AutoBILD: Ein Blick hinter den Hass

„Radfahrer empfinden Autos oft als Störer“

Auf Seite 41, ganz oben in der Ecke, eingequetscht zwischen einem Fahrradreifen und einer Anzeige, durfte sich der Frankfurter Verkehrsanwalt Uwe Lenhart in einem kurzen Interview äußern. Die AutoBILD stellte ihm fünf recht allgemein formulierte Fragen, auf die er mit fünf recht allgemein formulierten Antworten reagierte. Schon auf den ersten Blick fällt das optische Missverhältnis zwischen der Länge der Fragen und der Länge der Antworten auf, denn erstere sind deutlich länger.

Im Endeffekt sind diese Interviewformate für den Leser fatal, denn die sorgfältig ausformulierten Fragen hinterlassen das Gefühl, sich einem umfangreichen Themenkomplex zu nähern, der mit kurzen Antworten auf ein verständliches Maß zurechtgestutzt wird — eben das, was auch im ersten Beitrag Absatz für Absatz passierte. Nur äußert sich hier als Interviewpartenr mit Uwe Lenhart ein Verkehrsanwalt, der beim Leser aufgrund seiner Expertenfunktion einen direkten Vertrauensbonus genießt, so dass dessen kurze Antworten deutlich mehr Gewicht finden als der vorige Kriegsbericht.

Nebenbei sei erwähnt, dass auch die Auswahl des Interviewpartners kein Zufall ist. Man hätte sicherlich auch einen Polizeibeamten als Partner finden können, etwa aus dem Bereich der Unfallprävention, oder womöglich einen Stadtplaner, allerdings dürfte das Interview dann einen anderen Verlauf genommen haben (sofern man denn bei fünf kurzen Antworten von einem Verlauf sprechen möchte), oder, wow, womöglich sogar einen Vertreter der Fahrradlobby, denn Lenhart macht kein großes Geheimnis daraus, als Anwalt meistens Kraftfahrer in Verkehrsstreitigkeiten mit Radfahrern zu vertreten — insofern ist er die perfekte Wahl im Gesamtkontext der Fahrradgeschichte.

Und es ist so interessant, was in diesem eigentlich relativ unverfänglichen Interview alles drinsteckt, dass wir uns der Sache wirklich einmal Schritt für Schritt nähern sollten.

Das „Miteinander“ auf der Straße

AutoBILD stellt ihm als erstes eine Frage, auf die man mit seitenlangen Aufsätzen antworten, stundenlang debattieren könnte, ja, gar eine wissenschaftliche Dissertation schreiben könnte, aber Lenhart beantwortet sie mit einem einzigen Satz:

Warum scheint das Miteinander von Auto und Fahrrad auf unseren Straßen so schwierig zu sein?

Lenhart: Fahrradfahrer nehmen sich mehr heraus als andere Verkehrsteilnehmer, etwa Autofahrer.

Und solche Antworten sind nunmal fatal. Jeder kraftfahrende Leser der AutoBILD wird hier zustimmend nicken, klar, Radfahrer nehmen sich viel raus, das ist die Ursache für das schlechte Miteinander auf der Straße, das muss ja stimmen, hat ja schließlich ein Experte gesagt.

Dann liest man sich den Satz ein zweites Mal durch und wundert sich: Was nehmen sich Radfahrer denn überhaupt heraus? Im Kontext mit dem eigentichen Artikel betrachtet lautet die Antwort wohl etwas wie „trotz Radweg auf der Straße fahren“, doch Lenhart spielt wohl eher auf eine großzügige Auslegung der Verkehrsregeln auf dem Rad an.

Und auch in diesem Aspekt stecken unglaublich viele Facetten, die man einzeln betrachten und bewerten könnte — doch dazu bleibt in einem Ultramegakurzinterview kein Platz.

Kuscheljustiz für Radl-Rambos

Trügt der Eindruck, oder werden Fahrradfahrer dennoch im Verkehrsrecht tatsächlich nachgiebiger behandelt als Autofahrer?

Lenhart: „Militante“ Fahrradfahrer beanspruchen den (innerstädtischen) Verkehrsraum für sich und sehen Autos als Störer an. In von uns bearbeiteten Verfahren treten oft Radler als Anzeigeerstatter auf, und die Justiz glaubt diesen nun einmal regelmäßig.

