) im Interview über genervte Bürger, steigende HVV-Preise und den Umstieg des Senats auf Elektro-Autos.

Man braucht diesem Interview allerdings keine große Aufmerksamkeit, geschweige denn eine aufwändige Analyse zu schenken, denn so richtig viel sagt der Verkehrssenator überhaupt nicht. Auffallend sind allerdings diese beiden Fragen inklusive ihrer knappen Antworten:

Ihr Wunsch war am Anfang Ihrer Amtszeit, unbürokratisch Radstreifen zu schaffen. Sind Sie zufrieden mit Ihrer Bilanz?
Absolut. Die Zahlen sprechen für sich. Noch nie wurden wohl so viele Maßnahmen durchgesetzt.

Hamburg hat etwa 1700 Kilometer Radwege, die meisten davon sind in schlechtem Zustand. Wie viele Kilometer wurden saniert?
Im letzten Jahr 22. Das klingt wenig, aber vorher waren es gerade mal drei. Wir wollen das auf 28 steigern.

Schön, dass 22 Kilometer pro Jahr saniert wurden und das Pensum sogar um sechs Kilometer pro Jahr auf 28 Kilometer pro Jahr steigen soll. Dann dauert es ja nur ungefähr 60 Jahre, bis Hamburg endlich komplett in einem fahrradtauglichen Zustand angekommen ist. Nun ließe sich dieser Zustand auch mit einer vernünftigen Fahrradinfrastruktur früher erreichen: Allzu gefährliche Radwege müssten gesperrt oder zurückgebaut und brauchbare Alternativen angebaut werden. Die unbürokratisch angelegten Fahrradstreifen taugen leider in der Regel überhaupt gar nichts: Inmitten der so genannten Door-Zone bewegen sich die Radfahrer im direkten Gefahrbereich plötzlich geöffneter Autotüren, während von der anderen Seite Kraftfahrzeuge ohne nennenswerten Sicherheitsabstand vorbeidüsen.

Eine sichere und attraktive Radverkehrsinfrastruktur sieht sicherlich anders aus. So bleibt der Zustand vermutlich wie er heute ist: Die so genannten Alltagsradler verkehren weiterhin mehr oder weniger problemlos auf der Fahrbahn, während sich ängstlichere Gelegenheitsradler auf den buckeligsten Radwegen in Gefahr bringen.

Entweder wird Hamburg ganz einfach niemals eine Fahrradstadt werden — oder man sollte einem derart kurzem Interview nicht allzu viel Aufmerksamkeit schenken. Aber immerhin weiß man ja nun, dass der Hamburger Senat bald elektrisch angetrieben unterwegs ist. Aufs Fahrrad mag man offenbar nicht steigen.

Oldenburg: Fahrräder auf der Fahrbahn erlaubt

Die Stadt Oldenburg hat festgestellt, dass es sowohl bei Rad- als auch bei Kraftfahrern noch mit dem Wissen über § 2 Abs. 4 StVO mangelt: Dass Radfahrer seit nunmehr fünfzehn Jahren bei nicht benutzungspflichtigen Radwegen auch auf der Fahrbahn pedalieren dürfen, hat sich noch längst nicht herumgesprochen.

An einigen ausgewählten Straßen sollen daher neue Verkehrsschilder für Klarheit sorgen: Neue Schilder und Markierungen für Fahrbahnnutzung

Wer in den nächsten Wochen aufmerksam durch Oldenburg fährt, wird neue Hinweisschilder und Markierungen für den Radverkehr entdecken. Mit Hilfe dieser optischen Signale soll das Radfahren auf der Fahrbahn erleichtert werden.

In Köln wurden auf der Krefelder Straße vor einiger Zeit ähnliche Schilder aufgestellt, die allerdings ungleich größer sind. Bei beiden Varianten gilt aber: Der Kraftfahrzeugführer muss sie erst einmal erkennen, lesen und dann auch noch seinen eventuell aufgestauten Missmut nicht mit der Hupe ausdrücken. Denn unabhängig davon, ob das Fahrbahnradeln nun erlaubt ist oder nicht, gibt es auch in eindeutigen Situationen mitunter Konflikte. Es bleibt abzuwarten, ob solche Schilder tatsächlich für ein friedlicheres Miteinander sorgen können.

