Autofahrende Anzugträger reden über das Fahrrad

So genannte Experten haben in der Regel nicht gerade den besten Ruf, erst recht wenn sie eine unpopuläre Gegenmeinung vertreten. So haben Experten, die im Autoland Deutschland offen für ein Tempolimit oder für eine Einschränkung des Kraftfahrzeugverkehres zugunsten des Fahrrades argumentieren, tja, in der Regel kein allzu großes Publikum, von Beifall ganz zu schweigen. Und wehe, jemand mahnt zu mehr Rücksicht auf die Umwelt, mit einer solchen Meinung steht man noch (oder wieder?) im Jahr 2012 auf verlorenem Posten. Gerade die Meinung von Politikern gilt gerade beim Thema Auto als wertlos, denn gerade Politiker ließen sich bekanntlich mit dicken Limousinen und Polizeieskorte durch den Stau sublimieren und als allerschlimmste Eigenschaft scheint gemeinhin zu gelten, dass Politiker für ihren Job sogar bezahlt werden.

Zurück zum Thema: ja, es war eine illustre Runde, die sich da im 26. Stock des Hamburger Radisson Blu versammelte, um bei einem zukünftigen „Kulturmahl“ der WELT über die „Mobile Stadt der Zukunft“ zu diskutieren: Die Zukunft ist vernetzter Verkehr

Bei einem solchen Thema liegt es nahe, dass früher oder später das Fahrrad zu Wort kommt, also wäre es von Vorteil, wenn wenigstens einer der Beteiligten im Besitz eines solchen wäre oder sogar schon mal auf einem gesessen hätte. Und wie passend — die erste Frage deckt gleich schon mal auf, dass niemand mit dem Rad angelandet ist:

Welt Online: Ist jemand mit dem Fahrrad gekommen?

Schade.

Michael Eggenschwiler kam mit dem eigenen Auto, weil ihm das „toll ausgebaute Straßennetz“ Hamburgs so gut gefällt. Damit dürfte er allerdings innerhalb Hamburgs eher eine Mindermeinung vertreten. Ingo Meyer findet Fahrradfahren schon seit seiner Jugend in der Großstadt zu gefährlich und nahm lieber das Taxi. Günster Elste findet Fahrradfahren zwar toll, ist aber offenbar auch lieber mit dem Kraftfahrzeug angekommen. Und Katharina Fegebank plädiert für die Einführung eienr Vergnügungssteuer für Radfahrer. Was der Unsinn soll wird zum Glück nicht weiter ausgeführt, es wäre dem Niveau des Artikels auch allenfalls abträglich, aber der Leser erahnt bereits, welche Richtung die Diskussion mutmaßlich nehmen wird. Entweder hat Frau Fegebank einen Humor, der dem engagierten Radfahrer verschlossen bleibt, oder sie ärgert sich darüber, dass diese Radfahrer auf der Fahrbahn fahren dürfen, obwohl sie gar keine Kraftfahrzeugsteuer für ihr Fahrrad abführen. Man weiß ja nie. Ah, und Thomas Beermann ist, „natürlich“, mit einem Mietwagen gekommen, aaaaaber: er fährt auch regelmäßig mit der U-Bahn.

Man darf also feststellen: das Fahrrad stößt in dieser Runde nicht unbedingt auf Begeisterung und ist stattdessen mit den üblichen Mythen bezüglich der Sicherheit behaftet.

Man kann sich den Rest durchlesen — oder es bleiben lassen.

3 Gedanken zu „Autofahrende Anzugträger reden über das Fahrrad“

  1. Ist dir noch nicht aufgefallen, daß das Fahrrad bei niemandem auf Begeisterung stößt? Die paar Fans zählen in der öffentlichen Wahrnehmung nicht. Selbst Vegetarismus steht besser da, obwohl das nur die Vegetarier selbst betrifft.
    Daher stellt jede ignorierende oder ablehnende Runde nur den Normalfall da.

    1. Wo hat eigentlich der BGH die Grenze für die absolute Blogkommentierunfähigkeit gesetzt? Auch bei 1,6 Promille?

      Ich weiss nicht, wo Du wohnst, bei Dir ist das vielleicht so, dass Radfahren bei niemandem auf Begeisterung stößt. Das ist aber nicht der Normalfall, im Gegenteil. Es kann halt nicht jeder in einer coolen Gegend wohnen, wo man mit der Entwicklung Schritt hält und es nach vorn geht….

      1. > Das ist aber nicht der Normalfall, im Gegenteil.

        Also ich habe noch keine wohlwollende Berichterstattung übers Fahrrad fahren gesehen, über Radfahrer. Politik = Wegelchenbau. Justiz = erheblicher Anteil an Willkür. Behörden = Hauptsache nicht im Weg. Ich wohne übrigens in einer Gegend, in der Fahrrad fahrende Fahrbahnnutzer nicht geduldet werden, da gibt es was mit der Stoßstange, und die Justiz hilft mit. Nur das Monopolblatt ist nicht so negativ, wie man es sonst so lesen kann.

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