Es ist ganz interessant, wie unterschiedlich der erste Satz dieser Antwort verstanden werden kann. Der normale AutoBILD-Leser wird sich hier einen Glanzhintern auf einem Rennrad vorstellen, der bügelschlossschwingend neben dem Radweg kurbelt und beim Anhupen oder mit Scheibenwaschwassser bespritzen den Mittelfinger zeigt.

Aber Moment, stop! Für welches Transportmittel werden denn momentan durchschnittlich zwei Drittel der Verkehrsfläche vorgehalten, für welches Transportmittel gerade einmal drei Prozent? Oh, wow, und jammert nicht ausgerechnet die Titelseite der AutoBILD „Sie klauen uns die Straße“, um dann den vorigen Artikel noch mit „Der Feind auf meiner Straße“ zu überschreiben? Aber Radfahrer, die für ihr Fahrzeug etwa zwei Quadratmeter Straßenraum beanspruchen, die sind militant, ja? Das ist ja schon so absurd und sinnentstellend zusammengekürzt, da fällt einem gar nichts mehr zu ein.

Und in dieses sorgfälig aufgebaute, bizarre Missverhältnis schiebt die AutoBILD jetzt noch die juristische Ebene, um eine vermeintlich moralische Überlegenheit des Radverkehrs gegenüber dem Kraftverkehr zu konstruieren.

Ich habe in Hamburg mehrere Dutzend Gerichtverhandlungen als Zuschauer verfolgt, bei denen auf irgendeine Weise Radfahrer involviert gewesen waren. Ich kann nun wirklich nicht erkennen, dass Radfahrer vor dem Amts- oder Landgericht Hamburg einen wie auch immer gearteten Öko- oder Moral-Bonus genossen hätten — eher war das Gegenteil der Fall: Ganz unabhängig von der Rolle des Radfahrers und des konkreten Vorfalls spürte ich auf dem Richtertisch durchaus gewisse Vorurteile. Das ging so weit, dass der Strafrichter ein wenig Verständnis für die Wut eines Kraftfahrers zeigte, der hinter einem Fahrbahnradler die Beherrschung verlor — es hätte ja schließlich auch einen Radweg gegeben. Damit wären wir auch wieder beim Thema angekommen, denn genau diese Denkweisen sind es, denen AutoBILD mit derartigen Artikeln lebensverlängernde Maßnahmen in den Zeiten des Mobilitätswandels spendiert.

Nun wäre es sicherlich hilfreich zu wissen, welche Art von Strafverfahren Lenhart dort in Frankfurt begleitet, in denen er offenbar als Verteidiger beschuldigter Kraftfahrer auftritt. Ich kann angesichts seiner Äußerungen nur Vermutungen anstellen, aber auch Vermutungen sind an dieser Stelle ganz schön viel wert: Wenn ein Radfahrer als Anzeigeerstatter auftritt, dann wird er bei dem, was auch immer dort im Straßenverkehr gegenüber einem Kraftfahrer vorgefallen sein mag, eher nicht als Aggressor aufgetreten sein. Er wäre ja schließlich schön blöd, erst mit dem Bügelschloss einen Außenspiegel abzutrennen und anschließend als Täter die Rennleitung zu alarmieren.

Ich vermute eher, dass Lenhart relativ alltägliche Fälle betreut: Beim Rückwärtsfahren aus der Grundstückseinfahrt einen Radfahrer vernascht, beim Rechtsabbiegen lieber das Handy als den Außenspiegel benutzt und einen Unfall mit Sach- und Personenschaden verursacht oder vielleicht auch solche Fälle, die mit einer Hupe begannen und einer vorsätzlich am Lenkrad herbeigeführten Kollision endeten.

Und in solchen Fällen ist die Sachlage nunmal relativ klar. Natürlich mag man als Beschuldigter noch anführen, der Radfahrer wäre ja ganz schön schnell oder dunkel gekleidet oder ohne Licht unterwegs gewesen, doch im Endeffekt hat immer noch der abbiegende Kraftfahrer den Unfall verursacht.

Da gibt’s nicht besonders viel zu deuten.

Im Gesamtkontext betrachtet hinterlässt die Darstellung im Interview beim Leser allerdings einen anderen Eindruck. Da dürften sich vor dem inneren Auge eher die üblichen Szenen abspielen, in denen beispielsweise ein renitenter Fahrbahnradler die Karosserie mit dem Fuß bearbeitet und anschließend von der linksgrün-versifften Kuscheljustiz für seinen Einsatz gelobt wird.