VG Gießen: Keine Radwegbenutzungspflicht bei baulichen Mängeln

Noch mal zurück nach Gießen und zu gemeinsamen Fuß- und Radwegen. Das Verwaltungsgericht Gießen hat letzten Monat der Stadt Gießen eine Radwegbenutzungspflicht um die Ohren gehauen: Radwegebenutzungspflicht in der Rudolf-Diesel-Straße in Gießen aufgehoben

Mit einem heute verkündeten Urteil hat die 6. Kammer des Verwaltungsgerichts Gießen die durch die Stadt Gießen angeordnete Radwegbenutzungspflicht für beide Fahrtrichtungen auf der Rudolf-Diesel-Straße zwischen Rödgener Straße und Oberlachweg aufgehoben.

Der gemeinsame Fuß- und Radweg soll übrigens gerade mal drei Jahre alt gewesen sein. Und der Kläger klagte noch auf geradezu hohem Niveau: Der Weg maß immerhin zweieinhalb Meter, davon könnten Radfahrer in anderen Städten nur träumen.

Hanstedt: Radfahrer wollen zurück auf den Gehweg

Große Aufregung in Handstedt: Die Verwaltung hatte die Beschilderungen an den ehemaligen gemeinsamen Fuß- und Radwegen der Rechtslage angepasst und in reine Gewege abgeschildert — unter großem Protest, denn nun dürfen Radfahrer nicht mehr auf den engen und baulich mangelhaften Gehwegen radeln.

Mittlerweile wurde eine Unterschriften-Aktion initiiert, um die Regelung rückgängig zu machen oder wenigstens das Zusatzzeichen „Radfahrer frei“ zu montieren, die mittlerweile 500 Unterschriften zählt: Fußweg-Verbot für Radfahrer in der Kritik

Da formiert sich handfester Protest: Mehr als 500 Unterschriften hat Heide Burmester in Hanstedt gegen das Fußweg-Verbot für Radfahrer gesammelt. Wie berichtet, hatte Karin Sager vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) mit ihrem Antrag beim Landkreis Erfolg, so dass nun Radfahrer ab zehn Jahren auf derStraße fahren müssen. Mit einer Info-Veranstaltung am Mittwoch im Alten Geidenhof will der ADFC versuchen, die Wogen glätten.

Nun kann man dem Artikel vieles vorwerfen, aber sicherlich nicht objektive Berichterstattung. Das geht schon los mit der Formulierung, Karin Sager hätte die Abschilderung veranlasst, weil sie nicht mehr auf dem Radweg fahren wollte. Zunächst einmal handelte es sich nicht um einen Radweg, sondern um einen Gehweg, was angesichts der baulichen Unterschiede ein nicht zu vernachlässigender Aspekt ist — außerdem dürfte der Radweg auch nach Aufhebung der Benutzungspflicht weiterhin beradelt werden, der Gehweg allerdings nicht. Außerdem ist das Verwaltungsrecht kein Wunschkonzert, Sager hatte beantragt, die Schilder zu entfernen, weil die Benutzungspflicht auf den gemeinsamen Fuß- und Radwegen aufgrund nicht einehaltener Mindeststandards nicht einmal ansatzweise den Vorschriften entsprach.

Die Liste am Ende des verlinkten Artikels ist dabei noch relativ gutmütig zusammengezählt. Es dürfte tatsächlich ziemlich schwierig sein, in Hanstedt auch nur einen einzigen gemeinsamen Fuß- und Radweg zu finden, der denn wenigstens ein kleines bisschen den Vorschriften entspricht. Vielmehr dürfte in Hanstedt wie im Rest der Automobilrepublik verfahren worden sein: Blaues Schild hin, Hauptsache der Radfahrer stört nciht auf der Fahrbahn — Dieser Denkweise ist man im Hamburger Umland offenbar noch immer verhaftet.