Äh, nein. So läuft das eher nicht. Aber so etwas passiert, wenn komplexe und vielschichte Sachverhalte auf zwei kurze Sätze heruntergebrochen werden.

Achso, und was das „Radfahrer empfinden Autos oft als Störer“ angeht: Ja, bestimmt. Ich empfinde Autos fünfzig Mal am Tag als Störer, wenn sie unachtsam abbiegen, auf dem Radweg parken oder irgendwelche Faxen machen, die mich gefährden. So what?

Kennzeichenpflicht

Verkehrsjuristen haben eine Kennzeichenpflicht für Fahrräder immer abgelehnt. Warum?

Lenhart: Kennzeichen wären klein und nur schwer zu erkennen. Die Kosten, um knapp 80 Millionen Fahrräder in Deutschland mit Schildern auszurüsten, stünde in keinem Verhältnis zum angestrebten Ziel. Die Bürger würden belastet, man würde gewünschten Radverkehr verhindern und allenfalls geringste Delikte aufklären.

In der Tat, ja, Fahrradkennzeichen hätten wohl eher einen geringen positiven Effekt und dürfte eher für eine Überlastung des Justizapparates sorgen. Das kann man so stehenlassen.

Anonymität und Verkehrsmoral

Nachvollziehbar. Dennoch scheint die Anonymität auf dem Rad Einfluss auf die Verkehrsmoral zu haben. Stimmt das?

Lenhart: Natürlich.

Auch hier gilt: Man könnte stundenlang über die Ursachen der schlechten Verkehrsmoral in der so genannten Automobilnation Deutschland diskutiereren. Angefangen mit der Höhe der Bußgelder, die sich selbst bei mittelschweren Verstößen noch im Bereich eines ordentlichen Trinkgeldes bewegen und im Vergleich zum europäischen Ausland allenfalls als lächerlich zu bezeichnen sind, oder den ganzen Unzulänglichkeiten in der deutschen Radverkehrsinfrastruktur, die zwar nicht zu Verkehrsverstößen zwingt, aber mindestens dazu animiert, bis hin zu… ja, bis hin zu einer so genannten Verrohung der Sitten, wie sie durch ebensolche Artikel befeuert wird.

Oder, um wie Lenhart in einem einzigen kurzen Statement zu antworten: Kennzeichen halten Kraftfahrer offenkundig auch nicht von strafrechtlich relevanten Manövern ab — ansonsten hätte er als Strafverteidiger deutlich weniger Arbeit.

Trotz Radweg mitten auf der Straße

Angetrunkten Rad fahren, bei Rot über Ampeln, ohne Licht oder trotz Fahrradwegen auf der Straße fahren — all das scheinen Kavaliersdelikte zu sein. Was sollte dagegen getan werden?

Lenhart: Höhere Kontrolldichte durch Polizisten auf Fahrrädern.

Endlich erwähnt mal jemand dieses „trotz Radweg mitten auf der Straße“ — mich wundert, dass die AutoBILD immerhin ganze dreieinhalb Seiten ohne diese Phrase durchgehalten hat. Es ist wohl sinnlos zu erwähnen, dass vermeintlich renitente Fahrbahnradelei neben einem Radweg in vielen Fällen nicht einmal eine Ordnungswidrigkeit ist, sondern eine sinnvolle Alternative, um Gefahrenstellen präventiv aus dem Weg zu gehen — und mittlerweile auch häufig von den Straßenverkehrsbehörden so präferiert wird.

Die beiden anderen Vorwürfe sind immerhin nur halbgar und nicht vollkommen aus der Luft gegriffen. Angetrunken Rad fahren ist, obwohl ich es nicht für wirklich sinnvoll halte, durchaus erlaubt, sofern man sein Fahrzeug noch einigermaßen unter Kontrolle hat und nicht direkt wieder über den Lenker absteigt. Und bei Rot über Ampeln zu huschen mag des Radfahrers liebstes Hobby sein, ist aber seit nunmal zehn Monaten auch nicht pauschal verboten. Allein das Fahren ohne Licht ist eine Krankheit sondergleichen, für die ich nicht einmal einen Funken Verständnis aufbringen mag.

Da hat die AutoBILD recht: Das sind häufig, wenn überhaupt, tatsächlich Kavaliersdelikte — so wie kultiviertes Schnellfahren, so genanntes „Nur ganz kurz“-Falschparken oder angetüddert am Lenkrad drehen. In unserem Straßenverkehr spielen sich solche Delikte nunmal ganz knapp an der Bagatellgrenze ab. Ich weiß auch nicht, was der Fragesteller der AutoBILD nun gerne hören möchte: Dass der Rotlichtverstoß eines Radfahrers deutlich verteuert werden soll? Da der Bußgeldkatalog die einzelnen Verstöße in einer gewissen Relation zueinander berechnet, die unter anderem Risiko und Gefährdungspotenzial berücksichtigt, müssten andere Verstöße, also auch die Rotlichtmissachtung mit einem Kraftfahrzeug, ebenfalls teurer werden.

Mit einer Anhebung der Bußgelder für Verstöße im Straßenverkehr tut sich der Gesetzgeber allerdings traditionell schwer. Das liegt übrigens nicht an einer hartnäckigen Fahrradlobby, sondern eher an der Angst des Gesetzgebers vor dem Zorn des motorisierten Wählers. So bleibt es dabei, dass man sich im Straßenverkehr beinahe alles relativ preiswert erlauben kann — ganz unabhängig vom jeweiligen Verkehrsmittel. Einzig die Bahn macht in diesem Kontext eine Ausnahme: Schwarzfahren ist preislich gesehen häufig kein Kavaliersdelikt mehr.

Es wäre jedoch in der Tat wünschenswert, im Straßenverkehr ein paar mehr Polizisten auf Fahrrädern zu begegnen. Das hat häufig den Effekt, dass der tägliche Dienst auf dem Radweg auch bei der Polizei das Bewusstsein für ganz erhebliche Problemstellen der Infrastruktur stärkt, wovon dann zwar bei den zuständigen Dienstherren nicht mehr so ganz viel ankommt, aber immerhin können sich die Beamten dann auch hin und wieder um unachtsam abbiegende Kraftfahrer oder falsch parkende Kraftfahrzeuge kümmern. Die nimmt man offenkundig aus dem Funkstreifenwagen eher selten wahr.

22 Gedanken zu „AutoBILD: Ein Blick hinter den Hass“

  1. Geil, wie ihr euch Ausflüchte sucht. In D müssen sich Radfahrer entschuldigen wenn ihnen ein Rüpelredakteur kräftig vor´s Schienbein tritt. Kein wunder, dass es mit dem Radverkehr in D nicht funktioniert.

    1. Und duuu bist ein Troll. Schön einen Tweet von Martin F. abgewandelt und seinen Namen darübergeschrieben. Und woran ich das ganz sicher erkenne: Der echte Martin F. würdigte meinen Kommentarbereich keines Besuches.

      LOL.

      1. Nein, er hat Recht. Ständig kann man deutlich sehen, wie sehr es Radfahrern an Selbstbewußtsein gegenüber dem Auto fehlt. Jemand mit Selbstbewußtsein und als Ziel solcher Rüpelredakteure würde sich allenfalls über sie belustigen, aber sich doch nicht rechtfertigen — allenfalls mit der Faust für die aneinander gereihten Frechheiten und Beleidigungen. Da er also die nunmals geltenden Spielregeln nicht befolgt, das nichtmal will, klappt es eben nicht mit dem Radverkehr.
        Mehr von solchen „Trollen“!

          1. Bei deinem Gezetere über einen zuspitzenden Nebensatz und angebliche Trolle ist dir vielleicht entgangen, das durchaus Inhalte enthalten sind, nämlich zur Selbstwahrnehmung des Radfahrers. Damit sieht es so schlecht aus, das Autofahrer gerne deren Gestaltung übernehmen, zum Beispiel in Form solcher Stories.

            1. Was für ein Dämlack! Rad Fahrenden pauschal eine zu geringe Selbstwahrnehmung zu unterstellen und MIV Fahrenden dies gleichwohl zu bescheiningen ist so dämlich an den Haaren herbeigezogen wie auch falsch.

    2. Ich muss zugeben, dass mich das ein bisschen traurig macht. Mehr Getrolle gibt’s nicht? Diese acht Seiten müssen doch eine dankbare Quelle für die allerdümmsten Sprüche sein, aber nichts passiert?

      1. Malte, er hat schon irgendwie recht, aber halt nur irgendwie. Als Radfahrer ist man immer in der Rechtfertigungssituation. Das haben Autofahrer nicht. Sie nehmen sich den Platz, bums fertig…..wenn ich dann so sehe, wie die Mehrheit der Radler unterwegs ist, frage ich mich ernsthaft für was wir kämpfen. Viele dieser Radler kratzen hörig am Bordstein entlang, kuscheln mit Seitenspiegeln in der Dooringzone oder lassen sich auf Fußgängerinfrastruktur vertreiben. Wenn man sie aufmerksam darauf macht, fahren sie trotzdem hörig weiter. Zu vielen Radfahrern fehlt Stolz und Selbstbewusstsein. Warum fährst Du in der Mitte der Straße? Weil ichs kann……punkt. Würden das alle so machen wie es Autofahrer tun, gäbs das Problem in der Form nicht.

  2. Hauke Schreiber gesteht also öffentlich in der AutoBILD die Verantwortung für ein Fahrmanöver, das man unter § 315c Abs. 1 Nr. 2 b) StGB einstufen könnte.

    Wer ist so nett und zeigt ihn an? Eigentlich sollte schon diese „Anekdote“ alleine ausreichen zu belegen, dass Herr Schreiber nicht die geistige Eignung besitzt, ein Kfz zu führen und sein Führerschein deshalb einzuziehen ist. Wenn Anekdote und Artikel nicht sogar für Strafverfahren ausreichen sollten.

  3. Nur mal am Rande:
    „Allein das Fahren ohne Licht ist eine Krankheit sondergleichen, für die ich nicht einmal einen Funken Verständnis aufbringen mag.“
    Vor vielen Jahren wurde in der (Aktiv) Radfahren mal einen Statistik veröffentlicht, nach der in DK mangels Lichtpflicht nur rund 1/4 der Fahrradfahrer nachts mit Licht unterwegs waren, diese aber rund 2/3 der nächtlichen Unfallopfer stellten. (Zahlen größenordnungsmäßig aus dem Gedächtniss) Als Ursache wurde vermutet das sich beleuchtete Radfahrer eher darauf verlassen gesehen zu werden.
    Um die Frage gleich zu beantworten: An meinen Fahrräder benutze ich im Dunkeln immer Licht, teils auch tagsüber und oft deutlich mehr, als der Gesetzgeber eigentlich zugesteht.

    1. Ich kenne zumindest die pol. Unfallstatistik aus Münster. Sie stützt die Zahlen aus der „Passiv Radfahren“:
      Von über 900 Unfällen mit Beteiligung von Radfahrern im Jahre 2016 war defekte Beleuchtung bei keinem Unfall mitursächlich. Weder auf Seiten des Unfallgegeners (meist PKW) noch auf Seiten des Radfahrers.

      Im Jahre 2015 gab es einen (!) Unfall, der auf defekte Beleuchtung zurückzuführen war.

  4. Wow, ich bin beeindruckt! Weniger über die bisherigen Kommentare als über den Umfang und Gehalt des Textes. Großartig.

    Ich bin selbst mit Auto, Velomobil, Fahrrad und zu Fuß unterwegs (ohne dabei jeweils eine gespaltene Persönlichkeit zu entwickeln). Meine Gesetzestreue im Verkehr steigt dabei allerdings mit der möglichen Gefährdung anderer immer weiter an. Während ich z.B. mit Auto und Velomobil an jeder roten Ampel halte, sehe ich die als Fußgänger eher als Hinweis an. Wenn alles frei ist, gehe ich, ich gefährde damit schließlich niemanden. Ich denke, die allermeisten machen das (teils unbewusst) ähnlich und das ist auch gut so. Wir brauchen mehr Miteinander und Mitdenken im Verkehr.

    Danke für diesen hervorragenden Text!

  5. Peinlich: Ich habe Hauke Schriebers Namen falsch geschrieben. Vielleicht kann ich’s irgendwie noch der Autokorrektur in die Schuhe schieben, aber der Redakteur heißt Schrieber und nicht Schreiber.

  6. Ich danke Dir für diesen Artikel. Die Situation auf den Straßen beunruhigt mich als in der Stadt wohnende Radfahrerin, die (selten) auch Auto fährt, zunehmend. Zumal ich auch meine Kinder dazu ermuntere, den Schulweg mit dem Rad zurückzulegen, aber eigentlich jeden Tag froh und glücklich bin, wenn sie unverletzt nach Hause kommen. Ich sehe hier einen deutlichen Handlungsbedarf vonseiten der Politik, insbesondere was die Überarbeitung der StVO und die Einführung eines Tempolimits betrifft. Innerhalb der Stadt ist es außerdem oft unzureichende und nicht durchdachte Infrastruktur, die ein Miteinander konfliktträchtig macht. Was das fehlende Selbstbewußtsein der Radler angeht … nun ja. Klar fahre ich auf schmalen Nebenstraßen mittig, aber sonst? Mein Leben ist mir dann doch recht lieb, und was die Gefährdung anbetrifft, habe ich als Radfahrerin einfach schlechtere Karten.

  7. Hi Malte,

    gut geschrieben, wenn auch etwas lang, aber das ist man ja bei dir gewohnt. Dieser Titel war IMHO als reißerische Provokation gedacht, um Aufmerksamkeit zu erregen und die Auflage zu steigern. Das Editorial zeigt aber am besten, was er in Wirklichkeit ist: das Eingeständnis der Niederlage der Autobranche.

    Die deutsche Autoindustrie und ihre Lobby-Organe haben in den letzten Jahren eindrucksvoll bewiesen, dass die Zukunft ohne sie stattfinden wird. Mit Tricksereien im ADAC, mit Kartellabsprachen und großangelegtem Betrug über alle deutschen Autohersteller hinweg. Mit fehlgerichteter Entwicklung und der Unfähigkeit zur eigenen Modernisierung. Die Autobild scheint langsam zu verstehen, dass der Traum von der autogerechten Stadt Geschichte ist. Dass sie mit diesem Problem auch mit Sportfahrwerk, 120 PS mehr und 0,2 Sekunden weniger von Null auf Hundert nicht fertig wird. Die Städte gehören den Menschen, nicht den Maschinen.

    Von daher: alles gut! Die paar aggressiven Autofahrer, die jetzt noch meinen, „ihre“ Straße verteidigen zu müssen, halten wir auch noch aus.

    PS: Wie lang sind denn bitte die Arme dieser Radfahrer, dass sie korrekt überholenden Autofahrern auf das Autodach schlagen können? Wirklich verrückt was diesem Drechsler so alles passiert.

  8. @Rod „PS: Wie lang sind denn bitte die Arme dieser Radfahrer, dass sie korrekt überholenden Autofahrern auf das Autodach schlagen können? Wirklich verrückt was diesem Drechsler so alles passiert.“
    Nein, das passiert i.d.R. im umgekehrten Fall, wenn die Radfahrer an Ampeln Autofahrer überholen. Alles andere wäre ja selbstmörderisch.

    „Jede einzelne Förderung des Rad-, Fuß- oder öffentlichen Nahverkehrs, sei sie noch so popelig, beschneidet zwangsläufig den Verkehrsraum des motorisierten Individualverkehrs. “
    Genau hier sehe ich das Problem. Der Verkehrsraum ist begrenzt. Das ist ein Fakt. Nun wird der öffentliche Nahverkehr eben NICHT gefördert, was zwangsläufig eine Konkurrenzsituation zwischen den beiden Individualverkehren nach sich zieht, welche immer mehr zunehmen. Es ist halt billiger, ein paar Linien auf die Straße zu pinseln, als neue Bus- oder gar Tramverbindungen zu erschließen oder Taktzeiten zu verdichten.

  9. Mahlzeit,

    ich finde es immer wieder belustigend wenn davon gesprochen oder geschrieben wird, dass Fahrradfahrer den Autofahrern einen Teil der Straßen klauen … oder wie es auch immer umschrieben wird.

    Wenn ich mal überlege, dass 2017 das Jahr des 200sten Geburtstag des Fahrrad ist… und wann das Automobil erfunden wurde….*hmmmpf
    Im besten Fall würde ich sagen, es ist eine Rückeroberung… oder irre ich mich jetzt.

    Übrigens, Dein „Übrigens“ war auch mit einer meiner ersten Gedanken, selbst einer der ersten Gedanken meiner Frau, und diese fährt gar kein Fahrrad sondern nur Auto.

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